Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1895)
- Date
- 1895-08-02
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3228094-3228126--52027-3272801- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wlisoi --- Ein Bild. Im Kölner Museum befindet sich das berühmte große > Gemälde von Professor B. Plockhorst in Berlin, den Kampf des Erzengels! Michael mit dem Satan um die Leiche Mosis darstellend. Das viel bewunderte Werk hat eine recht interessante Entstehungsgeschichte, über j die das Mühlheimer „Gemeindeblatt" Folgendes mittheilen kann. Es! war in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre, als Plockhorst eines 'Abends in Berlin einem Vortrage beiwohnte, den ein junger Gelehrter! aber den Talmud hielt. Der Redner sprach auch von Moses und dessen! Tod. „Moses war 120 Jahre alt geworden, da neigte er das Haupt zu sterben. Und als er die Augen geschlossen, erhob sich ein Streit zwischen den guten und bösen Geistern um seine Leiche: Jene beanspruchten sie für das Reich der Seligen, wegen der Tugenden und des gottgeweihten Lebens des großen Mannes, der Satan aber wollte Hand auf die sterblichen Ueberreste legen, weil Moses einst im Zorn einen! Aegypter erschlagen. Da sprach Gott der Herr zu Michael, dem Erzengel, das entscheidende Wort: Wohl hat Moses im Grimme einen Aegypter getödtet, allein die Waagschale seiner guten Thaten wiegt! schwerer: drum gehe du hinab und bestehe den Kampf mit dem Bösen und führe den Leichnam her in meinen Schooß. Und der Erzengel stieg zur Erde nieder und that, wie der Herr ihm geboten." Was der ginge Gelehrte in jener Vorlesung über Mosis Ende berichtete, machte nnen lebhaften Eindruck auf den jungen Künstler. Bereits während der Vorlesung reifte bei ihm der Entschluß, jene Szene zum Vorwurf eines Gemäldes zu nehmen, auf dem Heimwege gewann es in seiner Phantasie festere Gestaltung, und noch in derselben Nacht zeichnete er zunächst auf | einem kleinen Karton, wie er ihn gerade zur Hand hatte, die Umrisse ses Bildes hin. Aus dieser Skizze ist ein Meisterwerk geworden, das m der deutschen Kunst stets mit Ehren genannt werden wird. £ — Die Nr. 30 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, < Zeitungsliste 4137) hat folgenden Inhalt: Rudolf v. Gneist. — Die! Sittlichkeit auf dem Lande. — Zur Geschichte des Antisemitismus. III. —! Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Vermischtes. — Unl redlicher Wettbewerb in Rußland. — Briefkasten. — KcschMiichr tlöti;cn. | — See- und So olbad Kolberg. Die Zahl der Kurgäste im! See- und Soolbade Kolberg belief sich am 26. Juli d. I, von Passanten! abgesehen, auf 7210 Personen, 667 Personen mehr als im Vorjahre. 1 Mt Ausnahme weniger Tage vom herrlichsten Wetter begünstigt, hat ich das Badeleben bei einem reichen Vergnügungsprogramm zu besonderer Blüthe entfaltet. Das am 17. Juli d. I. mit großem Feuerwerk verundene Abendkonzert fiel durch einen glücklichen Zufall mit dem Besuch er kaiserlichen Torpedoflotte aus Kiel zusammen, deren Begleitschiff Iten. „Blitzt den dichtgefüllten Badestrand am Strandschloß wiederholt durch elektrisches Scheinwerfen beleuchtete. Die verschiedenen Neunions, Gesellschastsabende, Land- und Wasserkorsos erfreuen sich einer stets' steigenden Beliebtheit. An dem am 22. Juli stattgehabten Ausfluge nach dem 5000 Morgen großen Stadtwalde nahmen allein über 800 Personen in mehr als 60 geschmückten Kremsern, Leiterwagen, Droschken und eleganten Fuhrwerken, bezw. auch auf Zwei- und Dreirädern Theil. Das Theater erfreut sich, wegen der Mitwirkung hervorragender Künstler, ebenfalls einer großen Beliebtheit. Salon - Dampfer von Braeunlich aus Stettin, sowie auch einige dänische Dampfer vermitteln die Verbindung mit Heringsdorf, Misdrop, Rügen und Bornholm. Das von Herrn Hofbaurath Ihne und Herrn Bauführer Glaeser im Aufträge des Herrn James Simson zu Berlin mit einem Kostenaufwand von etwa 200,000 Mark erbaute Berliner Sommerheim ist am 20. Juli d. I von 75 Berliner Schülerinnen bezogen worden. Die nahe dem Strande in einem großen Garten errichtete Anstalt hat ebenso wie die drei andern Hierselbst bereits bestehenden Wohlthätigkeitsanstalten eine eigene Soolquelle und ist nach den neuesten Fortschritten der Baukunst, besonders in gesundheitlicher Beziehung, mit den besten Einrichtungen und Vorkehrungen versorgt. Salzbrunn. Wer hier die Saison verlebt, wird ungern scheiden und gekräftigt, mit einer Fülle angenehmer Erinnerungen in sein Heim zurückkebren. Von Jahr zu Jahr entstehen neue, großartige Bauten, gärtnerische Neuanlagen und Verbesserungen der verschiedensten Art. Das hervorragendste Werk der letzten Jahre ist nächst dem neuen Theater- und Konzert-Saal unstreitig die neue Elisenhalle, welche auf demselben Platze erbaut worden ist, auf dem die vor 3 Jahren abgebrannte in ihrer Art vielbewunderte alte Elisenhalle stand. Tie neue, um sieben Meter verbreiterte Wandelhalle ist ein Prachtbau, der, was architektonische Schönheit, Bequemlichkeit und inneren Schmuck anbetrifft, auch in größeren Bädern und Kurorten seines Gleichen suchen dürfte. Ganz besonders hervorragend ist das an die Halle anstoßende neue Brunnenhaus, dessen Trink-Einrichtung in technischer Beziehung auch von Kurgästen, — und dies ist wohl maßgebend —, als geradezu vollkommen bezeichnet wird. Viel fleißige Hände haben sich regen müssen, um diese Bauten in neuer Herrlichkeit bis zum Beginn der Saison fertig zu stellen; doch der rührigen Brunnen-Verwaltung gelang auch dieses Werk. Hand iu Hand mit diesem Bau ging die Verschönerung der Promenadenanlagen in der unmittelbaren Umgebung des Brunnenhauses, die sich in ihrem Stile den gesammten baulichen Anlagen immer mehr anpassm. Die große Zahl der der Verwaltung gehörigen Logirhäuser, welche allen, selbst den verwöhntesten Ansprüchen genügen, hat sich durch den Ankauf und Ausbau des „Wienerhaus" und den Neubau des „Posthof", der sich durch seine elegante und geschmackvolle innere Einrichtung auszeichnet, wiederum um zwei vermehrt, so daß auch jetzt noch eine größere Anzahl von guten Wohnungen den Kurgästen zur Verfügung stehen. Dr. Kl... n. Die Malerinnen-Schule von Alwin Seegert, Berlin W., Lützowstraße 19, beginnt ihr Unterrichtsjahr 1895/96 am 1. September. Wie aus dem Prospekt ersichtlich (welcher auf Wunsch kostenlos versandt wird), ist der Unterricht in Vor- und Nachmittags-Kurse eingetbeilt. Die Aufnahme neuer Schülerinnen findet von 1—3 Uhr statt und kann der Eintritt jederzeit erfolgen Die Schule ist sowohl für Anfängerinnen als auch zur weiteren Ausbildung vorgeschrittener Damen sehr empfehlenswerth, und machen wir die interessirenden Kreise auf dies Unterrichts-Institut ganz besonders aufmerksam. 'i für Kinder und Kranke mit Milch gekocht spec. geeignet — erhöht iie Verdaulichkeit der Milch. — Zu haben in Pack, a 60, 30 u. 15 Pf. Neuer Vertag non Freund & Jeckei, Kerlin. UW. 23. Soeben gelangte zur Ausgabe d.is 4 Taufend von: Weiset'ustiges. Allerhand über Rumtreiben und Zuhausebleiben von Sregrnrrnd Hcrvev. Geheftet 12 Bogen 8» s Mark. I Inhalt: Reiselustiges. — Die Abreise. — von Unterwegs. — Die Zuyausegebliebenen. — Die Heimkehr. Gegen Einsendung von 2 Mark tauch Briefmarken) sendet franco die Uerlagshandlnng Freund St Jeckel, Kerlin. UW. 23. Herren Hoteliers, Restaurateure und Oberkellner, ebenso wie Familien, welche Repräsentationspfüchten zu erfüllen haben, machen wir ans ein soeben in unserem Berlage in zweiter erschienenes, elegant ausgestattetes 1 illustrirtes gastronomisches Werk D.isDiner von Notiert Ätntzenliacher aufmerksam. Das von einem bekannten Fachmann geschriebene Wcrkchen giebt practische Winke über Arrangement eines Festes. In seiner ganzen Ausstattung mit geschmackvollem Rococoeinband, eignet sich das Buch auch besonders zu einein fcinen Geschenk. Preis gebunden Mark 4.—. Zn beziehe» durch jede Buchhandlung oder gegen Einsendung des Betrages von der Verlagsbuchhandlung RudolfMosse, Berlin SW., Jerusalemerstr. 48/49. und r,