Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-11-25 · Heft 48 (25.11.1892) · p. Seite 569

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 48 (25.11.1892)
Date
1892-11-25
Page
Seite 569 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227931-3227980--49299-3269984
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

569 und dns eligionsicn facheligionste, oder lg, ohne hen und ivöhnlich der nur ürde be- »werthen öerdient. )orgebileußischen Maligen naristen, e Zunft jüdischen »d diese sntiriim mr diese hat die en und Pflichtet, iigsgrad jaschana- und aus Kurzem rituellen c, falls er er Lehrer h dürfte flwächter das find v dürfen r kleinen, lbcu einirthschaft mg »nd > Vätern er kleinen nen und litsteuern nnöthen, Und wie Heil von ) können lann sich für ihren wir aber ) bieten nleistung Targuni an Besoldung und Stellung? Beides muß nach der jetzigen Lage der Dinge verneint werden, »nd beides mutz, soll ein Umschwung zum Befferu eintreten, eine vollständige Umgestaltung erfahren. Vorbildung und Stellung müssen anders, nüissen besser werden, eine allerdings schwere Aufgabe, aber bei gutem Willen nicht unlösbar, — wie wir uns diese Lösung denken, dartiber ein späterer Artikel. Ver Talmudzude. Von Albert Katz. Seit Jahrhunderten bildet der Talmud das hauptsächlichste Angriffsobjekt unserer Gegner. Die Ethik des Talmud ist auch gegenwärtig das Schibolet des Antisemitismus. Darum habe ich es unternommen, unter obigem Titel — auf der Grundlage eines gleichnamigen hebräischen Merkchens von I. Snwalski—- alle Stellen ans dem Talmud, die sich auf das sittliche Leben beziehen, zu einem Ganzen zusannnenzufügeli. Der „Talmudjude" wird 75 Kapitel, fast das ganze jüdische Schriftthum umfassend, enthalten und den Juden sowohl wie auch den Nichtjuden einen Einblick in die Ethik des Talmud gewähren. In dieser talniudischen Ethik, aus welcher ich hier drei Kapitel mitiheile, sehen wir den Genius des jüdischen Volkes noch frei aufgerichtet, frei von dem schweren Joch des Ceremonialwesens, frei von jeder Engherzigkeit gegen Andersgläubige und frei von allen konventionellen Lügen der Gesellschaft. Die Gottesflamme der Liebe und der Begeisterung für alles Gute und Edle leuchtet uns hell ans diesen vergilbten Folianten entgegen und erwärmt das kalte Menschenherz, daß es empfänglich wird für die höchsten Ideale aer Menschheit: Humanität und Liebe! Kapitel 1. Die Gesellschaft. Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich? Und bin ich iir mich, was bin ich')? Dieses Wort enthält einen sehr wichtigen Lehrsatz für den nur zu Mühe und Arbeit geborenen Menschen. Was ist der Mensch, wenn er nur für sich ist? Er ist doch nicht mit •en Thieren zu vergleichen, die sich ohne Sorge ernähren und anfinander nicht angewiesen sind. Der Hirsch trocknet keine Früchte, -er Löwe ist kein Lastträger und der Fuchs kein Krämer»). Während üe Thiere ihren Lebensunterhalt überall vorfinden, muß der von ^ott geliebte, in seinem Ebenbilde geschaffene Mensch? seine Lebensbedürfnisse im Schweiß seines Angesichts erringen. Und selbst wenn r schon für sich gesorgt hat, bildet er noch immer nicht eine Welt mr sich allein, so daß er ohne Hilfe Anderer bestehen könnte. Die Menschen sind auf gegenseitige Unterstützung angewiesen. Die Welt 1 eine große, aus Millionen Ringen zusammengefügte Kette, und?e Menschen bilden einen großen Körper, der aus Millionen von 'liedern zusammengesetzt ist, welche einander helfen und ihre Arbeit mieinsam verrichten. Wird das Menschenherz von Sorgen gedrückt, so 'eile er sie Andern mit? und spreche: „Gott schütze Euch vor solchen. ')" enn in Leid und Freud muß der Mensch Theilnehmer haben, vor .nen er sein Herz ausschütten kann. Der Mensch soll stets daran ncken, daß er nur ein einziges Glied der Gesellschaft, nur ein einiger Ring dieser ungeheuer großen Kette ist. Ebenso soll er bestrebt un, mit den Anschauungen der Menschen übereinzustimmen?, in '-einer Gesinnung von der ihrigen nicht abzuweichen?, ihre Bestimmungen nicht übertreten8) und ihre Sitten nicht verletzen?) Der .Mensch soll nicht fröhlich sein unter Weinenden und nicht weinen i) Aboth, Kap. 1, Abschnitt 14. 2) Keduschin 82. 3) Aboth, Kap. 3, Abschnitt 18. 4) Joma 78.? Sanhedrin 104.? Ketuboth 17.? Derech I ivrca rabba, Kap. 7.? Sabbath 118. ») fSaha Mezia 83. unter Fröhlichen, nicht schlafen unter Wachenden und nicht wachen unter Schlafenden, nicht stehen, wenn Andere sitzen, und nicht sitzen, wenn Andere stehen'), nicht lesen, wenn Andere studiren, und nicht studiren, wenn Andere lesen '?. Die Abweichung von den Anschauungen seiner Nebenmenschen und die Verletzung von Sitten und Gebräuchen, die von der Gesellschaft ausgeübt werden, verursachen dem Menschen häufig Gram und Aerger und stoßen ihn nicht selten aus dem Kreise der Gesellschaft, die in seinem absonderlichen Betragen Dünkel und Hochmuth erblickt. Die Gesellschaft kann nicht bestehen, wenn innerhalb derselben getheilte Ansichten über das Leben herrschen. Darum , hüte man sich vor Sekten- und Parteibildnngen?, man bestrebe sich vielmehr mit der Gesammtheit zu leben '), Ulan schließe sich seinen Freunden zur Ausübung jedes wohlthütigen Werkes an?, | man sondere sich nicht von der Allgemeinheit ab?, um einen Altar für sich selbst zu errichten? oder aus der Gemeinde auszuscheiden?. Wenn Jemand aus einem Orte, wo inan nicht fastet, an einen Ort, wo man wohl fastet, kommt, so faste er mit"). Hat er aber daran vergessen und sich gütlich gethan, so lasse er es die Einwohner nicht merkenWer an der Trauer der Gemeinde Theil nimmt, der wird auch deren Trost erleben.") Wer sich aber von der Gemeinde zurückzieht, der wird ihres Trostes nicht theilhaftig werden '-) und verliert auch jedes Anrecht auf die für die Gemeindemitglieder geschaffenen Institutionen.'? Wer die Wege der Gesammtheit verläßt, hat, wenn er and) keine anderen Sünden begangen hat, als die. daß er aus der Gemeinde Israels ausgetreten ist, die Gebote mit ihr zugleich nicht allsübt, an ihrem Leid keinen. Antheil nimmt, an ihrem Fasttage nicht fastet, seine Wege für sich wandelt, — keinen Allthei! am! ewigen Leben.") Kapitel 2. Der Stolz. Die menschliche Gesellschaft kann nur dann von Bestaild sein, wenn die Menschen unter einander sieb vertragen. Will aber einer : über den Andern herrschen, so geht die Gesellschaft zu Grunde. : Slrebe nicht nach Herrschaft ’?, daß du selbst dir eine Krone auf; dein Haupt setzest'?, denn es ist llicht schöll, wenn Jemand sich selbst! als edel preist") oder nach Herrschaft strebt"), um unter die Großen j zu kommen. Nicht der Ort ehrt dem Menschen, sondern burd) dem Menschen wird der Ort geehrt.") Wer aber der Ehre nachjagt, der wird, abgesehen davon, daß er sein Leben lang nur Gram und Aerger ernten, dem Jähzorn verfallen und als Narr betrachtet werden wird'"), seinen Wunsch nie erfüllt sehen. Denn werllach Größe strebt, beit flieht sie, wer ihr aber ausweicht, den verfolgt sie-'), Ehrsucht aber bringt den Menschen ums Leben-?. Wer seinen Namen weit zu verbreiten strebt, verliert seinen Namen -?. Ein Sprichwort lautet: „Ein Kamee! wollte Hörner haben und hat auch seine Ohren verloren '-?". Wer stolz ist, besitzt ein Gebrechen'-?, denn der Mensch, der sich überhebt, wird mit Aussatz geschlagen'-"?, feine Hausbewohner nehmen ihn nicht ernst'?, er ist mit einem Götzendieller zu vergleichen'-'? und wird nicht zu neuem Leben auferstehen-?. Darum gehe nicht stolz umher"?, betrachte dich nicht als Riesen nnb deine Nebenmenschen als Heuschrecken. Wisse, daß auch dein Nebenmensch in Gottes Ebenbild geschaffen ist, daß auch er Menschenehre besitzt,? Derech Erez rabba, Kap. 7. -) Derech Erez sutta, Kap. 7. ) Jej bamoth 13.? Berachoth 30.? dto. 26. ")dto.49.?Chagiga22.? Aboth, I Kap. 2, Abschnitt 5.? Taanith 10. 10) dto. 10. i? dto. 11. bto. 11.! 13) Semachoth, Kap. 2, Abschnitt 10. 7? Jad Hachasaka, Hilchoth Teschubah 11, 83 15) Aboth 6, 5 16) Aboth des Rabbi Nathan, Kap. 11. 1T) Midrasch Schochar tob 118. 1S) Ernbin 13. 10) Taanith 2J. 10) Koheleth Rabba, Kap. 12. 21) ©ntbin 13. Aboth 4, 28. 23) Aboth > 1, 13. 24) Sanhedrin 106. Megilah 29. 2c>) Pessikta d. Rabbi > Kahana Parascha Parah. -? Baba Batra 98. -? Sota 4. 2 ^0. 11.! 30) Berachoth 43.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.