Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1893)
- Date
- 1893-12-22
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mrsoellen. — Aus dein Berliner Gemeindekalender für 1894 sind einige Angaben über die Heirathen in Berlin bemerkenswerth. Im Vergleich mit der Einwohnerzahl der Standesämter nach der letzten Volkszählung war die Zahl der Heirathenden im Durchschnitt der Jahre 1890 und 1691 am höchsten in der östlichen Luisenstadt (27.6 pCt.) und in der südlichen Rosenthaler Vorstadt, dann folgt das Stralauer Viertel; am wenigsten Ehen wurden in der Altstadt, der Dorotheenstadt und in Moabit und Thiergarten-Vorstadt (19.0 pCt.) geschlossen. Der Antheil der Mischehen unter den neugeschlossenen Ehen betrug 149.1 auf das Tausend, während der Antheil derselben unter den stehenden Ehen der Volkszählung nur 102.5 vom Tausend war. Angehörige derselben Konfession heiratheten von den Evangelischen 92.8 pCt. der Männer, 60 der Frauen, von den Juden 86.9 pCt. der Männer, 88.9 der Frauen. ¥ * Aus dem Leben des verstorbenen Fürsten Alexander von Bulgarien erzählt Heinrich Renner in der „Voss. Ztg." vom 21. November eine ergreifende Episode. Als dieser aus seinem Lande schied, „hatte sich Niemand von der Geistlichkeit eingefunden, nur der Ehacham-Baschi, der Oberrabiner, war erschienen, Als Alexander den alten Spaniolen erblickte, wollte dieser einige Worte sprechen, konnte aber vor Schluchzen nur unzusammenhängende Sätze stammeln. Der Fürst sprach etwas zu ihm, worauf der greise Mann vor Weinen fast ohnmächtig wurde. Es war ein Abschied von tief erschütterndem Eindruck. Gerade in seiner Naturwahrheit fühlte auch jeder Fremde, daß hier ein geliebtes Oberhaupt von seinen Getreuen scheide." d * Die Juden in China. Herr 9(. S. Annaud, der Agent der schottischen Bibelgesellschaft für Nordchina, giebt in einer Erzählung über seine Reise nach Kai-feng-fu, der alten chinesischen Hauptstadt, folgende interessante Beschreibung über die Ueberreste der dortigen jüdischen Kolonie: „Ich ließ mich sogleich zu dem Tiaoching (jüdischen) Tempel führen, von dem nur noch die Ruinen übrig sind. Auf einem Stein sind die Daten verzeichnet, wann der Tempel erbaut, wann er renovirt wurde und wann er in Trümmer siel. Die Juden sind hier unter dem Namen „Tiao-ching-chiao" bekannt. Sie wohnen alle um den alten Tempel herum, und während ich die Trümmer desselben betrachtete, kamen viele zum Vorschein. Die Mohammedaner versichern, daß die Juden als Sklaven herkamen, und daß sie sie stets mit Verachtung behandelt hätten. Es sind aber Beweise da, daß die Juden lange vor den Mohammedanern in China waren. Die Juden selbst glauben, daß ihre Vorfahren ungefähr uni 200 v. Chr. hinkamen. Ein junger Jude, namens Kaohui-kuei, ließ sich in ein langes Gespräch mit mir ein. Einige seiner Gesichtszüge waren von ausgesprochen jüdischem Typus. Sie haben kein Gotteshaus, erzählte er mir, und keinen reichen Mann unter ihnen, der es ihnen wieder aufbauen könnte, wie sie wohl wünschten. Als Tr. Martin sie im Jahre 1866 besuchte, waren sie noch 7 Familien, während jetzt nur noch 6 vorhanden sind: Kao, Chao,Ai, Li, Schih und Chin. Nach Kaohui-kuei ungefähr 500 Seelen, wie mein Führer aber sagte, kaum die Hälfte. Herr Kao behauptet, daß noch Niemand in der Kolonie zum Mohammedanismus übergetreten sei, konnte mir aber nicht im Entferntesten angeben, woran sie glauben. Sie scheinen ihren alten Gottesdienst aufgegeben und die Kenntniß von dem Gotte Israels längst verloren zu haben. Dunkel nur schwebt ihnen vor, wer und was sie einst waren."? ----- Die Nr. 51 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: „Die Schmach des Jahrtausends." — Von der antisemitischen Geschichtskenntniß. — Leuß, der Geschäftsantisemit. — Ethischer Antisemitismus. — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Russische Juden als Ackerbauer. — Die Juden und der Welthandel. — Briefkasten. v föci der Redaktion ringegangene Sucher. (Ein näheres Eingehen auf nnzelne Werke bleibt Vorbehalten? S. Baek. Die Geschichte des jüdischen Volkes und seiner Litteratur vom babylonischen Exil bis aus die Gegenwart. 2 Auflage. Frankfurt a. M. 1894. I. Kauffmann. E. Renan. Geschichte des Volkes Israel. Deutsche autorisirte Ausgabe von Schaelsky. Bd. I. Berlin 1894. S. Cronbach. C. Niebuhr. Geschichte des ebräischen Zeitalters. Bd. I. Berlin 1894. Georg Nauck. — Versuch einer Rekonstellation des Deboraliedes. Ebd. I. Benz in g er. Hebräische Archäologie. (Grundriß der theol. Wissenschaften. II Reihe. Erster Band). Freiburg i. B. 1894. I. C. B. Mohr. S. Buber. Midrasch Agada zum Pentateuch. 2 Bände. Wien 1894. A. Fanro. L. Errera. hes juifs russes. Bruxelles 1896. C. Maquardt. W. Feilchenfeld. Das Hohelied, inhaltlich und sprachlich erläutert. Breslau 1893. W. Koebner. A. Schwarz. Die Controversen der Schammaiten und Hilleliten. 1. Ein Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der Halachah. Wien 1893. Verlag der isr. theol. Lehranstalt. S. P. Rabbinowitz. Sefer Dibre Jmre Jisroel. (Hebr. Ilebersetzung der Geschichte der Juden von Graetz.) Bd. II. Lief. 1. 2. Warschau 1893. I. Alafin. Don Josaphat. Bibel und Judenthum. Passau 1893. M. Waldbauer. E. G oitein. Das Vergeltungsprinzip im biblischen und talmudischen Strafrecht. Frankfurt a. M. 1893. I. Kauffmann. M. Steinschneider. Jüdische Litteratur. Index der Autoren und Personen. Ebd. Frankfurt a. M. 1893. I. Winter und A. Wünsche. Die jüdische Litteratur seit Abschluß des Kanons. Bd. II. Lief. 14.15. (Baek. Die halachistische Litteratur; Bloch. Die jüdische Mystik und Kabbala.) Trier 1893. Siegm. Mayer. Geschäftliche Notizen. * Zu der in letzter Zeit vielfach besprochenen Pilsener Bier-Angelegenheit wird uns die Mittheilung, daß die Export bi er brau er ei Pfungstadt, deren Inserat sich auf der 4. Seite befindet, schon seit Jahren ein Helles, malzreiches Gebräu, nicht zu verwechseln mit dem bekannten Bock-Ale, produzirt und solches wohl auch flaschenweise abgegeben wird und außer bei der Filiale bei allen größeren Bierverlegern zu haben ist. Familien, welche Repräsentationspflichten zu erfüllen haben, ebenso wie die . Herren Hoteliers, Restaurateure und Oberkellner machen wir auf ein so eben in unserem Verlaae erschienenes, elegant ausgestattetes und reich illustrirtes gastronomisches Werk Das Diner von Robert Ktutzenbacher aufmerksam. 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