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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-08-09 · Heft 32 (9.8.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 32 (9.8.1895)
Date
1895-08-09
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Januar 1890 chrieb: Mit großem Interesse habe ich von Ihrer Biographie des großen Humanisten und Vertreters der Unterdrückten und Heimgesuchten, Sir Roses Montefiore, Kenntniß genommen. Es ist ein großes Verdienst, olche seltenen Männer in ihrem Wesen und Leben zu schildern, den ßinen zur Mahnung, den Andern zur Nachahmung, Allen zur Erhebung. Nit dem besten Dank für Ihre freundliche Mittheilung. Ihr ergebenster I. Miquel. & Wer hat den „Wechsel"erfunden? Ueber diese gewiß interffante Frage schreibt Leopold Löw in den Beiträgen zur jüdischen Merthumskunde 1. B, 2. L., pag. 85: Schriftsteller des siebzehnten Jahrhunderts, wie Blaivac, Marberger und Savary, denen Schudt folgt, ühren diese Erfindung auf die Juden zurück. Aus Frankreich, so heißt s, vertrieben, sahen sich die Juden genöthigt, ihr Vermögen daselbst n den Händen ihrer Freunde zurückzulassen. Um dasselbe aus Frankreich u ziehen, schrieben sie Anweisungen, die reisende Kaufleute an Ort und stelle abgaben, um die bezügliche Summe zu erheben. Dieses Vorgehen -oll zur Erfindung der Wechsel geführt haben. Da die Juden zu viederholtenmalen aus Frankreich vertrieben wurden — unter Philipp 'lugust im Jahre 1181, unter Philipp dem Schönen 1306 — so lautet ie Nachricht schon in chronologischer Rücksicht zu unbestimmt, um auf eschichtliche Glaubwürdigkeit Anspruch zu machen. Nichtsdestoweniger?at ihr Montesquieu Glauben geschenkt, und ist sie noch in neuester >eit in jüdischen Zeitschriften wiederholt worden. Aber selbst diejenigen, welche den Juden die Erfindung der Wechsel absprechen, haben es unterassen, sich auf die jüdische Litteratur zu berufen, lind doch ist es gerade us dieser Quelle klar zu ersehen, daß es eine reine Erfindung ist, -ie den Juden die Erfindung der Wechsel zuschreibt. Wären, ne Wechsel zuerst von Juden ausgegangen, so hätten sie in der nnüel- .elterlichen jüdischen Rechtslitteratur, namentlich in den zahlreichen Gutchten, Erwähnung gefunden. Nun sind es...Rabbiner des sechzehnten Jahrhunderts, wie Mose di Tram,""Samuel di Medina, Isaak Adarbi, Samuel Chajjün und Ändere, die zuerst der eigentlichen Wechsel gedenken, dn ihren Schriften werden die Wechsel mit dem italienischen Namen •‘ttere di cambio bezeichnet und mit Ausdrücken übersetzt, die dem wischen Schriftthum des Mittelalters fremd sind, weil ihm auch die ezeichnete Sprache fremd war. Die Uebersetzung beweist, daß die Juden i den Gebrauch der Wechsel von den Italienern gelernt haben.H Der leb-! hafte Verkehr Venedigs mit dem Oriente gab auch den orientalischen! Juden Gelegenheit genug, die leckere di cambio .kennen und gebrauchen zu lernen. * |; Wenig bekannt dürfte die Existenz von Juden unter dem kleinen, jetzt fast ausgestorbenen Völkchen der Uden im nordöstlichen Theil des Kaukasus sein, die zur Familie der Lesghier gehören. Die udische Sprache ist jetzt auf zwei Dörfer beschränkt, Wartaschen und Nidsch. Ersterer Ort, dessen Name aus dem Armenischen hergeleitet wird und „Rosendorf" bedeutet, befindet sich etwa 35 Werst südöstlich von Nucha und enthält eine aus Uden, Juden, Tataren und Armeniern gemischte Bevölkerung. Von den Uden gehören 110 Rauchstellen der orthodoxgriechischen und andere 110 der armenisch-gregorianischen Kirche an. Die Hauptbevölkerung des Dorfes machen die Juden aus, welche nach offiziellen Angaben nur 156 Rauchstellen haben, obwohl sich leicht die vierfache Anzahl ergeben dürfte. Sie sollen vor 120 Jahren aus Schirwau und dem Dorfe Zalam, im Bezirk von Qabala, wo sie von den Muselmanen stark bedrängt wurden, hierher gewandert sein und sprechen unter sich das Tat, einen Dialekt, der im äußersten Westen von Iran gesprochen wird, und sprechen außerdem noch tatarisch und persisch, wiederum ein Beweisstück für die Polpglottie und Sprachfähigkeit der Juden. Im Vergleich zu diesen sind in jenem Dorfe Armenier und Tataren nur wenig zahlreich: erstere nehmen 50, letztere nur 40 Rauchstellen ein. Es ist eine Art ganz kurzer Selbstbiographie aus der Feder eines Uden vorhanden, Georg Beschanow, der Lehrer an der Kreisschule zu Nucha war. Dieser giebt von seiner Heimath Wartaschen eine Statistik, die von den obigen Angaben etwas abweicht. Das Dorf, sagt er, bilden 800 Häuser: 250 sind armenisch, 150 gregorisch, 300 jüdisch, 60 tatarisch, 40 lesghisch. Ferner giebt es zwei Kirchen, eine armenische und eine gregorische, und zwei Tempel, ein tatarischer und ein jüdischer. Unter den Anhängern dieser verschiedenen Richtungen herrscht das beste Einvernehmen, was unser Gewährsmann schlicht und schön mit den Worten ausdrückt: „Jeder Glaube ist hier für sich ruhig." B. Lauser. ---- Die Nr. 31 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Ter Fall Heutig. — Zur Geschichte des Antisemitismus. III. — Das 25jährige Jubiläum der Ruhmestage von 1870/71. — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Vermischtes. — Unredlicher Wettbewerb in Rußland. — Briefkasten. rraftiger und nachhaltig wirksamer als aüe bekannten Stahlanellen ist unser Nervenstärkendes Eisenwasser, Phosphorsaurer Kalk, Eisenoxydul, oaen Bleichsucht. Blutarmuth. Unregelmäßigkeit im Frauenleben. Nervenleiden und ^chwächezustände blutarm. Personen, ohne besond.Kur-Diät in jed. Jahreszeit anwendb. i 25 Fl. — 5 M. exkl. 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