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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-08-30 · Heft 35 (30.8.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 35 (30.8.1895)
Date
1895-08-30
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Weit uuieres ers, ind)tcra seminaristisch C desselben ikalische Beiückstcht gechieten unter ästen bei dem 1895. >ttd bgemeinde. uer's nMititg richstr. 61 59. Jahrgang. Nr. 35. Allgemeine Berlin, 30. August 1895. eilung des Dudenthums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Postoder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Redacteur: Gustav Karpeles. Begründet von Rabbiner?3r- Ludwig Philippson-Bonn. Verlags-Trpedition: Berlin, Jerafatemerstr. 48/49 Me Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. cfiev, n. InbaN« Leitartikel: Zum Sedantcicie. — Die Woche. — Kriegserimierungen. — Die Ausgaben des deutsch-israelitischen Lehrerverbandes. II. Bon Ri. Steinhardt. — Pädagogische Plaudereien. Von Dr. B. Kuttner. — Geselligkeit und Geselligkeitssreuden in Bibel und Talmud. Von Dr. Adolf Rosen zweig. — FettMetonr Ein Büßender. Von Henriette Preuß. — Das Jahrzeitlicht. Von S. Goldschmidt. - Sprechsaal. Der Gemeindevole. Korrespandenren und Nachrichten: Berlin. Ankonienhütte. Schweidniß. Crossen a. O.. Neustettin. Hannover. Wesel a. Rh., Frankfurt a. M.. Wien, Budapest. Sofia. — Bon Ratz und Fern. — Briefkasten der Redaktion. - Geschäftliche Notizen. goge Lduiim ischenke :n Preisen. andlung;e 52. este ndlung Dmtnö anno aw^a rtresaen. hstr. 69. n soeben a-Levi's ody. rsgedichte. handlg., ütraße 61. soeben: ser’s Hireni . München imerk. Vers. t. lffmann. r }VUttQ. enfeier fl Von Prediger nden M. 3. händig., hstr. 61. Zum Sedantage. f Berlin, 28. August. ie Wiederkehr jener glänzenden Tage, cm welchen ans den Schlcichtseldern Dentschlcmds Einheit gegründet worden ist, cm welchen die dentschcn Stämme mit dem festesten Kitte, dem Blute der Brüder, schier unauflöslich verbunden worden sind, erregt die deutschen Jsrneliten wohl noch lebhafter, stimmt uns zu noch innigerem Donke, als olle die rinderen Bürger unseres Vaterlandes. Wie alle übrigen Deutschen, hatten auch >vir ein heißes Sehnen, daß ein festes politisches Band diejenigen umschlinge, die durch eine gemeinsame große Geistesknltnr längst verbunden waren; aber die anderen Bürger hatten die Möglichkeit, wenigstens in dem engeren Vaterlande sich im öffentlichen Leben zu bewähren und dein Staate zu dienen; für uns Israeliten ist erst, als die nationale Bewegung mächtig und siegreich wurde, das Bürgerrecht zur Wahrheit geworden. Die Gleichberechtigung der Inden hatte ein gleiches Schicksal, wie die Idee der deutschen Einheit; als der nationale Gedanke verfehmt und geächtet war, wurden auch die Juden ganz zurückgedrängt und mußte» sich manche Unbill gefallen lassen; als die politischen Parteien, denen die deutsche Einheit wie ein Dorn verhaßt war, obenauf waren und das Regiment im Lande hatte», da wurden für die Inden gleichsam die Gespenster des Mittelalters wieder heraufbeschworen und die Lehre in ein System gebracht, daß die Inden Ent und Blut dem Lande opfern und doch ohne Antheil an der Staatsverwaltung bleiben sollten. Dagegen sind die Männer, die das Banner der deutschen Einheit entfalteten, stets in allen Wandlungen für unser Recht eingetreten, und als der nationale Gedanke sich aus dem Staube erhob und zum Leitstern wurde im Rathe deutscher Fürsten und Staatsinüniier, da begann auch uns Israeliten die Sonne des Rechtes zu leuchten. Wer dachte am Sedantage vor fünfundzwanzig Jahren daran, die Deutschen nach religiösen Bekenntniffen zu trennen; nicht etwa, daß die Deutschen in der kriegerischen Erregung die Religion vergesseil Hütten; o nein, in diesen Zeiten, wo sich lvieder einmal die Weltgeschichte als das Weltgericht erwiesen hatte, Ivo spät an dem feindlichen Imperator die Sünde gesühnt wurde, daß er durch Gewaltthat und Eidbrnch zur Macht gestiegen war, da suchte Mancher, der sich bisher der Religion entfremdet hatte, sie wieder ans; aber in dieser hohe» religiösen Stimmung war Raum für alle Stämme, für alle Stände, für alle Bekenntnisse, für Alle, deren Brüder draußen im Felde für Deutschlands Größe rangen. Und nun, da nach einem Vierteljahrhundert alle die Erinnernngen an die großen Thaten und an die großen Menschen wieder in den Vordergrund treten und fast wie ein Gegenwärtiges die Seele belvegen, dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, daß sie stark genug sein werden, um die Unholde, welche uns die Freude am deutschen Reiche wenil auch nicht zerstören, so doch verkümmern, zu bannen und zu verdrängen. Dies Vierteljahrhnndert, das dürfen wir nicht vergessen, hat uns große Segnungen gebracht. Wer damals, nach dem Friedensschlüsse, >vo doch der Feind aus zahllosen Wunden blutete, behauptet hatte, der Friede würde fünfundzwanzig Jahre hindurch erhalten bleiben, der wäre einfach ausgelacht lvorden, so unglaubwürdig schien eine solche Botschaft, so unwahrscheinlich schien es, so lange die Leidenschaften des Feindes zu zügeln. Und nun ist cs einer überlegenen Staatskunst dennoch gelungen, ohne der Würde des Reiches irgend etwas zu vergeben, den Frieden zu erhalten und dadurch den stolzen Ban des geeinten deutschen Reiches zu festen. Damals, als das Reich gegründet wurde, stand ein mächtiger Nachbarstaat, mit dem Deutschland von jeher durch geschichtliche, durch votkswirthschaftliche, durch nationale Beziehungen innig verknüpft ist, grollend abseits; heut ist dieser Groll längst überlvnnden und geschwunden, wir haben unseren Brüdern in Oesterreich znm dauernden Bunde die Hand gereicht; dem Auslande gegenüber bilden ivir mit ihnen fast eine Einheit; das deutsche Reich steht nicht mehr allein, das vereinigte Mitteleuropa bildet eine Phalanx, gegen die so leicht Niemand den Ansturm lvagen wird. Froh des gesicherten Besitzes wenden wir unfern Blick rückwärts zu den Helden, die durch ihre Hingebung, durch ihre Weisheit imb Tapferkeit dies Kleinod haben erringen helfen, schwelgen wir in den erhebenden Erinnernngen, welche besonders der Tag von Sedan in uns wachrnft. Wir lasen jüngst aus der heiligen Schrift den Zuruf, den der Priester an das Heer der Israeliten richtete, wenn sie in gerechtem Streit gegen den Feind zogen, die sprachen: „Höre Israel, ihr schreitet heut zum Kriege wider eure Feinde, euer Herz sei nicht zag, fürchtet nicht, zittert nicht, banget nicht, euer Gott zieht mit euch, nm für euch zn streiten, nm euch zu helfen." Vier Ausdrücke der Furcht sind hier verwendet; nicht nur die Sorge, im Kampfe zu unterliegen,

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