Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1895)
- Date
- 1895-03-22
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
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134 de» äußern Feind nichts zu thun hat, die aber wohl geeignet ist, den mühsam errungenen Frieden innerhalb des Jndenthums zu stören. Es ist charakteristisch, daß es weder die Altvrthodoxie »och die Neuorthodoxie ist, die diese Art von Intoleranz auszuüben sucht, sondern vielmehr die sogenannte Schinkenorthodoxie, d. h. die Richtung innerhalb des Judenthunis, welche für sich selbst alle Freiheit in Anspruch nimmt, welche sich und ihr Haus von allen lästigen Ceremonien und Uebungen längst losgcsagt hat, welche aber gleichwohl verlangt, daß in Gemeinde, in Synagoge und Schule Alles hübsch beim Alten bleibe. Diese Abart von Orthodoxie ist die intoleranteste; sie sperrt sich gegen alle Reformen im Gottesdienst und im Gemeindeleben, denn das Judenthum ist ihr eine ehrwürdige Ruine, und Ruinen sind nur schön, wenn sie als solche erhalten werden. Uns ist aber das Judenthum keine Ruine, sondern ein lebenskräftiges Bekenntniß, das noch eine große Mission im Geschichtsleben zu erfüllen hat. Und darum werden wir gegen jeden neuen Versuch der Intoleranz von dieser oder von jener Seite immer mit aller Entschiedenheit Front machen. Wenn uns unsere Orthodoxen mit mehr Aufwand von Pathos als innerer Ueberzeugung immer wieder versichern, daß die Reform im Judenthum todt sei, daß sie abgewirthschaftet habe, und daß die Gemeinden jetzt wieder zum Alten reuig zurückkehre», so können uns diese Versicherungen nur ein Lächeln abgewinnen. Wir wissen bester, wie die Sache in Wirklichkeit steht. Nicht die Orthodoxie hat gesiegt, und nicht die Reform ist unterlegen, sondern gesiegt hat der Jndifferentismus, überhandgenommen hat der Abfall, und unterlegen ist allein die lebhafte Theilnahme, das warme Interesse am jüdischen Leben, das heiße Sehnen, eine Regeneration anzubahnen und den verdorrte» Gebeinen neues Leben durch den Geist der Propheten einzuhauchen. Weil wir aber der festen Ueberzeugung leben, daß nur eine entschiedene, wenn auch maßvolle und besonnene, vor Allem nur eine auf historischem Boden stehende Reform allein uns Helsen und das junge Geschlecht aus den Banden des Jndifferentismus befreien kann, darum werden wir nicht aufhören, gerade diese Versuche, Zwietracht hervorznrufen, gerade diese Art von Intoleranz so scharf wie möglich zu geißeln und ebenso energisch wie möglich gleiches Recht für Alle auch innerhalb des religiösen Lebens zu verlangen. Wenn wir denen, welche sich in dem Althergebrachten wohl fühlen, jede nur deutbare Konzession machen, wenn wir alle Gemeindeinstitutionen, auch selbst diejenigen, welche wir für antiqnirt halten, so streng nach den alten Vorschriften einrichten, daß sie ihre Befriedigung darin finden können, so verlangen wir mit demselben Rechte, daß auch unseren religiösen Anschaliungen Rechnung getragen werde, daß wir einen Gottesdienst haben, an dem unsere Frauen und Kinder mit Verständniß theilnehmen können, daß uns ein Religionsunterricht eingerichtet werde, der mit unser» Ansichten von dem wahren Wesen des Judenthunis übereinstimmt. Vor Allem aber muß diese Intoleranz verurtheilt werden, wenn sie aus dem Gemeindeleben in das Privatleben einzudringen sucht, wenn sie Wohlthätigkeitsakte tadelt, weil der, der sie in großherziger Weise geschaffen, auf einem andern, aber darum nicht weniger berechtigten Standpunkt steht und nunmehr den festen Willen hat, diese Wohlthätigkeitsinstitute in demselben Geiste zu lenken, der ihn erfüllt; wenn sie den Herausgeber eines neuen Gebetbuchs mit einem Ungestüm angreift, als wäre dies der erste Versuch in diesem Jahrhundert, etwas an den Gebeten zu ändern; wenn sie die Einrichtungen und die Verwaltung in Hospitälern, Waisenhäusern und andern Institute» angreift, weil diese nicht von dem Standpunkte aus geleitet werden, auf dem sie selbst stehen. Diese Intoleranz ist, das werden Orthodoxe wie Reformer bereitwillig zugestehen, die gefährlichste, weil die Folgen derselben eben für die Gesammtheit schädlich und gefährlich werden können. Wir zweifeln nicht, daß Alle, die es ehrlich. meinen mit der Sache des Judenthums, diese Intoleranz verurtheilen müffen. In unseres Vaters Hause sind viele Wohnungen, und es ist Raum da für jede Anschauung, für jeden Standpunkt, so sie nur getragen werden von dem Geist der Liebe, von der Achtung vor Wahrheit und Recht und besonders von gegenseitiger Toleranz, die Diejenigen vor Allem üben müssen, welche in einer vieltansendjährigen Leidensgeschichte erfahren haben, welche traurigen Folgen die Intoleranz jederzeit nach sich gezogen hat. Me Woche. (Z. Berlin, 19. März. Mg^n der Reihe der Prozesse gegen die Ausschreitungen des Antisemitismns wird der in dieser Woche Vor der dritten w Strafkammer des Berliner Landgerichts I. gegen den Agitator Hans v. Mosch verhandelte einen ganz besonderen Platz einnehmen. Selbstverständlich steht es uns nicht an, eine Kritik an dem Urtheilsspruch zu üben; wir begnügen uns mit der Wiedergabe des Referats objektiv berichtender Blatter: „Der Tod Kaiser Alexanders von Rußland, ein talmudisches Verbrechen??" Unter dieser Ueberschrift erschien am 22 November v. I. in der von Ahlwardt begründeten Zeitschrift „Der Bundschuh" ein längerer Artikel, in dessen Inhalte die Anklagebehörde eine Gotteslästerung und eine Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft erblickte und dieserhalb den verantwortlichen Redakteur des genannten Blattes, Hans v. Mosch, zur Berantwortung gezogen hatte. Am 14. d. M. fand vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I unter dem Vorsitz des Landgerichtsraths Fritschen die Verhandlung statt. In dem beanstandeten Artikel wird der Gottesbegriff der Juden „Javeh" genannt, der die Juden in allen Fährlichkeiten beschütze und solche Fürsten und gekrönte Häupter, welche sich den Juden feindlich zeigen, durch jüdische Aerzte aus dem Wege räumen lasse. So seien auch die beiden Leibärzte des verstorbenen Kaisers von Rußland, die Professoren Hirsch und Sacharin, getaufte Juden, welche ihren hohen Patienten wahrscheinlich vergiftet hätten. „Javeh" schütze seine Anhänger bei begangenen Verbrechen, wenn nur ein Theil des erzielten Gewinnes in die Bundeslade, das heißt an die heutige „Allianz israelite“ fließe. Der Angeklagte gab zu, den Verfasser des Artikels zu kennen, er sei aber durch Ehrenwort verhindert, denselben zu nennen und wolle daher die Verantwortung tragen. Er bestritt vor allen Dingen, sich einer Gotteslästerung schuldig gemacht zu haben; erstehe durchaus auf christlichem Boden, und eher würde er einen Diebstahl begehen können, als eine Gotteslästerung. Wenn in dem Artikel Jehovah als der lebendige Judengott „Javeh" bezeichnet und auch karikirt werde, so geschehe dies auch an vielen Stellen im Alten Testament, in welchem überhaupt viel Schmutz enthalten sei. — Der Vorsitzende rügte diesen Ausdruck. — Als einziger Zeuge wurde nur der Generalsekretär Levy vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens vernommen, welcher Namens des Vereins Strafantrag gestelle hatte. Er erklärte, daß wohl jeder Jude sich durch den Artikel auf's Tiefste verletzt fühlen müsse, da die gegen sie erhobenen Anschuldigungen doch geradezu ungeheuerlich seien. — Staatsanwalt Stachow II hielt die Anklage in beiden Punkten aufrecht, er beantragte eine Gesammtstrafe von drei Monaten Gefängniß. Der Angeklagte stellte nun den Antrag, eine Anzahl Stellen aus dem Alten Testament, insbesondere aus dem fünften Buch Mose, zur Verlesung zu bringen. Er wolle dadurch beweisen, daß jene Stellen weit anfechtbarer seien als der beanstandete Artikel. Der Gerichtshof lehnte diesen Antrag ab und erkann zweifellos, Gottesläste auch ein b eine gewiss sei aber ni sprechung < jüdischen $ Angeklagte nur die R Die 9 Zweifel de auffassend, Die Schule si enthüllt n Lehrer des schwerde r Dersel „Die Jude ein eingew derartige Kinder vm Namen ne Zuchtschr gelehrt we sondern de besonderes Nach Erhebung In e verordnete die Inder beschämen Haupt zm tonne bez seine Mit die christl gefallenen Abscheu ei solcher E in den S Für Stimmur kalter W< interessan Bei emei der^Kom Anderem Stellung „Ich gegen di< gar auf Rechte",ki französift Deutschen befassen, anderen 9 's nicht.