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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-11-06 · Heft 45 (6.11.1891) · p. Seite 534

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 45 (6.11.1891)
Date
1891-11-06
Page
Seite 534 (sequence 6)
Language
German
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t i ij: li 4 i •i I ]! z I «•«..»m -puu'au.jj »> WU^WW^DWWMWWWWW«WW --534-— es sich jederzeit angelegen sein liegen, die einzelnen Fälle an der Hand der ertheilten Vorschriften zu prüfen und im Sinne unserer großen Ans: stabe zur Entscheidung zu bringen. Hiernächst habe ich Ahnen, m. H., darzulegeu, wie befördert wird. Alle Grenzkomitees nehmen zunächst die -Auswanderer, die sich bei ihnen einfinden, in Empfang, bringen sie in einem Asyl unter und verpflegen sie. Jeder, der ankommt, wird sonach zunächst wohlwollend ausgenommen. Sb er befördert wird oder nicht, wird später entschieden. Jede Person, die sich eingefunden hat, wird gesichtet. So weit diese Sichtung eine größere Thätigkeit erfordert, habe:: sich bei den Grenzkomitees einzelne Sichtungsabtheilungen gebildet. Es wird hierbei in einer Weise verfahren, daß jede einzelne Person vorgeführt und vernommen, daß sestgeftellt wird, woher sie kommt, ob sie zu denjenigen gehört, die der nothwendigen Auswanderung unterliegen, zu denjenigen, welche befördert werden dürfen, und endlich, ob sie zur Beförderung ins -Ausland geeignet ist. Tie Nicht-Geeigneten werden repatriirt, die zur -Auswanderung (Geeigneten zur Beförderung bestimmt. Nach vollendeter Sicht"..ng schicken die Ostpreußischen Komitees alle Geeigneten nach Königsberg. Tas Hauptgrenz-Komitee daselbst versieht sie mit Schiffskarten und schickt sie nach Hantburg oder einem anderen Hafen orte. Anders an der Oberschlesischen Grenze. Myslowitz ist dort die Sammelstelle. Auch diejenigen -Auswanderer, welche von den an der Galizischen Grenze errichteten Grenzkomitees gesichtet und in Krakau gesammelt sind, werden dann dem Myslowitzer Komitee übergeben. Bon Myslowitz aus werden sie, wenn möglich, in Sonderzügel:, .wenn dies nicht angeht, in einzelnen Transporten nach Hamburg befördert. Es ist also hier die Beförderung nicht bei dein Hauptkomitee in Beuthen centralisirt, sondern bei dem Grmzkomitee in Myslowitz. Unterwegs und während der Fahrt in die Hafenorte werden die Auswanderer an einzelnen Stellen verpflegt. Es haben sich Lokalkvmitees, wie z. B. in Thorn und Schneidemühl, auch Breslau, gefunden, welche diese Verpflegung auf sich genommen haben. Besonders zu erwähnen ist das Lokalkomitee in Posen und das Bahnhofs-Kommissariat in Eharlottenburg. Tas Po jener Komitee sammelt die einzelner Personen oder Familien, welche die polnische Grenze überschritten haben oder über dieselbe auf Schleichwegen durchgebrochen sind, sichtet sie und schickt die zur -Auswanderung Geeigneten nach Eharlottenburg. Ten letzteren Ort passiren nicht mir diejenigen, welche von Myslowitz aus nach Hamburg befördert werden, sondern auch eine große -Anzahl Auswanderer, die auf eigene Kosten oder ohne Mittel reisen. Wir haben hier, um den -Altdrang von der Residenzstadt abzuhalten, ein Bahnhofs-Kommissariat errichtet. -Alle Durchwandernden werden von diesem verpflegt, mit ärztlicher Hilfe versehen und thunlichst schnell weiterbefördert. Tagtäglich verrichtet einer unserer Herren Komnlissare aus jenem Bahnhof den Tienst. Seine Aufgabe ist es, dafür Sorge zu tragen, daß der Turchinarsch in geordneter Weise vor sich geht, unb daß die wenigen Mittellosen, welche die Kosten der Weiterreise nicht aus Eigenem bestreiten können, weiter befördert werden. In der nächsten Zeit wird die Thätigkeit des Kommissariats wesentlich erschwert werden, weil der -Auswandererbahnhof von Eharlottenburg nach Ruhlebxn, der letzten Eisenbahnstation vor Spandau, verlegt werden wird. Es wird alsdann voraussichtlich nothwendig werden, die Beförderung von Ruhleben aus Vormittags und -Aachmittags je auf eine bestimmte Stunde einzuschränken. Ties, meine Herren, ist die Art, wie befördert wird. Sie werden schließlich wissen wollen: wohin wird befördert? Ich kann lnich hier nicht aus die Prüfung der Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit der einzelnen Endziel' einlassen. Ich habe Ihnen nur die nackten Thatsacheu vorzutragen. Es wird ausschließlich befördert nach \Uoxi)' und Südamerika. Ausgeschieden sind als Einwanderungsziel Frankreich, England, Holland und Belgien, wie überhaupt die Länder des europäischen Kontinents. Als wir unsere Thätigkeit begannen, hat zuerst England uns offiziell ersucht, wir möchten die Auswanderer von seinen Häfen fernhalten. Wir haben darauf geantwortet, daß wir diesen: Verlangen jederzeit Nachkommen und nur diejenigen Auswanderer nach England senden, welche Nachweisen können, daß sie daselbst verwandtschaftlichen Anhang haben, der ihr Hinüberkommen wünscht oder ihnen eine gesicherte Existenz in Aussicht stellen kann. ltnfcrc Erklärung ist dann auch -von der englischen Regierung amtlich veröffentlicht worden. Rach Frankreich, Belgien und Holland haben wir Niemand befördert. Wir haben unsere Komitees ersucht, dorthin überhaupt keinen Auswanderer zu schicken. Nun ist es zwar ab und zu vorgekornmen, daß in Folge von Irrthümern oder auch von falschen Vorspiegelungen Auswanderer dorthin befördert wurden; in Zukunft wird aber gruudsätzlich jede Beförderung in jene Länder unterbleiben. Tie nach Nordamerika Beförderten wurden nicht alle nach New-Aork geschickt, sondern das Hamburger Komitee hat uns nicht weniger als 38 und das Königsberger nicht weniger als 19 Orte aufgegeben, in welchen sie die -Auswanderer vertheilt haben. Was Südamerika anbetrifft, so must ich einiges über -Argentinien berichte!:. Seit den! 23. September d. I., dem Tage, an dem Herr Baron von Hirsch uns ersucht hat, von nun an regelmäßig Auswanderer nach Argentinien zu schicken, wird über die für diese Beförderung Bestimmten besondere Kontrole geführt. Tie -Auswahl der Argentinier erfolgt in der Weise, daß die von den Ostpreußffchen Grenzen Kommenden von den: Hauptkomitee in Königsberg, die übrigen von dem Hamburger- Komitee besonders auserwählt werden. Die Sichtung ist hier eine besonders strenge. Es gilt insbesondere, die ersten An siedlergruppen so znsammenzustellen, daß sie geeignet sind, die Kerntruppen zu bilden, die sich von vorn herein im Lande festsetzen und den Nachkommenden ein Vorbild und zugleich ein Schutz sein können. -Wenn ich Ihnen, meine Herren, noch einige Zahlen über die Anzahl der Beförderten geben soll, so kann ich Folgendes mittheilen: Hamburg hat befördert von Ultimo Mai an 6159 Personen, die von unsere!: Grenz-Komitees gesandt worden waren. Dazu kommen noch 9831 Personen, die auf eigene Kosten reisten oder durch Andere befördert worden waren. Königsberg hat befördert 3364 Personen. Dazu kommen noch die von Stettin Beförderten, deren Ziffer nicht genau hat festgestellt werden können, weil sie nicht jedesmal in Sonderschiffen befördert worden sind. Bis heute waren es etwa 9000 Personen. Rechnet man h'erzu etwa 400, die!:ach Argentinien gingen, so sind im Ganzen bisher von uns befördert worden ca. 30,000 Personen, von denen 10,000 vollständig verpflegt und mit Reisemitteln versehen worden sil:d, während die übrigen theils durch Verpflegung, theils durch einen Zuschuß zu den Reisemitteln unterstützt worden sind. Schließlich muß ich über die Repatriirung Ihnen Aufklärung geben. Repatriirt wird, wer ungeeignet zur Auswanderung ist. Es geschieht dies in folgender Weise: Ter zur Repatriirung Bestimmte wird aus sicherem Wege über die Grenze geführt und erhält, hier angelangt, eine Unterstützung; oder es wird, wenn er in seine Heimath zurückgekehrt ist und sich dort eine neue Wohnung gemiethet hat, auf ein hierüber ertheiltes Attest seines Heimaths- Rabbiners die ihm vorher zugesagte Unterstützung au seinen Heimathsort gesendet. Auf diese Weise ist es geglückt, durch freundliches Zureden eine große Airzahl von Personen, die zur Auswanderung ungeeignet waren, zur Heimkehr zu bewegen. An der ostpreußischen Grenze sind allein ea. 1500 Personen repatriirt. Auch Hamburg und Myslowitz mußten sich mit der Repatriirung befassen. Kurz, eine große Zahl zur Auswanderung ungeeigneter Personen ist wieder in die Heimath zurückgekehrt und hierdurch vor dem sicheren Elende bewahrt worden, das ihrer im Auslände wartete. Ties ist in: Großen und Ganzen Alles, was ich Ihnen m. H. über die Thätigkeit der Befördernngskomitees zu berichten hatte. Hieran schließt sich der Bericht der Wiener Allianz, den Dr. Stern (Wien) erstattet, und eine Diskussion, an der die Herren Dr. Frank, L. M. Cantor, Dr. Auerbach, Dr. Vogelstein theilnahmen. Zur Sache selbst bernerkt Herr Hinrichsen (Hamburg): Meine Herren, ich muß vorweg bemalen, daß wir niemals das Bestreben gehabt haben, durch große Zahle:: zu glänzen. Mit Wissen unseres Komitees ist überhaupt keinerlei Veröffentlichung erfolgt. Dasselbe gilt übrigens auch von Königsberg. Wir haben genug an dein, was wir thun und zu thun haben, und wissen, daß, was wir thun, weit zurückbleibt hinter dem, was geschehen müßte. Bei uns kommen nur diejenigen in die Lifte, die effektiv von dem Komitee befördert werden, nicht auch die, die blos Tagesunterstützung erhalten oder sonst unterstützt werden. Wenn eine Familie mit zehn Per-sonen .er-

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