Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-12-15 · Heft 50 (15.12.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 50 (15.12.1893)
Date
1893-12-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227986-3228037--50426-3272039
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Mrsoellen. — Emin Pascha, der berühmte, jetzt tobte Afrikareisende, ist von! der antisemitischen Presse nicht verschont worden. So schrieb das > Münchener „Deutsche Volksblatt", er wäre wohl nicht tobt, weil ein j Jude ein zähes Leben habe und es noch viel Elfenbein in Afrika zu j holen gäbe. (s. „Mittheilungen" Nr. 31, S. 301). Auch di§ „Anti-! semitische Korrespondenz" hat ihn systematisch beschimpft und verleumdet.! Was Eniin Pascha wirklich gewesen ist, darüber giebt das soeben erschienene ' bedeutende Werk des Afrikareisenden Dr. Franz Stuhlmann: „Mit Emin - Pascha ins Herz von Afrika" (Berlin, D. Reimer) die beste Auskunft.! Ueber den „Elfenbeinjuden" Emin Pascha schreibt Stuhlmann: „Der unbedingte Verzicht auf alle persönlichen Vortheile war seine; charakteristische Eigenschaft. Er war der uneigennützigste und aufopferndste! Mensch, der sich denken ließ. Nie hat man ihn schwerer und gründlicher verkannt, als da man das abenteuerliche Gerücht verbreitete, er sei wegen seines Elfenbeines nach Norden gegangen. Als ob Geld und Geldeswerth jemals nur einen Augenblick sein Thun und Lassen hätten bestimmen - können! Wenn ja einmal die Erwerbung von Elfenbein in Betracht kam,! so dachte er nie an etwas Anderes, als damit einen Theil der großen Exz peditionskosten zu decken. Alles that er für Andere, nichts für sich selbst. : Was er konnte, sparte er sich selbst am Munde ab, um Anderen eine! Freude damit zu machen. Ich könnte zahllose Vorfälle anführen, die j das beweisen. Neidlos gönnte er Jedem seine Verdienste und ließ auch i Untergebene gern selbständig arbeiten, um ihnen einen Antheil an dem j Erfolge zu gewähren." Und wie Emin Pascha als Deutscher sich fühlte, darüber berichtet! Dr. Stuhlmann wie folgt: l „Was wir endlich nicht zum wenigsten an ihm schätzen müssen, ist die Thatsache, daß ihn trotz des langen Aufenthaltes im Auslande allen gegentheiligen Beschuldigungen zum Trotz stets eine warme Vaterlandsliebe beseelt hat. Der Heimath zu Liebe schlug er die glänzendsten Anerbietungen Fremder aus, denn er hoffte, daß er durch seine Erfahrung; der jungen Kolonie dienen, vielleicht auch, daß er durch seinen Einfluß im Lande die früher von ihm besetzten Gebiete dem Vaterlande dienstbar machen könne, eine Erwartung, die leider vereitelt wurde. Und aus dem gleichen Grunde verzichtete er, obgleich er sein Augenübel genau! kannte, damals in Karugwe und Mpororo auf sicheren Rückweg, da er! durch ein weiteres Vordringen neue Gebiete für Deutschland erschließen! zu können hoffte. Wenn er nun zu Grunde gegangen ist, so ist er es I nicht im Verfolg eigennütziger und eitler Ziele, sondern im Interesse einer Aufgabe, die er nach seinem besten Gewissen dem Wohle des! Vaterlandes für dienlich hielt.! Alles in Allem muß Emin Pascha als ein Mann von ungewöhnlichen; Gaben des Geistes und Charakters gelten, die durch kleine Schwächen, j wie sie jedem großen Manne eigen sind, nicht verkleinert werden können, ein Mann, wie er selbst einmal von Juncker sagte, „den der liebe Gott in einer Feiertagslaune geschaffen hat", dem Nörgler und Feinde nichts anhaben können und den die deutsche Nation mit Stolz den Ihrigen nennen darf Pflichttreue, Selbstverleugnung und Beharrlichkeit, Milde gegen Andere und Strenge gegen sich selbst, wissenschaftliche Gewissen-! Hastigkeit und eine fast zu weit getriebene Bescheidenheit zeichneten ihn | aus. Seine ritterliche Gesinnung hielt ihn ab, jemals öffentlich gegen! die gehässigen Angriffe Stanley's und Anderer aufzutreten. Er hüllte! sich großherzig in Schweigen und überließ es dem unbefangenen Be-! urtheiler, in den Angaben Stanley's und Anderer das Wahre von dem 'Falschen zu scheiden. Daß dies bereits in weiteren Kreisen geschehen, dafür spricht die jetzt allgemein gegen seine Angreifer gerichtete Meinung, die selbst in England Wurzel gefaßt hat, und spricht noch deutlicher der Ausspruch, mit dem Professor Kirchhof seine Broschüre über Stanley und Emin schließt: „Wir sagen uns wohl Alle, was muß das für ein wackerer Mann sein, dessen edles Charakterbild selbst aus den oft zweideutigen Lobestiraden, Stichelungen und offenen Anklagen für jeden Tieferblickenden so klar hervorleuchtet." Heft 3 des 38. Jahrgangs der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" (Breslau 1893 P. Schottländer) hat folgenden Inhalt: F. Rosenthal: Das letzte Passahmahl Jesu und der Tag seines Todes. — A. Büchler: Die Bedeutung von riYHl? in Chagiga 111 und Megilla IV, 10. — L. Bardowiez: Das allmälige Ueberhandnehmen der makres leetioms im Bibeltexte und das rabbinische Verbot, die Defectiva plene zu schreiben. — W. Bacher: Zur Geschichte der Ordination. — D. Kaufmann: Die jüdischen Schüler des Antonius Musa Brasavola in Ferrara. — Besprechungen: Grünbaum, M. Neue Beiträge zur semitischen Sagenkunde, von Felix Perl es. — Bibliographische Uebersicht. ¥ --- Die Nr. 50 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Von der antisemitischen Geschichtskenntniß II. — Das Judenthum und die deutsche Sprache. — Professor Paul Förster. — Aus dem Reichstag. — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Vermischtes. — Sprechsaal. — Erklärung. — Briefkasten. — Die Juden und der Welthandel. Geschäftliche Notizen. * Die „G ermania", Lebensversicherungs-Aktien-Gesellschaftzu Stettin, hat ihre Policebedingungen für Todesfall-Versicherungen in verschiedenen wichtigen Punkten einer Abänderung unterzogen, durch die den Versicherten dieser Gesellschaft die weitgehendsten Zugeständnisse für die Jnkrafterhaltung der Police bei Nichtzahlung der Prämie bei Reisen, Berufswechsel, im Falle des Selbstmordes :c. eingeräumt werden. Nach den neuen vom 1. Dezember 1893 ab giltigen Bedingungen der „Germania" wird jede Versicherung, die länger als ein Jahr in Kraft bestanden hat, bei Nichtzahlung der Prämie innerhalb der gewährten Respektfrist von 30 Tagen ohne Weiteres so lange in Kraft erhalten, als 60 pCt. der rechnungsmäßigen Prämienreserve oder der Rückkaufswerth nach Abzug der etwa bewilligten Darlehne rc. ausreichen zur Deckung der unbezahlt gebliebenen Prämien nebst 5 pCt. Zinsen im Mindestbetrage von eins auf je Tausend der versicherten Summe. Diese Bestimmung der „Germania" macht die Police in Wirklichkeit unverfallbar, soweit eine Lebensversicherungs-Gesellschaft überhaupt Unverfallbarkeit der Police gewähren kann. — Lebensweise und Berufswechsel üben nach fünfjährigem Bestehen der Versicherung keinen Einfluß auf deren Fortdauer aus. Ebenso wird nach fünfjährigem Bestehen der Police die volle versicherte Summe bei Tod durch Selbstmord, Duell oder Richterspruch ausgezahlt. — Die Auszahlung des versicherten Kapitals erfolgt ohne Diskontoabzug gewöhnlich vierzehn Tage, wenn aber im Geschäftsgebiet der „Germania" Krieg oder eine Epidemie herrscht, drei Monate nach Beibringung der vorschriftsmäßigen Papiere. Durch diese höchst liberale Reform der Versicherungsbedingungen der „Germania" werden ihren Versicherten die denkbar größten Vortheile geboten. * Deutsche Miltärdienst-Versicherungs-Anstalt in Hannover. — Im Monat November waren zu erledigen 1882 Anträge über Mk. 2,203,000.—. Das Vermögen erhöhte sich von Mk. 51,242,000.— auf Mk, 51,720,000.—. Familien, welche Repräsentationspflichten zu erfüllen haben, ebenso wie die . Herren Hoteliers, Restaurateure und Oberkellner machen wir auf ein so eben in unserem Verlage erschienenes, elegant ausgestattetes und reich illustrirtes gastronomisches Werk DaK Diner von Rodert Stutzrnbncher aufmerksam. Das von einem bekannten Fachmann geschriebene Merkchen giebt praktische Winke über Arrangement eineS Festes. In feiner ganzen Ausstattung mit geschmackvollem Rococoeinbano, eignet sich das Buch besonders zu einem feinen Geschenk. Preis gebunden Mark 4.—. Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder gegen Einsendung des Betrages von der Verlagsbuchhandlung Rudolf Messe, Berlin SW., Jeruf alemerftraße 48/49. Mur I Mark kostet bei allen Postanstalten und UlClTmjUljriUlJ Landbriefträgern die täglich in 8 Seiten großen Formats erscheinende, reichhaltige, liberale Berliner Morgen-Zeitung nebst »täglichem Familienblatl" mit fesselnden Erzählungen (im nächsten Vierteljahr „Ein Däuron" v. A. G. v.Suttner). Die große Alwrmenteuzatil sc». 150.0001 die noch keine andere deutsche Zeitung je erlangt hat. bezeugt deutlich, daß die politische H ltuna und das Vielerlei, welches sie für Haus und Familre an Unterhaltung und Belehrung bringt, allgemein gefällt. Probe-Nummern erhält man gratis durch die Expedition der „Berliner Morgen »Zeitung-, Berlin Sw. JnsertionspreiS trotz der gr. Auflage nurüvPf. dieZeile.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.