Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1895)
- Date
- 1895-05-24
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Misoetlen. Der vor Kurzem neugewählte Bürgermeister von San Francisco ist ein deutscher Jude, dessen Name einen guten Klang hat. Adolf Sutro wurde am 29. April 1830 zu Aachen als Sohn des Besitzers einer Tuchfabrik geboren und trat schon frühzeitig in das väterliche Geschäft ein. Im Jahre 1847 starb der Vater, und die Unruhen von 1848 brachten die Fabrik so herunter, daß sie nicht mehr im Stande war, eine Familie mit elf Kindern zn ernähren. Schnell entschlossen wanderte die Wittwe, eine überaus rührige und thalkräftige Frau, nach Amerika aus und nahm in Baltimore ihren Wohnsitz. Die Entdeckung des Goldes in Kalifornien lockte auch ihren Sohn Adolf dorthin, aber neun Jahre harter Arbeit förderten ihn nur wenig. Er faßte nunmehr den Plan, das Amalgamirungsverfahren bei der Reduktion der Silbererze zu verbessern, und .wöffnete mit Johann Ramdohr, einem Chemiker und Bergwerks-Ingenieur aus dem Harz, nach einer Anzahl geglückter Experimente eine Erzmühle in Dayton, Nevada, die sich als sehr einträglich erwies. Mittlerweile war oie berühmte Comstockmine in der Sierra Nevada erschlossen worden, und Sutro, der sie schon von einem früheren Besuche her kannte, ging jetzt an die Ausführung eines großartigen Gedankens, der ihm schon damals gekommen war. 1865 machte sich in jener Mine das Bedürfniß fühlbar, einen Tunnel durch das Gebirge zu legen, um die Wassermassen zu entfernen, die Schächte und Querschläge abzukühlen und besser zu lüsten, Holz für den Abbau leichter ein- und auszuführen und das Erz billiger zu för- I dern. Nach Ueberwindung der furchtbarsten Schwierigkeiten und Beseitigung der Anfeindungen wurde der Tunnel vollendet. Er ist 12 Fuß breit, 10 Fuß hoch und 20,500 Fuß lang und hat nördliche und südliche Abzweigungen von 3600 Fuß, so daß seine ganze Länge über fünf englische Meilen beträgt. Die Herstellungskosten beliefen sich einschließlich der Zinsen auf 6,500,000 Dollers. Sutro verkaufte seinen Antheil an dem Werk und siedelte nach San Francisco über. Um diese Zeit hatte die sogenannte ,8avd-lot"-Agitation den Werth des Grundbesitzes stark vermindert, allein unser Landsmann sah mit scharfem Blick das Wachsthum und die Entwickelung der Stadt voraus und kaufte soviel an, daß er jetzt der größte Landbesitzer in der City und im County ist und zu den reichsten Männern des pacifischen Gesenkes zählt. Sutro Heights, sein gegenwärtiger Wohnsitz, war 1880 eine öde Sandwüste. Unter seiner Leitung bohrte eine große Arbeiterschaar Brunnen und durchgrub Hügel, um Wasserzufuhr zu gewinnen, pflanzte Millionen von Bäumen und Sträuchern, sprengte Felsen und verwandelte sie in Gänge, Brüstungen, Treppen und Boulevards, legte herrliche Gartenplätze an und schmückte die Parterres, die Terrassen, die Nischen und die Höhen mit Kopien der berühmtesten Statuen alter und neuer Zeit. Als Alles vollendet war, öffnete er diesen schönen Park, der 200 Fuß über dem Meeresspiegel liegt, den Strand, die Seehundsfelsen, das Goldene Thor, den Mount Olympus und die Farallone-Jnseln überblickend, unentgeltlich dem Publikum. Hierauf schickte sich Sutro an, die großartigsten Bäder zu bauen, welche die neue Welt kennt. Diese sind arn 29. April 1894 eröffnet worden, seinem fünfundsechzigsten Geburtstage, und liegen nördlich vom Cliff House. In genialer Weise sind die Röhren so gelegt, daß die Kraft der Wellen die Bäder stets von selbst mit reinem Seewasser versorgt und sie nach dem Gebrauch reinigt. Das große Schwimmbad ist 300 Fuß lang und 175 breit, und die Tiefe wechselt zwischen zwei und elf Fuß. Das Badehaus hat ein Dach von 100,000 Quadratfuß Glas, und sein Inneres, das einem gewaltigen Amphitheater gleicht, faßt 10,000 Personen. In drei Restaurants in > den verschiedenen Etagen speist man vorzüglich und genießt dabei den Blick auf die Brandung, und eine große Bühne sorgt für künstlerische Genüsse. Endlich beabsichtigt Sutro, der Stadt San Francisco eine öffentliche Bibliothek zu schenken, zu der er bereits rund 200,000 Bände gesammelt hat, darunter 4000 seltene alte Drucke, die Kollektion Dalberg, 25,000 Flugschriften aus der Zeit des englischen Bürgerkrieges, eine Sammlung mexikanischer Bücher, 2300 japanische Manuskripte, eine ausgedehnte semitische Literatur, eine militärische, eine architektonische, eine botanische Bibliothek u. s. w. Der Bauplatz für die Bibliothek liegt im Golden Gate-Park, doch wird es wohl noch einige Jahre dauern, bis sie unter Dach und Fach kommt. In Anerkennung seiner außergewöhnlichen Verdienste um das Gemeinwohl hat das Volk von San Francisco den seltenen Mann zum Bürgermeister gewählt. 4 — Die Nr. 20 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Die juristische Methodik des Talmud. — Gustav Freytag. — Antisemitische Reisebeschreibung. — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Vermischtes — Sprechsaal. — Briefkasten. Krirfkasten der Redaktion. V. N. L. Auf Ihre Anfrage müssen wir leider erwiedern, daß die Bestätigung als Religionslehrer die Regierung giebt, daß sie aber zum Schutz des Lehrers keinerlei Bestimmungen getroffen hat. Wenn in der Vokation des Lehrers nicht eine besondere Ausnahme ausdrücklich festgesetzt ist, hat die Gemeinde das Recht, dem Lehrer ebenso vierteljährlich mit sechswöchentlicher Frist zu kündigen, wie der Chef seinem Kommis — oder wie der Herr seinem Dienstmädchen. Eine Bersügung des Kultusministers an die Regierungen von Koblenz und Trier existirt nicht; nur hat der Oberpräsident der Rheinprovinz eine Verfügung erlassen, wonach den Regierungen der Provinz von Seiten der Gemeindevorstände Anzeige von der Anstellung wie von der Kündigung und von dem Grunde derselben gemacht werden muß. Es wird die vornehmlichste Aufgabe des Lehrerverbandes sein, die traurige schutzlose Lage der Lehrer zu ändern und einheitliche Verhältnisse anzubahnen. In den Provinzen Posen, Westpreußen, in Westfalen, Hessen-Nassau, Hannover, in ganz Süddeutschland sind die Lehrer definitiv mit Pensionsberechtigung angestellt; warum sollte es in den übrigen Provinzen des Vaterlandes nicht auch möglich sein? Biookers holländ. Cacao wurde auf der Weltausstellung in Antwerpen 1894 mit dem ••Grand Prix44, der höchsten Auszeichnung, prämiirt. Eine derartige hohe Anerkennung wurde bis jetzt noch keinem hollän d Fabrikate verliehen: mithin bleibt Blooker’s Cacao die feinste Marke. welche Neprasentati onspflichten zu erfüllen haben, ebenso wie die Qr* Herren Hoteliers, Restau raren re und Oberkellner machen wir auf ein so eben in zweiter Anflage erschienenes, elegant ausgestattetes und reich illustrirtes gastronomisches Werk DsF Diner von Hoteidirettor Robert Slrrtzeritnrcher aufmerksam. Das von einem bekannten Fachmann geschriebene Werkchen giebt praktische Winke über Arrangement eines Festes. In seiner ganzen Ausstattung mit geschmackvollem Rococoeinband, eignet sich das Buch besonders zu einem feinen Geschenk. Preis gebunden Mark 4.—. Zu beziehen durch lebe Buchhandlung oder gegen Einsendung des Betrages von der Verlagsbuchhandlung Rudolf Moffe, Berlin SW., Iernsalernerstraße 48/49. Wäsche hält länger und bleibt länger rein, wenn mit Karol Weil’s Seifenextract gewaschen. 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