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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-09-13 · Heft 37 (13.9.1895) · p. Seite 435

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 37 (13.9.1895)
Date
1895-09-13
Page
Seite 435 (sequence 5)
Language
German
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435 vielen Beziehungen sehr lehrreich für uns ist. Man berichtet uns darüber: Vor der Ferienstrafkammer fand heute die Hauptverhandlung statt gegen den Reichstagsabgeordneten Professor Förster aus Berlin wegen Aufreizung zum Klassenhaß insbesondere gegen die Israeliten (Z 130 St.-G.-B.). Der „Straßburger Post" wird darüber berichtet: Der Angeklagte hatte am 10. Februar zu Helmlingen (Hanauerland) für die Partei öffentlichen Vortrag gehalten, aus dem zwei Stellen unter Anklage gestellt wurden. Es war mühsam, aus der Stegreifrede durch die Zeugen einen stramm logischen Gedankengang zusammenzustellen Der Kern des Inhalts war die Behauptung: Das Reich bestehe seit 25 Jahren, die mittleren und niederen Klassen klagten über ihre Lage; die alten Parteien böten nicht genügend Abhilfe, darum sei seine Partei als jüngste erstanden. Sie sehe den kleinen Mann in schwieriger Lage ringen, während die jüdische Rasse in den großen Städten sich Reichthümer anhäufe. „Es sei Aufgabe, sie fortzubringen; fortjagen zu sagen, könnte vor das Strafgericht führen." Dieser Satz ist zunächst unter Anklage gestellt. Redner entwickelte dann das Programm seiner Partei: progressive Einkommensteuer, Aenderung des russischen Handelsvertrags, Wehrsteuer und vor allem Verwirklichung des Antrags Kanitz. Zur Beleuchtung des gewordenen Zustands malte er die Ringe im Getreide-, Hopfenu. s. w.-Handel, den Großwucher drastisch aus, und warf da den Satz hinein: Die vierbeinigen Löwe, Bär, Wolf u. s. w. werden iveggeschossen, wenn sie Schafe zerreißen. Unter den Juden gebe es auch zweibeinige Gethiere dieser Namen, welche zweibeinige Schafe zerreißen. Auch diese Stelle war angeklagt. Die Verhandlung führte nach längerer Berathung zur Freisprechung. Der Zeugenbeweis ergab nämlich, daß die Rede durchtränkt war von Mahnungen, Alles nur im gesetzlichen Wege erreichen zu wollen; daß es wünschenswerth sei, die Juden hinter den Jordan zurückwandern zu sehen. Wenn man sich nicht mehr zur Ausbeulung hingebe, würden sie von selbst Weggehen. Der Ausfall, bezüglich Löwe, Bär u. s. w. war eingeleitet durch die Mahnung: Die Juden sollen rechtmäßig neben uns bestehen und erwerben können; aber diejenigen unter ihnen, die Löwe, Bär . . . Die Zeugen aus den Landorten erklärten, die Rede habe einen äußerst wohlthuenden und beruhigenden Eindruck in dem Sinne gemacht, daß sie zu friedlichem Wirken ermahnte, während ein früherer Redner im Ort sehr heftig gegen die Juden gehetzt habe. Der Vorsitzende erwähnte: Der Fall liege dicht an der Grenze der Strafbarkeit, erfülle aber nicht nach aller Richtung vollständig die Thatbestandsmerkmale des § 130 St.-G.-B. Der ganze Vorfall ist wieder eine Mahnung an die Antisemiten, ja recht vorsichtig zu sein und sich immer nur „dicht an der Grenze der Strafbarkeit" zu halten. Kriegserinnerungen. Berlin, 6. September. on verschiedenen Seiten wird uns ein überaus gehässiger Artikel der „Deutschen Tageszeitung", des offiziellen Organs der Agrarier, zngeschickt, in dem die' erhabenen Kaiserworte vorn Sedantage in unerhörter Weise verdreht und gegen Silben und Jndenthnm ausgebeutet werden. „Ein Kaiserwort soll man nicht drehen und deuteln." Wir meinen, daß es die beste Antwort auf solche unqualifizirbare Angriffe ist, wenn wir fortfahren, interessante Beispiele von Patriotismus und Tapferkeit deutscher Soldaten jüdischen Glaubens in deni Heldenkrieae All sammeln und zu veröffentlichen. Unsere Leser werden es daher dankbar begrüßen, daß uns durch die Liebenswürdigkeit des „Komitees zur Abwehr antisemitischer Angriffe" aus einer in Vorbereitung begriffenen größeren Publikation über den Autheil der Juden am Kriegsdienst eine Liste der Inhaber des eisernen Kreuzes und den entsprechenden Orden der andern Bundesstaaten für den Abdruck zur Verfügung gestellt worden ist. Dieselbe ist aber bei der Schwierigkeit der Beschaffung des Materials nicht vollständig, und wir richten daher die Bitte an alle unsere Leser, snmmtliche Daten, die ihnen sowohl über die jüdischen Ritter des eisernen Kreuzes, als auch im Allgemeinen über die Betheiligung von Inden an den Feldzügen von 1864, 66, 70 bekannt sind, zur Veröffentlichung mitzutheilen. Arndt, Leopold, aus Pr. Stargardt. 61 Jnf.-Reg. Eisernes Kreuz. Angreß, Louis, aus Adamowitz (Gr. Strelitz). 63. Jnf.-Reg., 12. Comp- Eisernes Kreuz. Aronheim, Bejamin, aus Zaboze. Jägerbataillon Nr. 3. Eisernes Kreuz. Dr. med. Alexander, L., aus Aachen. Eisernes Kreuz. Dr Aufrecht, Assistenzarzt, Emanuel, aus Loslau. 4. Armeekorps, Feldlazareth Nr. 5. Eisernes Kreuz. Dr. Auerbach aus Trier. Eisernes Kreuz. Apfel, Phil., aus Sensheim bei Heidelberg. Eisernes Kreuz. Arens, Leopold, aus Gr. Bukowitz. 61. Jnf.-Reg, 4. Comp. Eis. Kreuz. Ambach, David, aus Höchberg i Unterfr. Verdienstkreuz - Unteroffizier Auerbach, Julius, aus Danzig. 45. Reg. Eisernes Kreuz. Arndt, Leopold, in Pr. Stargardt. Eisernes Kreuz Apfel, Joseph, in Mannheim. 2. Bad. Gren.-Reg. Eisernes Kreuz. Unteroffizier Blumenheim, Benjamin, aus Pollnow. 49. Jnf.-Reg. 7. Komp. Eisernes Kreuz. Dr. Borchert, Ludwig, aus Breslau. 3. Garde-Grend.-Reg. Elisabeth. Eiserne Kreuz. Stabsarzt Dr. med. Berna, Leop., aus Burgsteinfurt. 13. Armee-Korps, 2. Sanit.--Detach., zuletzt 84. Jnf.-Reg. Eisernes Kreuz. Unteroffizier Bibo aus Erfurt. Jnf.-Reg. Nr. 87. Eisernes Kreuz. Vor vers. Brig. eigenhänd. vom Kronpr. erhalten. (2mal vorgeschl. zum eisernen Kreuz 1. Kl.). Gefr. Binge, Joseph, Rechtsanwalt, aus Homburg v. d. H. Königs- Hus.-Reg. Nr. 7. Eisernes Kreuz. Bouscher, Moses, aus Issum. Jnf.-Reg. Nr. 17. Eisernes Kreuz. Unteroffizier Bonk, Albert, aus Königsberg. Jnf.-Reg. Nr. 43. Eisernes Kreuz. Vize-Wachtmeister Basch, Samuel, aus Landsberg a. W. Eisernes Kreuz. Feldstabsarzt Dr. Basch, Michaelis, aus Landsberg a. W., 44. Reg. Eisernes Kreuz. Bodeck, Berthold, aus Leipzig. Sächs. Schühen-Reg. Eisernes Kreuz Lial aus Schweidnitz. Eisernes Kreuz. Bötzel, Isidor, aus Stettin. Eisernes Kreuz. Bamberg, Eduard, aus Wittenberge. Kais. Alex.-Garde-Gren.-Reg. Nr 1. Eisernes Kreuz. Dr. Baer, A., aus Berlin. Eisernes Kreuz. Dr. Barschall, Max, aus Berlin. Eisernes Kreuz. Dr. Baginsky, Benno, aus Berlin. 44. Reg. Eisernes Kreuz, Unteroffizier Blume, Emanuel, aus Bodenheim. Eisernes Kreuz 1. Kl. Bloch, Simon, aus Rheinbischoffsheim, Amt Kehl. Große silberne Karl- Friedr.-Medaille. Bock, Philipp. Jnf.-Reg. Nr. 30. Eisernes Kreuz. Stabsarzt Brieger, Heinrich, aus Beuthen. Eisernes Kreuz. Bauer, Saul. 3. Baier. Feld-Art.-Reg. Eisernes Kreuz. Militär- Verdienst-Kreuz u. silberne Militär- Verdienst-Medaille. Belmonte, Jaques, aus Hamburg (vor Metz verwundet). Eisernes Kreuz. Cohn, Max, aus Wollstein. 6. Gren.-Reg. Eisernes Kreuz. Einj.-Freiw. Unteroffizier Cohn, Robert, aus Danzig. Eisernes Kreuz. Einj.-Freiw. Unteroffizier Cohn, Robert, aus Königsberg. Jnf.-Regim Nr. 43. Eisernes Kreuz. Dr. Casper, L., aus Berlin. Eisernes Kreuz. Dr. Cohn, A., aus Berlin. Eisernes Kreuz. Dr. Croner, Ed., aus Berlin. Eisernes Kreuz. Cahn, Adolf, ans Gensheim bei Zweibrücken. Bair. Milit.-Verd.-Kreuz. Vizefeldw. Cohnstädt, Ludwig, aus Ostrowo. 11. Regiment 10. Komp. Eisernes Kreuz. Assistenzarzt Dr. Cohn. 34. Jnf.-Reg. Eisernes Kreuz San.-Rath Dr. Caro, Sigism, aus Breslau. Eisernes Kreuz. Unteroffizier Daus, Saul, aus Wongrowitz. Eisernes Kreuz, eigenhändig vom Kaiser erhalten. Dorn, Joseph, aus Berlin. Eisernes Kreuz. Dr. med. Däblin aus Berncastel. Eisernes Kreuz. Dr. David, L., aus Berlin. Eisernes Kreuz.

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