Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1891)
- Date
- 1891-12-04
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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- Christen ein berufen werde. 3mn Schlüsse sei noch erwähnt, daß der von 2lstan gemiethele Thealersaat von den — Juden bezahlt wurde. Das alte Wort: Fr;ip{><‘z Io jiiif — il p;uc* j»our lous. O. N. NnßliNld. * St. PeterS-urg, 24. illovernber. Erst haben die Nüssen die Juden so schnell wie möglich in besondere Bezirke zurückgedrängt und die also Gemaßregelten auf's Schwerste geschädigt; jetzt aber fühlen sich, wie der Kölnischen Zeitung von hier geschrieben wird, die von dem jüdischen Element gereinigten Gegenden zürn Theil selbst noch viel schwerer durch diese Maßregel geschädigt und in einzelnen Bezirken bitten sie die Negierung himmelhoch: „Gebt uns die Jude,: zurück, ohne die wir nicht fertig werden können, die ut:§ überall als Aufkäufer und Zwischenhändler fehlen! . . Am lautesten erscholl diese .Klage aus den Reihen der bessarabischen Weinbauer, die in den vertriebenen Juden ihre besten Makler verloren haben. Die Preise sanken, weil die Nachfrage so abuahm, von 34 bis 50 und sogar 60 .Kopeken für den Eimer auf 0 bis 13 Kopecken herab. Das kischinew'sche Landrathsamt wandte sich dieserhalb an die höchste örtliche Verwaltungsstelle, und die Folge davon war, daß über hundert zeitweilige Aufcnthaltsscheine den Juden ausgefertigt wurden. Gleich begannen die Preise zu steigen und haben stellenweise schon ihre frühere Höhe wieder erreicht. Was sich in Bessarabien im Kleinen vollzogen hat, dürfte sich in anderen „gesäuberten" russischen Gegenden vielleicht in noch größerem Umfange wiederholen, denn and) für viele russische Fabrikbezirke waren gerade die jüdischen Abnehmer der oft nicht ganz vollwichtigen Fabrikat hochgeschützt und gern gesehen. In Rußland ist vieles möglich. Vielleicht ertönt bald sogar aus dem heiligen Moskau ein ähnlicher Sehnsuchtsruf nach Petersburg hinüber, und wer kann nüssen, ob er nicht Gehör findet. Tie Russen nörgeln uub spötteln gar zu gern an den Juden herum: so erzählen sie jetzt, im volhyuischeu Gouvernement feien unter den Juden Bilder des Baron Hirsch mit der Unterschrift „König der Juden" verbreitet u. s. w., — aber nöthig haben sie solche trotz alledem, und Herr v. Wyschnegradski wußte ganz genau, was er that, als er seinerzeit entschieden von allzu strengen Maßregeln gegen sie abrieth. Süd-Amerika. * Buenos-Ayres, 20. November. So großes Interesse die Republik an der Ausdehnung ihrer Ackerbauprodnklionen haben und so sehr sie deshalb jedes Unternehmer:, welches sich der ersteren widmet, mit Genugthnung begrüßen und unterstützen sollte, so ist doch das Kolonisationsprojekt des Baron Hirsch unter den Argentiniern auf Feindseligkeit gestoßen wegen der zu weit gehenden, von den hiesigen Vertretern des bekannten menschenfreundlicher: Millionärs erhobenen Ansprüche. Vor wenigen Tagen hat die Negierung dem Kongreß einen Gesetzentwurf zugehen lassen, wonach dem Baron Hirsch 1300 kilometrische Quadratleguas (je 25 Quadratkilometer) in den Nationalterritorieu des Ehaco und der Misiones auf der Basis von je 200 Lstrpro Legua zur Verfügung gestellt werden sollen. Der Käufer kann das Land auswählen und sucesive in dem ihm genehmen Maßstabe abverlangen. Die Negierung hat für ihre Rechnung die Vermessung und Absteckung zu bewirken, sowie die Eigenthumstitel kostenfrei auszustellen. Der Baron Hirsch seinerseits hat die Ländereien der Kolonisation zu überweisen und kann dieselben während lO Jahren nicht an dritte Personen weiter begeben, mit Ausnahme an die Kolonisten zu verkaufender kleiner Parzellen. Bei Zeichnung des Kontraktes hat der Käufer der Negierung 270,000 Lstr. in Dreimonats-Wechseln auf London zu übergeben; der Erstere hat 4 Jahre Zeit, die Ländereien sich anszuwählen und bis derselbe in den effektiven Besitz irgend einer Fraktion derselben gelangt, hat die Regierung 5 Proz. Zinsen auf die vorausbezahlte Kaufsumme semesterweise und postnumerando zu entrichten. Nach Ablauf der vier Jahre hat die Regierung entweder weitere Zeit für die Auswahl zu gewähren, oder das Saldo für das nicht in Einspruch genommene Land zuzüglich der Zinsen zurückzuzahlen. Durch eine andere Klausel des Kontraktes verpflichtet sich die Regierung, bei jedem Verkauf von Land im Ehaco oder Misiones an dritte Personen dem Baron Hirsch für 60 Tage die Vorhand für die Erwerbung zu lassen. Während der ersten 10 Jahre soll der Baron Hirsch Zollbefreiung für alle zu seinem Kolonisationswerk nothwendigen Materialien erhalten nach Maßgabe der für Eiseubahubauten bestehenden Bestimmungen, welche während der Zeit nicht abgeändert werden dürfen. Die einzuführenden Immigranten hat die Regierung für ihre Kosten von dem Ausschiffungsplatz bis auf die Kolonien zu befördern und außerdem von der Zahlung der Grundsteuern .zu befreien. Die über 18 Jahre alten Kolonisten dürfen nur zur Bildung einer Polizeigarde zu dem ausschließlichen Zweck der Abwehr von Indianern und Räubern herangezogen werden; die Regierung hat die dazu nöthige Ausrüstung und Munition zu liefern. Im amtlichen Verkehr mit den Behörden genießt der Käufer Befreiung von den gelterrden Stempelgebühren und alle dem Kontrakt entgegenstehenden gesetzlichen Bestimnmngen werden aufgehoben. Artikel 2 des Entwurfs besagt nur, daß der Ertrag des Verkaufs dieser Ländereien zur Deckung außerordentlicher von dem Kongreß bewilligten Ausgaben, vermuthlich natürlich für die so unentbehrlichen Panzerschiffe verwendet werden soll. Es ist leider sehr fraglich, ob diese Propositionen, welche von der argentinischen Presse mit Unwillen ausgenommen wurden, Aussicht auf Annahme haben. Von Nah und Fern. Das Fest der sünfundzwanzigjährigen Amtsthätigkeit des Chordlrigenten der alten Synagoge, Herrn Musikdirektor Isidor Rosenfeld, wird am 10. Dezember d. I. durch Konzert und Festmahl im großen Saale der „vier Jahreszeiten" gefeiert. — Die Synagogen- Gemeinde Crefeld hat sich dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde angeschlosseu. Die Zahl der zum Bunde gehörigen Gemeinden beträgt nunmehr 530. Zum Besten der Hilfskasse für Israelitische Kultusbeanite findet am 2. Januar n. I. in der Philharmonie ein Elite-Konzert statt, in welchen: hervorragende Kräfte Mitwirken wurden. — Hr. Dr. Gustav Karpeles hielt in der vorigen Woche in Bielefeld, Bochum, Essen und Dortmund Vorträge über Themata, aus dem Gebiet der jüdischen Litteratur. — Das Fest der eisernen Hochzeit begingen am 30. November die Markus und Johanna Spiegelschen Eheleute in Kattowitz. Der Jubilar ist 87, während die Jubilarin 91 Jahre zählt; beide sind noch rüstig. — Am 1. Dezember feierte Hr. Kreisrabbiner Gold mann in Esch w ege sein sechzigjähriges Amtsjubiläum. — Herr Professor Dr. Carl Ungar in Bonn, seit etwa zwei Jahren Mitglied des Medizinalkollegiums der Rheinprovinz, ist zum Medizinalrath ernannt worden. — Hr. Gustav Coppel, Vorsteher der Synagogengemeinde in Solingen, ist zum ersten Beigeordneten der Stadt Solingen ernannt worden. Hr. Coppel, seines Berufes Waffenfabrikant, war:nehr als ein Vierteljahrhundert Stadtverordneter, lange' Zeit Präsident der Handelskammer und ist auch Mitglied des Kreisansschusses. — Bei den Ergänzungswahlen zum israelitischen Konsistorium des Unterelsaß wurden die Herren Henri Cerf in Weißenburg, Isidor Nathan zu Straßburg und Arthur Mach in Hagenau gewählt; die beiden Ersteren waren bereits vorher Mitglieder des Konsistoriums. — In der letzten Sitzung der österreichisch-israelitischen Union am 21. v. M. hielt Hr. Dr. Sonnenschein aus St. Louis einen Vortrag über „die Juden in Amerika". -- Hr. Israel Hyppolit Luzzato, ein hervorragender Jurist in Turin, ist zun: Mitglied der italienischen Deputirtenkammer gewählt worden. — Der bisherige italienische Gesandtschaftssekretär in Frankreich, Hr. Polarco, ist zum Geschäftsträgerim Haag ernannt worden.—Der türkische Generalkonsul benachrichtigte die russische Handelsschifffahrts-Gesellschast in Odessa auf amtlichem Wege, daß keinem Juden, gleichviel welcher Unterthanenschaft, Einlaß in die Türkei bewilligt werde. — Die von uns gemeldete Rede des Odessaer Stadtkommandanten, in der dieser die Juden vor der Auswanderung warnte, ist in maßgebenden russischen Kreisen höchst ungnädig ausgenommen worden. — In der jüdischen Gemeinde Capstadt hat sich ein Zweigkomitee zur Unterstützung der unterdrückten russischen Juden gebildet, welches in Verbindung mit dem Londoner Komitee steht. — Eine schreckliche Feuersbrunst zerstörte am 1. d. M. in Ai d in (Kleinasien) das ganze Judenviertel. 200 Häuser :u:d 2 Synagogen wurden eingeäschert. 8 Personen kamen bei dem Brande um, mehrere erlitten Verwundungen. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verant wörtlich für die Redaktio n Mar Bauchwitz in Berlin.