Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1895)
- Date
- 1895-04-26
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Miseellen. — Zu den Soldaten. Gegenüber den fortwährenden Angriffen auf die Leistungen der Juden als Soldaten wollen wir auf einen vor einigen Jahren in Italien verstorbenen jüdischen Helden Hinweisen, der nicht so bekannt ist, wie er es verdient. Cesare Revighe wurde in Modena im Jahre 1829 geboren. Er studirte und übernahm bald die Leitung einer Zeitung, als der Aufstand 1848 ausbrach. Er trat als freiwilliger gemeiner Soldat mit 18 Jahren in die Armee ein, wurde rasch befördert, und als der Aufstand niedergeschlagen war, setzte er als Politiker seine Thätigkeit für die Unabhängigkeit und Freiheit Italiens fort. Er gehörte auch 1859 zu der Deputation, die vom Herzog von Modena die Einführung liberaler Reformen forderte. Als der Krieg gegen Oesterreich ausbrach, trat er wieder in das Heer ein, wurde von Stufe zu Stufe rasch befördert und nahm mit Auszeichnung an allen Schlachten Theil Im Jahre 1860 begleitete er Cialdini nach Neapel und ward endlich 1866 Feldadjutant des Königs Viktor Emanuel. Im Frieden war er wieder schriftstellerisch thätig, veröffentlichte eine Geschichte des Feldzuges von 1866, eine Biographie des Herzogs von Genua, so wie eine Abhandlung „Von der Kunst des Krieges", in drei Bänden. Am 1. Januar 1890 starb er und seine Bahre war mit den vielen Orden geschmückt, die er sich erworben hatte. — Die Berliner Börse. Wenn man heute einen Aufsatz über die Berliner Börse selbst in einer sonst neutralen belletristischen Zeitschrift findet, so kann man sicher sein, einigen scharfgewürzten, antisemitischen Anklängen zu begegnen. Das letztere lediglich ein Produkt der Zeitströmung, eine Konzession an den Tagesgeschmack sind, finden wir in einem noch heute interessanten Aufsatz bestätigt, den die „Gartenlaube" vor nunmehr 25 Jahren über dasselbe Institut brachte. Der Verfasser R. v. G. (Rudolph v. Gottschall?) sagt: „Im Ganzen beobachtet die Berliner Börse eine verhältnißmäßig solide Haltung. Das Hauptgeschäft befindet sich in sichern Händen, wenn auch der Spekulation ein weiter Spielraum eingeräumt wird. Auch der hier herrschende Ton ist durchaus anständig, bis auf wenige Ausnahmen, die jedoch in der Menge verschwinden. Vor Allem aber muß man den wohlthätigen Sinn anerkennen, die Leichtigkeit, womit in einem Augenblick bedeutende Summen zum allgemeinen Besten oder zur Unterstützung Einzelner gezeichnet werden. Man kann mit Recht sagen, daß die Börse mehr als der Adel an ihrer Devise festhält: „Richesse oblige!“ Aus der großen Reihe der angesehensten Börsennamen wird des Hauses Mendelssohn & Co. wohlverdienter Ruf hervorgehoben, den es von seinem Ahnherrn, dem berühmten jüdischen Philosophen, dem Freunde Lessings, geerbt hat. Der Chef des Hauses besitzt die Tugenden und Vorzüge seiner Familie, strenge Redlichkeit, große Humanität und hohe Bildung. Der im Jahre 1894 verstorbene Reichsbankagent Magnus Hermann wird erwähnt, der Disponent der Diskonto-Gesellschaft, Herr Goldschmidt, daneben der gleichfalls bereits verstorbene Baron Viktor von Magnus, Schwiegersohn des ausgezeichneten Physikers Professor Magnus. In der Kategorie der durch Thätigkeit und Solidität rasch emporgekommenen Bankiers werden Hugo Pringsheim, Herr Plaut, Herr Schwabach erwähnt, der durch Fleiß und Talent sich bis zum einflußreichen Theilhaber der Firma Bleichröder emporgefchwungen hat. Unter den Firmen, welche einen alten, langbewährten Ruf genießen, wird Veit & Co. erwähnt, ein Haus, welches z. Th. Rothschild aus Paris an der hiesigen Börse vertritt und außerdem noch durch seine Familienbeziehungen merkwürdig ist. Der Ahnherr war der Gatte der Dorothea Veit, der Tochter Moses Mendelssohns; auch der hochgeachtete Buchhändler und Mitglied des Parlaments, Dr. Moritz Veit, gehörte dieser Familie an. Auch an der Produktenbörse giebt es Firmen, die fast über den ganzen Kontinent verbreitete Geschäftsverbindungen haben, unter Andern werden als für jene Zeit maßgebend A. Heimann, S. & M. Simon, Gebr. Sobernheim angeführt. Kein antisemitischer Hauch trübt die Stimmung dieses Aufsatzes in dem damals am weitesten verbreiteten deutschen Volksblatt. Wohl aber wird erwähnt, daß der König (Wilhelm I) nebst hohem Gefolge das Haus des jüdischen Bankiers Abel besucht hat und sich höchst befriedigt darüber äußerte Das war ein Jahr vor dem großen Krieg, seit dem nun bald ein Viertelsäkulum verflossen sein wird. Auch hier heißt es: Tempora mutantur. Die Börse ist heute, außer bei ihren Getreuen, nur da populär, wo man sie braucht Aber man braucht sie öfters. --- Die Nr. 16 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Die „jüdische Rasse". — Von oben? — Vom unredlichen Wettbewerb. — N. S. Petlin und die russischen Juden. — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Vermischtes. — Die Juden im Mittelalter. holländ. Cacao wurde auf der Weltausstellung in Antwerpen 1894 mit dem „Grand I*rixÄ% der höchsten Auszeichnung, prämiirt. Eine derartige hohe Anerkennung wurde bis jetzt noch keinem holländ. Fabrikate verliehen: mithin bleibt Blooker’s Cacao die feinste Marke. Einladung zur Konferenz des Vereins israelitischer Lehrer Westfalens und der Rheinprov., zugleichGeneral Versammlung der Unterstützung-kasse. zu Hörde. Hotel AM. am 2. uiii> 3. Juni d. I. (Erste Sitzung am 2. Juni 2Vn Uhr nachmittags). Tagesordnung: 1. Kassenbericht und Vereins-Angelegenheiten. 2. Vortrag des Hr. Rabb. Dr. Lazarus- Cöln: Obligatorischer Religions-Unterricht. 3. Abänderung des Statuts u. Ersatzwahl für den wegen andauernder Kränklichkeit ausscheidend, bisherigen Vorsitzenden Blumenfeld-Essen. 1. Aufruf zur Bildung eines Verbandes der israelitischen Lehrer in Deutschland, besprochen von Hr. D. Levi-Reuss. 3. Freie Besprechungen. Bei der Wichtigkeit der diesjährigen Tagesordnung wird um zahlreiche Be- -eiligung gebeten. Diejenigen Collegen, welche auf Freiquartiere reflektieren, wollen bis zum 15. Mai dem Hrn. Lehrer 8tern n Hörde Mitteilung zugehen lassen. Am Abend des 1. Conferenztages findet ein gemeinsames Essen a Couvert 1 M. 50 Ps. statt. Hr. Stern wünscht, um die Anzahl der Teilnehmer vorher feststellen zu können, auch darüber bis 15. Mai eine Kundgebung. — Auch Nichtmitglieder, überhaupt alle Freunde unseres Vereins und seiner Bestrebungen find willkommen. Der Vorstand: Blumenfeld, Vorsitzender. Gesucht ein unverheiratheter jüdischer TischlergeseUe und ein unverheiratheter Schneider, der Knabenanzüge zuschneiden und nähen kann, beide mit guten Zeugnissen versehen. Zeugnißabschriften und nähere Angaben einzusenden unter C. K. 1222 an Rudolf Mosse, Hannover._ Theilhader-Gesuch. Für ein wirklich lehr nutzbringendes Fabriku. Handelsgeschäft wird ein Theilhaber mit 30 Mille Einlage gesucht, welche Hypothek, sicher gestellt. Näheres unter J. Qu. 8013 an Rudolf Blosse, Berlin SW. Im Restaurant Max Moses-Colbersr kann für die diesjährige Saison noch ein Lehrmädchen, welches die feine Küche erlernen will, eintreten._ Zur selbst. Führung eines Haushalts von sieben erwachsenen Personen wird eine fleißige Jüdin gesucht, welche die Küche selbst besorgt u. auch Hausarbeit mit übernimmt. Offerten u. J.w. 8019 bef. die Exped. d. Ztg. Gesucht ein nicht zu junges Mädchen bei Kindern zum 1. Mai mit höherer Schulbildung. Zu erfrag. J.Idssauer, Berlin, Kochstr. 54. Kml. Odfter-JIeitlioMt -—5von - Frl. Jenny Lehmann, Hannover 3 Rnmannstrasse 3 Israel. MWi>-Ue»s>«l -*» von *«—- Geschw. Polak, Bonn a. Rhein 17 Baumschnler Allee 17. Hur 67 Pfg. für die JUT a 5 .T11 ti i kostet bei allen Monate una UUH1 Postanstalten und Landbriefträgern die täglich in 8 Seiten großen Formats erscheinende, reichhaltige, liberale Berliner Morgen-Zeitung nebst „täglichem Familienblatt" mit fesselnden Erzählungen. Die ftroße AvmmnleMlil (LMo°«.L?S die noch keine andere deutsche Zeitung je erlangt hat, bezeugt deutlich, daß die politische Haltung und das Vielerlei, welches sie für Haus und Familie an Unterhaltung und Belehrung bringt, allgemein gefällt. Im II. Quartal erscheint neben einer Anzahl kleiner Erzählungen, Humoresken, belehrender Artikel u. s. w. der hochinteressante Roman: Georg Bendler: „Die Eine". Probe-Nnmmern erhält man gratis durch die Expedition der „BerlinerMorgen-Zeitung", Berlin SW. Jnfertionspreis trotz der gr. Auflage nur 50 Pf. dieZeile.