Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1893)
- Date
- 1893-03-03
- Page
- Seite 99 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3227996--49568-3271140- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
09 Zehnter Tag. Mittwoch, den 20. September. Die Religion in ihrem Verhältniß zu den verschiedenen Moral- Lehren. Die Moral-Lehren finden in der Religion ihre höchste Stütze. Die Pflicht, das Recht, das Gewissen haben ihre Begründung in Gott. Andererseits ist die Beobachtung der Gesetze der Moral, die hauptsächlich in der Religion enthalten sind, unentbehrlich, um die Existenz und Entwickelung der Religiosität zu fördern. — Die Widerlegung der gnostischen Begriffe vom Gewissen, der Pflicht und dem Recht. Das Verhältniß der Religion zu den Ideen der menschlichen Natur, zum Charakter, zur Vollkommenheit und zum Glück. Die ethischen Symptome und ethischen Typen, geschaffen von den verschiedenen historischen Glanbensbekennlnissen. Verschiedene Schemata für die Besserung des gefallenen oder fehlender! Menschen. Elfter Tag. Donnerstag, den 21. September. (Vormittag) — Die Religion und die Familie Das Band der Ehe. Die Verzeihung der Sünden. Das religiöse Heim. Kurze Anreden der Repräsentanten der historischen Glaubensbekenntnisse. (Nachmittag und Abend.) — Die Religion und die sozialen Verhältnisse. Die Religion ein wichtiger Faktor zur Lösung der sozialen Probleme. Die Religion und die Frau. Der Arme. Der Irrende. Die Verbrecherwelt. Religion und Mäßigkeit. Zwölfter Tag. Freitag, den 22. September. (Vor- und Nachmittag). — Die Religion und die bürgerliche Gesellschaft. Die Religion und die Vaterlandsliebe. Die Beobachtung des Rechts. Die Loyalität den Institutionen gegenüber. Die Gefahren der großen Städte. Ist die Religion im Stande, den Anforderungen und Gefahren des modernen Lebens zu begegnen? (Abend.) — Der einunddreißigjährige Gedenktag der Proklamation Lincolns über die Emanzipation. Die afrikanische Rasse; ihre religiöse Mission und deren Bedingungen. Dreizehnter Tag. Sonnabend, den 23. September. Die Religion und die Liebe zur Menschheit. Die Verbrüderung der Völker. Die Pflichten der europäischen und amerikanischen Nationen gegen China. Internationale Justiz und Frenndschast. Schiedsgerichte anstatt Kriege. Die religiöse Mission der englisch sprechenden Nationen. Ihr Verhältniß zu einander. Vierzehnter Tag. Sonntag, den 24. September. (Nachmittag und Abend.) Religiöse Bersannnlungen des Christenthums. Deren Nothwendigteit, ihre Grundsätze und Hindernisse. Die Repräsentanten der großen historischen Kirchen sollen hierzu Stellung nehmen. Fünfzehnter Tag. Montag, den 25. September. (Vormittag). — Fortsetzung der Debatte über die religiöse Vereinigung des Christenthnms. Aufforderung zur Gründung von Vereinen Was kann hierfür geschehen? (Nachmittag und Abend). — Welche Berührungspunkte und Gegensätze bestehen zwischen dem Christenthum und anderen Religionen, die in den vorhergegangenen Konferenzen besprochen wurden? Christliche und nichtchristliche Redner sollen sich hierüber äußern. Sechzehnter Tag. Dienstag, den 26. September. Die religiösen Vereine der gesaunnten Menschheit. Die Mitwirkung der Wissenschaft und des Verkehrs für diesen Zweck. Die religiöse.Verpflichtung der Kulturwelt gegen Asien, Europa und Amerika. Welche Lehren kann der Einzelne aus den historischen Oiesultaten der verschiedenen Religio,iskenntnisie sich zu Nutze machen? Siebzehnter Tag. Mittwoch, den 27. September. Fortsetzung der vorigen Debatte. Die Elemente einer vollkommenen Religion, die aus der geschichtlichen Entwickelung der einzelnen Bekenntnisse hervorgehen. Charakteristik der Religion der Zukunft. Was ist der Schwerpunkt für die künftige Einigung aller Religionen der Menschheit?! Dies ist das Progranun des großen amerikanischen Religionsj kongreffes in seinen Grundzugen. Unterschrieben ist dasselbe von! einem Komitee der angesehensten Theologen aller Bekenntnisse, Erzbischöfen, Reverends. Predigern und einen! der ersten amerikanischen Rabbiner, Dr. Emil Hirsch in Chicago. In jedem Falle darf man auf die Verhandlungen dieses Religionsparlaments gespannt sein. U Nie Erziehung des jüdischen Weibes für feinen Beruf. Von Regina Neisser. Einer unserer gefeiertsten Gelehrte», Professor Steinthal, sagte vor mehreren Jahren in seinem schönen Bortrage: „Was Gott thut, ist wohlgethan" 11. A. „Was uns auch Anstößen mag, Glück oder Unglück, Freud oder Leid, in unsere Hand ist es gegeben, ans dem einen wie aus dem andern Heil zu schaffen, Heil für uns und unsere Nebenmenschen!" Das Leid, das uns betroffen, die Schmähungen und Angriffe, die uns in dein letzte» Jahrzehnt widerfahren, haben segensreich gewirkt, haben gar Biele unter »ns ans ihrer Lethargie anfgerüttelt, ihnen mehr n»d mehr znm Bewußtsein gebracht, daß eS die heiligste Pflicht Mer, die sich zur Lehre Moses bekennen, ist, in nnerschütterlicher Glanbenstrene an dem einig-einzigen Gotte festzuhalten, daß es ihre höchste Aufgabe ist, sich mit Stolz „Juden" zu nennen. Insbesondere geziemt cs aber auch de» israelitischen Frauen in erster Reihe, über ihre Aufgabe als Müller, als Erzieherinnen des heranblühende» Geschlechtes nachzndenke»! In die Hand der Frauen , und Mütter ist es gegeben, ihre Söhne zu Männern, ihre Töchter z» Müttern z» erziehen; die Erziehung der Kinder liegt zumeist in den Händen der Mutter, „der Mann muß hinaus ins feindliche Leben", und die Blätter der Geschichte verzeichnen neben der Heldenmnthigen, opferfreudigen Mutter des Alterlhums, welche ihre sieben Söhne um ihres Glanbenswillen dahingab, noch gar viele todesninthige, opferbereite jüdische Mütter, welche zur Zeit der Inquisition vorzogen, sich und ihren Kindern de» Tod z» geben, ehe sie von ihrem Glauben gelvichen waren! Es sind fast dreißig Jahre, daß an einem kalten Winterabende der große Saal des altehrwürdigen Gymnasiums znm grauen Kloster in Berlin von einer Kopf an Kops gedrängten Menge dicht gefüllt war; Rudolph Birchow sprach über „Die Erziehung des Weibes für seinen Berns". Er war schon damals der vielgefeierte Professor, »nd das vorwiegend aus Damen der beste» Gesellschaft bestehende Auditorium lauschte mit.leuchtenden Blicke» und glühenden Wange» begeistert den Worte» des vorzügliche» Redners. Ich war so glücklich, jenen Bortrag hören zu dürfen; ans Professor Birchows Haupt haben drei Jahrzehnte Ehren nnd Ruhm i» Fülle gehäuft; ans dem jungen Mädchen ist eine alternde Frau geworden, die viel erlebt nnd erfahren, gedacht nnd gelitten hat, in deren Erinnerung jener Bortrag aber unauslöschlich fortlebt. Biel gedacht! Nnd nicht zum wenigsten über die Erziehung des Weibes für seinen Beruf! Dr. Hermann Kleuke sagt in seinem Borwort zu dem so berühmt gewordene» Buche „Die Mutter als Erzieherin ihrer Kinder" ebenso schön als richtig: „Natur und Sitte haben die Bestimmung des Weibes vorgezeichnet, Gattin, Hausfrau rmd Mutter zu werden; schön ist die Erscheinung einer Hausfrau, schwer sind ihre Pflichten, doch reich an i Lohn und Freude; aber ans der Höhe seiner natürlichen Würde