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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-01-11 · Heft 2 (11.1.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 2 (11.1.1895)
Date
1895-01-11
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Misoellen. Aphorismen. Unter diesem Titel bringt die „Deborah" folgende interessante Aussprüche: Den Antisemitismus hat das Judenthum nicht zu fürchten, denn es ist natürlich, daß seine historische Mission, die reine Lehre vom einig einzigen Gott durch die Zeiten zu tragen, ihm viele Streiter und Gegner erweckt. Auch der Abfall Vieler, selbst geistig Hochstehender, darf uns nicht erschrecken; denn was soll das Judenthum denjenigen seiner Söhne, die an seine Sendung nicht glauben? Israel hat ganz andere Prüfungen, viel größere und schmerzlichere Verluste überstanden und wird, wie nun schon vier Jahrtausende hindurch, auch in Zukunft Feinde und Abtrünnige überdauern, bis seine Lehre Gemeingut aller religiös Fühlenden geworden ist. Berlin, 6. März 1894. Prof. Dr. M. Philippson. „Aber müde machen sollen uns selbst die Großmächtigsten nicht." Dies Wort Moses Mendelssohns an David Friedländer — zweier Geisteshelden, die wir mit Stolz die Unseren nennen — soll sich auch an uns bewähren. In trüben Zeiten gilt es doppelt, Muth bewahren und Treue halten. Berlin, 2. März 1894. Ludwig Geiger. Auch eine Statistik. An sämmtlichen Universitäten deutscher Zunge wirken insgesammt nun fünf Professoren der Philosophie, die dem jüdischen Glauben nicht blos entstammen, sondern nach wie vor angehören. Es sind dies die Professoren Moritz Lazarus und Hajim Steinthal in Berlin, Jacob Freudenthal in Breslau, Hermann Cohen in Marburg und der Unterzeichnete. Kann es nun bloßer Zufall sein, daß särnmtliche Professoren ehemalige Rabbinatskandidaten sind? Wohl kaum? Das dürfte vielmehr ein „statistischer" Beweis für die moralische und pädagogische Unschädlichkeit des von aller Welt geschmähten, weil nur von ihrem winzigsten Bruchtheil verstandenen „Talmud" sein. Wenn man bedenkt, wie verschwindend gering die Zahl der deutschjüdischen Talmudschüler ist und daß gleichwohl die dem Judenthum entsprossenen Professoren der Philosophie an deutschen Hochschulen bisher alle ausnahmslos aus den Reihen der Talmudjünger hervorgegangen sind, so ist dies „auch eine Statistik", und zwar eine für Feinschmecker der Kulturgeschichte recht lehrreiche und für Jung-Jsrael durchaus beherzigenswerthe. Zu Nutz und Frommen der israelitischen Jugend Amerikas niedergeschrieben. Bern, Schweiz, 2. März 1894. Dr. Ludwig Stein, ordentl. Prof. d. Philosophie a. d. Universität Bern. £ ----- Ein Mahnwort des Kardinals Fürsten Schwarzenberg. Das „Salzburger Volksbl." schreibt: Im Oberer'schen Schreibkalender für das Jahr 1895, der seinen Lesern Dank der Mitarbeiterschaft des hochwürdigen Herrn Prof. Dr. Jos. Schöpf Jahr für Jahr eine ganze Reihe von gehaltvollen Aufsätzen zu bieten in der Lage ist, finden wir u. A. eine höchst interessante Autobiographie des genannten hochgeschätzten Priesters, in welcher Dr. Schöpf auch seine publizistische Thätigkeit eingehend erörtert. Anspruch auf allgemeines Interesse erhebt darin der Inhalt jener Instruktion, welche der verstorbene Kardinal Fürst Friedrich Schwarzenberg dem Prof. Schöpf übergab, als dieser die Redaktion der seinerzeit bestandenen „Salzburger Kons. Ztg." übernahm. In der Instruktion heißt es: „Vor Allem müssen Sie sich stets gegenwärtig halten, daß Sie Priester sind, und der Priester hat die besondere Verpflichtung, daß er in allen Dingen wahr und wahrhaftig sei. Also die Wahrheit und nur die Wahrheit. Der Priester soll sein wie der barmherzige Samariter, gütig und liebevoll gegen Jedermann. Also hüten Sie sich, den Gegner liebelos und roh zu behandeln oder gar seiner zu spotten; der Spott verwundet weit mehr als selbst die ernste Rüge. Hüten Sie sich vor dem Generalifiren. Wenn Sie also z. B. von einem Juden was Schiefes wissen, dürfen Sie nicht sagen: So find sie alle die Juden. Man könnte sonst leicht den Stiel umkehren und im Falle, als ein Geistlicher gefehlt, rufen: So sind sie alle die Geistlichen. ..."! ----- Wir entnehmen dem „Kiew. Slowa" folgende interessante Notizen ' über eine alte Synagoge in dem kleinen Stäbchen Stefania:! Das Gotteshaus ist viereckig, aus Stein errichtet, die Hälfte hat unter dem zerstörenden Zahn der Zeit stark gelitten. Die Farbe — noch! dunkler als tiefschwarz — der Säulen, auf welche das Gebäude I gestützt ist, legt das beredteste Zeugniß für das Filter derselben ab. | Aber weder die israelitische Gemeinde, noch ihre christlichen Mitbürger 1 haben irgend ein Schriftstück in Händen, aus welchem man ersehen könnte, wann das Gebäude errichtet worden. Ebenso fehlt die mündliche Ueberlieferung hierüber. Nach einzelnen Ansichten soll das Gebäude gleichzeitig mit dem Wall und den Bollwerken rings um die Stadt errichtet worden sein. (Dies soll zu einer Zeit, als die l Slaven noch keinen König besaßen und unter der Leitung der Patriarchen standen, gewesen sein). Das Gebäude soll viel früher, ehe es zum Gotteshause der Juden erworben, zu anderen Zwecken erbaut worden sein. Unter den verschiedenen in der Synagoge befindlichen Antiqui- ' täten sollen speziell zwei kupferne Waschbecken die Aufmerksamkeit der Besucher erregen. Auf dem einen liest man außer der Zahl „1536" deutlich die in deutscher Schrift leserlichen Zeichen H. L.; auf dem; anderen in hebräischer und deutscher Sprache den Satz: „Gott, gieb den Frieden, Amen". Für das erste ist der kleinen Gemeinde bereits 100, für j das zweite Waschbecken 300 Rubel geboten, doch gedenkt die Gemeinde,; ihre Gefäße nicht zu veräußern. j Der Milwaukee „Herold" schreibt: „Daß die Juden Frankreichs nicht blos in der Finanzwelt eine hervorragende Stellung ein- ■ nehmen, sondern auch in der Journalistik und Politik Bedeutendes geleistet > haben, beweisen folgende Namen: Albert Millaud war Mitarbeiter des! „Figaro" und sein Vater Polidore Millaud gründete das „Petit Journal", j die verbreitetste Zeitung in Frankreich; Jules Claretie, hervorragender j Romanschriftsteller, Mitglied der Akademie und Direktor der ersten! französischen Bühne; Anatol, Mitarbeiter des „Temps", dessen Begründer! gleichfalls ein elsässer Jude Namens Neffzer gewesen ist; Jules Simon,! ehemaliger Minister und Mitglied des Instituts, welcher ursprünglich i Simon Suisse hieß. Bei der „Republique Fram-aise" arbeiten Halövy, j der bekannte Bühnenschriftsteller und Novellist, Louis Bloch und Josef I Reinach; beim „Figaro" Adrien Marx und Rosentha! (Letzterer unter; dem Pseudonym St. Cire), beim „Journal des Dubais" der berühmte Nationalökonom Georg Michel, der bekannte Dramaturg Adolf D'Ennery und der Lyriker und Romancier Catulle Mendös. Ferner ist Arthur Mayer Redakteur vom „Gaulois", Eugen Meyer Mitarbeiter der „Laterne", und Blowitz Korrespondent der „Times". Bedeutende Schriftsteller sind: Abraham Dreyfuß, Louis Ratisbonne, Albin Balabrögue und Ernest Blum. Zu den Koryphäen der Bühne gehören: Zelie Hadamart, Amalie Hirsch, Rosina Bloch, welche an der großen Oper! wirken; Worms und Berr vom Theatre Fran^ais. Als Malerin genießt! Rosa Bonheur eines Weltrufes. In der Armee haben sich ausgezeichnet: die Generäle Lambert, Brissac, Alvaris, Levy, See und Salvador, ferner sind auch die Obersten Lyon, Fig und Hinstin jüdischer Konfession. Auf dem Gebiete der Politik haben sich hervorgethan: Camille Dreysuß, Lockroy und Reinach, unter den Gelehrten zeichnen sich aus: Leo Philippin und Loewy, welche hervorragende Astronomen sind, Lippmann, der Erfinder der farbigen Photographie, und der Schwiegersohn Dumas', Germain See, berühmter Arzt, Emil Java! und Michael Breal, Beide Mitglieder der französischen Akademie. * — Die Nr. 1 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstaße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Feinde des Vaterlandes. — Nochmals der Fall Leuß. — Vom „bösen Blick". — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Vermischtes. — Briefkasten. — Urtheil. Krirfkasten der Redaktion. H. P. in A. Die Einbanddecken zu „Karpeles, Geschichte der jüdischen Litteratur", sind wohl kaum noch apart zu beziehen. Vielleicht fragen Sie bei der Verlagsbuchhandlung! von Robert Oppenheim hier an. *

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