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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-04-24 · Heft 17 (24.4.1891) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 17 (24.4.1891)
Date
1891-04-24
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Jewish" Gesellschaft und hielt eine .Rede, die viel dazu beitrug, die allgemeinen Sympathien für die unglücklichen Juden zu erregen. Bon den vielen Wohlthaten, die er verfolgten Juden erwiesen, wollen wir an die erfolgreichen Schritte erinnern, welche er im Jahre 1880 zum Schutze der Juden Marokkos und zur Errettung der persischen Juden vor einer ernsten Verfolgung im Jahre 1883 gethan hat. Rußland. * Petersburg, 15. Llprit. Die Inkraftsetzung eines neuen strengen Edikts gegen die Juden steht bevor. Hiernach wird beabsichtigt, den jüdischen Handwerkern das ihnen im Jahre 1865 gewährleistete Niedertassungsrecht zu entziehen,, in Folge dessen sie künftighin innerhalb der der-.jüdischen Bevölkerung im Allgemeinen angewiesenen Grenzen werden leben müssen. Die Negierung findet nämlich, daß hebräische Handwerker sich in zu großer Anzahl in den Theiten des Reiches niedergelassen haben, wo bereits eine hinlängliche Anzahl Handwerker des orthodoxen Glaubens vorhanden ist. Bon dieser Maßregel werden in Moskau allein 14,000 Juden betroffen. Die Juden mit Grundbesitz erhalten eine zweijährige, die übrigen eine nur einjährige Gnadenfrist. — Wenig hiermit in Einklang zu bringen ist die nicht.abzuleugnende Erleichterung der Vorschriften für den Grenzverkehr. Tie- '' selben find, wie wir erfahren, mit ausdrücklicher Genehmigung des Zaren erfolgt. Danach ist allen in das Handelsregister eingetragenen Kaufleuten, deren Frauen, Vertretern und Agenten der Eintritt nach Rußland ohne Beschränkung des Aufenthaltes gestattet, und die früher für Juden vorgeschriebenen Beschränkungen sind aufgehoben. Das Visum, welches der Konsul nach freiem Ermessen — in der Regel auf eine Frist von sechs Monaten — ertheilt, gilt nicht, wie bisher, nur zur einmaligen, sondern zur wiederholten Reise innerhalb jener Frist. — Endlich soll diejenige Beschränkung in Wegfall.kommen, welche bisher in dem Vermerk bestand, daß nichtrussische Juden nach Rußland nur dorthin sich begeben durften, wo die russischen Juden das Recht freien Aufenthalts genießen. Es sollen derartige beschränkende Bemerkungen fortan in die Pässe bei dem Visiren derselben nicht mehr eingetragen werden. * Von Voll und Fern. — Bezüglich des Volksschulgesetzes ist jetzt von der Staatsregierung. endgiltig Beschluß gefaßt. Danach wird für die laufende Session schon mit Rücksicht auf die Unmöglichkeit, zu einem Abschluß zu gelangen, auf die weitere Berathung der Vorlage verzichtet, und hat der Kultusminister beimEtat einedementsprechendeErklärung abgegeben. Damit ist indessen nicht gesagt, daß die Regierung den prinzipiellen Standpunktdieses Gesetzes aufgegeben habe. — Herr Dr. F. Buka, Dozent der technischen Hochschule in Charlotten bürg, ist zum ersten Oberlehrer am k. Realgymnasium daselbst befördert worden. — Die Verbände der Syn a g.o g engemeinden in Ostpreußen und Oberschlesien werden im Mai ihre Generalversammlungen abhalten. — In Kolm ar in Posen ist am 17. März der neue Friedhof der jüdischen Gemeinde eingeweiht worden. Herr Rabbiner Braun aus Schneidemühl hielt die Weiherede. — Ende August wird die Gemeinde Ruhrort das 50jährige Bestehen ihrer Synagoge durch eine großartige Festlichkeit feiern. Beim Vorstandskollegiumist die Renovirung des Gotteshauses angeregt. —Der Vorstand des PfarrvereinsinDarm stadthat, wie das „Volk" meldet, gegen die Anklage eines Abgeordneten, daß evangelische Geistliche die Juden als solche verfolgen, öffentlich protestirt. DieHerren scheinen also wenigstens das Unrecht einer solchen Handlungsweise einzusehen. — Das in Speyer erscheinende Rheinische Volksblatt (Redakteur Herr Dr. Eugen Jäger) leistet sich in einem Theaterbericht seiner Nummer vom 13. d. Mts. folgenden Satz: „Was das am Freitag zur Aufführung gelangte Stück Lindau's „Gräfin Lea" anbetrifft, so können wir demselben glänzende Diktion, eleganten Stil und spannende Handlung nicht absprechen. Unangenehm berührt jedoch die Sucht des „Dichters", das Judenthum in einer Weise zu glorifiziren, die an Lessin gs von den Juden bezahlte Arbeit „Nathan der Weise" erinnert."—Der israelitische Freitifch- Verein in Prag veranstaltet, wie alljährlich, auch am bevorstehenden Passahfestein den auf's Eleganteste renovirten Speisesälen, des Hotel Flusser für seine Kostnehmer, ca..190 an der Zahl, eine solenne Sederfeier. — In der Handelskammer zu Graz fand eine Antisemit endebatte statt. Antisemitischerseits wurde nämlich dör Antrag der Brodyer Handelskammer, eine Petition an die Regierung betreffs der russischen Paßschwierigkeiten für Juden zu unterstützen, bekämpft und betont, die Maßregel Rußlands sei freudig zu begrüßen.. Schließlich wurde jedoch der Komiteeantrag angenommen, die Petition zu befürworten. — Der Vorsteher der Kultusgemeinde in Außer, Herr Salomon Polkak, feierte am 9. d. M. seine goldene Hochzeit und zugleich sein vierzigjähriges Amtsjubiläum als Vorsteher der Gemeinde. — Auf Initiative der Brodyer Handelskammer richtete die Kammer in Lemberg an den . reichsräthlichen Polen - Klub durch Vermittelung des Abg. Szczepanowski telegraphisch die Aufforderung, maßgebendenorts zu Gunsten der jüdischen Kaufleute, denen au der russischen Grenze in der ungerechtfertigtsten Weise allerlei Paßschwierigkeiten gemacht werden, zu interveniren. — Ein Akt der Intoleranz wird ans Neapel berichtet, wo am 24. v. M. in dem dortigen Hospitale ein Jude auf dem Todtenbette von dem daselbst angestellten Beichtvater gezwungen wurde, sich mit den Sterbesakramenten versehen zu lassen. Den Vertretern der jüdischen Gemeinde gelang es nur mit großer Mühe, sich in den Besitz des Leichnams zu setzen und auch erst dann, als sie an das Hospital zwanzig Lire bezahlten.Seit einiger Zeit ist in den Pariser jüdischen Kreisen vielfach der Wunsch laut geworden, die Feier des Sa b b at hs von Samstag auf Sonntag zu verlegen, um deu-in der Woche beschäftigten Israeliten die Betheiligung an dem Gottesdienste zu erleichtern. Der Groß-Rabbiner ist gegen eine solche Maßregel, zeigt sich jedoch geneigt, am Sonntag für die in der Woche beschäftigten Personen namentlich für die Schulkinder einen besonderen Gottesdienst mit Musik, Chören und Predigt zu veranstalten. Das israelitische Konsistorium scheint aber dieser Neuerung abhold zu sein. — Wie aus Kopenhagen gemeldet wird, rüsten die dortigen Freunde von Georg Brand es, dessen Dotation mr dem Widerstand der Konservativen im Landsthing gescheitert, zu feinen Ehren für Montag, den 26. April, ein großes Banket, bei welchem zahlreiche Betheiligung aus künstlerischen, litterarischen und politischen Kreisen erwartet wird. Sogar ein Fackelzug ist in Aussicht genommen. Die ganze Veranstaltung trägt den Charakter einer energischen Demonstration. — Im russischen Reichsrath ist nunmehr nach der„A.R.-C." ein Gesetz beschlossen worden, nach welchem auch den Juden nunmehr im Königreich Polen der Ankauf eines B au er nl and ant Heils nicht mehr gestattet wird. — Eine Generalzählung der Juden wird, nach der „Now. Wr." zum 1. Juli in den Gouvernements St. Petersburg, Nowgorod und Pskow ausgelührt werden. Welche neue Maßregel soll durch diese Zählung vorbereitet werden? — Der vor Jahren der jüdischen Gemeinde in Petersburg gestattete Neubau einer Synagoge, welcher bis vor Jahresfrist rüstig forWritt, dann aus unerfindlichen Gründen plötzlich ins Stocken gerieth, ist nunmehr den Juden ganz untersagt worden. Als Grund wird angegeben, daß die Kuppel der neuen Synagoge nach dem bereits genehmigten Plaue die Kuppel einer in der Nähe befindlichen Kathedrale etwas überragt hätte! — Der Munizipalarzt Dr. Apperi in Schumla hat die Schulen der Alliance besucht und die Direktoren berechtigt, chm alle Kinder, die mit äußeren Krankheiten behaftet find, zuzuschicken; er wird ihnen unentgeltlich Pflege und Arzneien zukommen lassen. Dieses Anerbieten ist mit Dank angenommen worden. — Die Blätter berichten-über Unruhen auf Corfu, die sich gegen die dort ansässigen Juden richteten. Die Erregung soll auf das Ausfinden des Leichnams eines ermordeten jungen Mädchens im Judenviertel Zurückzuführen sein. Eine militärische Verstärkung sei nach Corfu abgegangen. — Der am 25. März in New-Aork veranstaltete „Purimball" brachte einen Reingewinn von ca. 15,000 Dollars (ca. 60,000 Mark), welche unter die verschiedenen jüdischen Wohlthätigkeits-Anstalten vertheilt werden. — In Cincinnati ist die „Imigrants Aid 8oeie" (Gesellschaft zur Unterstützung Einwandernder) nunmehr vollständig organisirt und zählt bereits 300 Mitglieder. Die Haupt-Aufgabe der Gesellschaft ist, die Einwanderer bei ihrem Eintreffen in Schutz zu nehmen, ihnen Arbeit zu verschaffen, sie bei Erlernung der englischen Spräche, eines Geschäftes rc. zu unterstützen und zu empfehlen, wenn sie dessen bedürfen. Die zweite Aufgabe ist, eine Ackerbau-, Gärtner- und technische Schule für Knaben und Mädchen zu errichten. Druck und Perlag. von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchryjtz in Berlin.

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