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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-03-03 · Heft 9 (3.3.1893) · p. Seite 107

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 9 (3.3.1893)
Date
1893-03-03
Page
Seite 107 (sequence 13)
Language
German
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107 sorgfältig arbeitete ersprießlickte ihn , wie fit gestalte» mit Iitel i rathein und fit ndtgenie. edeiitnng Ereignis; : vird um gestellten ießt auch c etwaig« veise fü> erörtert icnhaltcn ftörcnb. sich viel u Stadl it unserer ir habe» lob eil» s konnle zu hören sie nicht je wahr mache» it mnßlc u, — ei» :seu, da- Zohl aml in ihrem mern sich l sie mit 1er jede> je» jeder' er glcick-! erheben sich von llrzt anr rn lauge ntschließt t Begrisi d, — in Staads chen Ge e Gehal! der 9k tu Sicbctt” Er war atigelomttieit! „Habt Ihr ihn schon gesehen? wie sicht er aus? gefüllt er Ench? was meint Ihr, wird er gut sein gegen Juden?" so fragten einander die Leute ans der Gemeinde, als sich die Nachricht von der '.'lnkunft des unter allerlei Boraussetzungen erwarteten Arztes verbreitet hatte. Selbstverstündlich war Herzel am Bahnhof gewesen, als der Doktor angekommen, und erzählte jetzt Allen, die ihn umringten, in inner raschen Weise, welch ein schöner Mann Dr. Kalinskh sei, wie groß und stark. „Er kann nicht viel alter sein als dreißig'Jahre und hat so gute Angen, sage ich Euch, daß mir ganz leicht ans dem Herzen geworden ist. wie ich ihn angesehen habe, ich sage Euch, er wird den llranken und den Gesunden gefallen." „Gott sei gelobt! nun haben wir auch einen tüchtigen Doktor," jagten Alle. In kleinen Gruppen standen sie noch lange aus der Straße und unterhielten sich von dem Ankömmling. „Wen er wohl zuerst besuchen würde? Ob den Bezirlshatiptmann? üb er auch zu Jemanden von uns kommen wird?" Am nächsten Tage machte Dr. Kalinskh den .Honoratioren Beuche. Bei den geringen Entfernnngen war er bald fertig; daun »idt sein Wagen vor Jitels Komptoir. Die Leute sahen ihn hitteingehen und raunten einander zu: „Gott, was ist er für ein guter Doktor, er besucht auch gleich unsere Iitel." „Entschuldigen Sie, Frau Brüll," sagte der Arzt eintretend, daß ich Ihnen meinen Besuch im Komptoir mache; ich wollte nicht »'arten, bis ich Sie am Feiertage erst in Ihrem Hanse hatte treffen l mnen; Sie sehen, ich bin schon informirt," setzte er liebenswürdig l inzu. Iitel war ihm entgegengegangen und ihm die Hand reichend, > igte sie: „Ich danke Ihnen für Ihre Freundlichkeit, Herr Doktor, ul) will Gott bitten, daß Ihr Wirken segensreich sei für unseren ürt." Der Arzt gefiel ihr, seine Erscheinung flößte Bertrauen ein. „Eigentlich gehört sich's auch, Herr Doktor, daß mau cincu '«ollegen bald besuche," sprach sie lachend tveitcr. „Sie sehen mich »erwundert an: nun ja, cs ist besser, ich sage es Ihnen gleich, dann »ttb Sie darauf gefaßt, wenn Sie zu einem Kranken konnnen, die drüll auch schon da zu finden; denn sehen Sie, unsere Leute sind unn einmal so: bei leichten Fällen rufen sie den Arzt allein, bei schweren Fällen schicken sie erst zu mir und dann zum Arzt, sie balten mich nämlich für so ein kleines Dokterl, der es versteht, dem großen Kollegen," sie verneigte sich gegen Kalinskh, „die Krankheit zu erklären und sie zu belehren, wie die Verordnungen befolgt werden wüßten." Der Doktor hatte ihr erheitert zugehört, der Ton, die Art utels gefielen auch ihm, und es lag in seinem Interesse, mit Allen »ch gut zu stellen. „So sind wir also Kollegen! Es ist mir lieb, daß ich es weiß, denn ich bin nun wenigstens sicher, daß mir nicht hinter meinem Rücken ins Handwerk gepfuscht wird; wir tvollen uns >z»t vertragen, Frau Brüll, auf gute Kameradschaft also," sagte er lachend, indem er Iitel die Hand gab, sie schlug ein; „nun ist's aber auch Ihre Pflicht, mir einige kollegiale Winke zu ertheileu," nihr er fort; sie verstand ihn. „Ob Sie die Vorsteher unserer Gemeinde besuchen wollen, lann ich nicht wissen, aber bitten möchte ich Sie, bei meiner liebsten Freundin, Anna Zelkis, im Hause nebenan vorsprechen zu wollen, denn da haben Sie schon zu thun; ihr alter blinder Vater ist meist leidend und sie hat wohl nur deshalb noch nicht zu Ihnen geschickt, weil sie am ersten Tage Ihres Hierseins Sic nicht belästigen wollte." „Nun, dann ist's ja auch meine Pflicht, sofort hinzugchen," sagte der Arzt. „Ich danke Ihnen." Der Abschied war bereits ein freundschaftlicher. Als der Dottor bei Zelkis cintrat, stand Anna, eine Feder hinterm Ohr, an einem mit Büchern bedeckten Tische, ordnete, bczcichnctc, faltete Zeitungen nnseinander und schien damit beschäftigt, Lektüre auszusuchen und vorzubereiten. Im kleinen Orte wird nicht erst angeklingelt; man sicht Thüren und geht auf gut Glück hinein, wer bei irgend einem Thun nicht überrascht sein will, schiebt den Riegel vor. Dr. Kalinskh >var einen Augenblick im Zinnner, ehe Anna sich herumdrehte; er stand, mit dem Hute in der Hand, vor ihr. Sie tvußte, daß cs nur der neue Arzt sein tonnte; ettvaS verwirrt, jedoch schnell sich wieder fassend, hieß sie ihn willkommen. Die Augen verwundert auf Anna gerichtet, schien Kalinskh nach Worten zu suchen. In der That mußte Jeder, der Anna zum ersten Male sah, von so viel Schönheit überrascht sein. Anna war dreiundzwanzig Jahre alt, schlank und wohlgcformt, die Züge von vollendeter Reinheit, die schwarzen Augen von herrlich gezeichneten Brauen überwölbt; die blasse Gesichtsfarbe, das schwarze, prachtvolle Haar gaben ein liebreizendes entzückendes Bild. Des Doktors Ueberraschung war vielleicht deshalb noch größer, weil Iitel von ihrer Freundin gesprochen hatte, und er also eine ältere Dame zu sehen erwartete. Er nahm nun an, dieses schöne junge Wesen sei wahrscheintich die Tochter von Jitels Freundin und sagte: „Mein Fräulein, verzeihen Sie, daß ich hier eingedrungen; führen Sie mich, bitte zu Ihrer Mutter." Anna sah ihn verwundert an, er setzte deshalb hinzu: „Frau Brüll hat mir gesagt, nur aus Rücksicht, weil ich jo kurz hier bin, wäre meine Hilfe, die hier nöthig sei, nicht angerufen worden; ich will aber keine Vernachlässigung verschulden, ich möchte den Kranken sehen." „Alle Hochachtung vor so strenger Pflichterfüllung," sagte Anna, einen Sessel heranschiebend, „ich danke Ihnen, doch bitte, setzcir Sie sich, Herr Doktor, mein Vater ruht jetzt, da darf mau ihn nicht wecken, doch bald ist die Zeit, wo er erwacht. Sie sehen, ich habe hier schon Alles zum Vorlesen zurecht gelegt, er muß gleich kommen; sein Zustand hat sich etwas verschlimmert in der letzten Zeit; ich freue mich, daß Sie ihn sehen wollen." (Forts, folgt.) d Fitterarische Mittheilungen. — Bor ungefähr sechzehn Jahren gab Herr Dr. Ad. Jellinek eine Anzahl werthvoller Beiträge zu einer klassifizirten Bibliographie heraus; zwei derselben sind jetzt in zweiter vermehrter Auflage erschienen, nämlich TDTftn DIDJIp' Koutres Ha-Maskir, Bibliographie der; Namenkunde, besonders der Männer- und Frauennamen in Seheide- I briefen (Wien 1893, Lippe, 24 S.i, mtb DTtp^p koutres I Ha-Rambam, Bibliographie der Schriflen über Maimuni's Gesetzbuch lWien 1893, Lippe, 48. S.). Die erstere zählt 73 Schriften und Abhandlungen über Namen auf und giebt dann einige Notizen aus Moses b.; Gbabib's und Abraham Mutals pft'on fllEtT- Die Namen der Juden, welche mit den Wanderungen des jüdischen Stammes tut engsten Zusammenhänge stehen, harren trotz einiger werthvoller Beiträge noch immer einer eingehenden Bearbeitung. Wir erwähnen nur das S. 13 angeführte das En, eine Abbreviatur von Sen oder Senior, im Nomanischen dasselbe ist, was Don im Spanischen und Dom im Portugiesischen, mit dem Unterschiede, das; En zuweilen dem Familiennamen . vorgesetzt und mit demselben verbunden wird, wie Envidal, Enbonsenyor,; während Don immer dem Vornamen vorangeht. En war nur in Süd-! frankreich, in Catalonien und Valeuzia im Gebrauch und läßt somit die j Nationalität sicher erkennen. Zuletzt theilt Herr Dr. Jellinek aus seiner! Handschristen-Sammlung einzelne Bruchstücke mit, so Einiges aus den

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