Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1891)
- Date
- 1891-06-19
- Page
- Seite 293 (sequence 5)
- Language
- German
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Unverkennbar bildet in der Geschichte des Unsterblichkeitsglaubens ebenso wie auf dem Entwickelungswege des Engelglaubens die Perserzeit einen Wendepunkt, der, soweit jene beiden Anschauungen in Betracht kommen, die im Dasein des Volkes ruhenden Wurzeln desselben mit frischer Kraft belebte, mit anmuthigen Trieben befruchtete. In neuen, ausgestalteten Formen treten uns in der sopherischen Periode durch beständiges und meist befreundetes Zusammenleben mit den Persern die alten, dem frühesten jüdischen Denken vertrauten Gebilde entgegen. Neue Blüthen und Früchte reifen an dem Baume des jüdischen Glaubens, die fremden Einfluß und fremde Einwirkung verrathen. Allein von einem Volke ausgenommen, dessen Bekenntniß durch Entsagung des Bilderdienstes damals dem jüdischen am nächsten kam, haben jene Geist und Seele Israels mannigfach erquickt und in Erhebung und Trauer reichen Segen gestiftet. Engel- und Auferstehungsglaube haben oft genug zu Verirrung und Trübung von Geist und Gemüth geführt, aber gleichwohl um der Hoheit und Größe willen, die ihnen anhaftet, breiten Raum im Glauben und Gebet Israels gefunden. Sie legen Zeugniß ab von der hohen Achtung, welche dieses vor den religiösen Anschauungen fremder Völker hegte, und wie sehr es von jeher bemüht war, den eignen Glauben, der ohnehin durch eine Fülle von Lehren und Vorschriften seine Bekenner zur Menschenliebe und Tugendübung erzieht, durch Aneignung verwandter Gedanken und Kräfte zu einem Mittel der Verbrüderung und Vereinigung mit Andersgläubigen, eines schönen, gedeihlichen Zusammenlebens mit ihnen zu machen. (Schluß folgt.) d Parabel und Fabel bei den alten Hebräern. Von Dr. Elias Kalischer. (Fortsetzung.) Zwei Parabeln werden Ez. 31 in ein Kunstganzes verflochten. Die Verknüpfung der zweiten, der ersten untergeordneten Parabel mit dieser erfolgt derart, daß der Grundzustand der zweiten mit V. 8 und im Wesentlichen die Schuld der zweiten Parabel mit V. 9 b in den Grundzustand der ersten Parabel eingeflochten wird. Alsdann folgt auf die Entgeltung der ersten (V. 11—13). Wiederaufnahme! der Schuld der zweiten Parabel mit V. 14a und die Entgeltung der zweiten Parabel. — Die althebräische Parabel verzwittert sich mehrfach mit ändern Darstellungsgattungen. Sie verbindet sich besonders mit lyrischen Fonnen. In solchen Kombinationen ist Ezechiel Meister. Aber bereits Jesaja war ihm auf dieser Spur vorausgeschritten. Denn verwebt der letztere Prophet in die beiden ersten Stufen der Parabel Jes. 5 nicht das Bruchstück eines Liedes? Daß das Lied dem Propheten überkommen war, scheinen uns mehrere teyöiuvu zu versichern: lnpUH V. 2. — V. 2—4 sind Reim und Refrain gar nicht gemeint, sich im Hintergrund zu halten. — Ob aus dem Gegebenen nicht wenigstens ein Theil jenes Liedes sich zur Noth retten ließe? Hiermit ein Versuch: l- ' 171p12'1 inbpv'1 [pH2 inittD'n entbehrlich) ■ovo bnj2 p'1 12 2X11 2IT-231 d’ojp rmh ip’i enWö 'twn 2a. nnjn Vergl. Jes. 53. 3. Ps. 141, 4. 7,111'?'2?'« El 2^211'? '221') bes. Spr. 8, 3. ^2 «3T222? '»->2 s'21 b. '2"12b 112 mwb-12 [12) 'IH22 «bl er232.ni2wb wip miß) .2'2M2 2121 Aus dem Liede stammt offenbar auch die hochpoetische Prägung P21-p pp. Denn nirgend sonst bezeichnet pp eine Bergspitze. Nirgend — außer in hochpoetischem Zusammenhänge — könnte „fruchtbar" mit J221-J2 ausgedrückt werden. Vergl. Hi. 5, 7. — Was b IM 212 betrifft, so sei darauf hingewiesen, daß ein Absatz im Hohenliede mit denselben Worten anfängt: Hoheslied 8, 11. Daß Anfang und Ende des Liedes fehlen, springt in die Augen. Den Resten nach zu schließen, scheint das Lied ein launiges Trinklied gewesen zu sein.') — Fast durchweg halten sich die parabolischen Erzeugnisse Ezechiels auf der Grenze zwischen Elegie und Parabel. In einigen überwiegt der elegische Bestandtheil stark den parabolischen. Diesen hat er selber die Bezeichnung ,12p (19,1.14. 32, 2. 16) gegeben. Ez. 19, 1—9. Nach der elegischen Seite wird geklagt, daß herrlich die Vergangenheit erscheint, düster die Gegenwart. Wodurch ward sie düster? Das legt die Parabel dar. — Ez. Kp. 32 wird mit dem parabolischen Stück V. 2—4 die bis V. 16 sich erstreckende ,13'p eingeleitet. Ziemlich scharf ist jenes gegen die elegische Weiterführung abgesetzt. — Breite Darstellung ist Ezechiel überhaupt eigen. Anlangend seine Parabel, bewirkt eine weniger zweckentsprechende Zerdehnung derselben noch besonders der Einfluß der Elegik, die ja Reflexionspoesie ist und als solche dem Anstoß von Gedanken und Empfindungen frei sich hingiebt. Vergl. Kp. 16. 15, 4. 5.—13, 10—16 erstreckt sich von 11—15 die Entgeltung. Doch lehrt derselbe Prophet, daß allzu große Ausführlichkeit und übertriebene Kürze bei einander wohnen. 13, 106 drängt er die zwei ersten Stufen zu einer Vershälfte zusammen. Kap. 15 schiebt er Grundzustand und Schuld ineinander und drückt formell nur die zweite Stufe aus. Die Parabel verbindet sich 1. Kön. 20, 39—42 und Jer. 13, 1—11 mit der, was ihr Eigenwesen betrifft, wesentlich hervorhebcnden prophetischen Darstellungsform der symbolischen Handlung. 4. Schilderung. Die Schilderungen sind mehr minder episch, , die Aufeinanderfolge innehaltend. Vergl. 2. Sam. 12, 3b. Jes. 5, 2. Jer. 41, 11 a. 11b. 12. Ez. 13, 11b. 13. 14a. 15, 4b. 16, 4. 7. Steigernde Schilderung Ez. 16, 9—12. V. 16—20. Zergliedernde ebend. 16—21. / Mittel der hervorhebenden, wenn anders nicht auch bewegenden, Schilderung sind 1. mehr weniger deutliche Anspielungen auf den individuellen Sachverhalt, der die an sich doch allgemein giltigc Parabel veranlaßt hat, mit seinen Besonderheiten: 2. Sam. 12. Fem. 72222. — H3p V. 3. HIT T32-22) 122 V. 3. V. 3 b bis 222H- Diese Anspielungen wachsen hier auf die natürlichste und ungezwungenste Weise aus der Erzählung heraus. Nicht im Geringsten stören sie Harmonie und Gleichgewicht derselben. Wie anders Ez. 15, 4b. Ist der Weinstock nicht ins Feuer geworfen worden? Wie kommt es denn, daß er nicht einfach verbrannt ist? — Im Gegensatz zu diesen Beispielen möchten wir uns schwerlich bereden >) Vergl. in dieser Beziehung Cassel, Geschichte der jüdischen Litteratur, II. Berlin. 1873. Seite 44.