Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1895)
- Date
- 1895-04-12
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Mtsoellen. L. Htz. Im Februarhefte der „Deutschen Rundschau" erzählt Julius Rodenberg seine Beziehungen zu Rubin st ein. R. war von dem Komponisten wiederholt aufgefordert worden, ihm das „hohe Lied" als Text zu einer Oper oder einem Oratorium zu bereiten. Rodenberg erfüllte die Bitte des Meisters, doch Letzterer war mit der Bearbeitung nicht zufrieden und bemängelte oft die Uebertragung der einzelnen Wörter, wobei ihm seine Vertrautheit mit der Bibel sehr zu statten kam. Wegen der Ausdrücke „Harem" und „Juchhe" mußte sich Rodenberg an Professor Noeldeke in Straßburg wenden, der auch bereitwilligst in nachstehender, interessanter Weise entschied: „Rein prosaisch betrachtet, paßt m. E. der Ausdruck „Harem" durchaus für Salomo, sogar schon für seinen Vater (6fr. z. B. 2. Sam 16, 21). Die Frage, ist nur, ob das Wort an der betreffenden Stelle nicht ästhetischen Anstoß giebt, da dasselbe auf die occidentalischen Hörer leicht einen nicht beab. sichtigten Eindruck machen könnte. Insofern bin ich für eine Umschreibung. In einer historischen Darstellung würde ich ohne Bedenken von Salomos Harem sprechen, und zwar ohne damit irgend einen tadelnden Nebensinn zu verbinden. Daß ein Fürst eine Anzahl Weiber hatte, war einfach standesgemäß. — Ihren Widerwillen gegen das „Juchhe!" theile ich, habe mich aber vergeblich im A. T. nach einem anderen passenden Ausruf umgesehen. Ein heah (N8N), bas als Freudensaber auch als Schmerzenslaut im A. T. vorkommt, geht nicht. — Ich finde als Freudenruf beim Keltern im Syrischen jähaf, (nach anderer Aussprache jöhöhi, beides zweisilbig); aber das steht doch wohl zu fremdartig aus. Sollte nicht das Zweckmäßigste sein 1-6, i-6? Das ist (Iw)' im Griechischen das beliebte Ausrufungswort in Freude und Schmerz, das auch von den Römern adoptirt, und so ein einfacher Naturlaut paßt für jedes Land." Ein Märchen von Rothschild. Das „Jllustrirte Wiener Extrablatt" schreibt: „Ich will Euch erzählen ein Märchen gar schnurrig, das seit Jahr und Tag im Hause des Freiherrn Albert v. Rothschild in Wien seinen Spuk treibt und die Familie desselben schon seit vielen Jahren belästigt, ohne daß es bisher gelang, die Sache aus der Welt zu schaffen. Ein leerstehender Kopf hat nämlich eines Tages die Behauptung aufgestellt, eine Tochter des Wiener Rothschild habe das in einem Millionär-Milieu doppelt grausame Unglück gehabt, als eine ausstellungsreife Mißgeburt auf die Welt zu kommen. Zuerst wurde dem Mädchen ein dreitheiliger Höcker angedichtet. Wohlwollendere Leute ließen sie später blos an einer unheilbaren Krankheit leiden. Nicht genug an dem, tauchte plötzlich das Märchen auf, die hochmißgeborene Tochter des Freiherrn sei eine Doppelgängerin jener romanhaften Weibsperson, welche als „Dame mit dem Todtenkopf" das vormärzliche Wien so lange in Athem gehalten hat. Wie sehr dieses müßige Geschwätz ins Volk gedrungen ist, beweisen die zahlreichen Zuschriften, welche jahraus jahrein in das Palais Rothschild flattern. Es ist unglaublich, was da Alles gefragt und gesagt, empfohlen und verlangt wird.' Arme Teufel, die sich den Buckel des holden Geschöpfes in mehrere Millionen gewickelt vorstellen, bitten den Vater in langen, von Uneigennützigkeit triefenden Briefen um die Hand seiner Tochter und schwören feierlichst, sie durch wahre Liebe und gute Pflege glücklich zu machen. Abenteurer, Quacksalber und Hypnotiseure versprechen in marktschreierischen Zuschriften, die Patientin mit mehrjähriger Garantie zu heilen. Einige von ihnen wollen selber kommen. Andere ihre unfehlbaren Mittel einschicken, aber Vorschuß wollen sie Alle. In zahlreichen Briefen werden der erbarmungswürdigen Besitzerin des Todtenkopfes kunstvolle Gesichtsmasken angetragen, die wahre Wunder wirken sollen. Andere Zuschriften wieder geben der Nächstenliebe guter Menschen Ausdruck, welche sich anheischig machen, um die Errettung der bejammernswerthen Baronesse aus ihren Nöthen gegen ein Billiges heiß zu beten! Um den Märchenspuk ein für allemal ein Ende zu machen, sei mitgetheilt, daß sich Freiherr von Rothschild einer kerzengrade gewachsenen, kerngesunden und normalköpfigen Tochter erfreut, die nur aus dem einen, aber sehr gewichtigen Grunde für heirathsunfähig erklärt werden muß, weil sie erst acht Jahre zählt. Sie ist freilich erblich sehr stark belastet, doch nur solcher Art, wie wir es jeder unserer Leserinnen von ganzem Herzen wünschen. So klärt sich die Geschichte zur Beschämung leichtgläubiger Gemüther einfach und natürlich auf. Und was geht daraus hervor? Wenn es sich um Rothschild handelt, pflegt man Alles gleich für baare Münze zu nehmen. " ----- Die Nr. 14 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitnngsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Die Bahn ist frei. — Zur Geschichte der „Magdeburger Reform". — Die Judendebatten am 27. Februar und 6. März. — Zur sozialpolitischen Beurtheilung des Antisemitismus XXIII. — Die Juden in den Befreiungskriegen. — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Sprechsaal. — Zur Charakteristik der Semiten. Ärirfirasten der Redaktion. F. S. in L. Die Annahme Ihrer Novelle ist unter der ausdrücklichen Bedingung erfolgt, daß dieselbe genau in der Reihenfolge der angenommenen Erzählungen erscheinen wird. — Was Ihre Anfrage über den Verfasser des Lecho Dodi, Salomo Alkabiz (1529 — 1558 in Safet) betrifft, so ist die Mittheilung jener Misstonszeitschrift, daß derselbe als katholischer Bischof gestorben sei, selbstverständlich unwahr. S. A. ist vielmehr als streng orthodoxer Jude im Kabbalistenkreise zu Safet gestorben. 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