Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1892)
- Date
- 1892-12-30
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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m’bereitet wurde. )Hteu befanntUcl) tcrten die alten üdische Apostat fe leistete. Kein Angriffe gegen gebildete Theil ner und ihres Tage rum nicht freiwillig überselbe. Wie recht R osenthal. Einsender nnter n aus gegen den zu Gunsten der lacht hat. Zn ügt nachstehender Vertheilung von rsität — ohne oren respektirten Weise, daß das >:n zugesprochen Kuratorium, der )eu Studirenden es nur bei den. d 5koufessior: ganz int Unrecht itntfen, wäre die M. Grünfeld. eisten" ließ Herr dth." eine Reihe bischen Litteratnr mzvolle aus der Namhaftmachung ,edoch hoffentlich die Schriftsteller n und Abraham sophischer Natur sprachgewandte und Herausgeber osef 5kohr:-Zedek, : gründliche Talffönlicher Freund r ist stell er Fab ins isohus, aus dem f’ derselbe eilt Kind seine Ausbildung ' e des talmudischgelehrte, Kompen- Lnb der über Tue talmudisch-rabb:- 56. Jahrgang. Ur. 53. Kerlin, 30. Dezember 189^ Weil^age zur „ALLgemeinen JeiLung des IuöenLHurns". allen noch: Der r abiner zu Krakau, ater des Schryt- Perlberg. rltn. in Berlin. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 25. Dezember. Nach dem neuen Berliner Adreßbuch giebt es in Berlin 4 Gemeindesynagogen und 7 ständige Privatsynagogen, 1 Knaben- und 1 Mädchenschule der jüdischen Gemeinde, 1 Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, 1 Rabbiner- und 1 Lehrerseminar, 2 Religionsschulen der jüdischen Gemeinde und 8 Privatreligionsschulen, 1 Taubstummenanstalt, 2 jüdische Privat-Waisenanstalten und 1 Waisenhaus der jüdischen Geuteinde, außerdem verschiedene Privatschulett. £££ Berlin, 26. Dezember. Am 28. d. M. starb in Friedenatt Paulus Cassel, der als Schriftsteller und Kanzelredner sich einen Namen gemacht hat. 1820 zu Glogau vott jüdischen Eltern geboren, betrieb Selig Cassel (so hieß er ursprünglich) in Berlin philosophische ttnd rabbinische Studien und beschäftigte sich nach ihrer Vollendung mit Forschungen zur jüdischen Geschichte und Litteratnr. Viel Anerkennung fand eine der Erstlingsarbeiten von Cassel, eilte zusammenfassende Darstellung der Geschichte der Juden, die in Ersch und Grubers Encyklopädie, Bd. 27, erschien. Auch seine „historischen Versuche" und „Magyarische Alterthümer" sind Zettgnisse umfassender Gelehrsamkeit. In religiöser Beziehuttg war Cassel bis dahin streng konservativ und ein Gegner der Reform im Judenthum. Da begab sich das Seltsame, das einschneidend für Cassels Lebettsgang wurde: Der Wandel, der in dem Anfang der fünfziger Jahre allmälig eintrat und der 1855 mit seinem Uebertritt ztttlt evattgelischen Glauben seinen merkwürdigen Abschluß fand. Der Uebertritt fand in Erfurt statt, wo Cassel von 1850 an mit litterarischen Arbeitett beschäftigt und später zugleich als Bibliothekar im Dienste der Erfttrter Akademie stehend, lebte. 1859 nahm Cassel, nachdem er zuvor ltoch in Erfurt den Professortitel erhalten hatte, seinen Wohnsitz in Berlin und wandte sich hier, nachdem er die theologischen Prüfungen abgelegt hatte, dem Berufe als Seelsorger ztt. Er bethätigte sich zunächst lebhaft im Sinne der Judenmission und suchte Befriedigung darin, zahlreiche arme polnische Judeuknaben detn Christenthullt zuzuführeu, indeut er ihnen Brod uttd Unterricht gab. Der Schwerpunkt seiner Thätigkeit liegt aber in den litterarischen Leistungen. Cassel war als Schriftsteller überaus fruchtbar. Wesentlich ausgezeichnet war er dttrch die Vielseitigkeit seines Wissens. Ein Gebiet, aus dem er als eine Autorität galt, war die Sagenkunde. Weiterhin hat er auf das Ausgiebigste die Lehre voll der Symbolik gepflegt. Auch) den biblischen und rabbinische:: Studien hat er stets eifrig obgelegen. Die Fülle seines Wissens drückte oft die Darstellung, so daß es nicht Jedermanns Sache war, Cassel bei seinen lliit tausend Einzelheiten durchsetzten Darstellungen, in welchen er die anscheinend weit von einander abliegenden Dinge in Beziehung setzte, zu folgen. Eine Gesammtausgabe der Werke Cassels wird gegenwärtig von der Akademie 31t Erfurt vorbereitet. Im Jahre 1866 wurde Paulus Cassel in den Landtag gewählt, wo er sich der kollservativen Partei anschloß, lebte später aber ausschließlich seinen Studien und seinem Berufe. "Als die Antisemitenhetze ausbrach, erinnerte sich Cassel seines Ursprungs und trat mit großer Entschiedenheit gegen die Chorführer Treitschke, Stöcker und gegen Rich. Wagner auf. In dieseln mannhafter: Allftreteu liegt wohl ein Theil der Genugthuung für den Abfall vom väterlichen Glauben, den man allerdings, da er nicht aus äußeren Gründen, nicht um Ehren und Stellen zu erlangen, sondern wohl eher aus einer mystischen Gedankenrichtung erfolgte, wesentlich anders beurtheilen muß als viele derartige Fälle in alter und neuer Zeit. Ueber die Wahrhaftigkeit und Lauterkeit seines Lebens wird Gott urtheilen, nicht wir. Möge dem Da Hingeschiedenen die Erde leicht sein! Berlin,26. Dezember. Herr Professor Dr.Hermann Cohen ist leider so erkrankt, daß sein Vortrag in dieser Woche nicht stattfinden kann Derselbe ist bis zum Monat März hinausgeschoben worden. Statt dessen hat der Vorstand Herrn Professor Dr. Martin Philippson, dessen Vortrag eigentlich erst im Februar stattfinden sollte, ersucht, am 8. Januar zu sprechen. Herr Professor Philippson hat mit gewohnter Liebenswürdigkeit zugesagt, an diesem Tage über das Thema: „Sizilien und die semitisch-jüdische Kultur" zu sprechen. Sowohl die Wahl des Themas wie die des Vortragenden lassen einen interessanten Abend erwarten. Gäste, Herren und Damen, haben auch diesmal freien Eintritt. * Berlin, 26. Dez. Das Kuratorium der von der Familie Neichenheim begründeten Stiftung „Mädchenheim", welche junge bedürftige Mädchen aus den gebildeten Ständen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses für einen künftigen Beruf ausbildet, hat in seiner letzten Sitzung vier bedürftige junge Mädchen in die Stiftung ausgenommen. Die Zahl der seit dem Bestehen der Stiftung aufgenommenen Zöglinge hat die Höhe von 100 erreicht. 78 von diesen, und zwar 4(> christliche und 38 jüdische, haben bereits die Anstalt verlassen und eine sichere Lebensstellung gefunden. Die Zöglinge, verwaiste junge Mädchen im Alter von 14-18 Jahren, erhaltung Erziehung, Pflege und Ausbildung. Mit der Aufnahme von nur vier Pfleglingen begann die Stiftung ihre wohlthätige Wirksamkeit im Jahre 1874. Jetzt hat sie einen steten Bestand von 22 Zöglingen. Als neues Mitglied ist Stadtschulrath Professor Dr. Bertram in das Kuratorium eingetreten * Berlin, 24. Dezember. Der „Neichsanzeiger" schreibt: „Verschiedene Blätter bringen die Nachricht, daß das Auswärtige Amt die in Sachen einer Broschüre gegen Herrn Paasch gestellten Strafanträge zurückgezogen habe. Diese Nachricht ist vollständig aus der Luft gegriffen. Die Blätter, die jene Nachricht gebracht haben, waren die Staatsbürger-Zeitung und ihr sauberer Anhang. * Berlin, 24. Dez. Die antisemitischen Blätter lieben es, seit dem Korfuer Skandal sich „fern aus der Türkei" stets neue Schauermärchen von den bösen Juden berichten zu lassen. Die neueste Phantasieblüthe dieser "Art betrifft den Raub eines griechischen Mädchens. Das Mädchen war nach Konstantinopel in ein berüchtigtes Haus verschleppt worden, wovon nach einiger Zeit dem griechischen Generalkonsul Mittheilung gemacht worden sei. ..Das Generalkonsulat — so berichtet die „Staatsbürger-Ztg." weiter — trat mit dem Patriarchat in Verbindung, worauf beschlossen wurde, das Mädchen aus dem Hause mit Gewalt oder List zu befreien." Das geschieht denn auch; das Mädchen wird befreit nnb nach Athen zurückgeführt. „Das griechische Generalkonsulat fügt in seinem Bericht hinzu, — so setzte die Staatsbürger-Zeitung ihrer Meldung hinzu — „daß jenes Haus, in dem sich das Mädchen befand, regelmäßig von jüdischen Kultusb eamten besucht wurde; außerdem gebe der bulgarische Diener umständliche Schilderungen über ein höchst verdächtiges, geheimnißvolles Treiben . . . Aus gewissen Vorbereitungen, sowie aus dem eigenthümlichen Verhalten des alten Juden in Gegenwart des Mädchens habe er die Ueberzeugung gewonnen, daß die Juden das Mädchen zur Verweudung zu rituellen Zwecken ausersehen hätten. Wenn diese Annahme — so führt das Generalkonsulat weiter aus — auch nicht durch greifbare Thatsacheu bewiesen werden könne, so habe doch in Anbetracht ähnlicher unzweifelhafter Vorkommnisse der letzter: Jahre das Konsulat sich verpflichtet gefühlt, diese Aussage des Bulgaren zu berücksichtigen." Da die Art, wie der internationale Antisemitisurus arbeitet, seit längerer Zeit bekannt ist, so wandte sich der österreichische Konsul in Konstantinopel Graf von Starzenski auf Antrag an das ökumenische Patriarchat und an das griechische Konsulat um Auskrmft. Das Patriarchat erklärte darauf, daß ihm vor: der gar:zen Angelegenheit nichts bekannt sei, während der griechische Konsul schrieb: „Ir: Erwiederung u. s. w. Ich fann Ihnen die Versicherung ertheiler:, rtach meiner persönlichen und unmittelbaren Prüfung der Thatsachen, die damals zu meiner Kenntniß gebracht wurden, muß die Annahme, daß das unglückliche junge Mädchen in der „Maison de tolerante“, aus der:: ich sie habe fortbringen könne::, zr: religiöser: Zwecke:: zurückgehalter: