Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1893)
- Date
- 1893-05-12
- Page
- Seite 225 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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225 cücht so faul zu schreiben Schuld; e. verhindern, auch? Dü ' ■’Srn zmu lecht zu sehv : geben mic el zu meiner nne Freund? verschuldein Von Euren rn, und ich »efindet, uitii ns besuchen inen Wagen h, wenn icli Nun, Her ideren Um ch eins will l. Mutte: le; es ist zi lichen Grujh bin Eur nburg. c»ndon. mrzemeind> ril Erneß ver großen en reichen gab dieser eitens des Syuagogc ersohn des rafen und Wontefiorc auch der Synagoge nückt und ' in einer and ist sic geht doch und Zu- Juden in nfig kaum Thrones mse theithcnkt und Es ist eben anders in England wie bei uns — und auch die sieier einer jüdischen Hochzeit ist in vielen Beziehungen grundverschieden von einer Hochzeit in Deutschland. Es ist dort Alles viel praktischer eingerichtet wie bei uns, denn es giebt in England keinen standesamtlichen Aushang, und was dergleichen mehr hier verlangt loirb. Bräutigam und Braut haben nur, nachdem sie in einer Registratur den Erlanbnißschein, heirathen zu diirsen, gelöst haben, chre Namen in das Register der Synagoge einzuzeichnen, und damit nid alle Förmlichkeiten, welche der Staat verlangt, erfüllt. Die Trauung findet wie bei uns unter dem Trauhimmel statt, mb dem Brautpaar wird ein Schriftstück (Ketuba) übergeben, das nif der einen Seite in jüdischer, auf der andern Seite in englischer Sprache alle die Vorschriften enthält, welche Mann und Frau in der sihe beobachten sollen. Der Wortlaut ist folgender. Der Bräutigam machte seiner Braut folgende Erklärung: „Sei mein Weib nach dem Gesetz von Roses und Israel. Ich verspreche heilig, daß ich Dir ein treuer Batte sein werde. Ich werde Dich ehren und liebe», ich werde für Bich arbeiten und Dich beschützen und Dich beschirmen, und werde Bich mit all dem versorgen, was für Deinen Unterhalt nothwendig st, wie zu thun es sich für eine» jüdischen Ehemann geziemt. Ich lehme es ferner auf mich, während Deiner Lebenszeit für Deinen interhalt zu sorgen nach den Verpflichtungen, welche durch die Gesetze unserer Religion vorgeschriebcn sind." „Die Braut hat ihre Treue in Liebe und Aufrichtigkeit geschworen and sie hat es übernommen, alle diejenigen Pflichten zu erfüllen, oelche einer jüdischen Ehefrau obliegen." Bei den Trauungen in England herrscht noch die alte jüdische Sitte, daß der Bräutigam ein Glas zertritt, und einer der nächsten Angehörigen desselben fungirt als „best inan“. Dieser ergreift den Zipfel des Tatars des Rabbiners und giebt auf dessen Aufforderung sie Erklärung ab, daß er dem jungen Paare in allen Lagen des lebens beistehen und Helsen werde. Die Trauungen finden gewöhnlich um die Mittagszeit statt. 2er Bräutigam erscheint zu derselben nicht im Frack, sondern im Geheck, da es in England streng 'verpönt ist, am Tage den Frack zu ragen; die Braut ist in vollem Brautschmuck, hat aber nicht wie bei ins Myrthen, sondern Orangenblüthen im Haar. An die Ceremonie schließt sich in den meisten Füllen ein Dejeuner an, bei dem es weder Tischlieder giebt, noch Aufführungen stattfinden. Dagegen wird viel getoastet. Der erste Trinkspruch gilt dem jungen paar, und ein lustiges „for he is a jolly good fellow" wird gesungen, was unserem „Hoch sollen sie leben" entspricht. Der Bräutigam dankt selber für den Toast und schließt mit einem Hoch ins ein Mitglied der Gesellschaft. Dasselbe erwiedert in gleicher Weise, and so geht es all iuüuitum weiter bis zum Toast auf die Geistlichkeit, welchen der Rabbiner erwiedert, und dieser bereitet dem Redefluß ein Ende. Zwischen 4 und 5 Uhr Nachmittags fährt der Hochzeitswagen siir das junge Paar vor. Während die Braut ihr Reisekleid anlegt, sammelt sich die Gesellschaft und stellt sich an beiden Seiten des Weges auf, durch den Bräutigam und Braut hindurchgehen. Ein Zeder der Gäste nimmt die Hände voll Reis, und wenn das junge Paar erscheint, wird cs von Allen mit Reis beworsen, was eine Wolke Glück bedeutet. Selbst der Wagen wird voll bedeckt mit Reis, und so erkennt ein Jeder auf der Straße, daß ein junges Paar in die Flitterwochen fährt, und von allen Seiten wird ihm zugernfen: -l wisli you a happy honey-inoon. Glückliche Flitterwochen! O FEUILLETON Sagar. Eine schwäbische Dorfgeschichte von E. Be ly. (Fortsetzung.) Binele's Gesicht ist wieder gleichgiltig tvie vorhin geworden, sie nickt langsam uttb sagt überzeugt: „Freilich, thät sich uit passen — ist wahr, i bin nur eine arme Magd, un's Dörtle ist die Erbtochter Venn Schwadererhof." Das blonde Mädchen springt von der Schwelle herab und ruft: „Und schan, da kommt der Pater! Der giebt mir's Geld erst gleich!" Und damit hat sie Binele's Anerbieten schon vergessen unb ist davongehnscht. Das alte Mädchen hält immer noch den Strumpf in den mageren Händen unb schüttelt den Kopf mit dem spröden, werßfarbenen Haar und sagt: „Freilich, i bin eine arme, alte Magd — unb Du, Dörtle — o freilich, hast Recht, thät sich nit passen, nimmer!" Und dann schleicht sie mit ihrem Schatz davon, um ihn auf ihrem Dachkämmerlein wieder zn verbergen. V. Nach einer ÄZeile steht Dörtle dransien vor der Gehöftthür und schaut über die Straße hinweg nach dem Hänschen drüben - es ist eine ungewohnte Zeit, jetzt in den Laden zu gehen, sie weist es wohl, aber die Bäuerin hat Recht, nach solchem Tanz ist der andere Tag einer, an dem man nichts Ernsthaftes vornehmen mag. Freilich, die Mägde, welche getaitzt haben, müssen schaffen, wie sonst auch — darum sind sie eben Mägde unb sie ist eine reiche Erbtochter. Die ersten Regentropfen fallen, da trippelt sie über die Straße; wohl blicken durch die Fensterscheiben all die Herrlichkeiten, welche Frau Sarah feilt hält, aber die Thur ist verschlossen. Sie ruft, Niemand hört, das ist ein seltener Fall, llitb schon hat sie unmuthig minutenlang dagestanden, als ihr einfällt, mit einer langen Stange, welche unter dem Treppendach lehnt, oben gegen die Fenster zn pochen — so hat man es gehalten, als die alte Kramerin einmal trank lag und Lea bei ihr sitzen mußte. Bald kracht denn auch die schadhafte Holztreppe leicht unter Lea's Tritten und dann steht das ernste Mädchen vor dem blonden Dörtle. „Ja, was macht Ihr denn für neue Moden?" forscht das etwas schnippisch, „schau auch, halb durchweicht bin i!" „Ist mir arg leid," entgegnet Lea und schließt die kleine Thür auf. „Dem Bruder ist nimmer gut, darum sind tuir oben." „So!" sagt gleichgiltig Dörtle und stützt sich gegen den Ladentisch. „Und warum i komm Sie unterbricht sich, denn in den Augen Lea's schimmern Thronen, was Jene freilich nicht gern zeigen zu wollen scheint, denn sie wendet sich und räumt zwischen den eisernen Töpfen. „Was hast nur?" „Er hat arg gefiebert in der Nacht, der Bartel!" „O, so ängstlich muß Eins nimmer sein!" antwortet die Bauerntochter altklug. „Meine arme Mutter!" sagt Lea leise. Dörtle pocht mit den Geldstücken gegen einander, daß es einen scharfen Ton giebt; eine leichte Röthe geht über ihre Wangen. Dem Tanzelesjud, dem gönnt sie schon, daß er eine Strafe hat — das arme alte Weib freilich — sie hustet verlegen und fragt unsicher: „Hat sich wohl auf der Reis' verkühlt, Dein Bruder?" Lea macht eine Bewegung, aus der man Ja oder Nein nehmen kann, wie man es will.