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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-01-25 · Heft 4 (25.1.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 4 (25.1.1895)
Date
1895-01-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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59. Jahrgang. Ar. 4. Allgemeine Berlin, 25. Januar 1895. ettung öes Zudenthuins. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Nabbiucr 2*- Ludwig Philippson-üonn. Verlags-Vrpedition: Berlin, Jerufalemerstr. 48/49 Alle ZuienduIlgen für Iiedaktion und Ervedilion fiitD cm Die Adresse: Verlag der „Allqem.?)Oitimg des IudentllumS", Berlin 8^V.. Iernialenrer Strave 48/49 zu richten. Verlag von -Ludolf Mosse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Bucvbandel, Postoder direkt von der Ervedition in Berlin unter Streifband bezogen oierteljnbrl. M. Ne dactcur: (S> u ft n u .N crrpcles. 3ttl)(tlt« Leitartikel: Die Anträge auf Verbot der Einwanderung der Juden. — Die Woche. - Das Judenthnm und die Sozialdemokratie. Von Hauptlehrer H. Reuß. — Der böhmische Nabbiner-Verband. — Die Juden in Oesterreich. II. — „Wissenschaftliche" Pädagogik oder „wissenschaftlicher" Antisemitismus. Von M. Spanier. — Maybaums Predigten und Schrifterkläruugeu. II. Von Dr. L. Blumeiithal. — Feuilleton: Vorurtheile. Novelle von Hermann Menkes (Forts.). — Der Judenjunge. Eine Erzählung aus Ost-Galizien von Wilhelm Feldmann (Forts.). — Literarische Mittheilirngen. — Sprechsaal. Der Gerrreirrdevore. Korrespondenzen und -Nachrichten: Berlin, Sensburg. Danzig. Eolberg. Bromberg, Aus der Provinz Posen. Lissa, Lublinitr. Neiße, Wien, Budapest, Lissabon. — Bon Nah und Fern. — Miseellen. Die Anträge ans Verbot der Einwanderung der Juden. f Berlin, 22. Januar. aß von rein antisemitischer Seite allerhand Anträge in Anssicht gestellt, wohl auch im Reichstag eingebracht.werden, um uns unsere mühsam errungenen Rechte Zn nehmen, sind wir schon lange geivohnt, und ivir schenken diesen Versuchen nur eine geringe, vielleicht zu geringe Aufmerksamkeit. Ein Zeichen für unsere Zeit bleibt es doch immer, wenn ein Reichstagsabgeordneter im deutschen Reich beantragen kann, daß alle Schulden an Juden einfach gestrichen werden sollen re. Immerhin ist man noch berechtigt, dies nicht ernst zu nehmen, aber die neue Tagung des Reichstages hat uns auch von einer großen politischen Partei einen Versuch gebracht, die Rechte der Juden durch ein Ausnahmegesetz zll beschränken. Die konservative Partei hat eineu Antrag eingebracht, die Einwanderung ausländischer Inden nach Deutichlaud zll verbieten. Dieser Antrag ist in erster Linie gegen die russischen und galizischen Juden gerichtet und er knüpft an zwei weitverbreitete Vornrtheile an, die leider selbst manche Juden nach und nach angenommen haben, nämlich all das eine, als sei eine starke Einwanderung von Juden in der That vorhanden, und an das zweite, als stellten, jene russischen und galizischen Inden minderwerthige Bevölkerungselemmte vor. Gerade weil diese Borurtheile so weit verbreitet sind, liegt die Gefahr nahe, daß so mancher, der für Ausnahmegesetze gegen Juden sonst nicht zll haben wäre, jetzt ein solches acceptirt, und ist erst die Schranke der gesetzlichen Gleichberechtigung an einer Stelle durchbrochen, danll haben unsere Widersacher leichteres Spiel, auch in anderen Punkten die verfassungsmäßige Gieichberechtigllng zu durchlöchern. Daruill nlüssen wir immer wieder die Thatsache betonen, daß die Ansichten voll der starken jüdischen Einwanderung und von der Minderwerthigkeit der fremden Juden eben nur Vorurtheile finb. Durch die Arbeit von Dr. S. Neumann: „Die Fabel von der jüdischen Masseneinwanderung" unb andere Schriften wissen wir, daß seit dem Jahre 1843 die Auswanderung der Juden alls Preußen die Einwanderung erheblich übersteigt, ja selbst einen immer steigenden Theil der natürlichen Vermehrung absorbirt. Dieser Verlilst ist ein sehr bedeutender, er beträgt: für die Jahre 1843—71 . . . rund 35,000 Seelen fiir die Jahre 1872—80 ... bei denen exakte Zahlen allerdings fehlen lind die Angabe sich daher auf Schätzung gründet „ 10.000 für die Jahre 1881—90 ... „ 27,000 also für das halbe Jahrhundert 1843—90 72.000 Seelen. Dieser Verlust stellt die Mehrauswanderung gegeuüber der jüdischen Einwanderung vor. Wir besitzen indeß noch andere Zahlen, die ans bem amtlichen Qnellenwerk, Preußische Statistik Heft 121 entnommen, uns angeben, wieviel fremdbürtige Inden zur Zeit in Preußen leben Die folgende Tabelle enthält in ihrer ersten Rubrik auch, worauf die amtliche Statistik ausdrücklich aufmerksam macht, die Kinder der nicht naturalisirten Juden, welche in Deutschland geborell sind. sromdbürtiae natural i Belgien . . . 24 45 Bulgarien. . 2 — Dänemark. . 39 52 Frankreich . 81 81 Griechenland 2 — England. . . 497 300 Italien ... 17 9 Lichtenstein . 1 — Luxemburg .24 41 Oesterreich . 4275 1239 Ungarn . . . 795 183 srrmddürtiar natnrali «''Vbiirtig auo j licht natura nirto v'\iiDcn firto, nviiU) biirt „\uDoit 2 cc len Seelen Holland. . . 683 569 Rumänien . 220 - Rußland . . 3536 4728 Schweden. . Norwegell . 43 15 22 Schweiz. . . 80 43 Serbien. . . 3 — Türkei.... 156 — Ver. Staaten Nordamerika 832 424 Diverse . . . 65 178 Im Ganzen leben also 19,304 fremdbürtige Inden in Preußen gegenüber einer sremdbürtigen andersgläubigen Bevölkerung von insgesammt 401,554 Seelen, also nur ein kleiner, gar flicht in das Gewicht fallender Bruchtheil derselben. Von diesem Theil aber bilden die russischen ihrerseits wiederum noch nicht einmal die Hälfte, nämlich 8264 Seelen. Man bedenke auch, auf wie lallgell Zeitraum sich diese Einwanderung vertheilt; sind doch alle Fremdbürtigen, gleichviel wie lange sie in Deutschland leben, ja sogar die in Deutschland geborenen Kinder der nicht Naturalisirten mitgerechnet. Man muß ein ganzes Menscheualter als Zeit für diese Einwanderung annehmen, und man kann mit Bestimmtheit behaupten, daß im Durchschnitt seit einem halben Jahrhundert nicht mehr als 600 Inden pro Jahr eingewandert finb, in

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