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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-08-28 · Heft 35 (28.8.1891) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 35 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 errichten, wozu die vorbereitenden Arbeiten bereits in Allgriff genommen wurden. — Der Bodeuankauf geht langsam von statten; es sind viele Schwierigkeiten dabei p überwinden. Bisher haben blos die Gesellschaften aus Moskau lind Minsk Land angekauft; man spricht auch von einem lleuestens abgeschlossenen Kaufe von 120,000 Dunam in Emek Jisreel. — Ein aus Bialystock hier angelangter Delegirter beabsichtigt, an einem dazu geeigneten Orte eine Lederfabrik für Palästina lind Syrien zu errichten. Amerika. * New-Aork, 1. August. Die Stiftungsurkunde der Schenkung des Baron Moritz von Hirsch zu Gunsten der nach Amerika geflüchteteli Juden aus Rllßland lind Rumänien ist nunmehr veröffentlicht worden. Wir entnehmen derselben: „Bevollmächtigte zur Ausführung und Verwaltung der Stiftung sind: Myer S. Jsaacs. Jesse Seligmann, Jacob H. Schiff, Oscar S. Straus, Henry Rice, James H. Hoffmann und Julius Goldmann zu New-Dork, Mayer Sulzberger und William B. Hackenberg Zn Philadelphia. Die Summe voll 2,400,000 Dollars, oder soviel hiervoll seitens der Bevollmächtigten oder deren Nachfolger nlld nach dem Erniessell jeweilig für den Zweck der Stiftung zur Verwenduilg zu bringen sind, soll durch diese Bevollmächtigten oder deren Nachfolger flüssig gemacht werdell und voll ihnen an eine oder mehrere ullter ihrer Oberleitung eingesetzte Kommissionen, deren Bevollmächtigte ulld Stellvertreter ausgehändigt werden, zu dem Zwecke der Erwerbung und Verbesserllng von Ländereien, der Zutheilung voll Pachtgütern und der Errichtung voll Baulichkeiten und Wohllhäusern zur Aufnahme und zllm Gebrauche derjenigeil Familien jüdischer Einwanderer aus Rußland mib Rumänien, welche voll ihnen ausgewählt werden, mit der Befugnis;, die Bedingllligen festzustellen, welche ihnen zweckdienlich erscheinen, diese Balllichkeiten, Wohnhäuser und Ländereien an die dazll bestimmten Besitznehmer zu vermiethen — ferner zur Errichtung und Unterhaltung von Werkstätten, Schulen und sollstigen nothweildigen Gebäuden zum Besten der Allsiedlung imb zur Förderung der Erziehung, sowie zur Ausbildung der Halldfertigkeit und landwirthschaftlicher Kenntnisse. Bis eine solche Koulmissiou eine ailgemessene Organisation sich gegeben haben wird, welche den Verfügullgen dieser Stiflungsurkniide angepaßt ist, sollen die Einkünfte dieses Kapitals im Besitze der genannten Bevollmächtigten oder deren Nachfolger unb zur Unterstützung und Erziehung solcher Auswailderer verwendet werden, die von der Mehrzahl dieser Bevollmächtigten oder deren Nachfolger für eine solche Unterstützung ausgewählt werdell. Der Stifter weist diese Bevollmächtigten an, sofort in Gemäßheit der Gesetze des betreffenden oder der betreffenden Staaten der Vereinigtell Staatell, die sie selbst zu bestimmen haben, eine oder mehrere Kommissiollen einzusetzen, die vollberechtigt sind, soviel von dem Fonds von 2,400,<D0 Dollars anszuzahlen, als sie jeweilig für zweckdienlich erachten, zugleich and) das genannte Kapital zinslich anzulegen, um dasselbe für die Erfordernisse imb Zwecke der Stiftung bereit zu halten Der Wirkungskreis dieser Kommissionen soll sich erstrecken auf: a) Gewährung von Darlehen all Einwallderer aus Rußland und Rumänien, welche Ackerbauer unb Ansiedler in den Verbilligten Staaten sind, gegen Sicherheit auf beweglichen unb unbeweglichen Besitz; b) Bestimmung hinsichtlich der Beförderllng der für die Ansiedelung designirten Einwanderer nach ihrer Anklinft in eine amerikanische Hafenstadt unter Berücksichtigung des Alters, Standes unb der Fähigkeit, c) Veranstaltungen für die Ullterstützung derselben während dieser Ausbildung, Gewährung von Werkzeugen und Zubehör, wie auch sonstige Beihilfe zur Gewinnllng einer Existenz; d) Veranstaltungen für die Vervollkommnung Erwachseller und Jünglinge unter den Einwanderern, durch welche arbeitsame und anstellige Personen lohnendere Beschäftigung erhalten können, e) Gewährung von Unterricht in der englischen Sprache, in den Einrichtullgen intb Gesetzen der Vereinigten Staaten, in technischer Ausbildung u. s. w., sowie Errichtung von Fachschulen, Werkstätten und anderen angemessenell Vorkehrungen zur Förderung solcher Unterrichtszlveige; f) Gewährung von Unterricht iu Landwirtschaft und verbesserten Methoden des Ackerbaues, Unterstützung der Ansiedler mit Werkzellgen u. dgl., praktische Beaufsichtigung socheu Unterrichts u. s. w.; g) Zusammenwirken mit bereits besteherldell Institutionen in den verschiedenen Distrikten der Vereinigten Staaten, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, ganze oder theilweise Hilfe und Unterstützung au Personen zu gewähren, die den hier ins Auge gefaßten Kategorieil angehören; b)Auch in anderer Weise als hier angedeutet ist für Ausbildung und Erziehung der Einwanderer zll wirken, wie es den hier genannten Bevollmächtigten, bereu Nachfolgern und den Kommissionen jeweilig zweckmäßig erscheinen sollte. Im Falle des Todes oder Rücktritts eines der hier ernannten Bevollmächtigten oder ihrer Nachfolger, und so oft ein solches der Fall sein wird, sollen die anderen Bevollmächtigten oder ihre Nachfolger hierdurch befugt fein r sich durch Wahl nach Stimmenmehrheit zu ergänzen Es ist als selbstverständlich zu betrachten, daß die Bevollmächtigten und ihre Nachfolger ihres Amtes unentgeltlich walten. Uon Nah und Frrn. ----- Am 19. August feierte Frau Philippine Manheimer geb. B ehrend, die Wittwe des vor ungefähr zwei Jahren verstorbenen Geheimen Kommerzienraths Valentin Manheimer im Kreise ihrer acht verheiratheten Kinder und dreißig Enkel ihren siebzigsten Geburtstag. — Bei der Stiftungsfeier der Universität Berlin wurde die Ertheilung des einen, von der medizinischen Fakultät ausgesetzten Preises an die Arbeit des eanä. med. Herwarth Kornblum tu Berlin verkündet. — In einer Berliner Antisemiten-Versammlung trat am letzten Freitag Rektor Ahlwardt wieder mit einem ganzen Bouquet interessanter Neuigkeiten auf. Er erzählte, daß ein hiesiger Handwerksmeister, der ihn bisher immer unterstützt habe, neuerdings von einem Juden mit Abwendigmachung der Kundschaft bedroht worden sei, nachdem er es abgelehnt habe, für ein ungeheures Geld gegen Ahlwardt aufzutreten und gewisse Papiere auszuliefern. Noch weiteres Unglück habe er iu seinen Sachen gehabt: der wichtigste Zeuge gegen Manche, Dr. v. Kalckstein, sei bekanntlich „auf unbegreifliche Weise" von einem Felsen gestürzt, der langjährige Portier Bleichröders, von dem er, Ahlwardt/ viel Material erhalten habe, sei in einer Krankheit nach Genuß eines Pulvers „plötzlich gestorben" und endlich sei ein dritter wichtiger Zeuge in Dalldorf festgesetzt. Diese Bemerkungen riefen natürlich „große Bewegung" hervor. Es wäre wirklich komisch, wenn es nicht gar zu traurig wäre! — Dem praktischen Arzt Dr. Salomon Graden Witz in Lüben (Schlesien) ist aus Anlaß feines 50jährigen Doktorjubiläums von Sr. Majestät bem Kaiser der Rothe Adlerordeu 4. Klasse verliehen worden. — Auf dem jüdischen Friedhof in Nonnen Weier wurden kürzlich sieben Grabsteine umgestürzt. Die Aufregung unter der jüdischen Bevölkerung ist sehr groß, besonders weil bisher das Verhältniß zwischen Juden und Christen in dortiger Gegend ein recht gutes war. — Dem Präsidenten der französischen Republik, Car not, wurde jüngst ein originelles Geschellt überreicht. Es war sein Bild in Federzeichnung. Bei näherer Besichtigung entdeckt man jedoch, daß die einzelnen Linien aus mikroskopisch kleinen Buchstaben bestehen, welche die hauptsächlichsten Reden und die Biographie Carnots enthalten. Das Kunstwerk entstammt der Feder des SchreibersSofer. DerartigeKunstieistungen in hebräischer Schrift sind nichts Seltenes. — Eine junge russische Jüdin, Mdll. Debruskin, erhielt in Paris das Diplom als Doktor der Medizin. Mdll. Debruskin, die erst 24 Jahre alt ist, machte ihre erste Studiell zu Tschernigoff in Rußland, wo sie für ihre Fortschritte mit einer Medaille ausgezeichnet wurde. Gegen Ende des Jahres 1888 brachte sie ihr Vater nach Paris, und hier besuchte sie dann in der eifrigsteit Weise die Kurse an der medizinischen Fakultät. Gegenwärtig praktiziren als Aerzte sechs jüdische Damen in Paris, die alle von Geburt Russinnen sind. — Der „Kirchliche Anzeiger" für Rußland veröffentlicht die Ziffern über Judentaufen in beu Jahren 1870 bis 1887. Dieselben ergeben zusammen 8597, das macht durchschnittlich 500 jährlich, eine in Anbetracht der russischen Verhältnisse bei 5 Millionen Juden erfreulich geringe Zahl. — Anfang Juli brach'N in Paramaribo (Holl. Guyana) Unruhen aus, die ihren Grund barin hatten, daß der Gouverneur, Jonkheer Lohman, ein bekannter Antisemit, eine offizielle Feier aus Anlaß des 50. Jahrestages der Eröffnung des Parlaments nicht gestatterl wollte. Der aufgeregte Pöbel wendete sich schließlich gegen die Häuser und Läden der Juden, deren mehrere einen bedeutenden Schaden erlitten. Durch fast zwei Tage befcmb sich die ganze Stadt iu der Gewalt der Excedenten. — In Shangai (China) besteht eine ziemlich bedeutende jüdische Gemeinde. Dieselbe hat vor einigen Jahren eine Synagoge erbaut, welche durch ihre Schönheit eine Zierde der Stadt ist. Druck und Verlag von Rudolf Messe in Berlin Verantwortlich für du Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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