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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-12-16 · Heft 51 (16.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 51 (16.12.1892)
Date
1892-12-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post ooer direkt von der Expedition inVerlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Ncdactcur: Gustav Karpeles. Begründet von Uabbrner 21*- Ludwig Philippson-Äonir Verlags-Cxpedition: Lerlin, Ferufalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Änhttlt. Leitartikel: Cbanukab. — Nelig'on und Slttlichteü. Aon Georg Minden. — Wiener Briese. XXll. Von T. — Die sozialen Institutionen deö Mosaismns und des platonischen Staats. Von Tr. I. Horowih. «Fortsetzung). — Feuilleton: Die Tochter des Philosophen. Erzählung von Mar R ing. (Horts.) — Asriel. II Von Moritz Lcherbel. — Ein Besuch im jüdischen Krankenbause. Von M. Friedeberg. — Sprechsaal — Der Gemeindevote. Korrespondenzen «nd Nachrichten: Berlin. Breslau. Hannover Göttingen. Wien. Budapest. St. Petersburg. — Bon Nah und Fern. — Misallen. — Geschäftliche Notizen. Chanukah. Berlin, 14. Dezember Wenn diese Blatter in die Hände der Leser gelangen, dann leuchten bereits in allen wahrhaft frommen Häusern die Flünimchen der alten Menorah, die uns an die Heldenthaten der Makkabäer erinnern, „in jenen Tagen um diese Zeit". Es ist ein arger Jrrthum, oas Ehannkahfest für ein nationalem zu erklären, während es doch eigentlich nur ein h istor is ch es Fest ist, und als solches von ms Allen angesehen wird. Die historischen Großthaten der Makkabäer dürfen und müssen mir aber heute feiern, weil wir uns in schwerer Zeit an ihnen ottfrichteil sollen, weil wir aus ihnen Lehre, Trost und Kraft für unser eigenes Lebenswerk schöpfen können. „Schwer ist die Zeit und trüb sind ihre Zeichen." Ueberall regt oie Hydra des Antisemitismlls ihr Schlangenhaupt und mit epidemischer Schnelligkeit verbreitet sie ihr Gift über die ganze Erde. Da regt sich wohl in uns die Sorge um die Zukunft, und die bange Klage, die der Dichter des Chanukahliedes angestimmt, schwebt auch auf unseren Lippen : Kl orchali lonu hajescliuaii ween kez lejmeli iiarooh! „Ach, gar zu lang dauert es, bis uns die Hilfe kommt und lein Ende ist unseres Leids!" Aber während wir so mit bent Sänger klagen, da fällt unser Blick auf das milde Flännnchen der alten Menorah. Wie viele Dtürme des Hasses, wie viele Orkane der Glaubenswnth sind seit mst zwei Jahrtausenden dahingegangen, ohne daß sie dieses kleine Uümmchen zll verlöschen vermochten! Sie werden es auch fernerhin aicht verlöschen. Ein Bild dieses Channkahlichtes ist aber Israels Geschick. Klein lind unansehnlich, arm und dürftig ist es wie das Flännnchen der Menorah, aber auch ewig und nnverlöschlich und unüberwindlich wie dieses. Und wenn wir mit dem Sänger jener Chanukahhymne geklagt, so dürfen wir mit demselben Sänger, im Hinblick ans den Trostgedanken, der uns ans dem Chanukahlichtleiu entgegenstrahlt, auch in dem Hoffen uns vereinigen: Schirm und Schutz in Sturm und Graus, Dir erschall' mein Jubellied; Schütz', o Herr, dein heilig Haus, Drin dir Lob und Preis erblüht. Doch wenn einst verstummt der Feind, Dem dein Volk m Spott erscheint, Daun erschall' allüberall Liebessang, der uns vereint! „Doch wenn einst verstummt der Feiud" — aber wie lange wird dies noch dauern? Täuschen wir uns darüber nicht: Eine harte Zeit der Kümpfe, eine schwere Zeit der Prüfung steht uns noch bevor, ehe jenes Ziel erreicht, ehe wir „allüberall den Liebessang" werden anst'nnmen können. Bon allen Seiten mndrängen uns Gefahren nnb Angriffe. Eine Bewegung, deren demagogisches Ziel von den Besten nnb Höchsten vernrtheitt ist, wird gleichwohl von vielen Seiten geschürt, die nicht ahnen, wessen Arbeit sie dabei verrichten. In tiefer Trauer senkt der Genius der Humanität seine Flügel angesichts des Hasses und der Verfolgung, der Rohheit und des Fanatismus, der alle Saaten des Friedens und der Kultur vernichtet und die reine, hohe Volksseele vergiftet, welche die besten Söhne ebendieses Volkes, unsere deutschen Deuter und Dichter, erhoben und mit idealen Anschaunngen erfüllt haben. Da gilt es, allen Mnth und alle Kraft; znsammenznfassen, um jene Kämpfe und Prüfungen mit Ehren zu bestehen. In solchen trüben Zeiten frischt aber ein historischer Gedenktag den vielfach gesunkenen Mrüh und das oft erschütterte Vertrauen wieder ans. Darum feiern wir diesmal unser Ehannkahfest mit besonders freudiger Erhebung, mit doppelt inniger Zuversicht. Wir Inden fürchteil in Wahrheit nur Gott und sonst Rie- : mand in der Welt! Das ist keine Phrase, sondern eine historische Wahrheit, die wir auf tausend Schlachtfeldern in allen Ländern des bewohnten Erdenrunds mit Gut und Blut und Leben bekräftigt! haben. Und wenn einmal sechstausend tapfere Männer aus Juda! über ein Syrerheer von fünfzigtausend Mann und viel Reitervolk j den glänzenden Makkabäer-Sieg erfochten haben, so werden auch wir! mit den modernen Antiochnssen ans dem Lager des Antisemitismus j fertig werden, so wir nur Kraft und Mnth, Ausdauer und Gottj vertrauen nicht verlieren. Aber nicht allein Kraft und Mnth, son- 1 dem auch die alte jüdische Opferfreudigkeit gilt es in dieser trüben j Zeit wieder 511 bewähren. Ter Kampf heischt große Opfer und es! ist wahrhaftig nicht die kleinste der gegen uns erhobenen Verdäch-!tignngen, daß wir über große Mittel verfügten, um einen solchen 1 schweren Kampf zu führen. Also vor Allem Mnth und Gottver-! trauen, dann aber auch freudige Opferwilligkeit! Das Ehannkahfest! lehre uns, diese Güter zu schätzen und zu hüten, bis daß auf die trüben Tage eisiger Winterhülle die frohe und segenbringende Frühlingszeit wieder folgt. U

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