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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-09-08 · Heft 36 (8.9.1893) · p. Seite 426

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 36 (8.9.1893)
Date
1893-09-08
Page
Seite 426 (sequence 8)
Language
German
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426 wurde, erzählt der Bericht Dem der Thätigkeit der Stiftung zur Förderrmg des Huudwerks unter den galizischen Juden. Die von der Jfruelitischen Allianz vor vier Jahren gegründete Hund wer kerschnle in Krakau wurde, nach entsprechender Erweiterung und Umgestaltung, in die Berwultuiig der Stiftung übernonnncn. Die beiden Werkstätten (Schlosser- und Tischlerwerkstätte) wurde» von 57 Zöglingen besucht, und zwar die Schlosserei von 34 und die Tischlerei von 23. Ihr Korrespondent hatte vor Kurzem Gelegenheit, diese Schule zu besuche», deren Verwaltung (augenblicklich! steht an der Spitze der Schule Herr Sperber) uns ihn den günstigsten j Eindruck machte. Mehrere solcher Schule» würden »ns ein Geschlecht! von gut erzogenen, jüdischen Handwerkern. liefern, die uns Ehre | machten. Auch konstatirte ich zu meiner Zufriedenheit, daß der s hebräische Unterricht, dem ich beigcivohnt, gewissenhaft betrieben wird; und daß die jungen, strebsamen Handwerkslehrlinge in der Bibel und in den Anfangsgrüuden der hebräische» Grammatik gut beschlagen sind. Außerdem gründete die Stiftung eine Schlosserwcrkstätte in Rzcszow, die von 16 Zöglingen besucht wird, und eine Korbflechtercischiile in Mielec. Als Handwerkslehrlinge sind augenblicklich in Galizien und der Bukowina (in 24 Ortschaften) 354 Zöglinge bei Handwerker» untergebracht, die, wie der Bericht hervorhebt, seit Anbeginn bei ihren zumeist schweren Arbeiten ansharren. Belehrend ist auch die Eintheilnng der Zöglinge nach den Facher». Die bei Handwerker» beschäftigten 354 Zöglinge sind i,n Ganzen in 37 verschiedenen Handwerkszweigen thütig. Am zahlreichsten sind die Tischler (89); dann kommen Schlosser (52). Klempner (37), Drechsler (23), Schneider (2k), Gelbgießer (16), Tapezierer (15), Schuhmacher giebt cs inerkwürdigerweise nur 3. Die übrigen Fächer, wie Buchdrucker, Schildernialer, Kosfermachcr, Gerber, Bürstenbinder, sind wenig (mit 7, 5 oder 3 Lehrlingen) vertrete». Am geringsten ist die Bctheilignng der Posamentierer, Messerschmiede, Glaser, Kachelfabrikslehrlinge, Kupferschmiede, Böttcher, Seiler, Kürschner und Photographen (mit je 1 Lehrling). Schon aus dieser oberflächlichem Zusammcnstellnug sieht man, >vie viel cs mit der Fabel von der Abneigung der Juden gegen schwere, physische Arbeit auf sich hat. Gerade die austrengendsteu Arbeiten (wie Tischlerei, Schlosserei u. s. w.) haben den meisten Zuspruch, während die weniger anstrengenden (wie Photographie, Glaserei u. s. w.) geringere Betheiligung fanden. In den verschiedenen galizischen Fachschulen sind 24 Schüler untergebracht, und zwar in den Fachschulen für Holzindustrie in Zakopane und Saybnsch je 1, ferner in den Webeschulen i» Gliniany (10), Krosno (7), Kossow (4) und Wilamowiee (1). Außerdem besucht eilte Schülerin die Fachschule des Frauenerwerbvcrcins in Wien. Fügt man noch hinzu, daß die Stiftung 49 Gewerbeschiiler (in Lemberg, Bielitz, Czernowitz, Krakau und Wien) snbventionirt und 9 Zöglinge beim Ackerbau »nterbringt (und zwar bei einem praktischen Landwirth in Skoivierzyn und in der landwirthschaftlichen Schule in Ezernowitz), so ergiebt sich, daß im Ganzen .536 Kinder aus Stiftungsmitteln dem Handwerk und Ackerbau zngeführt iverden. Die Ausgaben der Stiftung belaufen sich im Ganzen auf etwa 137,660 Gulden. Davon ivurden auf Volksschulen 43,000, auf Handwerkerschulcn 21,000 Gulden verwendet. Die Verwaltungskosten betragen gegen 18,000 Gulden — im Verhältnis; zur Gesammtsiimme der Ausgaben allerdings etwas stark. Das wären die interessanteste» Daten und Zahlen, die im Berichte enthalten. Man sieht, die Erfolge entsprechen bei Weitem nicht den Erwartungen. Dies ist auch erklärlich. Das Kuratorium in Wien und mit diesem die beiden Exekutiv-Komitees in Krakau und Lemberg gingen von dem verfehlten Gesichtspunkte ans, daß die Volksschule eine von allen anderen Zweigen des gesellschaftlichen Lebens loszulösende Institution sei. Sie vergaßen, daß nicht die Kinder, sondern die Eltern zunächst für die Schule gewonnen und vorbereitet werden müssen. Eine entsprechende Beeinflussung der galizischen Juden durch eine vernünftig redigirte Zeitung, durch eine gesunde, bildende Volkslektüre im Jargon, durch geeignete Prediger und Rabbiner in den Gemeinden — würde eine M affenbetheilignng an den neuen Bolks- und Handwerkerschulen zur Folge haben. Mit den „Erlässen" von oben hat man der Sache noch lauge nicht gedient. Eine liebevolle und allseilige Behandlung des schiveren Problems von Seiten des Kuratoriums, wie es hier angcdeutet wurde, wird gewiß zum Ziele führen. U Briefe aus Amerika. Von Professor Dr. G. Deutsch in Cincinnati. Interkonfessionelle Verbalinisse. II. Ilm nun noch eine Parallele zwischen der presbyterianischen Kirche und den Juden hcrvorzuheben, will ich daraus Hinweisen, das; aus beide» entschiedene Rcformparteien hervorgegangen sind, während der Stock der schwärzesten Orthodoxie treugeblicben ist. Wie wir einen Samuel Holdheim aus der Stadt hervorgehen sahen, in welcher Meier Leibusch Malbim zu der Zeit Rabbiner war, als der Erstere in der Resormgemeinde Predigte, so sehen wir aus de» Presbyterianern, die noch heute an der Unfehlbarkeit jedes Buchstabens in der Bibel, an der ewigen Berdammuiß aller Ungetanste» und an der fatalistischen Prädestinationslehre Calvins festhalten, die Unitarier hervorgehen, oder um mit C. Schüller (Artikel Puritaner in Herzog und Plitts Realencyclopüdie) zu spreche», wir sehen sie in den Sozinianismus „ versinken", wobei offenbar die Anschauung vorwaltet, daß Sozinianismus oder die Leugnung der Gottheit Jesu, mit Materialismus, Trunksucht oder Ausschweifung identisch ist, so daß man darin wie in eines der genannten Laster versinkt. Die Frage aber, die gegenwärtig die Presbyterianerkirche Amerikas in zwei Lager spaltet, hat im Judenthum keine Parallele, es ist die aus Deutschland über England durch die Werke von S.R. Driver und Robertson Smith eingedrungene Bibelkritik, die erst jetzt die in der Westminster-Konfession niedergelegte orthodoxe Jnjpirationslehre zu verdrängen beginnt. Das Judenthum ist hierzu Lande ebenso wie in Europa von diese» Kämpfen unberührt geblieben. In Deutschland ist „Geigers Urschrift" weit weniger Gegenstand des Streites gewesen, als Z. Frankels Einleitung in die Mischnah, und Grätz wurde wegen seiner Erklärung der Halachah ans zeitgeschichtlichen Umständen heftiger angegriffen, als wegen seines bibelexegetischen Standpunktes. Der Gegenstand unserer Kontroverse war eben die Verbindlichkeit des Gesetzes, und die Frage, ob die aaronidischen Ehehiudernisse gelten sollen oder nicht, hatte mehr aktuelles Jnteresie für uns, als die Frage nach der Abfassungszeit des 68. Psalms. So sehen wir auch in Amerika, daß die religiöse Stellung nicht durch die Auffassung der Bibel bedingt wird. Jsaac M. Wise, der Chaliza und religiöse Ehescheidung aufgegeben hat, den Speisegesetzcn gegenüber einen gänzlich freien Standpunkt einnimmt und die Aufnahme eines Prvselyten nicht von der Beschncidung abhängig macht, hält in seinem „Pronaos, Einleitung in die heilige Schrift", an dem Siaudpunkte der biuristischen Periode fest. Für ihn ist der Pentateuch das Werk Moses' mit Einschluß! der edomitischcn Königsreihe, welche von der Regierungszeit der

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