Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1895)
- Date
- 1895-07-12
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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Vor einigen Tagen ist bei der juristischen Fakultät der Universität zu Bonn zum ersten Male ein Kandidat jüdischer Religion, Herr- Maximilian Samter, zum Doktor beider Rechte promovirt worden. Es hatte jedoch derselbe mit eben so großen wie eigenthümlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Nachdem er bereits im Februar seine Dissertation eingereicht, ward ihm der Bescheid, daß sich in der Fakultät ein Konflikt über seine Zulassung zur Prüfung auch im kanonischen Rechte erhoben hätte und erst in vier Wochen darüber entschieden werden könne. Auf sein Verlangen einer kürzeren Frist, ließ man ihn jedoch schon früher zum schriftlichen Examen. Nachdem er 14 Tage später zum mündlichen Examen beschieden war, wurde er zwei Tage vor Ablauf dieser Frist zum Dekan berufen, wo ihm mitgetheilt wurde, daß trotz des günstigen Ausfalles seiner Arbeiten die Fakultät ihn nur zum Dr. juris civilis promoviren, auf sein Diplom aber den Titel Di*, juris setzen könne. Herr Samter bestand indessen auf seiner Forderung; man berief noch einmal eine Sitzung des Senates, aus welcher zwei Professoren ausschieden, der .eine, und zwar der Examinator des Kirchenrechtes, weil er gegen die Zulassung, der andere, weil er durchaus dasür war. Nach diesen Antecedentien wurde nun der Doktorandus endlich zum Dr. utriusque juris promovirt, ihm aber später bemerklich gemacht, daß die Fakultät fortan keinen Juden zu diesem Examen zulassen würde. Bei der öffentlichen Promotion waren namentlich viele Theologen, dagegen kein Professor der juristischen Fakultät erschienen. * Ueber die jüdische Rasse enthält der neueste Band von Meyers Konversations-Lexikon, das wir bei dieser Gelegenheit unfern Lesern angelegentlichst empfehlen, folgende interessante Ausführungen: „Die vor Kurzem noch allgemein verbreitete Ansicht von der Reinheit der jüdischen Rasse ist durch neuere Forschungen als unrichtig erwiesen. Flinders Petrie hat festgestellt, daß die Amaur (Amar), die zweifelsohne identisch sind mit den Amoritern der Bibel, auf altägyptischen Darstellungen durch die röthlich-braune Farbe des Haupthaares und Bartes, blaue Augen, hellen Grundton der Hautfärbung, Langschädelform und andere Eigenthümlichkeiten des germanischen Zweiges der arischen Völkerfamilie charakterisirt sind. Nach Tomkins waren sowohl die Gibeoniter als die Anakim Zweige des großen Amoriterstammes. Diese amoritische (arische) Bevölkerung Palästinas, die mit den dortigen semitischen Stämmen häufig Ehen eingegangen ist, stellt selbst nur einen Zweig jener blonden Völkerfamilie dar, welche in mehr oder weniger deutlichen Resten für den ganzen Nordrand von Afrika nachgewiesen ist. Für die Beurtheilung der Rassenmischung im Judenthum kommen ferner in Betracht die Chetiter oder Kheta, die von englischen Forschern als ein semitisch mongolisches Mischvolk, dagegen von Luschan als eine den Armeniern nahe verwandte (armenoide) Urbevölkerung aufgefaßt werden. Es sind demnach nach Luschan in den Juden im Wesentlichen drei verschiedene Volkselemente enthalten, nämlich 1. der ursprüngliche semitische Stamm, dem aber viele jener Eigenthümlichkeiten, die man heutzutage als spezifisch jüdische betrachtet, noch vollständig gefehlt haben; 2. die arabischen Amoriter; 3. die den Armeniern nahe verwandten Chetiter. Während die 11 Prozent blonder Judenkinder, welche die Virchowsche Schulkinderstatistik für das Deutsche Reich ergeben hat, zweifelsohne auf das im Judenthum enthaltene arische Blut zurückzuführen sind, verdanken die Juden die gekrümmten Nasen und die unter ihnen vorherrschende Kurzköpsigkeit dem in der jüdischen Mischraffe enthaltenen armenoiden (chetitischen) Element. Neben jenen drei Hauptkomponenten haben noch gewisse andere Beimischungen zum Judenthum, wenn auch nur in geringerm Maße, stattgefunden. Ebenso wie sich aus der Bibel erweisen läßt, daß die Juden in Kanaan mit den dortigen nichtisraelitischen Stämmen häufig Ehen eingegangen sind, zogen nach Wiederaufbau des Tempels aus Syrien, Griechenland, Palmyra u. s. w. Angehörige fremder Völker nach Palästina und nahmen dort, um Jüdinnen heirathen zu können, das israelitische Bekenntniß an. Auch zur Zeit der Römerherrschaft war nach Josephus der Uebertritt zum Judenthum und die Ehe zwischen Juden und den Neuübergetretenen ein gewöhnliches Vorkommniß. Mischungen zwischen Juden und nichtjüdischen Volkselementen haben noch im 3. Jahrhundert n. Chr. in der Provinz Chusistan und in der Stadt Machuza (am Tigris), ferner im 8. Jahrhundert in der Krim, von wo aus der Vermischung der Juden mit dem tatarischen Stamme der Chazaren die Karaim hervorgegangen sind, stattgefunden. Noch im 13. Jahrhundert war in Ungarn die Zahl der zwischen Juden und Magyaren abgeschlossenen Ehen sehr beträchtlich. Auch die Judenverfolgungen in Spanien und Portugal haben, indem sie den zeitweiligen scheinbaren Uebertritt zahlreicher Juden zum Ehristenthum bewirkte, der Vermischung der spanisch-portugiesischen Juden mit fremden Rassenelementen Vorschub geleistet. Gewisse außerhalb Europas lebende Juden, wie z. B. die Falaschas Abessiniens, die schwarzen Juden oder Hesodia an der Malabarküste Vorderindiens, die Daggatouns (schwarze Juden der Sahara) und die Maramba (schwarze Juden der Loangoküste), sind mit Wahrscheinlichkeit nur dem Namen und der Religion, nicht aber der Abstammung nach zum Judenthum zu rechnen. Nicht der Religion, aber ihrer Abstammung nach gehören zu den Juden noch die Chetas oder Anussim der Balearen, die Maiminen von Salonichi und die Gdid al Islam von Chorasan. Geschäftliche llotimi. Ostseebad Glücksburg ist unbestreitbar einer der schönsten Punkte an der Schleswig'scherr Meeresküste; Wald-und Seeluft genießt der Kurgast überall. Die herrlichsten Partieen zu Wasser und zu Lande bieten eine gesunde Abwechselung und die Ostseebäder sind auch fürschwächere Personen wohlthuend. Im Allgemeinen ist Logis und Verpflegung überaus preiswürdig und dabei allen Ansprüchen genügend; auch rituell lebende Israeliten finden dort gute Verpflegung. 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Inhalt: Reiselustiges. — Die Abreise. — von Unterwegs. — Die Zui^ausegebliebenen. — Die Heimkehr. Gegen Einsendung von 2 Mark fauch Briefmarken) sendet franco die Uerlngshaiidlung Freund Zecket, Kerl in, NW. 23.