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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-01-13 · Heft 2 (13.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 2 (13.1.1893)
Date
1893-01-13
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Misoellen. * Heber die Hetze der persischen Geistlichkeit gegen die Juden wird der „A. d. U." von Bagdad aus Folgendes unter dem 27. Oktober geschrieben: „Die muhamedanische Geistlichkeit will den Juden Hamadans 22 Bedingungen auserlegen. Diese haben die Wahl zu treffen zwischen der einfachen Annahme jener Bedingungen, ihrern Uebergang zum Islam und der« Tod. Einige von ihnen, welche von der Hand in den Mund lebten und der Furcht gewichen sind, haben ohne Widerstand die demüthigenden Bedingungen unterschrieben; 30 Standes- Personen der Gemeinde, welche in dem telegraphischen Bureau gerade in dem Augenblick überrascht wurden, als sie die wirkliche Lage den Behörden Teherans mittheilen wollten, sahen sich genöthigt, den muselmännischen Glauben anzunehmen, um einem sicheren Tode zu entgehen. Aber die weiften halten sich verborgen und wagen sich nicht in die Straßen, indem sie hoffen, daß ein höheres Einschreiten ihren Unruhen ein Ende machen und es ihnen erlassen möchte, sich den mörderischen Bedingungen der Geistlichen zu unterwerfen. Es folgen die Bedingungen: 1. Es ist beit Juden verboten, ihre Häuser, wenn es regnet oder schneit, zu verlassen. 2 Die jüdische Frau ist gehalten, sich auf öffentlichem Wege mit verhülltem Gesicht zu zeigen. 3. Sie muß sich in einen zweifarbigen Schleier hüllen. (Der Schleier ist ein großes Stück Stoff, in das sich die orientalischen Frauen beim Ausgehen einzuhüllen pflegen.) 4. Die Männer dürfen keine schönen Kleider tragen, der einzige Stoff, der ihnen zukommt, ist ein blaues Baumwollenzeug. 6. Es ist ihnen verboten, gleichfarbige Schuhe zu tragen. 6. Jeder Jude ist gehalten, ein Stück rothen Stoffes auf der Brust zu tragen. 7. Ein Jude darf nie einem Muselmann auf öffentlichem Wege entgegengehen. 8 Es ist ihm verboten, laut mit einem Muhamedaner zu sprechen. 9. Ein Jude, welcher der Gläubiger eines Muhamedaners ist, darf sein Guthaben nur in zitterndem und achtungsvollem Tone beanspruchen. 10. Wenn ein Muhamedaner einen Juden beleidigt, so muß jener den Kopf neigen und Stillschweigen bewahren. 11. Ein Jude, welcher Fleisch kauft, muß es einhüllen und sorgfältig dem Blick des Muhamedaners verbergen. 12. Es ist ihm verboten, schöne Bauten zu errichten. 13. Es ist ihm verboten, ein höheres Haus als sein muhamedanischer Nachbar zu besitzen. 14. Er darf seine Zimmer auch nicht mit Gips weißen. 15. Ter Eingang feines Hauses soll niedrig sein. 10. Der Jude darf sich nicht in seinen Mantel hüllen, er muß sich begnügen, ihn unter dem Arm zu tragen. 17. Es ist ihm verboten, sich den Bart zu schneiden, er darf ihn sogar nicht einmal mit der Scheere gleichmäßig machen. 18. Es ist den Juden nicht erlaubt, die Stadt zu verlassen und auf dem Lande Luft zu schöpfen. 19. Die jüdischen Aerzte dürfen nicht zu Pferde steigen. 20. Ein Jude, den man verdächtigt, Spirituosen getrunken zu haben, darf sich nicht auf der Straße zeigen, wenn er erscheint, wird er sofort getödtet. 21. Die jüdischen Hochzeiten müssen mit der größten Heimlichkeit gefeiert werden, so daß nichts nach außen hindringt. 22. Tie Inden dürfen keine guten Früchte verzehren. Dies sind die Bedingungen, welche den Juden Hamadans auferlegt worden sind und die sicherlich bald allen israelitischen Gemeinden Persiens gestellt werden. In Hamadam durchlaufen die Muhamedaner aufrührerisch die Stadt und fordern mit dem tausendfachen Rufe „Ali" den Tod der Juden oder ihre Bekehrung. Mehr als hundert jüdische Frauen sind erkrankt; diejenigen, welche ihre Kinder nährten, sahen ihre Milch versiegen; so großen Schrecken bereitet der wilde Anblick dieser bis an die Zähne bewaffneten Fanatiker den armen Juden. Das Leben ist für sie nicht mehr erträglich, der Tod wäre vorzuziehen. Seit 40 Tagen sehen sie sich in ihren Häusern belagert und sterben fast vor Hunger und Schrecken. Sie sind moralisch und körperlich erschöpft, und es wäre nicht erstaunlich, wenn sie dieses traurigen Daseins müde, in Massen zum Islam übertreten würden." Eine russische Zeitung, der „Kiewlanine", giebt am 19/31. Oktober einen Brief wieder, welcher von Hamadan aus an das Taraga in Tiflis gerichtet ist und die Miltheilungen der Alliance über diese schmerzlichen Ereignisse bestätigt. * Hamburg. Aus dem eben auf Initiative des Herrn Oberlehrer Deuts chländer unter dem Protektorate der ersten Senatoren Hamburgs herausgegebenen Album „Deuts che Ku nst zu Hamburgs Gunst", zum Besten der von der Cholera so hart Bedrängten, dürfte, außer dem Einleitungsgedicht von Julius Rodenberg, einem Gedicht „Das Haar der Berenike" von Ludwig August Frankl und einer philosophischen Betrachtung des Professor Lazarus das Judenthum als solches nur der folgende Beitrag des Herrn D r. Steindörfer interessireu. Derselbe schreibt: Seite 87. Korrespondenzkarte aus dem Paradiese. Bithia, Prinzessin von Aegypten um 1793 oute, an Jsabella von Spanien 1793 post. Fürstliche Schwester, beneidenswerthe Pantonia Colons, des ruhmgekrönten Entdeckers einer neuen Welt. Aus Edens rosigen Fluren rufe ich dir Heil zu. Was dein Schützling that, ist kühner als das, was der meine vollbrachte. Der meine durchhieb nur felsiges Land unv fand das ersehnte Wasser - der deine durchstach die Gewässer und fand das ersehnte Land! — Und doch, Schwester, erwäge, ob ich beneiden dich soll? Du zogst aus der Tiefe den Mann, der eine Welt der Menschheit geschenkt; ich zog aus der Tiefe den Mann (Moses), der der Welt die „Menschheit gebracht". Es sind bereits 20,000 Mark Ueberschuß für die Nothleidenden von der ersten Ausgabe dieses Prachtwerkes, von dem auch der deutsche Kaiser etliche zu kaufen befohlen hat, erzielt worden. --- Ein köstliches Pröbchen von russischer Rechtspflege Im Jahre 1892 war ein armer Jude, Pinkus Koen, vor das Kamenez- Podolsker Gericht gezogen, weil er eine Flasche Branntwein über dü Grenze geschmuggelt haben sollte. Als corpus delicti wurde die Schnaps flasche dem Gericht von der Acciseverwaltung vorgestellt. Das Bezirks gericht und später auch die Odessaer Gerichtspalate sprachen Koen vor der Schuld frei. Die Acciseverwaltung war aber mit diesem Urtheii nicht zufrieden und appellirte an den Senat. Der Senat bestätigte zwar auch das Urtheil der Gerichtsinstanzen, bemerkte aber ein Versehen bei Gerichtspalate, welche in ihrem Urtheil nicht bestimmt hatte, was mii der konfiszirten Schnapsflasche gemacht werden soll, und schrieb bei Odessaer Gerichtspalate vor, dieses Versehen in ihrem Urtheilsspruch zu korrigiren. — Laut einer neueren Gesetzbestimmung muß der Angeklagte zur Verkündigung des Urtheils - vom Gericht vorgeladen werden, was auch in diesem Falle geschah. Der arme Pinkus erschien also vor einiger Tagen in der Gerichtspalate aus seinem Heimathsdorfe zu Fuß, um in Gerichte das strenge Urtheil zu erfahren, daß die konfiszirte Schnaps flasche dem Angeklagten gehöre, daß dieselbe ihm aber nicht eingehändig werden könne, weil — sie durch einen Zufall in Scherben gegangen sei * Der Entdecker der Cigarre. Herr Lucien Wolf versichert ir einem Aufsatze, der soeben im „Jewish World" erschienen ist, daß di Entdeckung der Cigarre einem Juden zu verdanken sei. Ist vielleicht des halb der Verkauf und die Verbreitung der Cigarren ein gewisses cha rakteristisches Zeichen in dem Leben der Juden in England geworden Thatsache ist aber, daß man in dem Tagebuch des berühmten Seefahrer Christoph Columbus eine besondere Notiz über diese werthvolle En deckung sinket. Als Christoph Columbus nach der Insel Cuba kcu wurde Louis de Torres, ein Maranne, sein Dolmetscher, beauftragt, > Innere der Insel zu erforschen. — Dieser, der ganz vorzüglich das bräische, Arabische, Chaldäische außer dem Spanischen beherrschte, ff / den genauen Weisungen des Marco Polo, der eine große Anzahl t Juden in den Gebieten des großen Khan gefunden hatte, folgen. Torres wieder an die Küste zurückkam, erzählte er seinen Reisegefähi gar merkwürdige Geschichten. Unter anderen auch die, daß er da ' Innern Eingeborene getroffen hatte, die Feuer in der Hand hielten, welchem sie eine kleine Rolle von getrockneten Kräutern, die sie im Mi hielten, anzündeten. Sie athmeten das andere Ende der kleinen R tief ein und ließen dann den Rauch durch Mund und Nase in grr , Qualm-Wolken wieder heraus. Das war die nicotina sabacum, ( Molwre in seinen Weisen so. schön besungen hatte. * Antisemitische Hosen. Eine drollige Geschichte wird aus fr Wahlkreise Friedeberg- Arnswalde mitgetheilt: Ein jüdischer Hausil bietet einem ihm seit Jahren bekannten Bauer Kleidungsstücke zm Kauf an. Der Bauer aber sagt kurz: „Ick köw von Di nich mehr/ Der Hausirer fragt erstaunt nach dem Grunde. „Ja", sagt der Bauer, „ick bin sit gestern Antisemit geworden." „So?" sagt der Hausirer, „da mot ick Di natürlich wat nnneres vorwiesen." Er öffnet einen zweiten Packen und sagt: „Do hew ick hier echt antisemitische Hosen, die kannst Du ruhig köpen." Das leuchtete dem Bauer ein und er kaufte für sic* und seine beiden Söhne gleich auf einmal drei Paar echte Antisemit^ Buxen. Damit hat er sein Gewissen beruhigt.

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