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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-01-27 · Heft 4 (27.1.1893) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 4 (27.1.1893)
Date
1893-01-27
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 zu überreichen. Desgleichen überbrachle Herr Bezirksvorsteher Czieslik, dem sich eine Anzahl der Herren Bezirksvorsteher angeschlossen, dem Jubilar unter gleichzeitiger Ueberreichung eines von sämmtlichen Bezirksvorstehern unterschriebenen Ehrendiploms die GlückwünschederKollegcn, in deren Namen derselbe den Eifer und die eingehende Thätigkeit des Jubilars in seinem schwierigen Amte hervorhob. He:r Fröhlich dankte in bewegten Worten für die ihn ehrende und erfreuende Auszeichnnng. Solange ihm das Vertrauen der Bürgerschaft zur Seite stehe und Gott ihm Kraft schenke, werde er gern imb freudig weiter im Dienste des öffentlichen Wohles zu wirken suchen. Die Feier vollzog sich, wie begreiflich. im Hinblick auf den erwähnlen Trauerfatl in ruhiger, einfacher Weise. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch lange Jahre in körperlicher Rüstigkeit und Kraft 51t wirken. - Gegen den „Oberschles. Wand." ist wegen Beleidigung Strafantrag gestellt worden, und zwar sind die Beleidigten die Zabrzer Antisemiten, gegen welche das genannte Blatt kürzlich zu Felde gezogen ist. Die Letzteren finden die Beleidigung angeblich unter Anderem hauptsächlich in dem Worte „Horde", mit welchem der verantwortliche Redakteur die Versannnlung bezeichnet hatte. - b.— Könitz, 18. Januar. Unser Rabbiner, Herr Dr. V. Grabowski, hatte seiner Zeit bei der hiesigen Stadtverordneten-Versammtung den Antrag gestellt, ihn von der Zahlung der Konnnunalsteuer entweder ganz zu befreien oder ihn wenigstens als Geistlichen resp. Beamten mit nicht «lehr als 2 Prozent zu veranlagen. Diesen begreiflichen Antrag hatte auch die Stadtverordneten-Versaunnlung in ihrer Sitzung vom 24. November v. I. beim Magistrat befürwortet; der Regierungspräsident hat jedoch erklärt, daß dieser Beschluß, weil der Städteordnung widersprechend, ein gesetzwidriger, da Herr Rabbiner Dr. Grabowski weder als Geistlicher noch als Beamter zu erachten sei. — Das sind immerhin bedauernswerthe Folgen der noch inuner nicht erfolgten „Rezeption" der jüdischen Religion. l>z. Liegnitz, 21. Januar In der letzten Sitzung des katholischen! Bürgervereins fragte ein Mitglied bcu Vorsitzenden über die Stellung der Katholiken zur bevorstehenden Reichstagsersahwahl. Der Gefragte erklärte, daß bei letzterer ein Centrums-Zählkandidat nicht aufgestellt werde, es werde indeß den Katholiken Wahlenthaltung oder -Betheiligung freigestellt. Nach der Ansicht des Vorsitzenden (Lehrer König) sei es unkatholisch, für die Wahl des antisemitischen Kandidaten agitatorisch aufzutreten. (Immerhin sehr vorsichtig ausgedrückt!) 4* Braunschweig, 80. Jan. Unter dem Titel „Antisemitismus und Christenthum" befindet sich hier augenblicklich eine Flugschrift unter derPresse, welche von: früheren General-Hof-Jntendanten des Prinzen Albrecht von Preußen, Freiherrn von Löhneysen, versaßt ist und welche sich die Aufgabe gestellt hat, das Unmoralische der antisemitischen Agitation vom Standpunkte der christlichen Ethik zu beleuchten. Das Erscheinen dieser Schrift ist um so beachtenswerther, als deren Verfasser ein Mann von unzweifelhaft konservativer Partei Achtung ist, der es unternimmt, einer gerade unter seinen Parteigenossen gepflegten Richtung entgegenzutreten und der damit ein anerkennenswerthes Beispiel von Charakterstärke und Unabhängigkeit der Denkweise giebt. K. Hannover, 15. Januar. Herr Baron George v 0 n R 0 s e n t h a l in Amsterdam, dessen Vaterstadt Hannover ist, hatte in ehrendem Andenken an seine hier verstorbenen Eltern im Jahre 1869 mit einem Kapital von 5000 Thalern eine Leeser-Rosenthalsche Stiftung gegründet, welche er in diesen Tagen um den gleichen Betrag in hochherziger Weise vergrößert hat. Aus den Zinsen dieser Stiftung wird ein Stipendium von jährlich 600 Mark, eventuell auf vier Jahre, an solche Stndirende der hiesigen Technischen Hochschule gewährt, welche aus der Provinz Hannover stammen; betreffs der Konfession ist bestimmt, daß jüdische Stndirende in erster Linie berücksichtigt werden sollen. In diesem Zeitraum von mehr als zwanzig Jahre haben sowohl Juden wie Christen diese Wohlthat genossen, und Männer in ehrenvollen Stellungen gedenken dankbar des Stifters. Von jetzt an wird diese Vergünstigung zwei unbemittelten jungen Leuten gewährt werden. Die Verwaltung der Stiftung ist einem Vorstande unterstellt, zu dem der Landrabbiner als Vorsitzender, au den auch die Gesuche zu richten sind, und der Rektor der Hochschule gehören. A Münster, 18. Januar. Die Unterstützu n gs lasse des Vereins israelitischer Elementarlehrer für Westfalen und die Rheinprovinz versendet ihren Jahresbericht für 1892. Nach demselben kommen für 1893 zwei Drittheile der 5849 M. betragenden Einnahme zur Vertheilnng. Unterstützungsberechtigt finb 19 Familien mit zusammen 90 Antheilen, unb es ist daher der Unterstützungsantheil auf 43 M. festgesetzt. Das Vermögen der Kasse beträgt zur Zeit 73,505.93 M., die Zahl der aktiven Mitglieder 79. Die nächste Generalversammlung des Vereins wird am 5. und 6. Juni zu Gelsenkirchen stattfinden. * Frankfurt a. Main, 19. Januar. Der Fünfte Bericht der „Emser Heilquelle" (Mnjne hajescbuoh), Unterstützungs-Verein für arme jüdische Kurbedürftige, für das Jahr 1892 weist wiederum erfreuliche Resultate auf. Es wurde:: 26 Kranke mit einem Kostenanfwande von 1843 Mark verpflegt. Ain 14. Juli fand eine General-Versammlung statt, in welcher vom Lokal-Komitee die Herren Dr. Aronsohn und Rabbiner Dr. Weingarten vertreten und außerdem noch anwesend waren die Herren Prof. Dr. Derenbourg-Paris, Prof. Dr. Bacher-Budapest, Rabbiner Dr. Bamberger-Königsberg, Rabbiner Dr. Rosenberg-Arad, A. S. Polak-Amsterdam, Jakob Bamberger-Berlin, De Jongh-Herzogenbusch. Von Herrn Dr. Weingarten wurde der Bericht über die Thätigkeit und den Kassenbestand des Vereins erstattet. Herr Prof. Dr. Derenbourg-Paris wurde einstimmig zum Ehrenpräsident und Herr Dr. Kopstein-Beutheu ziun Ehrenmitgliede ernannt. Es wurde ferner beschlossen, diejenigen Personen, welche mehrmalige Spenden von zusammen 50 Mark und darüber geleistet haben, im jedesmaligen Bericht als Wohlthäter aufzuführen. Donnerstag den 28. Juli wurde im großen Saale des Hamburger Hofes ein Konzert zum Beste:: des Vereines veranstaltet, bei :velchem mitwirkten: Frl. Misch-Berlin, Frl. Joske-New-Uork, die Herren Löwe und Nogall vom Emser Knrtheater, Herr Konzertmeister Bignell von der Ernser Kurkapelle und Herr Sänger Peelemutter-Berlin. Die Gesanunteinnahine betrug 477 Mark 25 Pf., die Ausgaben 00 Mart 15 Pf., so daß ein Ueberschnß von 417 Mark 10 Pf. verblieb. Der Stand des Vermögens an: 1. Janur l893 betrug 4004.47 Mark. Oesterreich Ungarn. * Budapest, 19 Januar. In der heutigen Budgetdebatte des Abgeordnetenhauses erklärte der Minister des Innern, Hierouymi, daß, um die Einwanderung russischer Juden und anderer Ausländer und deren Niederlassung auf ungarischem Gebiete zu verhindern, die Handhabung der Gemeiudeordnung genüge. ca Budapest, 22. Januar. Die kürzlich vollzogene Wahl des neuen Präsidenten fiel, wie nach der einstinnuig erfolgten Kandidation zu erwarten war, auf Sigmund Kohner, der sich durch seine makellose Rechtlichkeit, sein konziliantes Wesen, seine Opferwilligleit allsoitige Sympathien erfreut. Der neue Präsident hielt eine Antrittsrede, in welcher er in zielbewußten Worten als sein Programm den Ausbau der fortschrittlichen Entwickelung der Pester israelitischen Religionsge:neinde und deren Institutionen sowohl ans kulturelle:::, als auf materiellem Gebiete bezeichnet; dieselbe fand allgemeinen Beifall. Frankreich. * Paris, 20. Januar. Eine der angesehensten Persönlichkeiten der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Leonce Lehmann, ist am 27. Dezember gestorben. Er war Advokat des Staatsrathes und am Kassationshof, vertrat Constantine (Algeriens in: israelitischen Ceutral-Konsistorium und war ein thätiges 'Mitglied des Centralkomitees der Alliance israelite, deren Ehrensekretär er war Herr Lehmann war auch Sekretär von Adolf Crümienx, als dieser bei der dritten Republik Justiznnnister gewesen. Rußland. ** Petersburg, 13. Jan. Von Seiten des russischen Ministeriums f ü r V 0 l k s a u f k l ä r u n g ist vor Kurzen: eine Bestinnuung getroffen worden, welche hinsichtlich eines Punktes auf den: Gebiete der Judenunterdriickung und Rechtsbeschränkung Klarheit schaffen wird. Seit einigen Jahren nämlich dürfen die Inden in den höheren Schulen nicht mehr als zehn Prozent ausinachen, ganz gleichgiltig wie in der betreffenden Stadt das Verhältniß der christlichen zur jüdischen Bevölkerung ist. Die russischen Gymnasien und Realschulen haben aber auch sogenannte „Vorbereitungsklassen," welche zwar unter derselben Verwaltung stehen, aber mit den betreffenden Gymnasien und Realschulen nicht organisch verbunden sind. Bei Ausnahme von jüdischen Kindern geschah nun die Berechnung des

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