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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-09-15 · Heft 37 (15.9.1893) · p. Seite 434

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 37 (15.9.1893)
Date
1893-09-15
Page
Seite 434 (sequence 4)
Language
German
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434 Pc Woche.; Berlin, 13. September,! 6« scheint, als sollte es sich um einen neuen antisemitischen Borstos; handeln, der dein am 17. d. M. hier znsammentretenden! antisemitischen Parteitage ein eigenes Relief geben soll. Anders find die Zeitungslügen und Eilten nicht zn verstehen, die jetzt mit; großer Rü'gelmäßigkeit lviedertehren und deren Opfer wiederum der arme Buschhoff ist. So liest sich u. A. selbst die „Kölnische Bolts-! zeitnng" ans bauten berichteli, es? sei den Polizeibeamten dort amtlich j rnitgetheilt worden das; ans die Ergreifung Bnschhosfs der Staats-; ailwatt eine Belohnung von 5ihj Biark aufgesetzt habe. Bnschhoff sei , seit einiger Zeit au^ >eö!n verschwunden; neues? belastendes Material | soll ans? Alstaden beigebracht sein. Tie „Kölnische Volkszeitung" hat! sich damit aber zur Berbreiterin einer böstvilligen Erfindung! gemacht, und ihr Berfahren dabei ist zum Blindesten leichtfertig genoesen. Sie hätte nur Nachfragen diirfen, um zn erfahren, daß Bnschhoff nad) wie vor in der Rietenpsnhlstraße in Köln sehr ruhig! lebt und nicht gesucht zu werden braucht. Unschwer Hütte sie auch in j Erfahrung bringen können, daß die erneute Untersuchung sich nicht; gegen Bnschhoff richtet, was auch die Staatsamvaltschaft in Cleve! ausdrücklich bestätigt.! Denselben Werth haben auch die Tatarennachrichten der anderen! ailtisemitisehen Blätter. Wie übrigens? jetzt bekannt, beschäftigt sich i das Ministerium des Innern schon seit ein paar Monaten mit der > Wiederaufnahme der Allgelegenheit. Alls Alltrag des Jnstizmnnsters , wurde voll! Minister des? Innern der Polizeipräsident aufgefordert,; bis Ende August einen Kommissar namhaft zu machen, der sich j Anfang September nach L'anten begeben unb seine Thätigkeit dort! beginnen solle. Tief ist nun geschehen; der Krimillatkommissar Rauteuberg hat sich von hier dorthin begeben. , den norddeutschen Antisemitentag anbetrifft, so soll seine Aufgabe zunächst diese sein:! ,A. Beieiligullg der in der antisemitischen Partei vorhandenen, i vielfach künstlich erzeugten Gegensätze und Mißverständnisse, loodurch! ein gemeinsames Handeln unb hierdurch wiederum lveitere gröstere Erj folge für die Sache des Antiseulitislnus bisher verhindert tvorden sind.! 2. Zufall!illeilschlust aller derer, welche mit Hintansetzung aller; Sonderiuteressen arbeiten und kämpfen wollen für das nächste große? Zlet aller ehrlichen Antisemiten, die Aufhebung der Emanzipation des! Iudeuthurnf und Beseitigung der von dem internationalen Judenthum! in unserem Baterlailde erzeugten Berwüstungen, durch die Herbeij führung gesunder und praktischer Reformen. 3. Berständigung über eine zu schaffende einheitliche Organisation llnd Agitation." Ter Wahlspruch der vereinigten Antisemiten soll dann lauten: „Durch Reinheit zur Einheit!" - - Wer lacht da? : Tie „Kreuzzeituug" hat sich in letzter Zeit wieder mehr als nöthig mit uns beschäftigt. Aus einer harmlosen Anregung, hervorgegangen! aus stndeiltlscheu Kreisen, die die Roth der Uiliversitütshörer jüdischen! Glaubens? schilderte und Buttel zur Abhilfe in Vorschlag brachte, '' macht sie eine schreckliche Enthüllung über „die Zukunft unserer! Universitäten", indem sie sagt:! „Das Judenthnm „begnügt sich nicht mit dem Gelde der Nation, es will auch den Geist haben." „Ter Plan ist schlan angelegt und von „maßgebender" Seite,,von langer Hand vorbereitet". Und als! Beweis für diese Behauptung dient eine Notiz, die vor zwei Jahren! in der „Allg. Ztg. des Judenth." erschienen, worin empfohlen wird, Fonds zu sammeln, um arme israelitische Studirende zu unterstützen!! — Also weil man den überwiegend mittellosen, strebsamen jüdischen Studenten in materieller Beziehung das Studium erleichtern will, deshalb ist Gefahr vorhanden, daß der deutsche Geist im zwanzigsten Jahrhundert von dem jüdischen überwuchert werde. Da hat die liebe „Kreuzzeitung" wieder einmal einen Bock geschossen und dem „reinen" Deutschthum wahrhaftig ein sehr schlechtes Kompliment gemacht. d Die Verfügung einiger westpreußischen Behörden gegen das Schächten ist vom Minister des Innern auf telegraphischem Wege aufgehoben und die Polizeibehörden der betreffenden Regierungsbezirke mit entsprechender Anweisung versehen worden. Wir freuen uns dieser Entscheidung, durch die das Attentat, welches die deutschen Antisemiten gegen die Gelvissensfreiheit im Hinblick auf jene Polizeioerordnuug bereits planten, im Voraus zu Nichte gemacht worden ist. DieThatsache, daß die beiden angesehensten Fleischerzeitungen und die hervorragendsten thierürztlichen Autoritäten darin übereinstinnnen, daß beim jüdischen Schächter von Thierqnalerei nicht die Rede sein könne, hat jedenfalls bei dieser Entscheidung mitgewirkt. Indessen wird man gut thnn, die fernere Agitation gegen das Schächten, die wohl nicht ruhen wird, aufmerksam zn verfolgen, um vor allen Ueberraschungen gesichert zn sein. Die Schweiz ist mit ihrem Schacht- Verbot noch immer nicht im Klaren. Jetzt kommt der „Nenchntelois" und behauptet, daß zur Ständemehrheit 12, nicht blos II13 Stimmen nothwendig seien, eine Meldung, die Viele verblüfft hat. Weil man sich längst daran gewöhnt, die ganzen und halben Kantone bei solchen Volksabstimmungen in der Eidgenossenschaft einfach zu addiren, dachte Nieniand daran, daß diese Zühlmethode nicht genüge, um die verfassungsmäßige Mehrheit zu ermitteln. Jetzt aber, da die Mehrheit nur mit einer halben Stimme erreicht worden ist, erinnert man sich wieder der früheren Methode, nach welcher 12 Kantone die Mehrheit bildeten, nicht 1MH. Wenn zwei Halbkantone desselben Kantons (Nid- und Obwalden, Aaselstadt und Baselland, Appenzell Außerrhoden und Jnnerrhoden) nicht gemeinsam mit Ja oder mit Nein stimmten, wurden sie gar nicht gezählt. Tie Bundesversammlung wird sich darüber im Dezember, bei ihrer nächsten Tagung, erklären müssen. Möge es von guter Vorbedeutung für das tonnnende Jahr sein, daß der erste Neujahrsmorgen uns die .Kunde von den Reden des österreichischen Kaisers brachte, der in entschiedener Weise sich wiederholt fiir die Toleranz und gegen den Rassenhaß ausgesprochen hat. Zu dem römisch-katholischen Klerus in Boros-Sabes sagte der Kaiser: „Ich zweifle nicht, daß der römisch-katholische Klerus seinen! heiligen Berufe entsprechend auch in dieser Gegend in der Bevölkerung die konfessionelle Ruhe und die friedliche Eintracht ohne den Unterschied der Konfession und Nationalität pflegen wird, in welchem Bestreben Sie auf meine unveränderliche Gnade und mein Wohlwollen sicher rechnen können." In gleichem Sinne sprach sich der Monarch zu dem griechischkatholischen Klerus und den! Magistrat der Stadt Arad aus. Am selben Tage hielt — allerdings etwas weit von Arad entfernt — der preußische Finanzminister Miguel in Osnabrück eine Rede, die dieselben Prinzipien betonte und in der er sagte: „Ich habe nie als Oberbürgermeister weder eine politische Partei, auch in Frantfnrt nicht, noch eine konfessionelle Partei, noch einen Rassenunterschied gekannt. Ich habe mich immer gefragt, sind das Bürger, die das Wohl der Stadt im Auge haben, und danach habe ich die Menschen beurtheilt." U

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