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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-08-23 · Heft 34 (23.8.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 34 (23.8.1895)
Date
1895-08-23
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Misoelten. Chaldäische Ausgrabungen. In der „Revue d'Assyriologie" berichtet Leon Henzey über die Ausgrabungen, die der französische Orientalist de Sarzee im Aufträge der französischen Unterrichtsverwaltung im alten Chaldäa veranstaltet hat Das wichtigste Ergebniß dieser Ausgrabungen war der Fund von etwa 30,000 Thontäfelchen mit Keilinschriften, die der ältesten Zeit der babylonischen Kultur, dem Anfänge des vierten Jahrtausends v. Chr. angehören. Sie stammen aus der alten Stadt Sirgurla (oder Lagafch), welche uns nur aus den Denkmälern bekannt ist, die aber als der Mittelpunkt der ältesten Civilisation zu betrachten ist, wo die Schrift schon um das Jahr 4000 v. Chr. bekannt und in Gebrauch war. Die Täfelchen waren in einem Hügel vergraben, etwa 200 Meter von der Stelle entfernt, wo sich die ältesten Baudenkmäler der Könige dieses Landes gefunden haben. Sie lagen in fünf bis sechs Reihen über einander aufgeschichtet in engen, aus Luftziegeln erbauten Gängen, welche sich unter einem rechten Winkel schneiden. Ungefähr 5000 von ihnen sind völlig unverletzt, 5000 andere leicht am Rande angestoßen oder sonst beschädigt; von den übrigen sind nur Bruchstücke vorhanden, aber auch von diesen wird sich noch eine große Anzahl wiederherstellen lassen. Sie enrhalten Kontrakte, Listen, Inventaraufnahmen, darunter das Inventar der Heerden des alten Königs Gudea, ein Beweis dafür, daß die Viehzucht zu dieser Zeit selbst noch in Babylonien die hauptsächlichste Erwerbsquelle und die Grundlage alles Vermögens bildete. Unter den Thontäfelchen befinden sich zahlreiche Denkmäler von anderer Form, wie Cylinder, abgestumpfte Kegel, Siegel, Statuetten, alle mit Schriftzeichen bedeckt. Manche von ihnen gehören der ersten Periode der babylonischen Geschichte an und stammen aus der Zeit der Hirtenkönige von Siopuola, andere sind etwas spätern Ursprungs und tragen die Namen der Könige von Ur, Dungi, Gamil-Sin, Jbil- Sin, die ihre Herrschaft so weit ausgedehnt hatten. Obgleich der Inhalt der meisten Täfelchen Gegenstände des bürgerlichen und religiösen Lebens betrifft, so wird auch die Geschichtsforschung nicht ohne Förderung durch diesen Fund bleiben; namentlich die historische Geographie dürfte durch die genauere Bestimmung mancher vorkommenden Lokalitäten eine wesentliche Bereicherung erfahren. Außer den Täfelchen sind noch verschiedene andere wichtige Entdeckungen aus dieser Gegend zu verzeichnen, namentlich zwei Stierköpfe aus sehr alter Zeit, deren Augen mit Perlmutter und Lapis inkrustirt sind, der Palast des Urban, des Vorgängers Gueda's, und zahlreiche Vasen und Statuetten, die zum Theil ganz unverletzt und mit Inschriften bedeckt sind. Sämmtliche Funde werden im Museum zu Konstantinopel Aufstellung finden. i! Ueber die Namen der Wochentage macht Prof. R. Engelmann in der V. Z. folgende Bemerkung: Wahrscheinlich haben die Juden die Namen und die Bezeichnung der Tage nicht aus Aegypten übernommen, sondern aus Assyrien, wo die Beobachtung des Himmels und die astrologischen Berechnungen stets eine äußerst wichtige Rolle gespielt haben. Und zwar sind die Namen der Tage von den Planeten genommen, wie richtig bemerkt wird, aber es läßt sich auch noch genau angeben, wie man darauf verfallen ist, die einzelnen Tage nach den Namen der Planeten zu nennen. Die Sterne, die vor allen andern wegen ihres merkwürdigen Laufes und ihrer wechselnden Stellung die Aufmerksamkeit der Astrologen auf sich zogen, sind die Planeten, d. h. Saturn, Jupiter, Mars, Venus, Merkur; dazu fügte man natürlich noch, weil man die Erde als Mittelpunkt annahm, um den sich Alles dreht, die Sonne und den Mond. Indem man diese „Planeten" nach der Lange ihrer Umlaufszeiten ordnete, erhielt man die Reihenfolge 1. Saturn, 2. Jupiter, 3. Mars, 4. Sonne, 5. Venus, 6 Merkur, 7. Mond. Jede Stunde jedes Tages wurde nun unter den besonderen Schutz eines der Planeten gestellt, die erste unter den des Saturn, die zweite unter den des Jupiters und so weiter bis zur siebenten, die natürlich dem Schutze des Mondes unterstellt war; die achte gehört dann wieder dem Saturn, ebenso die 15. und die 22., die 23. dann natürlich dem Jupiter, die 24. dem Mars, die 25. also, d. h. die erste des zweiten Tages, der Sonne, Indem nun jeder Tag nach dem Planeten genannt wird, dem die erste Stunde unterstellt ist, erhalten wir 1. Dies Saturni, 2. Dies Solis. Hat die Sonne die 1., 8., 15. und 22., dann kommt natürlich die 23. der Venus, die 24. dem Merkur zu, so daß die 25., d. h. die erste des Dritten Tages, dem Monde gehört, danach heißt also der dritte Tag Dies Dünne. Und so fort. Man erreicht dasselbe Resultat, wenn man bei der angegebenen Reihenfolge vom Saturn ausgeht und immer zwei Planeten überspringt, dann folgt auf Saturn die Sonne, dann der Mond, dann Mars, Merkur, Jupiter, Venns, und nach dieser kommt man zum Saturn zurück. Eine nothwendige Voraussetzung für diese Erklärung der Tagesbezeichnung ist die Eintheilung des Tages in 24 Stunden, die den Griechen und Römern fremd war, aber bei den Assyrern, wie es scheint, sich findet, und die jedenfalls auf der Verdoppelung der Zahl der Thierkreisbilder beruht. Daß die Bezeichnung der Wochentage nicht aus Aegypten stammen kann, geht auch daraus hervor, daß die Aegypter die Sterne nicht als Gottheiten ansahen, wie dies in Mesopotamien geschah, sondern daß man in ihnen nur die Sitze frommer Seelen erblickte. * Ein merkwürdiger Streik. In Hatten im Elsaß wird über einen sonderbaren Ausstand viel gelacht. Die Zeitungen berichten darüber : „Bekanntlich lassen sich die strenggläubigen Israeliten nicht rasiren, sondern werden mit dem Schermesser „gezwickt". Der mit dieser Manipulation beauftragte Barbier hat nun mit dem Preis aufgeschlagen. Wer aber nicht auf diese Preiserhöhung einging, das waren die Israeliten, dieselben lassen vielmehr ihre Bärte stehen. Mari ist gespannt darauf, wer zuerst nachgeben wird. ----- Die Nr. 33 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Konfession und Sittlichkeit.— Antisemitische Litteraten. — Wohlthätigkeit in New-Port. — Zur Geschichte des Antisemitismus 111. — Aus dem antisemitischen Lager. — Vermischtes. — Unredlicher Wettbewerb in Rußland. — Briefkasten. In IS Stunden lehrt Schönschnellschreiben unter Garantie. Richtigsvrechen.Richtigschreiben. Handels - Wissenschaften. o o W , Inh. eines Professor- sowie Ehrendiploms. Leipzigerstraße 47. Gegründet 1867. 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