Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1895)
- Date
- 1895-07-05
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Mrsoellen. ----- Aber küssen ist erlaubt! Die „OesterreichischeWochenschrift" erzählt eine Episode aus der Vergangenheit, die als Pendant zu Vorkommnissen aus der Gegenwart dienen kann. Es war vor dem letzten russisch-türkischen Kriege und unsere Truppen standen in Kischenew (Bessarabien) bereit, in Rumänien einzurücken. Als Oberkommandirender der Truppen funktionirte der Großfürst Nicolai Nicolajewitsch, ein sehr liebenswürdiger und humaner Prinz, der sich stets durch seine Leutseligkeit ausgezeichnet. Chef des Medizinalstabes war der bekannte Arzt Dr. Obermüller und die Stelle seines Gehilfen versah Dr. W. (ein Jude), ein sehr tüchtiger Chirurge, der auch weit über die Grenzen Rußlands Anerkennung gefunden. Es war am Vorabende des Osterfestes, und hatte der Großfürst die Anordnung getroffen, daß sich sämmtliche Offiziere und Beamet seiner Sueit nach Mitternacht zur Gratulation einfinden sollten. Da findet die übliche Begrüßung und auch der Kuß statt, was man im Russischen „ebrwtossowatsja" nennt. Dr. W., dem dieser Befehl gleichfalls zugegangen war, befand sich in einer argen Verlegenheit. Als Jude konnte er doch unmöglich die bei dieser Gelegenheit übliche Formel aussprechen; als Beamter durfte er sich andererseitts dieser Einladung nicht entziehen. In seiner Roth wandte er sich an seinen Chef und erklärte ihm die Zwangslage. Dieser fand es für angemessen, die Sache dem Großfürsten vorzustellen. „W. ist Jude?" fragte erstaunt der Prinz. „Das habe ich gar nicht gewußt, geht mich übrigens auch gar nichts an. Doch soll ihn dieser Umstand durchaus nicht hindern, zur Gratulationscour sich einzufinden. Sagen Sie ihm, daß ich durchaus wünsche, er solle kommen." Dieser Wunsch war natürlich Befehl, und der jüdische Arzt fand sich nach Mitternacht mit allen Anderen ein. Der Großfürst erschien, wechselte > mit einem Jeden den Gruß und Kuß. Als er sich Dr. W. näherte, sagte! er ihm leise: „Also begrüßen nach christlichem Gebrauche können wir! uns nicht, das verbietet Ihnen Ihre Religion; aber küssen dürfen wir! uns doch? Nicht wahr?" Und der edle Prinz umarmte den jüdischen Arzt und küßte ihn drei-! mal aus die Wange ... Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß Dr. W.! der einzige jüdische Geheimrath von Rußland ist. Früher hatte er noch einen Konkurrenten. Das war der bekannte Eisenbahnkönig Samuel Poljakew, der gleichfalls Geheimrath war, in Rußland die zweite 1 Rangsklaffe. ----- Ein toleranter Offizier. Die deutsche Kriegerzeitung „Der Veteran" vom 1. Februar 1895 enthält nachstehende Notiz: Nachfolgendes Schriftstück wurde uns zur Veröffentlichung eingesandt, dasselbe kennzeichnet die edle Gesinnung eines Hauptmanns seiner Kompagnie gegenüber. Das Schriftstück ist vom Platzmajor und Hauptmann a. D. v. G fug zu Graudenz und wurde nach seinem Tode ' in seinem Nachlaß gefunden. Dasselbe hat folgenden Wortlaut: Weilburg, 27. Juli 1857.! Als vor einigen Tagen die hiesige Garnison die Leiche eines alten! Kameraden zur Ruhestätte geleitete, hielt der katholische Ortsgeistliche! eine Rede. Nachdem der Redner den Entschlafenen, einen guten Menschen und Christen, glücklich gepriesen, daß er nun bei Gott sei, fügte er bedeutend hinzu, in welcher schrecklichen Lage sich die Juden befinden müßten, wenn sie sich vergegenwärtigten, daß ihnen der Himmel nicht beschieden sei. Tags darauf hielt der christliche Hauptmann vor seiner Kompagnie, die er auf den Friedhof geführt, eine Rede. Er rief einen in der Kompagnie befindlichen Juden vor und ließ ihn das Handbuch für den Unterricht der Soldaten der Herzogl. Nassauischen Infanterie herbeiholen, aus dem er selbst den § 18 vorlas: „Der Soldat soll sich eines religiösen Lebenswandels befleißigen, er soll wohl bedenken, daß die Religion in schweren Lagen seine Stütze sein wird. Die Kirche, zu welcher er gehört, soll er besuchen. Soldaten verschiedener Konfessionen sollen sich ihres Glaubens wegen nicht entzweien. Spöttereien über religiöse Gebräuche dürfen nie Vorkommen." Darauf fuhr er fort: „Ich habe Euch versammelt und diesen Paragraph des Gesetzes vorgelesen, weil gestern der Pfarrer auf dem Friedhofe gesagt hat, die Juden kämen nicht in den Himmel (die Heiden gehen uns nichts an). Ich will Euch warnen, daß Keiner sich erlaubt, den Juden N. der Kompagnie in irgend einer Weise wegen seiner Religion zu verspotten oder ihm zu sagen, er käme nicht in den Himmel. Wer sich das untersteht zu sagen, erhält vier Tage scharfen Arrest, mag's auch der Pfarrer auf dem Friedhofe gesagt haben. Ihnen, zu dem Israeliten N. gewendet, sage ich, Sie kommen in den Hinnuel, wenn Sie ordentlich und brav bleiben. Dem Schurken aber bleibt der Himmel verschlossen, welchen Standes und Glaubens er auch sei." Die Rede des Kriegsmannes in der Kaserne soll bei den Soldaten mehr Glauben gefunden haben, als die des Mannes im Ordenskleide auf dem Acker des Friedens. ----- Aus der biblischen Geschichte: Lehrer: „Sachs, was weißt Du mir von Kain zu erzählen?" — Sachs: „Er war der beste Bruder auch nicht!" Die Nr. 26 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Jüdische Lehrerinnen. — Der Antisemitismus auf unfern höhern Schulen. — Kemper idem. — Die Juden und die Humanität. — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Vermischtes. — Sprechsaal. — Vom unredlichen Wettbewerbürirflrastrn der Redaktion. B. S. in K. Die Adresse ist IV. Kaiserin Augustastraße 71 in Berlin. — Ausschließlich das jüdische Leben behandeln die folgenden Werke: „Die Juden von Barnow", „Moschko von Parma", „Judith Trachtenberg". Auch in den Kulturbildern desselben Autors: „Aus Halb-Asien", „Vom Don zur Donau", „Aus der großen Ebene" werden viele jüdische Stoffe behandelt. In 18 Stunden lehrt Schönschnellschreiben unter Garantie. Richtigsvrechen.Richtigschreiben, Handels-Wissenschaften. RaefcoW) Inh. eines Professor- sowie Ehrendiploms. Lcipzigerstratze 47. Gegründet 18b7. Streng -|TO Fleisch- und Wnrftwaaren. Fette junge Gänse von 4 Mark an^ sowie anderes Geflügel empfiehlt 8. M* Gillis, Central-Markthalle. Stand 179/80. Anerkannter Schächter Sr. Ehrw. Hrn. Rabbiner Dr. Hildesheimer. Lleganle Herren-Moden liefert unter Garant, d. Gutsitzens zu d. billigst.Preis. L»x Uppschlitz, Schneidermeister. Berlin, Dragonerftraße 46. II. KiUiye Krisen im 7. und 16. Juli und 5. August nach Wien. Budapest. Hohe Tatra 8 Tage .50 Mark 14 Tage 325 Mark. Paris 0 Tage 280 Mark. Nach dem Salzammergut 22 Tage 650 Mk. Prospekt m Kärolyi’s Intern. Reisebureau, Berlin, Königgrätzerstraße 112 I. 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Geburtstages 10 M.. durch Prediger Dr. Mansbach, Münster, von Herrn Stern 25 M. Effen, im Juli 1895. Blumenfeld, z. Z. noch Vorsitzender rc.