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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-19 · Heft 20 (19.5.1893) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 20 (19.5.1893)
Date
1893-05-19
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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237 Ul will, erst lekümmerten Gebete sucht. n Verfasser, i, Jedutun Man dacht> Genannter mn es nickp e auf jenen I fand, sich Psalm verimmler all nnenfassend ch viele, die erschiedeiien len getreu, teinnng gesie hatten aus, das; die Ueberdie andere, lugen und mng folgt.) 1686. > ums Jahr tcn Jahren Sorten der mährischen m, die in 1650 vor tteu, hier Exulanten , die 1686 ig Sender fluth von ch hierher irchtbaren >i. David Ihren mit glücklichen igefundeu ie Tochter stürnnmg och bevor i bei dem rvd ihres b. Israel 137 ff. 170» 3. Brand in eelführer - l’ragae icum et srm auia Hohen, David b. Elia und Abraham b. Simon im Namen Simcha'S ens Ofen sagten übereinstimmend aus, daß Joua b. Ahron ertchlagen gefunden wurde. Die Zengnißanfiiahnie war aber R. David Oppenheim ungenügend erschiene», so daß er eine Einvernehmung j »euer Zeugen veranlaßte. Die Aussage Abraham Cohens, die sich in j der handschriftlichen Responsenversammlungst Oppenheims IN ^7 XL'! III, 12 erhalten hat, liefert uns einige Züge, durch die wir das! lückenhafte Bild von den Leiden der Inden während der Belagerung Ofens ergänzen können. Wir haben hier vor Allem einen unbemngenen Bericht über die Theilnahme der Juden an der Berihcidigung der Stadt, frei von Ruhmredigkeit und Ucbertreibnngsincht, harmlos, ohne Nebenabsicht ausgesprochen. Die surchthire Thätigkeit, welche die Juden gegen das christliche Heer cutfaltet haben sollen, erweist sich als eine auf Erregung von Haß > cemünzte Erfindung und vertvandelt sich in eine obligate, von den! türken geforderte, ja anferlegte Hilfeleistung. Bon der am Ufer! er Donau in der sogenannten Wasserstadt sich auSbrcitenden jüdischen Gemeinde mußten täglich zwanzig jüdische Männer zum Muuitionsneust, zur Bedienung der Geschütze mit Pulver und Kugeln, nach l .er Burg, Festung oder dem Schlosse, wie man damals sagte, mporsteige». Die Gemeinde ließ das Loos darüber entscheiden, welche ihrer Mitglieder zur Verrichtung dieses Dienstes i» den be- .mders formidabel befestigten, auf dem Bergrücken von Ofen sich indehnendeu Stadttheil sich zu begeben hatten. Als die Unterstadt crcits erstürmt war, wurde die Burgfestung abgesperrt, wodurch die Osten zwanzig jüdischen Munitionsträger von den Ihrigen unten bgeschnitteu waren. Aber auch die Burg konnte sich nicht länger alten, und Tags darauf beschloß man, den Kaiserlichen sich zu ercben. Zur Verständigung mit den Türken hatten die Ocsterreicher ms der Unterstadt einige Juden als Dolmetscher mitgenommen. ,.etzt hatten die Zwanzig ans der Burg Gelegenheit zu erfahren, wie es den Ihre» unten bei der Erstiirmimg gegangen, wie Viele wr Leben gelassen und wie furchtbar die beutelustige und entfesselte Soldateska in der unglücklichen Gemeinde gehaust hatte. Was sie u hören bekamen, war furchtbar genug. Biele Juden waren erschlagen worden, aber die jüdische Mildthätigkeit gegen die Todtcn, ie auch in der alten Gemeinde Ofen eine vortrefflich organisirtc ck>ebra kadischa hervorgerufen hatte, war selbst angesichts des feiudichen Würgengels nicht erlahmt. Man sammelte die Leichen in >en Raum nahe der Synagoge, wo man ehedem alte und nurauchbar gewordene hebräische Schriften und Drucke zu bewahren pflegte, die Genisa, und sorgte in der allgemeinen Bestürzung gleichwohl auch dafür, daß die Opfer namentlich verzeichnet wurden. Die Leichen zu begraben, hatte der Eroberer verboten. So lagen sie in dem Tempelraume, bis das Feuer, das die Häuser ihrer Gemeinde einüscherte, auch sie verbrannte. Jona b. Ahron, so hatte Abraham Cohen von den jüdischen Dolmetschern erfahre», war inter den Erschlagenen gewesen. Durch einen jener merkwürdigen Zufälle, welche die Quellen oer jüdischen Geschichte über die verschiedensten und unerwartetsten Orte zerstreut haben, hat diese Liste der Erschlagenen von Ofen, die mitten in der furchtbarsten Verheerung aufgenommen worden war, ui einem Meuwrbnche von Worms sich erhalten, das heute unter Nr. 2205 in Oxford aufbcwahrt wird, wohin es mit R. David Oppenheims Bibliothek gelaugt ist. Neubauer hat diese kostbare, am Schlüsse der Handschrift eingetragene Nameusliste in des verewigten >N. Roest „Israelitischer Letterbode" 6,144 zm» Abdruck gebracht. In i) Eigenthuin der Bibliothek der Hildesheinier'schen Rabbinerschule in Berlin. diesem Friedhofe der Ofener Erschlagenen sehen tvir denn auch wirklich Joua b. Ahron ruhen. Wenn wir so durch unser Responsum die Zuverlässigkeit dieses Verzeichnisses haben prüfen und bestätigen können, so glaube ich ihm andererseits auch den Beweis entnehmen zu können, wie dieses unter erschiitternden Umstünden aufgenommene Register denn doch auch die Spuren seiner lcidenrcichen Entstehung zeigt. Wie wäre es auch in dem alle Ruhe und Sammlung verscheuchenden Drange, wie wäre es bei der Unkenntlichkeit mancher Opfer möglich gewesen, eine unverbrüchliche Authentizität in der Aufzählung der Namen zu erzielen! Und so scheint es mir denn, daß Mathatia den Israel Cohen, der mit seiner Gattin Hindcl, Tochter Josefs,! und einer unverheirathcten Tochter unter den Erschlagenen anfgezählt wird, derselbe ist, der in unserer Zeugcnatlssagc vor dem Nikolsburger Rabbinate anftritt, um den Tod Jona b. Ahrons zu bestätigen. Daß es zwei Männer dieses Namens, beide Priester, in Ofen gegeben habe, halte ich für viel weniger wahrscheinlich, als daß der beim Untergange seiner Familie mit Todtgeglaubte sich gerettet hat und im Ghetto von Nikolsbnrg ziun Vorschein gekommen ist. Ich kann übrigens die Einbuße an Zuverlässigkeit, welche unsere Liste hierdurch erlitten hat, durch einen Beweis erschöpfender Treue aufwiegen. Noch ist das Klagelied uns erhalten, das Jsak Schulhof, der Sohn Salomo Salman Mvschels ans Prägst, der Schwiegersohn des größten Rabbiners von Ofen, des am 3. Juli 1678 verstorbenen R. Ephraim Cohen, auf seine während der Erstitrnmng der Stadt erschlagene Frau und auf seinen siebenjährigen Sohn gedichtet hat. Das Kind war von der Seite des Vaters weggcrisscn und in die Gefangenschaft geschleppt worden, in der es schon nach drei Monaten zu Raab verstarb (s. Kodaks Jeschurun VI, 136). Aber die Gattin Jsaks, die Schwägerin des Ofener Rabbiners Jakob Wilner, die Tante Zebi Aschkenasis, sie war von den Stürmenden niedergehaueu worden. Ich erkenne sie mm in der Todtcnliste in der Esther, Tochter R. Ephraims. 2'OLX TYH2 fD "1MDX fHE; hier war zu weitere» Titulaturen, wie man sie sonst bei dem Namen ihres Vaters erwarten sollte, eben kein Raum. Besser als Jsak Schulhof, dem sein Sohn vor seinen 'Augen in den sichern Tod weggeschleppt wurde, erging cs seinem Schwager, dem letzten Rabbiner von Ofen, R. Jacob Wilner. Auch er hatte seinen Sohn, den nachmals so berühmten Zelu Aschkenasi, bereits für todt angesehen, als er in Hamburg mit ihm zusammentraf. Er war während der Belagerung noch nach der Türkei entkommen, während die Brandenburger den Vater in die Gefangenschaft schleppten, aus der ihn die Berliner jüdische Gemeinde erlöste. Das Mitschleppen der Gefangenen, lebendiger Kriegsbeute, die durch die Hoffnung auf ein hohes Lösegeld besonders geschätzt wurde, tvar übrigens eine Praxis, die von Türken und Christen gleich stark betrieben wurde. Wir wissen es aus Jsak Schulhofs Klagelied auf den Fall Ofens (Jeschllrun VI, 142), wie diese opferwillige Gemeinde noch 1683 im Lager vor Wien die jüdischen Gefangenen auslöste, welche die Tartaccn dahin geschleppt haben. Ein anderes Responsum ltt. David Oppenheims II l, 6 zeigt uns, wie es die der österreichischen Grenze benachbarten ungarische» Gemeinden in der Umgegend von Mattersdorf waren, welche von den Türken und Tartarcu gefangen genommen und bei der Belagerung von Wien 1683 im Lager zurückgehalten tvurden, bis mildthätigc Glaubcnsgeuoffen das geforderte Lösegeld für sic zahlten. Wie lange mancher dieser Gefangenen mit der Soldateska hernmzog, das sehen wir an dem Beispiel der in diesem Responsum genannten Frau, die nach der Niederlage der st S. Kaufmann, Samson Wertheimer p. ö n.

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