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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-09-25 · Heft 39 (25.9.1891) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 39 (25.9.1891)
Date
1891-09-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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55. Jahrgang. Ar. 39. Allgemeine Berlin, 25. September 1391. eitung des Audenthums. Gin unparteiisches Organ fiir alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements - Preis:, Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Redaeteur: Gustav Karpeles. Begründet von Nabdrner 2)'* Ludwig p h Nipp so n - Ä o«n. Verlags-Crpe-ition: Gerlin, Lernsalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SWM Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. An unsere Leser! Krim bevorstehenden Guartalsrvechsel richten nur an unsere Leser, welche das Glatt dnrch die Post oder den Gnchhandel beziehen, die Kitte, das Abonnement für das 4. Guartal rechtzeitig zn erneuern, damit die Zufendnng des Glattes keine Unterbrechung erleidet. — Preis pro Guartal inrl. franco Zusendung 3 Mark. 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Von Dr. Samuel Spitzer. — Feuilleton: Verschollene Seelen. Von Natban Samuely. — Der Gottesspiegel. Von J. Hirschherg. -- Sprechsaal. — Miseetten. Der Gemetndebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Königsberg i. Pr., Lissa, Gießen» Hannover. Wesel, München, Ulm, Wien. Budapest, London, Sofia, Moskau, New-Pork. — Von Nah und Fern. Ner österreichische Antisemitismus. Berlin, 22. September. Ganz anders als in Norddeutschland oder in Rußland präsentirt sich der Antisemitismus in den Ländern der österreichischen Krone. Es ist wohl der Mühe werth, diese Spielart des modernen Antisemitismus näher zu betrachten, um so mehr, da diesetbe durch das jüngste Verbrüderungsfest der Jungczechen und Antisemiten eine neue Wendung bekommen hat. Die Bewegung, welche wir gewohnheitsgemäß die antisemitische nennen, war in Deutschland schon lange in Fluß gerathen, als man in Oesterreich noch keine Ahnung davon hatte. Mit einem gewissen Stolz wiesen die liberalen Elemente in Oesterreich darauf hin, daß so etwas bei ihnen unmöglich sei. Wie es aber bei solchen Seuchen zu gehen pflegt, eines Tages war die Epidemie auch nach Wien eingeschleppt. Und es ergab sich das Wunderbare: nirgends hat die Bewegung einen so akuten Charakter angenommen wie in Wien, in der gemächlichen Kaiserstadt an der Donau, in der die Emanzipation der Juden seit mehr als dreißig Jahren eine vollendete Thatsache geworden war.; Aber nicht in alle Länder der Monarchie fand die Epidemie Eingang. Ihre Brutstätte ist Wien, dann folgen Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark;' in Böhmen ist der Antisemitismus ntzr wenig vorhanden, Galizien kennt ihn fast gar nicht, in Ungarn sind nur wenige Ueberreste des alten Judenhasses erhalten; der Versuch, den modernen Antisemitismus zu importiren, hat sich nach der Tragödie von Tisza-Eszlar als unfruchtbar erwiesen. Daraus folgt für die Naturgeschichte des Antisemitismus eine merkwürdige und ausschlaggebende Thatsache: die Bewegung hat überall an Ausdehnung gewonnen, wo es keine oder wenige Juden giebt; in den drei Kronländern, Nieder- und Oberösterreich, Steiermark, wo der Antisemitismus zu Hause ist, giebt es noch keine zweitausend Juden. Eine Ausnahme macht nur Wien. Hier hat der Antisemitismus eine eigenthiimliche Bedeutung. Das Kontagium hat besonders stark den Mittelstand, die Kleinbürger, Lehrer und niederen Beamten ergriffen. Aber wohl gemerkt, es ist hier keine Rassenfrage, kein Nationalitätenstreit, sondern ausschließlich eine wirthschaftliche Bewegung, die diese Kreise dem Antisemitismus in die Arme geführt haben. „Der wirthschaftliche Niedergang Wiens" ist in den letzten Jahrzehnten eine stehende Redensart geworden; es lag nahe, nach den Ursacheir dieses wirthschaftlichen Niedergangs zu suchen, und da waren die Juden ein sehr willkommenes Objekt! Die Sozialdemokratie hat in Oesterreich noch wenig Wurzel gefaßt. Der A n t i s e m i t i s m u s ist nichts weiter als der Sozialismus des Wiener Kleinbürgerstandes und nur ein Ausdruck für seine Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen. Eine andere Legitimation hat der Antisemitismus in Wien, ja in ganz Oesterreich nicht. In Deutschland konnte er mit der

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