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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-06-07 · Heft 23 (7.6.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 23 (7.6.1895)
Date
1895-06-07
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Mrsoellen. fl. Jüdische Analphabeten. Im Jahre 1893 befanden sich unter : 48,348 Personen, welche im preußischen Staate die Ehe schlossen, : 764 männliche und 6036 weibliche Analphabeten. Von Tausend der Neuvermählten des jüdischen Religionsbekenntnisses waren Analphabeten lütter den Männern 5,1 unter den Frauen 6,6. Auf die andern Religionsi ekenntnisse vertheilen sich die Analphabeten der Neuvermählten folgendermaßen : von den unter den Männern evangelischen 6,7 pro Tausend katholischen 31,3 „ „ sonstigen Christen 1,8 „ „ unter den Frauen 11,4 pro Tausend 49,7 „ „ 4,2 „ „ Bei allen Bekenntnissen kommen also die Analphabeten unter den Neuvermählten Frauen viel häufiger vor als bei den Männern, nur bei Juden ist der Unterschied ein verhältnißmäßig geringfügiger. Immerhin spricht die Thatsache für sich, daß die Juden das kleinste Kontingent zu den Analphabeten stellen, indem sie pro Tausend nur 5, Männer, resp. 6,6 Frauen aufweisen. — Ein jüdischer Soldat. Bei der 25jährigen Feier der Aufichtung des deutschen Reiches dürste es vielleicht am Platze sein, zu < rwähnen, daß es ein Jude war, dem am 18. Januar 1871, nachdem er König von Preußen Wilhelm I. zum Kaiser proklamirt worden ist, ie Ehre zu Theil wurde, auf dem Schloß zu Versailles die erste deutsche leichsflagge zu hissen. Dieser Jude führte als Freiwilliger die Geschäfte der königl. Kommandantur vom 20. September 1870 bis 10. März 1871 und wurde >on dem damaligen Chef der dritten Armee, dem späteren Kaiser Friedrich, ür seine Leistungen mit dem eisernen Kreuze dekorirt. Die betreffende leichssahne wurde von ihm, nachdem der damalige Chef der königlichen Kommandantur, Generalmajor v. Vogts-Reetz, mit den Offizieren der iowmandantur Versailles verließ, heruntergenommen und erstgenanntem )errn (v. Vogts-Reetz) nach Liegnitz, wo derselbe die 18. Jnfanteriebrigade efehligte, zugesandt. Der Name des Juden ist Bernhard Ursell aus Soest i. W. ----- Berliner Kaufleute als Kunstmäcene. Der bekannte Kunstkritiker der „Vossischen Zeitung" schreibt: „Unter den Berliner Kaufherren hat es schon seit dem vorigen Jahrhundert nie an solchen gefehlt, welche, von leidenschaftlicher Kunstliebe eseelt, einen großen Theil ihrer Geschäftserträge, ihrer Arbeitsfrüchte nr Erwerbung von Kunstschähen verwendeten und ihre Wohnhäuser mit Sammlungen vorzüglicher Gemälde und anderer künstlerischen Meisterwerke zu schmücken trachteten." Er nennt hierauf sechs Namen aus dem origen Jahrhundert, und darunter zwei Juden, Beitel Ephraim und Zaniel Jtzig, die von Nicolai, der Hauptquelle solcher Nachrichten über as Berlin seiner Zeit, als Kunstsammler und -Liebhaber genannt werden, lon anderen Kunstsammlungen erwähnt der Kritiker der „V. Z." die später . on großen Berliner Geschästsmännern begründeten reichen Gemäldegalerien und Kunstsammlungen Leonor Reichenheims, Strausbergs, -iebermanns. Aber noch manches anderen hiesigen Bürgers Haus, sagt r, enthält und bewahrt nicht geringere, mit Liebe, Sorgfalt und feinem lerständniß zusammengebrachte Schätze alter und neuer Kunst Er nennt dann sieben Namen aus der Gegenwart, darunter die Häuser Hainauer, Perl, Jaffe, Fritz Meyer, A Meyer-Cohn. Die Liste ließe sich noch durch einige andere Sammlungen ergänzen. — Die Nr. 22 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Eine Pfingstbetrachtung. — Eine Antisemitendebatte in der französischen Kammer. — Gustav Freytag über Berth. Auerbach und Jakob Kaufmann. — Zur Abwehr. — Vermischtes — Sprechsaal. — Briefkasten. Geschäftliche Nötigen. -----Pommersche Hypotheken-Aktien-Bank. Wie aus dem Jnseratentheile unserer heutigen Nummer ersichtlich, werden die am 1. Juli er. fälligen Pfandbrief-Coupons bereits vom 15. Juni cr. ab eingelöst. ----- Kurort Salzbrunn in Schlesien. Unfern Kurort besuchten bis heut wirkliche Kurgäste mit Begleitung 97 Personen, der gemeldete Fremden - Verkehr beträgt 68 Personen, Gesammt- Frequenz 165 Personen. Das See- und Soolbad Kolberg verspricht in diesem Jahre mehr denn je seine alte Anziehungskraft auszuüben. Die herrlichen Park- und Gartenanlagen, welche durch den hohen 2V2 Kilometer langen Dünengang gegen Nordwind geschützt sind, haben wiederum eine erhebliche Erweiterung erfahren. Insbesondere ist auch der an die Promenade anschließende Victoriaplatz in einen Schmuckplatz ersten Ranges umgewandelt worden. Die Bade-Direktion hat für ein reichhaltiges Vergnügungsprogramm gesorgt, nach welchem Früh-, Nachmittags- und Abendkonzerte, Wasserkorsos, Feuerwerke, Buschfahrten, Reunions und Kinderfeste eine angenehme Abwechselung bieten. Der elegante See- Schnelldampfer „Wolliner Greif" unterhält eine regelmäßige Verbindung mit Saßnitz, Misdroy, Heringsdorf rc., sowie mit Bornholm. Ein großes Barkschiff ist als schwimmende Restauration eingerichtet worden. Die Lesesäle bieten eine reiche Auswahl in- und ausländischer Blätter. Das Theater bringt Lust- und Schauspiele, sowie Opern und Operetten. Die durch die glückliche Verbindung von See- und Soolbädern bekannten Heilmittel Kolbergs haben durch das Hinzukommen von Moor-, Schwefel-, Fichtennadel-, Eisen-, Dampf- und Kohlensäuren Bädern, sowie durch die Anwendung von Heilgymnastik, Massage, elektrischen und Inhalations-Kuren eine wesentliche Erweiterung erfahren. Das katholische St. Martinsbad mit seinen trefflichen neuen Einrichtungen zieht insbesondere die besseren Kreise Polens an. Die städtische Bade-Direktion zeigt allen erfüllbaren Ansprüchen gegenüber das größte Entgegenkommen und verwendet alle Einkünfte des Bades zur Verbesserung und Verschönerung der gesammten Anlagen und Einrichtungen des Bades selbst. Biookers holläncL. Cacao wurde auf der Weltausstellung in Antwerpen 1894 mit dem „Grand Prix66, der höchsten Auszeichnung, prämiirt. Eine derartige hohe Anerkennung wurde bis jetzt noch keinem holländ Fabrikate verliehen: mithin bleibt Blooker’s Cacao die feinste Marke WL: ■ W'1 Nur I Mark tlfi»1*ti>lirthl*lfrlt tostet bei allen Postanstalten und im iiiiiijiujiiujj Landbriemägern die täglich in 8 Seiten großen Formats erscheinende, reichhaltige, liberale Berliner Morgen-Zeitung nebst „täglichem Familienblatt" mit fesselnden Erzählungen. (ca. 125 UOOim Sommer) in allen Tbeilen Deutschlands, wie sie noch keine andere deutsche Zeitung je erlangt hat, bezeugt deutlich, daß die politische Haltung und das Vielerlei, welches sie für Haus und Familie an Unterhaltung und Belehrung bringt, allgemein gefällt. Im III. Quartal erscheint der hochinteressante Roman von Adolf Wilbranclt: „Der Dornenweg" Probe-Nummern erhält man gratis durch die Expedition der „BerlinerMorgen-Zeitung", Berlin SW. 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