Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1893)
- Date
- 1893-10-27
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Mrscetten. — Die Geflügelrevolte zu Dorohoi. Aus Bukarest wird geschrieben: Wenn von jenen Gegenden die Rede ist, in welcher der arme Jude in Wirklichkeit als das gerade Gegentheil von jenen Schlemmern erscheint, welche in den Hetzpredigten der antisemitischen Weltbeglückungsapostel eine so große Rolle spielen, so muß wohl darunter in erster Linie der Distrikt, beziehungsweise die Stadt Dorohoi in der obereü Moldau genannt werden. Armnth und bitteres Elend sind daselbst das Erbtheil der Kinder des auserwählten Volkes geworden, dessen Angehörige hier zwar nicht den berüchtigten gelben Pestlappen als Unterscheidungszeichen von ihren christlichen Mitbürgern zu tragen haben, dafür aber doch noch immer als außerhalb des Gesetzes stehend betrachtet werden. Wenigstens ist in der Stadt Dorohoi noch immer eine besondere Judensteuer in Kraft, welche zwar nicht direkt die israelitische Bevölkerung, wohl aber jedes von Israeliten ans den Markt gebrachte oder geschachtete Stück Federvieh trifft. Das diese Geslügelsteuer, deren Erträgniß für die Erhaltung einer rumänischen Kirche bestimmt ist, weder mit der verfassungsmäßig verbürgten Gleichheit aller Konfessionen vor dem Gesetze, noch auch mit dem neuen Gesetze über das Maximum der Gemeindesteuern in Einklang gebracht werden kann, kommt nicht in Frage. Gleichwohl wurde dieselbe von den israelitischen Einwohnern Dorohois einfach deshalb ertragen, weil keiner von ihnen Lust hatte, mit der Polizeigewalt der Primarie in Konflikt zu gerathen. Als da aber sogar ein Glaubensgenosse, CH. Kohn mit Namen, sich herbeiließ, der Primarie von Dorohoi in der Eigenschaft als Accisepächter auch bei Eintreibung der Geflügelsteuer behülflich zu sein, kam der lange verhaltene Unwille zum Ausbruch Und zwar war es ein tapferes Schueiderlein, Janen genannt, welches der bekannten revolutionären Traditionen seiner Zunft eingedenk, den Muth fand, als Steuerverweigerer aufzutreten. Doch sollte diese Kühnheit dem Zunftgenossen Johanns v. Leyden schlecht bekommen. Janen wurde auf Grund einer Anzeige des Accisepächters abgefaßt und in den Gemeindekotter von Dorohoi gebracht. Nun aber erhoben sich dessen Glaubensgenossen in den Mahalas von Dorohoi wie Ein Mann, um den töpfern Janeu, den Märtyrer ihrer gemeinsamen Sache, zu befreien. Zuvor aber warf man dem Accisepächter Kohn einige Fensterscheiben ein; und es wäre gewiß noch zu weiß Gott welchen furchtbaren Ausbrüchen des lange unterdrückten Grolles gekommen, wenn nicht die Pompiers von Dorohoi herangefahren wären und durch einen auf die Demonstranten gerichteten kalten Wasserstrahl Letztere zur schleunigen Flucht veranlaßt hätten. Damit dürfll aber die Sache doch noch nicht abgethan sein; die Israeliten von Dorohoi wollen auch fernerhin keine blos ihre Konfessionsgenossen belastende Geflügelsteuer bezahlen, und wird daher die Regierung bald in die Lage versetzt sein, ihr Urtheil darüber abzugeben, ob in einem Rechtsstaate einer Gemeinde die Befugniß eingeräumt werden darf, eine besondere Judensteuer einzuheben. Die Diabetes bei den Juden. In einer Arbeit: „Notizen zur Diabetessterblichkeit in Frankfurt a. M." giebt Dr. Wallach in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift einige sehr interessante Daten. Danach finden sich in einem Zeitraum von 19 Jahren, nämlich von 1872—1890 incl., 171 Todesfälle an Zuckerkrankheit verzeichnet. Unter diesen war die Religion der Verstorbenen 156 mal angegeben, und zwar vertheilten sich die Todesfälle auf 51 Israeliten und 105 Andersgläubige; auf Erstere entfiel also beinahe ein Drittel--- 32,6 pCt. Nun betrug in den in Betracht kommenden 13 Jahren das Mittel 2871 Verstorbene, 205 Juden und 2666 Nichtjuden, das 13 jährige Mittel der Gesammtsterblichkeit an Zuckerkrankheit 11,7 — 0,4 pCt. der Gestorbenen. Juden starben durchschnittlich 3,9 —1,9 pCt. an diesem Leiden. Andersgläubige 7,8 0,29 pCt. Es geht aus diesen Zeilen also hervor: „Das Verhältniß der Todesfälle an Zuckerkrankheit in dem angeführten Zeitraum ist bei den Juden etwa sechsmal größer als bei den Andersgläubigen." Ferner wurde festgestellt, daß in allen Altersklassen bei den Juden eine erhöhte Sterblichkeit an Zuckerkrankheit herrschte, sowohl in denjenigen, die weniger stark besetzt waren, als auch in den stärker besetzten, wo sie viel höher ist, als es dem Unterschiede der Besetzung entspricht. Im Mittel von nenn Jahren starben von 1000 Lebenden überhaupt 0,1 an I Zuckerkrankheit, von 1000 Juden 0,3, von 1000 Andersgläubigen nur 0,07, also ca. viermal weniger. Ueber die Berufsarten der Verstorbenen wird bei 153 Füllen Folgendes berichtet: Kaufleute, Fabrikanten und größere Gewerbetreibende 26, darunter 13 Juden, Handwerker und kleine Gewerbe-! treibende 21, davon ein Jude, Gelehrte, Beamte und ähnliche Berufsarten 7,! darunter ein Jude, Handarbeiter und Taglöhner 7 Christen, Privatier! und Rentiers 24, darunter 13 Juden. Von 66 Frauen (gegen 87 Männer) i waren 10 Angehörige von Kaufleuten, darunter 4 Israelitinnen, den > Handwerkerkreisen rechnen IO Personen zu, darunter eine Israelitin, zu - den Familien der Gelehrten und Taglöhner zählen je 5, zu denen der z Privatiers 21, davon IO jüdischen Glaubens, ohne Angabe des Standes 15 Frauen, darunter 6 Jüdinnen. ft-üt* den Fonds zur Begründung indischer Littcratnrvercine haben ferner gespmdet: M. Weih 30 M. — Hermann Landsberaer 20 M. — M. Adler 20 M. — Jnlms Jaeebv 20 M. — S. Brilles 20 vt. — S. I. Leszynski 20 M. - S. Weile 20 M. - S. Leichtentritt 20 M. — Zusammen 170 M. 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