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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-06-19 · Heft 25 (19.6.1891) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 25 (19.6.1891)
Date
1891-06-19
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 welche sowohl Rumänien als dem Verfasser zur Ehre gereicht, anfrichtigst gratuliren. Daß Ihr Werk sich allerhöchster Gunst erfreut, haben Ew. Hochwohlgeboren schon daraus erkennen mögen, daß Seine Majestät die Widmung desselben zu genehmigen beliebten. Indem ich Ew. Hochwohlgeboreu nochmals der besonders wohlwollenden Gesinnungen Seiner Majestät versichere, unterzeichne ich mit vorzüglichster Hochachtung (gez.) Basset. Nnßlaud. * Petersburg, 13. Juni. Der in Angelegenheiten der Jnden-Emigranten von Baron Hirsch hierher gesandte Herr Arnold White ist wieder abgereist. Es verlautet, er habe bei den oberen Verwaltungsbehörden eine ebenso günstige als wohlwollende Aufnahme gefunden, die russische Regierung wurde es mit Befriedigung begrüßen, wenn die Mission Whites von Erfolg begleitet wäre. — Die jüngste Meldung über die andauernde Massenausweisung der Juden ans Odessa können wir heute dahin ergänit, daß beinahe die gesammten jüdischen Bewohner Elisabethgrads nach Palästina und Amenka auswandern wollen. Sie verkaufen ihre Besitzungen bis 10 Prozent unter ihrem Werthe. Nach der Auswanderung wird Elisabethgrad nur noch Garnisonstadt sein. Auch aus anderen Gegenden liegen Berichte von Judenauswanderungen vor, die vornehmlich durch die Exzesse fanatischer Bauern verursacht wurden, welche glaubten, dem Zar einen Dienst zu leisten, wenn sie durch Angriffe die Juden zur Auswanderung nöthigteu. In Odessa erließ der Gouverneur einen Befehl, demzufolge Juden nicht länger als vereidigte Börsenmakler in Odessa zugelassen werden sollen. Vorerst bezieht sich jedoch diese Maßregel nicht auf die jetzigen jüdischen Mitglieder des Börsenvereins, welche zwei Drittel desselben aüsmachen. Auch die Bevölkerung fängt jetzt an, dem von den Behörden gegebenen Beispiel zu folgen. In Odessa wie in der Provinz kündigen die christlichen Arbeitgeber ihren jüdischen Bediensteten, und die.Hausbesitzer weigern sich, Wohnungen an Juden zu vermiethen. Diese Maßregestr werden einem geheimen Befehl der Regierung zugeschrieben. * Petersburg, 16. Juni. Im Ministerium des Innern fanden, der „Nowoje Wremw" zufolge, unter Vorsitz des Ministeradjuukten von Plehwe Berathuugen über die Judenfrage statt. An denselben nahmen die Generalgollverneure von Kiew, Warschau und Wilna Theil. Die Vorschläge, die in diesen Konferenzen ausgegrbeitet werden, sollen dem Reichsrathe unterbreitet werden. — * Warschau, 12. Juni. Die Regierung beabsichtigt, in nächster Zeit in den russischen Städten auch die Zahl der jüdischen Aerzte, Advokaten, Bankiers und Journalisten zu beschränken. Dagegen find die Nachrichten auswärtiger Blätter, die Negierung beabsichtige, Judenausweisungen aus dem Königreich Polen vorzunehmen, vollständig grundlos. Dagegen scheinen in Libau Ausweisungen bevorzusteheu, da dort 13,000 Juden ihre Pässe zum Zwecke der Prüfung abgefordert worden sind. — In Kiew haben die südrussischen Juden ein Komitee gebildet, welches zwei angesehene Kaufleute als Delegirte in das heilige Land entsendet hat, um Ländereien zur Ausiedluug der Auswanderer anzukaufen. Der Bodenwerth ist in Palästina enorm gestiegen. Türkei. * Koustautinopel, 12. Juni. Die Pforte beabsichtigt, bezüglich der Ausiedluug von Juden in Palästina mit den Großmächten zu unterhandeln. Der Sultan persönlich soll nicht gegen die Ansiedlung sein. — Auch die persische Regierung hat sich auf Ansuchen des Sir Laurence Oliphant bereit erklärt, den aus Rußland ausgewiesenen Juden einzelne Gebietstheile in Persien zur Ausiedluug zu überlassen. Die bezüglichen Unterhandlungen dürften infolge einer Anordnung des Schah ehestens zum Abschluß gelangen. m; U Von Nah und Fern. Zu der mit einem Betrage von 75,000 Mk. hier bestehenden Simon und Hermann Böhmischen Stiftung hat einer der Mitbegründer weitere 70,000 Mk. 3111* Verfügung gestellt, unter der Bedingung, daß der Name der Stiftung in „Simon, Herrnauik. und Ella Böhm--Stiftung umgeändect und. der Zinsbetrag 31. Mai jährlich zu - zwA DMtelan: christliche,- z M; e.i n em Dr icktel gM j ü dische B e wer b e r i n n e n vertheilt wird, endlich die Stadtgemeinde Berlin die Verpflichtung übernimmt, ein Grundstück kostenfrei zur Errichtung eines den Stiftungszwecken dienenden Hauses herzügeben, wenn die Stiftungskapitalien, deren Vermehrung durch weitere Zuwendungen in der Absicht der Stifter liegt, die Höhe won 400,000 Mk. erreicht haben werden. Der Magistrat hat beschlossen, zur Vermehrung der Stiftung die landesherrliche Zustimmung nachznsnchen. — Wie verlautet, beabsichtigt die Gattin des verewigten Herrn Dr. Ritter, dessen Bibliothek der hiesigen jüdischen Hochschule, welcher der Verstorbene stets regste Theilnahme bewiesen, zum Gedächtniß an ihn als untrennbares Ganze 311 überweisen. — Die Stadt Paris Hatte einen internationalen Wettbewerb ausgeschrieben behufs Prämierung des zuverlässigsten Elektrizitätszählers. Die Kommission hat den ersten Preis dem Elektrizitätszähler des Berliner Professors D r. A r 0 n zuerkannt. — Verschiedene Mißerfolge hatten in den letzten Wochen die Berliner Antisemiten zu verzeichnen. Ueber ihr Fiasko im Turnverein ist schon berichtet worden. Im Berliner H a n dw erkerver e i n, woselbst der verflossene österreichische Lleutenant von Levetzow sein Glück versuchte, efcenfo in einer freisinnigen Versammlung, in welcher ein Herr Bod eck die üblichen Phrasen vorzubringen versuchte, wurden die Redner so gründlich abgeführt, daß ihre Parteigenossen zu dem bei ihnen üblichen Mittel, durch Radau die Versammlungen zu sprengen, griffen. Glücklicherweise verfing das Mittel nicht. — In B resl a u starb am 30. v. M. nach langer Krankheit im Alter von 74 Jahren der Ohrenarzt Dr. Ludwig Jacobh. — Bei der Fahnenweihe des Militärvereins in Reilingen hielt der dortige israelitische Lehrer- Herr Heimberger auf Einladung des Vereinsvorstandes die Festrede. — Der neue Bam berger Erzbischof D r. v. S ch 0 r k, zu dessen Empfang auch eine Deputation der jüdischen Gemeinde anwesend war. äußerte sich dieser gegenüber, daß er den Antisemitismus als in hohem Grade unchristlich verurtheile, in welcher Form er auch auftrete und welche Gründe auch für denselben vorgeschützt werden mögen. Er werde diesem Treiben mit allen Mitteln entgegentreten. — Die „ H a m b. N a ch r. „ warnen eindringlich vor der Ansiedlung ausgewiesener russischer Juden in Afrika, besonders im K 0 n g 0 g e b i e t. Für die Ansiedlnng in den Tropen eigneten sich die geschwächten, allen Entbeljnmaen ansgesetzt gewesenen russischen Juden weniger als irgend ein anderes Volk; die Tropenkolonisation sei reiner Massenmord. — Zu einer neuen Ausgabe des bekannten, von dem verstorbenen Professor Delitzsch wie von den österreichischen Gerichten gebührend gebrandmarkten Rohling'schen Buches „Der Talmudjude" hat sich der hinsichtlich seines Geisteszustandes vom „Reichsanzeiger" gekennzeichnete Herr Carl Paasch bereit gefunden. Daß Herr Fritsch in Leipzig das Buch verlegt hat, ist ebenso selbstverständlich, wie daß Pater Rohling aus seiner Versenkung aufgetaucht ist und Herrn Fritsch zu seiner Heldenthat - beglückwünscht hat. Das Lustigste bei der Sache ist, daß die neue Auflage des ursprünglich deutsch geschriebenen Buches — aus dem Französischen zurückübersetzt ist. — Die diesjährige Generalversammlung der Wiener isrgelitisch en Allianz fand am Donnerstag, den 4. d. M., im Sitzungssaale der israelitischen Knltusgemeinde statt. — Das Londoner auswärtige Amt erhielt ein amtliches Schreiben des englischen Konsuls in Odessa, welches konstatirt, daß die Nachrichten über eine bevorstehende Masseneinwanderung russischer Juden nach England stark übertrieben, ja völlig grundlos sind. Trotzdem herrscht in England Furcht vor großem Zufluß, sodaß sich bereits in London ein Verein zur Verhinderung der Einwanderung mittelloser Auswanderer gebildet hat. — In Glasgow richtete eine aus einflußreichen Männern bestehende Deputation an den dortigen Bürgermeister das Gesuch, die Vertreter der Stadt zu einer Sitzung einzubernsen, uni über die Judenverfolgung in Rußland zu verhandeln. Der Bürgermeister erwiederle, eine solche Verhandlung könne als Beleidigung eines befreundeten Staates aufgefaßt werden. Die Deputation erklärte sodann, sie wolle nur, daß die englische Negierung ersucht werde, gemeinsam mit anderen Negierungen bei dem Zaren freundschaftlich zu interveniren. Der Bürgermeister willigte hierauf in die Berufung der Versammlung. — Der dritte Band von Renans „Geschichte Israels" wurde von der Kirche auf den Judex verbotener,Bücher gesetzt. ' ■ Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. BerautwoMch für dre Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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