Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1893)
- Date
- 1893-09-08
- Page
- Seite 423 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3228023--50135-3271734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
423 emit keinen ingsniouate de, als der zu zähle», nein selbsthrsfestes ist g gegeben: n teruali, tacken, au t, bei den rung seien steumondslentag, an ach! wird, mg. Esra heilig dein ui sei eure Galt zm» rußte dach Gedachiigc konnte am Neug war im eier schon m wurde! , musterte i&tag bts r eröffnetc Abschluß rt cs sich, scluuialij cn Welt- Zeit ihre!l Welt und bildet in; erklang, r erklang rheit, der ird sinnzn dein gehuldigt Heu, vvr rrkläugen äesinnnit- > Barinrden als »scheu in o ist das zu einem I unserer sten Tag h. Buch, in»i, der sfest der die vernmg zu erlangen nach allen Verirrungen lind Wiederherstellung der Reinheit! das höchste Ziel des religiösen Lebens. j Bei aller Erkenntnis;, bei den besten Vorsätzen, beim festesten i Willen kommt der Mensch doch zum Fredel, da „giebt es keinen, der! stets das Elite gethail und niemals gesündigt hätte", und nun soll „ein Mal im Jahre" eine allgemeine Reinigungsfeier abgehalten; werden; „vom Abend bis zum Abend" ist diese Feier zu begehen; erst das Ende krönt das Werk, „erst am Schlußabend, zu NeNah, | ist das Sühnewerk vollbracht". j Was Wunder, daß die Alten diesen Tag, indem er zli Gott! zurücksührt und die seelische Wiedergeburt bewirkt, ungeachtet seines i tiefen Ernstes als einen „großen Freudentag" ansahen. Ohne diese I geistige und sittliche Erneuerung verliefe das Leben in einem betällj benden Erdeudunst; Körper und Seele stünden unter dem Zwange! der erschlaffenden Alltäglichkeit, und Begeisterung und Erhebung, diese Leuchteil am Himmel menschlichen Daseins, überzöge der Nebel- : schleier unheimlicher Gelvalten. „Ohne Versöhnungstag könnte die sittliche Welt keinen Bestand haben" — das lvill sagen: ohne Ausgleichung der verschobeneu Grenzen, ohne Genugthunng zu leisten dein vollbrachten Unrecht, ohne Besänftigung des verletzten Gemüths ist ein menschenwürdiges Dasein unmöglich. Das Eingestündniß unserer Verfehlungen, wie die Bereitwilligkeit, Andern zu vergeben, giebt dem Versöhnungstag seine eigentliche Bedeutung. Im Grunde genommen kann von Versöhnung nur in dem Ver-; hältnis; des Menschen zum Menschen gesprochen werden. So hat; auch ein alter Weiser die Verordnung: „Von allen euren Sünden sollt ihr vor Gott rein werden!" dahin erklärt: „Sünden, die der Mensch gegen Gott begangen, sühnt der Versöhnungstag, jedoch die i Sünden, die der Mensch gegen seinen Nächsten begangen, sühnt der Versöhnungstag nur dann, wenn man sich mit dem Beleidigten; oder Beschädigten zuvor ausgesöhnt hat." Im Verhältniß zu Gott; würde dieser Tag richtiger „Sühnctag" heißen, da Gott uns nur zu vergeben hat; bedeutet ja auch das Wort kdie Sünde bedecken, sie auslöschen. Die volle Sendung hat der Versöhnungstag erst dann gelöst, wenn er die Bienscheu einander genähert und versöhnlich gcstinmit hat. wenn er die heilige Flamme der Liebe entzündet, durch welche Gott erkannt wird und durch welche er auch olle die Sünden sühnt, die wir gegen ihn selbst begangen haben. Als Mittel, den Menschen zur Demuth und Zerknirschung zu führen, gilt die körperliche Kasteiung. Der Körper, der die Herrschaft sührte und dadurch zum Frevel kam, soll eine Beherrschung erfahren durch den Geist. Die Herrschaft des Geistes über die Sinne hebt die Möglichkeit der Sünde auf, der Jom Kippur soll den Beweis erbringen, das; alle Antriebe zur Schädigung der eigenen Person wie des Nächsten geschwunden sind, so die Seele die leitende Macht bildet. Zerknirschung ist die Losung des Versöhnungstages, jedoch nicht, um den Menschen trostlos zu machen und ihn rettungslos niederzubeugen — „der Herr wohnt bei den Zerknirschten und Demüthige», um den Geist der Gebeugten und das Herz der Zerknirschten zu beleben, um Heilung und Tröstung zu gewähren den Trauernden, Frieden den Ferne», Frieden den Nahen." Die Erhebung ans dem Staube, die Aufrichtung des Hauptes, die Heiterkeit des Antlitzes, die Freudigkeit der Seele, das ist das Endziel des Versöhnungslages, wofür der Prophet im Sabbath das geeignetste Bild findet.; Der Prophet eifert nicht gegen das „Fasten" überhaupt, sondern; uur gegen ein Fasten, das zu geistloser Werkheiligkeit herabsinkt, das z nicht zur Sinnesänderung führt; gottesdienstliche Festversammluug und Gewaltthat sind ihm unvereinbar. „Siehe, an eures Fastens l Tage gehet ihr dem Geschäfte nach, bei Streit und Hader fastet ihr, . die frevle Hand nusstrcckend, ihr fastet nicht, daß eure Stimme in; der Höhe gehört werde." Die Forderung lautet nicht, das; man wie Schilf das Haupt hängen lasse und auf Sack und Asche sich bette, sondern daß man die Schlingen der Bosheit öffne, jegliches Joch zerbreche, daß man Hungrige speise, Verfolgte bewirthe, Nackte bekleide und sich dem Mitmenschen nicht entziehe. Nur daun wird aus der Dunkelheit wieder das Licht hervorbrecheu nnd Heilung bringen; wenn die Tugend voranzieht, dann wird Gottes Herrlichkeit ihr Nachfolgen; kehrt der Mensch zu seinem Schöpfer zurück nnd ruft ihn kindlich an, so antwortet ihm der Herr: „Hier bin ich!" Es ist eine wohl zu beachtende Erscheinung, das; die beiden Feste des Tischriuwuats ganz Israel im Gotteshause vereiuigen, während die übrigen Feste nur vereinzelte Theiluehmer finden. Ein Denker sprach einmal die Meinung aus, es werde eine Zeit komme», in der ina» blos den Neujahrs- und Versöhnungstag begehen werde. Die Zeit ist da. Ein großer Theil unserer Glaubensgemeinschaft findet sich nur noch an diesen beiden Tagen im Gottcshause ein. Der Fall des Tempels bezeichnet auch für die Tage des Herrn eine» Wendepunkt. Die drei Wallfahrtsfestc traten nach und nach gegen das Neujahrs- und Versöhuungsfest zrirück, die sich immer mehr als Feste des rein Menschlichen entivickelten. Wollten wir die Feiertage nach ihrem Wese» eintheilen, so müßte» wir den Sabbath obenan stellen, schon um deshalb, iveil er allein in die zehn Bundeslvorte ausgenommen >vurde. Wie verhalten sich nun Sabbath und die drei Wallfahrtsfcste zum Neujahrs- und Versöhnungstag? Das Neujahr wird als „Sabbath" bezeichnet, der Versöhnungstag als „Sabbath der Sabbathe". Und was ihre Beziehung zu den drei Festen betrifft, so spiegeln sie alle die Gedanken wieder, die diesen zu Grunde liegen: Freiheit, Gesetz, Freude. Gegen den Patriarchen Gamliel II., der Neujahrs - und Versöhnungstag mir den drei Festen gleichstellte, thateu die übrigen Weisen den Ausspruch: „Neujahrs- und Versöhnungstag behalten die Heiligkeit des Sabbaths", welcher das Bild der Vollendung ist, das Bild der Ruhe und des Friedens, der Wonne und der Würde, mit einem Worte, das Bild der Verbindung und Versöhnung mit Gott und Menschen. Wie sich der Sabbath die Welt erobert hat, so wird auch der Versöhnungstag in irgend einer Form einen weitern Bode» geivinneu; in gewissem Sinne dürften >vir schon den staatlichen Bußtag dasür anseheu, und auch darin erblicken wir einen bedeutsame» Schritt, das; er in den Herbst verlegt wird, eine Zeit, die beschaulicher Betrachtung und ernster Herzenspcüfung am meisten günstig ist. Wir aber wollen nach alter Sitte dem erhabensten Tage eine längere Vorbereitungszeit ividmcn, wie sie uns als Mahnung in jener Parabel gegeben ist. Ein Herr leid seine Diener zu einem Feste ein. Die Gedankenlosen meinten, daß ihnen für die Vorbereitung hinreichend Zeit bleibe, darüber verstrich ihnen diese im Geräusch des Alltagslebens, und als der Ruf ertönte, waren sie erschrocken, in unangemessener Weise dem Rufe folgen zu müssen, kaum, daß sie den Staub der Straße von sich schütteln konnten. Die Verständigen jedoch hatten rechtzeitig alle Vorkehrungen getroffen und harrten noch vor der bestinnntcn Stunde au den Pforten des Palastes. Wenn das Volk in den Krieg zog wider die Bedränger, dann sollten die Priester mit den Trompeten schmettern, das; ihrer vor Gott gedacht und ihnen geholfen werde. So wollen auch wir in den Krieg ziehen, vor Allem gegen unsere inneren Bedränger, wie eine Posaune rmsere Stimme erheben und dem Volke einen Spiegel Vorhalten. Das wird uns vor Gott zum Guten gedacht und uns wird aus allen Irrungen und Bedrängnissen geholfen lverden. Das walte Gott!