Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1893)
- Date
- 1893-02-03
- Page
- Seite 50 (sequence 4)
- Language
- German
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50 Verwaltung veröffentlicht ist, so bin ich. der Meinung, daß man nicht allein berechtigt war, zu sagen, daß es für einen Beamten, der an der Spitze des Kreises steht, nicht gehörig war, für die Wahl eines solchen Mannes einzutreten, sondern daß die Regierung die Pflicht hatte, solche Dinge in die Oeffentlichkeit zu bringen. Eine Regierung kann dergleichen Dingen gegenüber sich nicht zweideutig verhalten. Wenn sie gleichzeitig gegen Angriffe, welche in der Oeffentlichkeit von Ahlwardt gegen sie gernacht wurden, zu meinem Bedauern nach Lage der Strafgesetzgebung nicht in der Lage war, schärfer vorzugehen, und wenn sie es gleichzeitg geschehen ließ, daß Beamte der Negierung für die Wahl dieser Mannes eintraten, dann würde das Urtheil berechtigt sein, daß die Regierung ihren Mantel nach beiden Seiten hänge und im Stillen die Agitation nicht so mißbillige, wie sie es verdiente. Darum geschah die Veröffentlichung, und ich kann einfach hinzufügen: Es ist nicht gern geschehen, es war aber eine absolute Nothwendigkeit, und vorkommenden Falls wird es ganz gewiß ebenso geschehen. (Lebhafter wiederholter Beifall.) Abg. Ho brecht (nl.): Es handelt sich hier um die Frage, ob eine Partei zu unterstützen ist, die ihre Hauptaufgabe darin sieht, die niedrigsten Leidenschaften im Volk Zu fördern. (Beifall links.) Das kann keiner thun, der es ernst mit unserem Lande meint. Das hat cutd) die konservative Partei gefühlt, als sie den Satz in ihr Programm aufnehmen wollte, der die Ausschreitungen des Antisemitismus mißbilligt. Leider ist dieser Satz nicht ausgenommen worden; das hat für mich eine äußerst betrübende Bedeutung. Man kann doch nicht sagen, daß der Antisemitismus einem religiösen Bedürfniß entspricht. Er kann sich lediglich und allein gegen die Verfassung richten. Daß Sie «nach rechts) die Grenzlinien, inwieweit Sie die verfassungs mäßigen Rechte vertheidigen wollen, verwischt haben, das mache ich Ihnen zum Vorwurf. Sie haben die Scheidelinien verwischt, welche Sie von der Judenhetze trennt. Ich bedaure, daß die konservative Partei diese Wendung genommen hat. Ich habe noch einen zweiten Beweis dafür, daß die jüdische Religion in fanatischer Weise angegriffen wird. Ich hatte mir vorgenommen, bei der Berathung des Justizetats die Broschüre des Professors Strack zur Sprache zu bringen, der eine Beschwerde über die Justizverwaltung erhebt, weil ein Antrag auf Verfolgung wegen Verleumdung rundweg abgelehnt worden ist. Die Gründe der Ablehnung sind mir nicht überzeugend gewesen. Die Justiz versagt oft den Dienst in revolutionären Zeiten, wenn durch eine ganz rücksichtslose Agitation und Treiberei das Rechtsbewußtsein revolutionär verwirrt worden ist. Es ist zu befürchten, daß solche öffentliche Gerichtsverhandlungen mehr schaden als nützen und der Justiz selbst zum Nachtheil gereichen. Sie werden vom Antisemitismus und ähnlichen wilden Richtungen benutzt als willkommene Gelegenheit zur Reklame. (Zustimmung links.) Die Schrift des Professor Strack knüpft an den sogenannten Talmudauszug an. Wenn man solche Dinge liest, so kommt man, auch ohne daß man den Urtext kennt, zu der Ueberzeugung, daß es sich nicht um wortgetreue Wiedergabe handelt. Es sind von anderer Seite wissenschaftliche Entgegnungen gekommen. > Wir sind nicht in der Lage, nach beiden Seiten hin zu prüfen, aber der! Auszug enthält Dinge, die man auf den ersten Blick als schändlich und empörend erkennt. Es heißt, daß dieser Talmudauszug noch heute als jüdisches Moralgesetz gelte. Eine Aeußerung, vielleicht die harmloseste, will ich verlesen, weil ich glaube, daß es Männer giebt, die aus eigener Erkenntniß, aus dem Leben ihrer Familien heraus die Niederträchtigkeit bezeugen kömlen. Es heißt da unter 81: Ferner ist es einem jüdischen Arzt verboten, Nichtjuden zu heilen- (Heiterkeit links), selbst wenn er dafür Bezahlung erhebt. Den Juden ist es erlaubt, an Nichtjuden 31t prüfen, ob Arzneimittel gesundheitsbringend oder tödtlich sind. «Hört! hört! links.) Daß das nicht der Fall ist, wissen Sie Alle. Aehnliches hat sich in wilden Zeiten des Fanatismus immer wieder ge- zeigt. Es geschieht auch jetzt bei anderen Völkern. Ganz dasselbe sehen wir bei chinesischen Gelehrten, welche auS unseren heiligen Büchern chinesische Uebersetzungen publiziren, um darzuthun, zu welchen Scheußlichkeiten die christliche Religion führe. (Hört! hört! links.) Wenn dann der Pöbel dazu übergeht,- die Niederlassungen der Christen anzuzünden und die Christen todtzuschlagen, so zuckt der Mandarine die Achseln und sagt: Ich habe'keine Veranlassung, etwas Besonderes zu thun; daß ich die Uebertreibungen und Ausschreitungen des Antichristianismus verwerfe, versteht sich von selbst. (Sehr gut! links.) Das ist nicht genügend. Wir haben es mit einer wirklich ernsten, schweren Gefahr für den Frieden des Landes zu thun, dagegen sollten wir Alle Front machen. «Lebhafte Zustimmung links.) Ich will nicht die Thatsache leugnen, daß eine gewisse Art antisemitischer Gesinnung vielleicht bei allen Parteien verbreitet ist. «Aha! und Bewegung rechts.) Ich habe sie nicht. Eine gewisse Abneigung gegen einzelne, besonders bei den Juden wiederkehrende Eigenschaften wird bei Vielen nicht überwunden durch die Anerkennung unzweifelhafter Vorzüge der Juden, meines Erachtens sehr mit Unrecht. Derartige Antipathien kommen bei verschiedenen Nationen überall vor, Engländer und Schotten, Deutsche und Tschechen. Aber wir haben wahrlich keinen Grund, diese Gegensätze 31t Werkzeugen unserer Agitation zu machen. Ich bin nicht Antisemit, ich habe treue Freunde unter den Juden gefunden. Wenn irgend ein Volk seine Schäden und Gebrechen anerkennt und bereit ist, an der Besserung mitzuwirken, so ist es gerade bei den Juden der Fall. «Zustimmung links. Lachen rechts.) Sie haben sich uns Deutschen ganz besonders angeschlossen (Gelächter rechts); es ist wahr, sie haben ihren vollen Antheil an unserer Ehre, unserem Ruhm. (Lebhafter Beifall links.) Ich habe nicht zu richten zwischen Antipathie und Sympathie, aber diese antisemitische Bewegung, wie ich sie gekennzeichnet habe, hat mit jener Antipathie nichts zu thun. Dieser Antisemitismus, von dem wir uns nicht schroff genug trennen können, er ist nicht edel, nicht deutsch, nicht christlich. (Lebhafter Beifall links und bei den Nationalliberalen.) Abg. Rickert (bfr.): Ich kann den Worten des Vorredners nur meine volle Zustimmung aussprechen, besonders seiner Charakterisirung des schändlichen und geradezu gemeinen Flugblattes, des Talmudauszugs, das auch bei der Arnswalde-Friedeberger Wahl in Massen von Exemplaren verbreitet worden ist. Was die Schrift betrifft, welche ein orthodoxer und ganz auf konservativem Boden stehender Theologe, Professor Strack schrieb, so habe ich sie nicht ohne innere Bewegung lesen können. Ich bedauere, daß die Verhältnisse so liegen, daß die Juden in mancher Beziehung geradezu schutzlos jeder verächtlichen Agitation preisgegeben sind. (Lachen rechts.) Mit vollem Recht sagt Herr Professor Strack: wenn die Behauptungen des Flllgblattes wahr sind, so muß gegen die Juden von Staatswegen eingeschritten werden, denn darnach sind die Juden von Religionswegen als Verbrecher erklärt. (Hört! hört! links.) Ich frage, ist es da ein Wunder, wenn Ausschreitungen Vorkommens Ich will das Urtheil und den Bescheid der Staatsanwaltschaft und Oberstaatsanwaltschaft zur Zeit nicht kritisiren. Gewiß haben die Herren ein Recht, die Verfassung auf gesetzlichem Wege zu ändern; was soll denn aber die ganze Hetze gegen die Juden bedeutend Wollen Sie Artikel 12 der Verfassung und das Gesetz von 1869 auf hebend Ich frage Sie (nach rechts), wollen Sie die Verfassung in Bezug auf unsere jüdischen Mitbürger ändernd (Abg. Graf Limburg-Stirum macht eine verneinende Bewegung.) Sie schütteln den Kops, Herr Graf, Sie haben ganz Recht. (Heiterkeit links.) Wer weiß, ob Sie noch als Arier angesehen werden. (Sehr gut! links.) Die Kreuzzeitung schrieb kürzlich, wenn man zur Zeit des Kulturkampfes vor Verfassungsänderungen sich nicht gescheut habe, warum soll man in Zukunft das thun? Stehen die Rechte der Juden über denen der christlichen Kirche? (Sehr richtig! rechts.) Gewiß, die Verfassung können Sie ändern, aber welche Rechte wollen Sie den Juden nehmen, welche wollen Sie ihnen lassen? Es ist eigenthümlich, daß die konservative Partei, die sich so leicht verletzt fühlt, wenn der Minister den Wahlkommissar rektifizirt, sich nicht genirt, bei ihrer Agitation an die Organe der Staatsverwaltung Hand anzulegen. Das thut der Deutsche Bauernbund. (Aha! rechts.) Das stehende Thema ist in den Versammlungen die Judenhetze. Ist das kein politischer Verein? Es hat den Anschein, als ob die Regierung den Verein begünstigt, da sie einen Vertreter entsendet. Ist es dem Minister bekannt, daß die Organe der Staatsverwaltung für dies? demagogisch-antisemitischen Bestrebungen benutzt werden? Ich habe das Vertrauen, daß der Minister des Innern ein kräftiges Wort der MißV billigung aussprechen wird. Ich habe die Hoffnung, daß die Regierur unsere jüdischen Mitbürger in Schutz nehmen wird gegen eine maßlose und verderbliche Agitation, die darauf hinausläuft, den jüdischen Mitbürgern die Rechte einfach zu nehmen, die ihnen die Verfassung gewährt hat. Ich freue mich, daß Herr Hobrecht in so ungeschminkter und offener Weise diesen Antisemitismus verurtheilt hat. Ich habe du?: Ueberzeugung, er wird nicht zum Ziele gelangen. (Lebhafter Beifall links.) A ben R in eine rechts.) Antiser Verai Nothw noch g kreuzen nt ärch gramm antiseu Der le dieser schreitu sinns. Relig keuntni wir lec Volkes, den In Herr H Der T. semitisc M nicht d, gegen war de mir hü «Lebhaf At uns u nur ihr die Fr Al ist die £ schaft) die aut Antiseu dem D aber vielteich siml jet gegenw, Wandei Fällen nisatior Ab worum Bauern semitisä acceptir Vereins es dem Nun sa auspres f als ich empfaru Heiterke und ich «Heitert daß He einem l sonst ni immer < Hei Konserv wiedern gesproch Händen