Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1893)
- Date
- 1893-05-19
- Page
- Seite 239 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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239 ' Litteratm , beit 2k: . Abschnitl >elbcn bei r die Ver g bet Seit das Ver durch die : wird aus utf beit in mgewiesen, olhyuischen schaftlichen imer und en in bei »oll ist der ) Ackerbau .kommeuen Meer der Gefahren tlufklärung im Osten i genannt) mres Aufaller Versind etwa i bedeutet, plar eines bgegriffen- »ird. Der damalige Gelegenheit Virken des L. Levinseit seiner ichern und che Regie- > Rubeln, es Planes hums zu 'eiulali b’ lich. Das lärmig in erschienene Diese und iner Ansmdlungen llt. 1839 erwähnt, nzel, Jost, Erfasser zu tlufkäruug en Gebiet es gelang »neu, im en. Auch nd Wilna wird auf Levinsohns Anregung zurückgeführt. — Heute sind die! itabbinerschuleu durch die wechselnde Strömung der russischen Auto-; iratie längst beseitigt, das von Levinsohn begoimeue Werk ist durch j Hruck von oben und zerstörenden Radikalismus innerhalb des russischen j snidenthums selbst arg gefährdet. I. Levinsohn starb 1801 in Kre-; i lenetz. Sein ganzes Leben und Schaffen bildet ein wahres Lichtbild in der Nacht des Ostens.! * | FEUILLETON s-; Kagar. Eine schwäbische Dorfgeschichte von E. Vely. (Fortsetzung.) Sie geht in der großen Stube von einem der drei Fenster zum uitbent und ärgert sich plötzlich, daß die sämmtlich hiiiausschanen nach der Landstraße und zum Kramladen hin. Nach wenigen Minuten wer beobachtet sie das Haus genau, ab und an huscht ein Kind in eit Laden, oben am Fenster zeigt sich Niemand. Wenn er auch arg -erhärten ist, ein rechter Bauer kröch nicht in die Stube und früge;ar nach dem Doktor, denkt sie. Freilich, die Alte wird jatnmeru! Zhr einziger Sohn ist's — und tun die Lea hat sie nie so gethau. lud noch ein kurzes Weilchen, dann hat Dörtle überlegt, daß sie doch fer Mutter gehorchen muß, und ist hinüber und steht bereits auf rer ersten Stufe der alten Holztreppe und sagt dabei halblaut zu ich selber: „Wenn's auch nur aus Neugier ist!" Die äußere Thür bringt .»en Heraufsteigenden immer in Gefahr herunter zu stürze», aber Dörtle versteht das Hiiieinschlüpfen. Sie ist früher gar oft oben gewesen, weil ihr Lea hat beim Lese» helfen müssen. Daun ist sie »rin, vor der zweiten Thür, auf einem schmalen Oehren da hängen gar sauber und zierlich aufgeschichtet die porzellanen und irdenen Eßgerathe der kleinen Wirthschaft, steht auch ein alterthümlicher Schrank, itber den Dörtle jedesmal ihr Wunder hat, wie er nur die enge Stiege hat hinanfgeschafft werden können. Zweimal steckt sie die Hand nach dem Thürgriff aus, eh sie öffnet, daun sieht sie in Lea's erstauntes Gesicht. „O, Du bist's!" sagt das Mädchen leise und deutet »ach dem Nebenraum. Wie eine schwere Hand fühlte es Dörtle an ihrem Halse. „Mein Mutter schickt nti — ob auch was fehlen thät —" stammelte sie. Lea's Wangen sind feucht von Thräne», das gewahrt Dörtle erst jetzt, denn die graugrünen Vorhänge sind zngezogen, um dem Tageslicht zu wehren. Sonst hat das Mädchen die Stube gut gekannt, mit dem wackligen Sopha, das einen bunten Zitzüberzug hat, dem Glasschrank, aus welchem ein paar silberne Gefäße hervorblitztenwie sie so schön keiner im Dorf hat, und den ärmlichen Tischen und Stühlen, hetit kommt sie ihm fremd vor, und das mag wohl von dem Rauchwerk herrühren, das die alte Sarah auf einer Ofenschaufel verbrannt hat. Das Dörtle blickt etwas weniger stolz aus seinen blauen Augen, als es sagt: „Wie's ging, soll i auch fragen!" „Nit gut!" antwortete Lea und faßte dabei mit kalten zitternden Fingern nach der warnten Hand Dörtle's — „aber danken thu ich Dir und Deiner Mutter, daß Du daherkommen bist." „O, das ist nix Großes," wehrt Dörtle und dann hat sie dieselben Worte auf der Zunge, die sie vorhin im Laden gesprochen hat: „Hat er nix gesagt — gar nix, wie's angefangen hat?" Lea schüttelte mit dem Kopfe: „Nix!" Ja, das ist dem Dörtle wirklich ein Wunder — ein Gefühl von Scham überkommt sie. Dann tritt die alte Sarah herein; die weißen Haare hängen ihr um das Gesicht, sie hat augenscheinlich darin gerauft, und die schwarzen Augen funkeln. „Gott Israels!" ruft sie, „ist eine Wittfrau wohl so geschlagen. wie ich! Liegt mein Einziger, mein Stolz da mit dem Stich in der Brust —" „Verflachen ist er — der Bartel?" fragt Dörtle und weicht zurück. „Das ist nimmer möglich," setzt sie stammelnd hinzu und ruft noch einmal: „Der Bartel!" und vergißt die höhnische Bezeichnung die sie ihm gestern zugelegt hat. „Da, komm und schau!" sagt die Alte, „daß es zngelassen hat unser Herrgott, das ist, was ich nit begreifen kann! Solch ein braver, solch ein guter Sohn, auf den ich Hab gesetzt all die Hoffnung meiner alten Tage." Willenlos läßt sich das Mädchen mit an das Lager ziehen; die Knie wanken ihr, wie sie in das schräge Kämmerlein tritt, und ihre Blicke irren an den getünchten Wänden umher, eh sie sie wieder vorivärts richten mag. Nun ist's wahr mit dem furchtbaren Traum, daß das Blut von Peter Aigle's Händen zu ihr hinüber gespritzt ist und sie besudelt hat. Ihre Zähne klappern hörbar und innen sagt eine Stimme: „Der Aigle hat's gethan — und Du, Tu bist die Ursach davon." Mit rothen Wangen und geschlossenen Augen liegt der Bartel auf dem schmalen Lager; die Decke ist an der einen Seite herabgeglitten und Dörtle sieht blutgetränktes Linnen auf der Brust gehäuft. Die alte Sarah nickt: „Mein Baruch ist's, mein Einziger, den sie mir da elend niedergelegt haben in sei'm Blut! Aber schreien soll es gen Himmel, jeder Tropfen soll haben eine Stimm und anklagen —" Sie fährt mit beiden Hänben in das greise Haar und schüttelt sich wild. Anklagen! In des Dörtles Adern erstarrt das Blut, sie sieht Landreiter oder Gerichtsleute den Peter Aigle suchen und der deutet höhnisch nach der Pforte am Schwaderergut: „da ist Eine, die mich gehetzt hat." — Wenn sie jetzt, sie weiß es, ein Wasser vor sich sähe, sie liefe spornstreichs hinein. „Anklagen!" spricht sie dann tonlos und sucht sich an Lea's Schulter zu stützen. „Hat er Euch Alles gesagt, wie's gekomme» ist?" „Nix!" spricht Lea wieder, „hereingekommen ist er im Düiinnerlicht und dort auf den Stuhl gesunken, daß wir glauben mußten, er wollt verscheiden. Gesagt, angegeben hat er keinen." Dörtle blickt hinunter und faltet die Hände. „O Herrgott, das, das hat er gekonnt, Alles verschweigen, da mit dem Stich in der Brust! Ein wilder Raufer ist er freilich nicht, aber so schweigen können, das ist mehr als herausschreien," spricht sie in ihrem Herzen. Und dann kann sie fragen: „An's Gericht bringen thut Jhr's?" „O nimmer!" sagt Lea, „wozu sollt's nützen? Und trüf's einen Bauern aus dem Dorf, da wär unsers Bleiben nimmer. Schau, der Dokter hat gesagt, in den Zeitungen ist zu lesen, sie wollen unsere Leute durch die ganze Welt Hetzen. Da thun wir lieber schweigen." „Schweigen!" ruft Sarah! „vor Gott aber ist's nicht verschwiegen — und schreien soll das Blut von meinem Sohn, wie das von Abel hat einst geschrieen, um meinen Baruch, der gewesen ist mein Stolz." Dem Dörtle geht ein Schaudern über, sie blickt entsetzt in das zornige Gesicht der alten Judensrau. Sie hat schon die Mutter