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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-02-24 · Heft 8 (24.2.1893) · p. Seite 96

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 8 (24.2.1893)
Date
1893-02-24
Page
Seite 96 (sequence 14)
Language
German
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96 die Druckkosten zu tragen. „Im Stande sind," fügt Herr S. zu, denn ' am guten Witten der Verleger (zu denen Unterzeichneter sich demnächst auch zu zählen beabsichtigt), liegt es wahrlich nicht, sondern größten- , theils an dem geringen 'Absatz, den derartige Werke erfahren Wieviel Abnehmer giebt's denn für solche Werkes Ein paar jüdische und auch christliche Theologen, und einige der größeren Bibliotheken. Hier sollten die Vereine, besonders die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur fördernd eiugreifcn, indem sie von jedem jüdischwissenschaftlichen Werke eine gewisse Zahl von Exemplaren abnehmen, um sie eventuell unter den Mitgliedern eireuliren zu lassen. Mit der (Gründung hebräischer Buchdrnckereien, die der Verfasser weiter in Vorschlag bringt, hat es zwar auch sein „Wenn" und sein! „Aber", jedoch wird man, falls diese zu Stande kommen sollte, auch; diesem Projekte die Unterstützung nicht versagen dürfen. Jedenfalls müßte man dann denjenigen Verlagsbuchhändlern, die sich verpflichten, ihre Drucksachen in solchen hebräischen Buchdruckereien Herstellen zu lassen, als Aequivalenl dafür auch solche in den Druckereien gratis gedruckte Werke in Kommissionsverlag geben. Bezüglich des Kapitels „Gemeindebibliotheken" wollte ich nochmals j hier darauf Hinweisen, ich sage nocknnals, weil dies bereits in dieser Zeit-; sehr ist auch meinerseits geschehen ist, daß in solche Gemeindebibliothek! vor Allem jüdische Zeitschriften, besonders jüdisch-wissenschaftliche hin-! gehören. Es sind drei Riesenprojekte, die Herr Singer weiter in Vorschlag! bringt, nämlich eine genaue Ausgabe der hebräischen Klassiker, eine Edition | des Talmud in -">0 handlichen Bänden und ein Corpus lnsmpt’mumi j hebraicanmi. Aber mit den wahrlich sehr gut gemeinten Vorschlägen i allein ist der jüdischen Wissenschaft nicht gedient: es müssen sich, wie zu! allen Sachen, so auch zu dieser, Leute finden, die diese Projekte zur 'Aus-! führung bringen Bei der so oft bewiesenen Opferfreude unserer Glaubens-! genossen kann man wohl mit Bestimmtheit daraus rechnen, daß Diejenigen,! welche die Pläne zur 'Ausführung bringen wollen, auch die gebührende > Unterstützung in Geldmitteln erhalten. Jedenfalls dürfte der Verwirk-! lichung der von Herrn Singer gemachten Vorschläge mit Freuden entgegen-! gesehen werden. j B erlin, im Februar. I. Goldschmidt. >! I Geehrter Herr Redakteur! Mit besonderem Interesse habe ich in Nr. 5 der Ztg. d. Judentb. I den Artikel „Die jüdischen Kultusbeamten in den kleinert Gemeindeit" j gelesen. Nur gegen den Abschrritt über die Bitdungsarrstalten habe ich! Bedenken. Es will mich bedünken, als könnte es gar nicht schaden,! wenn die Kultus beamten in den kleinen Gerneinden auch weiter ihre! 'Ausbildrtng in den Lehrer-Seminarien erhalten, schon ans dem Grunde, j weil, wie mir vorschwebt, das mir als „Neupreußen" allerdings nicht gej nauer bekannte Judengesetz von 1847 verschreibt, die israelitischen I Neligionslehrer sollten den an die Elemeutarlehrer zu stellenden An-! forderungen bezüglich der allgemeinen Bildung, wie auch der pädago- ' gischen Kenntnisse und Fähigkeit genügen können, resp. die Prüfungen ' für Elementarlehrer abgelegt haben. Es ist auch aus einern andern; Grunde zu empfehlen. Wenn ein junger Mann das Lehrersentinar! besucht hat und kann dann nur als Religionslehrer, resp. 5>ultusbeamter Verwendung finden, so wird ihm das anfangs allerdings leid sein, aber! er findet sich schließlich doch hinein und wird er auch als Kultusbeamter! es als eine Wohlthat empfindeit, in einetn Lehrerseminar vorgebildet zu! sein. Außerdem hat er dann auch die Hoffnung, immer noch au eine! Elementarschule kommen zu können Wenn aber bei anderer Vorbildung * diese Aussicht von vornherein fehlt, würde er sich doch wahrscheinlich lieber gleich einem andern Berufe widmet:, und ich befürchte, Anstalten , die nur der Ausbildung von Kultusbeamten dienen sollen, wiirden : ziemlich leer bleiben, wenigstens bei uns in Westdeutschland. Zudem! würde bei solchen Anstalten ein Moment ausfallen, das ben Lehrer-! seminarien einen großen Theil ihrer Zöglinge besonders aus den be-! güterlen Familien zuführt, die militärischen Vergünstigungen. Also lasse j 1111111 den Seminarien ihre jetzige Einrichtung und Bestimmung. Vielleicht j könnten sie dann noch etwas mehr, als es bisher schon geschehen ist, berücksichtigen, daß fast sämmtliche Zöglinge «auch die an Elementarschulen kommenden) die Funktionen des Knltusbeamten auszuüben haben werden. Das thun ja die christlichen Seminare auch. — Außerdem würden heutigen Tages gerade die kleineren Gemeinden klug handeln, wenn sie die Umwandlung ihrer Schulen in Elementarschnlen anstreben würden. In der Person des Elementarlehrers hätten sie gleich auch den Knltusbeamten, und auch in pekuniärer Beziehung würde es eine Wohltkat für sie sein, weil ja der Staat sehr große Zuschüsse leistet, sonach die Gemeinden nicht so viel für den Elementarlehrer aufzubriugen hätten wie für ausschließliche Knltusbeamten Schreiber dieses bezieht z. B. (mit Wohnungsentschädigung) ein Fixum von 1440 Mark und hierzu zahlt die Gemeinde genau Wo Mark. Dadurch würde auch die lauteste Klage der Kultusbeamteu, die Versorgung im Alter, wegfallen, da dann die Beamten Ruhegehälter bezögen, ohne das; den Gemeinden besondere Opfer auserlegt werden, sticht allein zahlt der Staat zu jedem Ruhegehalt i>oo Mark, für den überschießenden Theil werden jetzt Pensionsverbände geschaffen, die die Pensionen zahlen, während die Gemeinden nur ihre Beiträge dahin zu zahlen haben, was doch für die kleinen Gemeinden unstreitig höchst vvrtheithaft ist. Dies meine Bedenken gegen genannten Artikel. A. in B. Sehr geehrter Herr! Während eines längeren 'Aufenthaltes in der orthopädischen 'Anstalt des Herrn Friedrich Hessing in Göggingen bei Augsburg, wo u. A. auch das Gebrechen des unsicheren Gehens in genialer Weise behandelt wird, ist mir wiederholt der Gedanke aufgetaucht, daß auch unseren Alten schon die Leiden, welche die Unsicherheit des Ganges verursachen, in umfassendem Maße bekannt gewesen sein müssen. Kehren doch in unseren heiligen Schriften und Gebeten Aussprüche wie: „Daß dein Fuß au keinem Steine strauchele" (Ps. 91), „Ja, du hast befreit — — meinen Fuß vom Fall" (Ps. 116), Gott habe „niemals wanken lassen unseren Fuß" (in Ernes weömuna), „Du stützest die Fallenden" (Scliemonali esre) vielfach wieder, und wenn hierbei natürlich neben dem körperlichen Sinne auch an eine Bedeutung in geistiger Hinsicht, an ein seelisches Fallen mit zu denken ist, wie aus Ps. 145: „Ter Herr stützet alle Fallenden und richtet alle Gebeugten auf" deutlich hervorgeht, ebenso an einen materiellen Verfall, an Ansehen, Stellung, Vermögen :c. („wer steigen und wer fallen solle", Uuess;ineh tokef), so sind diese Sprüche darum doch für Denjenigen von schwerem Gange nicht weniger tröstlich, besonders in einer Anstalt, wo so viel Leid zu einander kommt.' Ist dieser Gegenstand schon zusammenfassend behandelt worden — eventuell wo 8 — und würde es andernfalls nicht eine dankbare Aufgabe sein, dies, unter Benutzung auch des rabbinischen Schristthums, einmal zu thun 7 Göggingen, im Februar 1894. F. H. ¥ Sehr geehrte Redaktion! In Nr. 7 des 57. Jahrganges der Allgemeinen Zeitung des Judenthums befand sich eine Notiz unter den Miseellen über das Citat: „Ein Jeder hat sein Heim, der Pole nur das Grab." Daß das Citat von Herrn Werner an den Haaren herbeigezogen ist, unterliegt ja keinem Zweifel, ebensowenig, daß die Poesie in dem Vers: „Der Jud hat unser Heim, der Deutsche nur das Grab", noch unter jeder Kritik steht. Dennoch wollte ich mir erlauben. Sie darauf aufmerksam zu machen, daß der Antisemit Werner richtig eitirt hat, und daß der polnische Dichter Julian Ursinus Niemcewiez, der Adjutant Kosciuskos, der Verfasser des Verses ist. Er schrieb ihn, nachdem er infolge Theilnahme am Aufstand von 1880 sein Vaterland wieder verlassen mußte, in Paris kurz vor seinem Tode. — Werner hat also sein Eitat nicht von Byron. 'Au und für sich ist dies ja ganz gleichgiltig, aber der Wahrheit die Ehre zu geben, ist wohl keine Ursache zu geringfügig, umsomehr als die gegnerische Seite aus dieser Notiz vielleicht Kapital schlagen könnte. Ganz ergebenst S eh r o d a, den 20. Februar. I ae q u es M e n d e l s o h n. Truck und Vertag von Rudolf MoNe in Berlm. Vorantioortlich für die Redaktion. Mai Bauchwitz in Berlin.

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