Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1895)
- Date
- 1895-02-08
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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62 Die Moche. J, Berlin, 6. Februar. ^>in Konservativer Parteitag, der am 3t. v. M. hier; O) abgehalten wurde, hat uns don Neuem gezeigt, was nur von dieser „führenden" Partei zu erwarten haben. Der erste ■ Redner'wa<Herr Stöcker, der kühn behauptete: „Die Gesetzgebung des Juden Laster, der Gründerschwindel, der! Krach, der Kulturkampf, sie haben die augenblickliche Lage geschaffen.! Daß aber die letzte Schranke zwischen Deutschen und Juden fortgerissen i worden, sei das Schlimmste des Bösen gewesen." Dann kam der eigentliche „Führer", Herr v. Mantenffcl. ■ der folgende historische und sachliche Bemerkung machte: j Das Triumvirat Lasker.Bamberger und Bennigsen habe dem \ deutschen Volke alle die Segnungen gebracht, an denen es jetzt kranke. Da sei es sehr gut gewesen, daß man die berechtigten Bestrebungen der Antisemiten in das Tivoliprogramm mit ausgenommen habe. Der Tritte im Bunde war der Reichstagsabgeordnete für Biele-! feld Rechtsanwalt Dr. Klasing. „Die Konservativen und das! Judenthnm" lautete sein Thema. Auch er erklärte sich mit der Bereicherung des Tivoliprogramms zufrieden, uinsomehr, als er : den Tag voraussieht, „da verschiedene antisemitische Elemente in perj sönlicher, wirthschaftlicher und Politischer Beziehung abgewirthschaftet j haben werden und dann die Führung den Konservativen allein! bleiben werde." Dr. Klasing verlangte „nur" Beseitigung der! Emanzipation!! Ob dieses Ziel zu erreichen sein werde, stehe > freilich dahin. Deshalb solle man jedenfalls mit kleinen Mitteln! versuchen, den „Kampf der nationalen Nothwehr" zu kämpfen! * Der Reichstagsabgcordnete Ahlwardt ist einstimmig aus der Fraktion der deutsch-sozialen Reformpartei ausgeschloffen worden. Wie die antisemitische „Tägl. Rdsch." hierzu bemerkt, sah sich die Fraktion zu diesem Vorgehen bestimmt: „durch das eigenthümliche, mit der Wahrheit im schroffen Widerspruche stehende Verhalten des Abg. Ahlwardt, der cs fertig brachte, in Baiern Reden zu halten, die niit den Grundsätzen der deutsch-sozialen Reformpartei unvereinbar sind, diese Reden sodann vor der Fraktion verleugnete und auch eine entsprechende, genau gefaßte Erklärung unbedenklich unterschrieb, aber schon ani nächsten Tage mit allerhand leeren : Ausflüchten abstritt und wirkungslos zu machen suchte. Die Partei wird die Gründe,die zu diesem Vorgehen gegen Ahlwardt bestimmten, in einer mit den Erklärungen Ahlwardts belegte» ausführlichen Denkschrift j darlegen, die allen Vereinen und Zeitungen der deutsch-sozialen Reform-! Partei zugehen soll. Ein am 29 v. M. in München herausgegebenes Flugblatt, worin das Ausscheiden Ahlwardts aus der Fraktion auf seinen Widerspruch gegen eine gegen die baierischen Parteigenossen gerichtete^Erklärung zurückgesührt wird, stellt die Thatsachen gänzlich unrichtig dar und rührt wahrscheinlich von Ahlwardt selbst her." Wir hoben dieser Darstcllung nichts hinzuzufügen, sie spricht für , sich selbst. Dr. Böckel Hot übrigens wegen dieses Beschlusses und „wegen der frciheitsfeindlichen Haltung der deutsch-sozialen Parlei" : gleichfalls seinen Austritt angenieldet. Inzwischen hoben die feind- . lichen Brüder in zwei Volksversammlungen sich mit Liebenswürdigi keilen überschüttet und Enthüllungen zum Besten gegeben, die mau : in den politischen Zeitungen nochlesen möge. * Der Dringlichkeitsontrog, den der Deputirte Pontbriand in j der französischen Kammer eingebracht hat, besteht aus den beiden! folgenden Paragraphen: „Art. 1. Uni zur französischen Verwaltung zngelassen zu werden, uni als Offizier in der Land-Armee oder Marine aufgenommen zu werden, nni mit entscheidender Stimme theilnehmen zu dürfen an einer durch Wahl gebildeten Versammlung, muß man Franzose sein oder von in Frankreich seit drei Generationen natnralisirten Ellern abstammen. Art. 2. Es ist gestattet, von Art. 1 eine Ausnahme zu machen zu Gunsten dessen, der durch ein Gesetz die Qualifikation des Franzosen wegen besonderer Verdienste um das Vaterland erworben hat." Ueber die Bedeutung dieses Antrags für die französischen Juden hat unser geschätzter Pariser Korrespondent in seinem dieswöchentlichen Briefe sich ausgesprochen. Freie Vereinigung jüdischer Lehrer Oberschlesiens. d Tarnowitz, im Januar. (^Spte VIII. Versammlung der Freien Vereinigung jüdischer Lehrer /Oberschlesiens wurde am 20. Dezember v. I, Vorm. 11'2 Uhr in Veuthen O.-S. durch das Vorstandsmitglied Hauptlehrer Rosenbaum-Beulhen mit herzlichen Worten der Begrüßung eröffnet Als Protokollführer fungirt Kollege Semmel-Laurahütte. Den Vorsitz übernahm wiederum Kollege Bernhard-Tarnowitz. Derselbe brachte zunächst eine Reihe von Anschreiben derjenigen Mitglieder zur Verlesung, welche ihr Fernbleiben von der heutigen Versammlung entschuldigen. Von dem Ausschuß des D. I. G. B. ist der Versammlung in diesem Jahre eine Subvention bewilligt worden. Aus den sonstigen geschäftlichen Mittheilungen des Vorsitzenden erwähnen wir hier noch das Ergebniß der auf der vorjährigen Versammlung der Freien Vereinigung angeregten Sammlung zu einer Ehrengabe für den ehemaligen Lehrer und Schriftsteller Benedikt Hanse in Eisenach. Der in Folge dieser Anregung von dem Kollegen Katz-Ratibor erlassene und von dem Vorsitzenden der Freien Vereinigung mit Unterzeichnete Aufruf hat in allen Gauen Deutschlands freudige Theilnahme gefunden, so daß dem verdienten Veteranen des Lehrstandes an seinem 80. Geburtsfeste von dem Vorstande der Synagogen - Gemeinde Eisenach die Summe von 918.46 M. überreicht werden konnte, welche derselbe auch angenommen hat. Wir danken allen freundlichen Spendern an dieser Stelle herzlichst und freuen uns des Erfolges, den Kollege Katz mit seiner warmen Anregung in unserer Vereinigung gefunden hat. In die Erledigung der Tagesordnung emiretend, leitete der Vorsitzende „die Besprechung über die geplanten Neugründungen jüdischer Lehrervereine" mit einer kurzen Darlegung des augenblicklichen Standes dieser Projekte ein. Der von dem Zweigverein Hannover zum Zwecke der Gründung eines deutsch-israelitischen Lehrerbnndes den übrigen Zweigvereinen zugegangene Statuten - Entwurf sei z. Z. noch Gegenstand der Vorberathung in den Zweigvereinen. Das Gleiche sei der Fall mit einem von dem Kollegen Becker-Wollstein veröffentlichten Gegeuentwurf, welcher jedoch in der Hauptsache dasselbe Ziel verfolge. Tie zweite Gründung sei der im Laufe des letzten Jahres ins Leben gerufene „Deutsche Reichsverband jüdischer Neligionslehrer", dessen Ziele und Bestrebungen ans dem im Juni 1894 versandten Rundschreiben ersichtlich sind. Des Weiteren gedachte der Vorsitzende auch der Bestrebungen, welche der Ausschuß des D. I. G. B. der Centralisirung der jüdischen Lehrervereine widme. Hierauf ergriff Dr. Brann-Breslau das Wort zu eingehender Charakterisirung der beabsichtigten und zum Theil bereits vollzogenen Gründungen. Der Redner zeichnete zunächst die Stellung, welche der Vorstand des Vereins jüdischer Lehrer in Schlesien und Posen zu dem von Hannover geplanten deutsch-israelitischen Lehrerbunde einnehme und legte die Gründe klar, weshalb die eudgiltige Erklärung über den Beitritt zu diesem Bunde nicht überstürzt werde. Der deutsch-israelitische Lehrerbund müsse ein fester, dauernd gefügter Bau werden, und werde als solcher um so eher aufgerichtet werden können, wenn alle für seine Begründung nothwendigen Vorbedingungen durch eine ruhige und sachgemäße Berathung in den Einzelvereinen erfüllt sein werden. Fiir diese