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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-11-18 · Heft 47 (18.11.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 47 (18.11.1892)
Date
1892-11-18
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 56. _ endete er ein neues Werk über die Vorlesung aus Thora und Propheten. — Wie groß die Verehrung war, welcher sich der Verstorbene zu erfreuen hatte, davon legte die überaus zahlreiche Betheiligung an seinem Leichenbegängnisse Zeugniß ab. Am Grabe sprach der Direktor der Schule, Dr. M. Hirsch, ferner Herr Dr. Heinemann, ein Schwiegersohn des Verstorbenen, und Herr Schuerb, sein Nachfolger als Synagogen-Chordirigent. II. Stuttgart, 14. November. Dein Geheimen Kommerzienrath Dr. K. Steiner hier wurde von Sr. K. Hoheit dem Großherzog von Weimar die goldene Jubiläumsmedaille verliehen. — Kaum ein Jahr nach dem Tode König Karls wurde auch die Königin Wittwe Olga aus diesem Leben abberufen. Sie hat durch Pflege aller edlen und hohen Frauentugenden dem Volk als geliebtes Vorbild geleuchtet und in ihrem Wohlthun keinen Unterschied des Glaubens berücksichtigt. Die beiden israelitischen Vereine, der für Versorgung armer israelitischer Waisen und der Lehrerunterstützungsverein, erhielten alljährlich voll ihr Beiträge. Bei der Bestattungsfeierlichkeit für die hohe Verstorbene war auch Rabbiner Dr. Stößel hier geladen unb war mit der anderen Geistlichkeit anwesend. In sämmtlichen Synagogen fand auf Anordnung der königlich israelitischen Oberkirchenbehörde ein Trauergottesdienst mit Gesang, Gebet und Predigt über Jes. 25, 8 statt. Oesterreich-Ungarn. 1. .Kremfier, 18. November. Zur allgemeinen Ueberraschung und zum Aerger der Judenfeinde wurde, wie wir schon gemeldet, der jüngste Domherr Dr. Th. Kohu zum Fürstbischof von Olmütz gewählt. Einer alten jüdischen Familie entstammend, verkehrte er am hiesigen Gymnasium freundschaftlich mit jüdischen Mitschülern. Er war der Liebling des verstorbenen Kardinals, der ihn zu seinem Kanzler ernannte. Mehrere Mitglieder dieser zur christlichen Kirche übergegangenen Familie bekleiden hohe Würden, so der Bischof Kahn in Gurk. Marcus Kühn hieß sein einziger bürgerlicher Vorgänger vor drei Jahrhunderten. Die Beibehaltung des jüdischen 'Namens spricht jedenfalls für seine Unabhängigkeit und Charakterfestigkeit. Auf seine Fürsprache hat der Kardinal Fürstenberg seinerzeit den antisemitischen P. Weber zur Niedersetznng seines Mandats als Reichsraths-Abgeordneter veranlaßt. Hoffen wir, daß seine Wahl den Juden zum Segen gereichen und daß unter seinem Episkopat der religiöse Friede einkehren werde. — Tie Wahl des Fürst-Erzbischoss Kohn giebt übrigens einem unserer Leser 'Anlaß zur folgendenZuschrift an uns: Der Fall Kohn hat seine 'Analogie in dem Erzbischof Wal sh in Dublin, dem Sohn meines Schulkameraden Walsch in Posen, welcher ein Vertreter der semitischen Raffe in reinster Gestalt war. Der Vater des Erzbischofs Walsh ging in jungen Jahren nach London,, wo er sich durch Ertheilung von Unterricht erhielt. Nnßlaiid. Petersburg, 5. November. Durch Verfügung der Regierung wurden sämmtliche im Gouvernement Taurien gelegellen Marktflecken, bis auf einen einzigen, in einfache Dorfgemeinden umgewandelt, was zur Folge hatte, daß die bisher in diesen Marktflecken ansässigen Juden, welchen nach den bestehenden Gesetzen die Ausiedlung in solchen Gemeinden untersagt ist, den Befehl erhielten, ihre Wohnorte in kürzester Frist zu verlassen. Die gleiche Maßregel ist ailch für das Gouvernement Cherson und das Verwaltungsgebiet von Bessarabien m Aussicht genommen, wodurch eine überaus zahlreiche jüdische Bevölkerung auf das Härteste betroffen wurde. — In Moskau waren, lvie wir bereits mitgetheilt haben, die alte und die neue Synagoge polizeilich geschlossen worden. Tie Juden von Moskau benutzten, um am Neujahrstage Gottesdienst abhalten zu können, die Räume ihrer Handwerkerschule. Unter den Andächtigen erschien plötzlich der Polizeimeister General Wanowski, der laute Beschwerde darüber erhob, wie die Juden sich unterstehen könnten, einen Gottesdienst zu veranstalten. Hierauf begaben sich der Rabbiner der jüdischell Gemeinde, Minor, ilnd der Staatsrath Schneider, der unter dein Zaren Nicolans Soldat gewesen und demgemäß mit gewissen Privilegien ausgestattet ist, im Aufträge der Gemeinde zu dem Generalgouverneur, Großfürsten Sergei, eilte 'Audienz erbittend, in der sie Beschwerde über das Vorgehen des Polizeimeisters vortragerl wollten. Sie wurden nicht vorgelassen, erhielten vielmehr durch einen Adjutanten des Großfürsten den Bescheid, daß der Polizeimeister wahrscheinlich Recht gehabt habe, so vorzugehen, wie er gethan. Die genannten jüdischen Delegirten richteten nunmehr eine Eingabe a den Minister des Innern, Herrn Durnowo. Sie erhielten mit einer für russische Verhältnisse überraschenden Schnelligkeit, nämlich schon vor vierzehn Tagen Bescheid. Der Inhalt dieses Bescheides war der, da der Rabbiner Minor dauernd aus Moskau ausgewiesen und in seiner Geburtsstadt Wilna internirt wurde mit der Maßgabe, daß er nie wieder das Amt eines Rabbiners bekleiden dürfe, und daß der Staats rath Schneider auf zwei Jahre aus Moskau verwiesen wurde. Von Nah und Fern. Der Prozeß gegen Ahlwardt wegen Beleidigung der Herre Kühne und Löwe durch seine bekannte Flinten-Broschüre findet a\ 29. d. Mts. statt. — Jln Verband ehemaliger Schüler und Schülerinnen der Religionsschule Adaß-Jisroel sprach am 14. d. Mts. Herr Dr. Gustav Karpeles über Shakespeares „Kaufmann von Venedig — Herr Stö cker hat am vorigen Freitag seine Dresdener Rede vor einer hiesigen antisemitischen Versammlung wiederholt. Sogar b- Schlußwitz war derselbe. — Das antisemitische „Deutsche Volks blatt" wurde wegen eines Artikels: „Gottes Segen bei Kohn", worin es über die Wahl des „Judensprößlings Kohick meine Glossen macht, mit Beschlag belegt. zum Fürsterzbischof g; Frau Amtsrath Ros. Stolle aus Danzig hat eine interessante Broschüre: „Der Antisemitismu im Lichte des gläubigen Christenthums" erscheinen lassen (Berlin b Mamroth). — Wegen beleidigender Aeußerungen gegen den Clever Gerichtshof aus Anlaß des Buschhoff-Prozesses wurde eine Fron Fiethen aus Anrath zu einer Woche Gefängniß verurtheilt. — Der bisherige Leiter des deutsch-israelitischen Kinderheims in Diez a. L., Herr Lehrer S. Lomnitz, hat in derselben Stadt eine Erziehungsanstalt fir verwaiste Mädchen gegründet. — Am Sonnabend, den 12., hielt in Versammlung der österreichisch-israelitischen Union Herr Tr. Adoli Schmie dl einen Vortrag über: „Die Bibel nicht nur als unversieglü r Quelle des Guten, sondern auch des Schönen". — Der in Prag kürzli l: verstorbene Professor Dr Jakob Sichel hat 80,000 Gulden für wo! l thätige Zwecke hinterlasfen. — In Lemberg haben die Behörden ms gesundheitlichen Rücksichten sämmtliche Chedarim geschlossen ms den Melamdim verboten. Unterricht in ihrer eigenen Wohnung zu er theilen. Die Orthodoxen forderten in einem sehr warm geschrieben-.! Aufrirf auf, eine Saunnlung zu veranstalten, um in einem allen sanitärn Anforderungen entsprechenden Gebäude die Chedarim unterzubringc i. Es wurden. Dank der regen Agitation, gegen 2500 Gulden gesammem — In Italien haben in der letzten Woche Parlamentswahle stattgefunden, wobei mehrere jüdische Deputirte neu gewählt wurden. In Toscana wurden vier, in der Emilia drei, in Benetien vier, in Ros ein Israelit gewühlt. — In nachclhmenswerther Weise will das Pariser jüdische Konsistorium dem Sabbath-Nachmittag s G o t t e s d i e n st durch Predigt und Chorgesang größere Weil.e verleihen, um, wie das schon früher mit Erfolg versucht worden n, diesem vielfach recht stiefmütterlich behandelten Gottesdienste die Gm n der Synagogenbesucher zu verschaffen. — Das Londoner Dame: komitv der Synagoge von St. Johns Wood hat für diesen Wims 1890 Kleidungsstücke aller Art an Arme vertheilt. — Am 30. Oktottr hat Rev. Albert Loevy in der Londoner Reformsynagoge seine A:> schiedspredigt unter zahlreicher Betheiligung von Angehörigen all t Richtungen gehalten. — Einen großen Erfolg errang bei der Columbusfe - r in New-Iork der den Berliner Synagogenbesuchern wohlbekannte Kompor ü D. Malamet, jetzt Dirigent des Germania-Männerchors in Baltimore durch Aufführung seiner preisgekrönten Cantate „Columbus". — C'-u französisches Blatt leistet sich den Witz, daß der erste Gasthof in d argentinischen Kolonien den Namen „Zum goldenen Hirsch" führ '.: werde. — Die Einwanderung russischer Juden nach Indien nmmn immer größere Dimensionen an und sind es besonders die großen Hafenstädte, die Anziehungskraft auf die neuen Einwanderer ausüben und iie zur Ansässigulachuug daselbst einladen. So sind im Laufe der Zeit v.\ Bombay, Kalkutta, Madras, Singapore, Rangun re. kleine Ansiedelungen russischer Juden entstanden. — M. Lipmann, bisher Bureauchef Vs Departements des Innern in Franz. Congo wurde zum Direktor rc- Departements ernannt. Truck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauchwitz in Berlin. Dies, 910 oi Post unte Rel T 'crliit ifentli ohl lchen T : unc '.'hilft, .igen 'Mi . a'idjet st 'ört r : sende ■'Vflleii i'B bi d)t 1! ohlde V :.U N, ", bei ulgeqe »sich s chlug u'ben ' imenbi Hier •■a'fonr nies G finjen icieren

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