Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-05-03 · Heft 18 (3.5.1895) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 18 (3.5.1895)
Date
1895-05-03
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228094-3228113--51753-3272514
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

des Kultusministeriums anzunehmen. Graf Szapary beantragte, um ein Einvernehmen zwischen den beiden Häusern der Gesetzgebung herzustellen, die Zurückverweisung des in Berathung stehenden Gesetzentwurfs, um seine Vereinigung mit dem Gesetze über die freie Religionsausübung durchzuführen. Der Kultusminister erklärte, er sehe die Nothwendigkeit einer Vereinigung der beiden Vorlagen nicht ein, da er glaube, daß das Magnatenhaus dies, wenn es die Prinzipien gutheiße, in welcher Form sich immer die Vorlage darbiete, thun werde. Der Antrag Szapary wurde abgelehnt und der Antrag des Kultusministers, nahezu einstimmig angenommen. Italien. r. Florenz, 26. April. Mit großer Freude theile ich Ihnen mit, daß es der hiesigen Gemeinde gelungen ist, unfern verehrten Rabbiner Dr. Margulies zum ferneren Verbleiben im Amte zu bewegen, und er somit die Berufung an das Rabbiner-Seminar zu Breslau, welche an ihn erfolgt war, abgelehnt hat. Es gereicht der hiesigen Gemeinde zur Ehre, daß sie sich zu den größten Opfern für eine bessere und definitive Stellung ihres Rabbiners schnell entschließen konnte. Rußland. G Petersburg, 2 -.April. Wir haben schon mitgetheilt, laß Za^ Nicolaus 11. kürzlich eine jüdische Deputation aus Jekaterinoslarwc empfangen hatte, der er die Regelung der Rechtsverhältnisse der Juden im Zarenreiche in Aussicht gestellt haben soll. Hierüber wird nun dem „Freien Blatt" aus Petersburg auf Grund zuverlässiger Informationen Folgendes berichtet: Eine Abordnung der jüdischen Bevölkerung des' Gouvernements Jekaterinoslaw, bestehend aus dem Oberrabbiner dieser. Stadt Dr. Schocher, dem bekannten Juristen Doktor Lewanda und dem Philantropen Maidanskij, wurde vom Zar Nieolaus II. im sogenanntes Brillantensaale des Anitschkowpalais empfangen. Der Sprecher bet^ Deputation, Dr. Lewanda, überreichte dem Zar ein rverthvollls Geschenk der Jekaterinoslawer Juden und hielt dabei eine Ansprache, in welcher! er die Gefühle des Patriotismus der Juden und treuer Ergebenheit für den angestammten Herrscher zunr Ausdrucke brachte und an den Monarchen die Bitte richtete, er möge in seiner Weisheit und allbekannten Milde die Rechtsverhältnisse der Juden, die einw Regelung bedürfen, prüfen und ihnen feinen kaiserlichen Sch ich angedeihen lassen. Zar Nicolaus II. \ der das ihm dargebrachte Geschenk huldvoll entgegennahm und die Anf spräche freundlich anhörte, erwiederte: „An dem Patriotismus meiner jüdischen Unterthanen zweifle ich nicht und nehme den Ausdruck der Ergebenheit mit Vergnügen entgegen. Die Rechtsverhältnisse der Juden werden ohne Zweifel in naher oder ferner Zukunft einer Regelung unters zogen werden, wobei die Juden meines Schutzes sicher sein können.1 Die jüdische Deputation, welche aus dem Anitschkowpalais die Ueberf zeugung heimbrachte, daß die russischen Juden auf eine Besserung ihrex Lage rechnen dürfen, soll beim Minister des Innern um Erlaubniß zut Veröffentlichung der Antwort des Zars im „Regierungsboten" nachgel sucht haben.; Amerika.! Br. New-Aork, 18. April. Die Gemeinde Emanu-El feierte arff 13. April ihr 50jähriges Jubiläum mit großen Ehren. Diese Kongregation bildet den Mittelpunkt des reformjüdischen Lebens in beij Rew-Aorker Judenschaft und hat sich in der That aus kleinen Anfängen zu großer Bedeutung entwickelt. Der erste Rabbiner derselben- Dr. Merzbacher, begann seine Thätigkeit im Zimmer eines Privathausesaber schon 1847 kaufte die Gemeinde eine leerstehende Kirche, und 1867 wurde das schöne Tempelgebäude in der fünften Avenue eingeweiht. EH kostete nicht weniger als 21/.1 Millionen Mark, aber als nach seines Vollendung die Sitze verkauft wurden, ergab sich eine Einnahme von 2,000,000 M. und trotz der großen Baukosten flössen noch 400,000 M.f in den Gemeindesäckel. Jetzt zählt die Gemeinde 622 Mitglieder, und alle ihre Einrichtungen zeichnen sich durch ihre Pracht und Eleganz aus.' Der jetzige Rabbiner, Dr. Gustav Gottheil, aus Pinne in Posen gebürtig, bezieht ein Gehalt von 42,000 M., seine Wahl erfolgte 1873, und zum fünften Male wurde er 1893 wiedergewählt. In sozialer Beziehung ist der Einfluß der Gemeinde Emanu-El ein sehr großer und es kann selbst von denen nicht geleugnet werden, die auf einem andern re ligiösen Standpunkt stehen, daß sie in dieser Richtung viel Gutes thut. Non Nah und Fern. — Dr. Louis Flatow hier hat den Titel als Geheimer Sanitär rath erhalten. — Am 24. v. M. ist hier der bekannte Arzt Dr. Mar B enda im 76. Lebensjahre gestorben. — Am Montag, den 6.Mai Abend. 8 Uhr wird Herr Rechtsanwalt B. Breslauer im liberalen Verein, für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde über die Armenverwaltun;; der jüdischen Gemeinde sprechen. Der Vortrag findet im kleinen Saale de Brauerei Königsstadt, Schönhauser Allee 10/11, statt. — Am 24. v.M. ist n, Elbing der Ehrenbürger der Stadt Elbing, der Geh. Sanitätsrath Dr. Samuel David Cohn im 90. Lebensjahr gestorben. — Bei der jung - in Rogasen stattgefundenen jüdischen Schulvorstandswahl sind die Herren Moritz Zerenze, Julius Jacoby und Samuel Ruschin gewähl!. Als Schulrepräsentanten wurden die Herren Jacob Krakauer, Adolpm Löwe und I. Rummelsburg gewählt. — An der Orgelsynagoge ir Krotoschin ist seit Kurzem durch Herrn Kantor Sacher daselbu ein Jugendgottesdienst eingeführt worden. — In der Wahl für Rinteln-Hofgeismar wurde der antisemitische Kandidat Rechts anwalt Vielhaben ungefähr mit einer Mehrheit von 650 Stimmen gewählt. — Die in Dresden erscheinende antisemitische „Deutsch- Volksmacht", das Organ einer Aktiengesellschaft, deren Direktor der Abgeordnete Zimmermann ist, schließt nach dem in der „Deutschen Volksmacht" veröffentlichten Jahresbericht mit einem Verlust von 98,689Ni ab. Das Aktienkapital beträgt 179,600 Mk. — Aus Wloclawek er halten wir die Trauerkunde von dem Tode des dortigen Rabbinern I. Eh. Caro. Der Dahingeschiedene war der Verfasser bedeutender hebräischer Schriften, und namentlich sein Kommentar zu den Sprüchen der Väter ist sehr geschätzt. Ein Sohn des Verstorbenen ist Rabbiner Dr. I. Caro in Lemberg, ein anderer der Professor der Geschichte ander Breslauer Universität, Dr. Jacob Caro. Die Beerdigung fand am vergan genen Dienstag unter zahlreicher Betheiligung von Nah und Fern statt. - Die Rektoren der Universitäten in Bukarest und Jassy erhielten Ein ladungen zu der am 2. Juni. l. I. stattfindenden Einweihung der neuere Baulichkeiten der Rechtsfakultät in Lille. Interessant ist die Unter j schrift, mit welcher diese Einladungen versehen waren; sie gingen vorn? Decan Dr. Leon Feder aus, einem gebürtigen Jassyer Juden. In seinem Geburtslande hätte er nie die akademische Laufbahn betreten können; wird doch in Rumänien den Juden zum größten Theile sogcu i der Schulbesuch durch allerlei Chikanen erschwert. — Bei der letzten ebcu j abgeschlossenen Volkszählung in Rumänien ergaben sich in Bezug am! die Konfession folgende Ziffern: 4,949,418 Bewohner gehören dem griechisch orthodoxen Glauben, 154,093 anderen christlichen Glaubensgenossenschafte!: 243,225 der mosaischen Konfession, 43,110 dem Islam an. — Nach den „Woschod"ist am 21. Februar in Eupatoria in Tauris die karaitisch Rabbinerschule eröffnet worden. Es giebt keine ähnliche Anstalt für die 4odin 5 Millionen Israeliten in Rußland! — Um zu ersehen, welchen An! theil die Juden an der wirchschaftlichen Thätigkeit Rußlands nehme:: und wie viel sie zur Hebung des Ackerbaues beitragen, ist es nicht ohm Interesse, einige Zahlen aus den offiziellen Statistiken des Hafen - Nikolajew anzuführen. Im Jahre 1894 hat man von diesem Haft': aus 87,750,000 Pud Getreide exportirt, ungefähr doppelt so vic! wie 1893. Davon haben jüdische Geschäftshäuser 63,000,000 Pud Getreid! exportirt, also mehr als 3/4 Die Stadt Nikolajew lebt nur vom Getreid-.' Handel. Man sollte denken, daß die Juden dort bester behandelt werden als anderswo. Doch dem ist nicht so. Inden städtischen Schulen dürfe-. i nur 10 Prozent jüdische Kinder ausgenommen werden. Der Magistrat i verweigert dein jüdischen Krankenhause jede Unterstützung und hat sogar. j vor Kurzem abgelehnt, ein Grundstück für den Bau einer jüdischer:! Schule herzugeben. - Von 132 jüdischen Familien, die in Smolens' z seßhaft, sind 111 ausgewiesen worden. Nur die Kaufleute erster Gilde.! die Aerzte, Advokaten und Handwerker hatten Erlaubniß erhalten, zu | bleiben. Da die Pozilei jene Kaufleute und Studirte nicht zu fassen! wußte, so hat sie ein indirektes Mittel gefunden, um die Handwerker fortzuschaffen. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwih in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.