Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1891)
- Date
- 1891-11-27
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 I885cu Zählung i^abcu die Katholiken und die anderen Christen eine Verstärkung^, die Evangelischen und die Juden eine Verminderung ihres Antheils an der Gesammtbevölkerung erfahren. H L. Siegbnrg, 25. Non. Die hiesige Synagogengemeinde, dere n Entstehung laut urkundlichen Nachmeisen tief in das Mittelalter hineinreicht, feierte am 18. und 14. d. M. das Fest des 50jährigeu Bestehens i hrer Synagoge. Aus Nah und Fern, insbesondere aus dem benachbarter: Köln, waren zahlreiche Anverwandte und Freunde der Mitglieder der Gemeinde, sowie frühere Angehörige derselben herbeigeströmt, um an der Jubelfeier theilzunehmen. Den Mittelpunkt derselben bildete der am Freitag Albend in der festlich geschmückten Synagoge veranstaltete Festgottesdienst, zu welchem die Gemeinde den bewährten Rabbiner Dr.! Frank aus Köln als Festredner berufen hatte. Nachdem das Minchagebet! verrichtet und ein einleitendes Festlied mach Psalm 127) verklungen war,? betrat derselbe die Kanzel, um, anknüpfend an den Wochenabschnitt, die > hohe weltgeschichtliche Mission 51t schildern, zu welcher Gott den Patriarchen! Abraham ausersehen, und deren Erfüllung die Bekenner der jüdischen! Lehre in jahrtausendlangem Kämpfen und Ringen erstrebt haben. „Ber-! lasse Vaterland, Vaterstadt und Vaterhaus", so erging der Ruf an unfern! Stannnvater, und gar oft vernahmen dieser: Rrrf in der Folgezeit seine , Nachkonnnen; sie verließen die Heimath, wurden zerstrerrt nach allen Enden der Welt, 1:1:1 die reine Gottesbahn, den Glauben an den wahren, einzigen Gott zu verbreiten und ihn allen Nationen rnitzutheileu. mm „werde ein Segen", das ist das hohe Ideal Israels, und alle Feit war es sein Bestreben dort, wo es seine Hütten aufgeschlagen, dieser göttlichen Verheißung gerecht zu werden und durch Verbreitung der göttlichen Lehre, durch Pflege der Wissenschaft, durch werkthätige Menschenliebe untzuarbeiter: an der geistigen und sittlichen Fortbildung des Menschengeschlechts. Auch in Siegburg, so führte der Herr Redner aus, hat sich eine Gemeinde entwickelt, die es sich angelegen sein ließ, durch fromme, religiöse Gesinnung, durch echt jüdische Menschenliebe, durch reges Interesse sowohl für die geistigen Errungenschaften der modernen Feit, als auch für die altehrwürdige Geschichte des Judenthums jenes Gotteswort praktisch zu bethätigen. Zum Schluffe seiner tiefdurchdachten, eindrucksvolle Rede gedachte Herr Dr. Frank der unsterblichen Verdienste, welche der leider allzu früh Heimgegangene ehemalige Gemeindevorsteher, Herr Samuel Bürger, sich an dieser Stätte erworben und prws ihn, der über ein Vierteljahrhundert an der Spitze der Gemeinde gestanden, der den Gottesdienst und die Andacht gehoben, der Schule und Religionsunterricht gefördert, Stellung und 'Ansehen der Gemeinde nach außen hin gefestigt, als leuchtendes Vorbild für die jetzige u::d künftige Generation. Am folgenden Sabbathmorgen war wiederum die Synagoge dichtgesüllt von einer großer: Schaar andächtiger — israe^ litischer und christlicher - Zuhörer, welche erschienen waren, den: erhebende^ Gottesdienste beizuwohnen und der Predigt des Herrn Rabbiners in gespannter Aufmerksamkeit zu lauschen. Die Einrichtungen des jerusalenntischen Tempels in symbolischer Weise deutend, führte der Redner! aus, daß der goldene mit den Schaubroden besetzte Tisch, der einstens das! Natioualeigenthum geziert, Hinweise aus die gewissenhafte Erfüllung der j den: Menschen obliegenden Berufspflichten, der Altar die Opferfreudigkeit j versinnbildliche, die sich im jüdischen Volke zur herrlichsten Blüthe entfaltet, der goldene Leuchter endlich das Licht der Religion kennzeichne, welches, das Licht der Wissenschaft überstrahlend, seine erwärmenden und belebenden Strahlen in die Herzen der Menschen senke. ' Möge, so etwa endete die begeisternde Ansprache, auch in diesen Räumen die göttliche Flamme der Religion allezeit die Herzen durchglühen, möge die Gemeinde auf der religiösen Grundlage, auf welcher sie von den Vätern ehedem aufgebaut worden, weiter blühen und gedeihen bis in die fernsten Zeiten j zu ihren: eignen Segen, zun: Heile der Glaubensgenossen, zur Ehre Gottes. Der synagogalen Feier folgte Abends ein glänzendes Festmahl in den herrlichen Räumen des „Siegburger Hof". Nachdem Herr S. Oswald in: Namen des Festkomitees die zahlreich erschienenen Theilnehmer begrüßt, wurden die Anwesenden durch den Vortrag eines in schwungvollen, tiefergreifenden Versen verfaßten Prologs erfreut, welcher dankbar derer gedachte, die vor 50 Jahren mit schweren Opfern der Gemeinde ein schlichtes, trautes Gotteshaus geschenkt, und in dem Wunsche gipfelte, daß an dieser Stätte noch lange, lange Jahre die Gläubigen in Friede und Eintracht sich zu innigem Gebete vereinigen möchten. Alsdann brachte Herr Sanitätsrath Tr. Levison, zur Zeit stellvertretender Vorsteher, in kernigen, zu Herzen gehenden Worten das Hoch auf Se. Majestät den Kaiser aus, worauf die Versammlung die Nationalhymne anstimmte. Es folgte die Festrede, in welcher der Vorsteher, Herr Löwenstein, eine kurze, inhaltreiche Uebersicht über die Geschäfte der Gemeinde, den Bau der Synagoge und die Entwicklung der vielen, von gegenwärtigen und ehemaligen Gemeindemitgliedern thatkräftig unterstützten Wohlthätigkeitsanstalten lieferte. In: weiteren Verlauf des Abends wechselten noch gar manche Toaste ernsten und heiteren Inhalts mit seelenvollen Liedern; besonderen Beifall fand auch ein kleiner, von jungen Damen und Herren trefflich gespielter Schwank, in welchen: lokale Begebenheiten in witziger und geistreicher Weise persiflirt wurden. Den Schluß des Festes bildete ein glänzender Ball, welcher die junge Welt bis zum Morgengrauen in fröhlichster Stimmung zusammenhielt. Wir können nicht umhin, an dieser Stelle rühmend des Festkomitees zu gedenken, dessen rastlosen: und sorgsamen: Bemühen das Gelingen des schönen Festes nichts::::: Wenigsten zu verdanken ist: wir wollen aber auch nicht unerwähnt lassen, daß die ganze Stadt Siegburg ihrer Theilnahme für die Jubelfeier durch Beflaggen und Schmücken der Häuser Allsdruck verliehen hatte, eine in diesen Zeiten konfessionellen Haders gewiß hocherfreuliche, Stadt und Synagogengeuninde ehrende Erscheinung. a. Crefeld, 11. November 1891. In dem benachbarten Böckum feierten gestern die Eheleute Philipp Gold stein und Veronika, geborene Herzberger, das Fest der goldenen Hochzeit. Nicht nur eine große : Zahl von Verwandten und Freunden des Jubelpaares hatten sich zuj sarnmen gefunden, sonder:: der ganze Ort befand sich in froher Bewegung. ' Sämmtliche Straßen hatten geflaggt, und manches Haus prangte in:! festlichen Blumenschmuck. Am Festmorger: fand in der dortigen Synagoge! ein erhebender Gottesdienst statt, an welchen: neben vielen Christen auch; der Bürgermeister und der erste Beigeordnete theilnahm. Der Herr Ober-; rabbiner Dr. Horowitz-Crefeld hielt eine tiefdurchdachte und ergreifende! Ansprache, nach welcher er die von Sr. Majestät dem Kaiser übersandte j Ehejubiläums-Medaille dem Jubelpaare überreichte. Nach dem Gottes-! dienste erschien eine Deputation und überreichte die Geschenke der Bürger-! schaft; in ihrer Ansprache betonte sie die Eintracht und das friedliche Znsamn:enleben der verschiedenen Confessionen hier am Platze. W. Elberfeld, 15. November. Gestern feierte unser Rabbiner Herr Dr. Z. Auerbach, sein 25jähriges Amtsjubiläum. Wie sehr Herr Dr. Auerbach, der an: 15. November 1866 im Alter von kaum 22 Jahren sein hiesiges Amt antrat, es verstanden hatte, sich die Liebe und Verehrung der Gemeinde und die Hochachtung der Behörden zu erwerben, das zeigte sich so recht bei der gestrigen Feier seines Jubiläums. Alle waren bestrebt, dem beliebten Führer und Leiter der Gemeinde einen recht rühm- und ehrenvollen Tag zu-bereiten. Nach Schluß des Sabbathgottesdienstes in der mit Blumen und Guirlanden ansgeschmückten Synagoge und nachdem die zur Festfeier geladenen Ehrengäste, darunter die Direktoren der höheren Lehranstalten, die Vorstände der verschiedenen Filialgemeinden seitens des Komitees begrüßt waren, wurde der Jubilar in seiner neuen prachtvollen Amtstracht, die ihn: von der Gemeinde zu seinem Ehrentage gespendet war, von dem Vorstande und den: Repräsentanten aus dem Sitzungssaale des Gemeindehauses abgeholt und auf seinen der Feier entsprechenden decorirten Platz geleitet, worauf der unter Leitung des Herrn Julio Beinthal stehende Synagogenchor den li)0. Psalm von Lachner intonirte. Nach Beendigung dieses Gesanges bestieg Herr Oberrabbiner Dr. Horowitz aus Crefeld, die Kanzel, um die Verdienste des Jubilars zu feiern. Zum Schluffe seiner trefflichen Rede wandte er sich in herzlichen und ergreifenden Worten an seinen Amtsbruder, den: er — bezugnehmend auf die Lebensgefahr, in welcher der Jubilar wiederholt geschwebt, auf die schweren Prüfungen, die ihn in seiner Familie heimgesucht — das Psalmwort zurief: „Preise meine Seele den Ewigen und vergiß nicht alle seine Wohlthaten!" und endete dann mit dem Gebete, daß all die guten Wünsche, die dem Jubilar heute! entgegengebracht würden, von Gott mit Erhörung gekrönt werden! möchten. Nach dieser nach Inhalt und Form gleich vorzüglichen Rede! trug Herr Julio Beinthal einen Sologesang, worauf der Jubilar selbst : die Kanzel bestieg, um auch an seinem Ehrentage besonders tief empfundene j Worte des Dankes an seine Gemeinde zu richten. Ein nochmaliger Chor-! gesang bildete den Schluß dieser erhebenden synagogalen Feier. Gegen j Mittag erschienen nun die verschiedenen Deputationen in der Wohnung! des Jubilars, die Freundeshände durch zahlreiche Blumenspenden in einer: j wahren Blumengarten, verwandelt hatten. Den Reigen eröffnete der! Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde, die nächstfolgende