Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1892)
- Date
- 1892-11-18
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227979--49292-3269976- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3 ' .chsten Grüße an die Versammlung und spricht Namens des Vorsitzenden es D. I. G.-B. den Wunsch aus, den Unterricht nach den „15 Grundsätzen der jüdischen Sitten lehre" in allen Schulen ausgenommen! sehen. Daraufhin wird von der Versammlung folgende Resolution enrstimmig angenommen: In Erwägung der Ausführungen des Delegirten . es D. I. G.-B. in seiner an den Verein gehaltenen Begrüßungsansprache >.u Aufträge des Vorsitzenden des D. I. G.-B. beschließt die Versammlung: i. Sämmtliche jüdische Religionslehrer des Bezirks sind verpflichtet, die reine Sittenlehre des Judenthums zu einem Hauptgegenstande ihres! Unterrichtes zu machen und die Schüler für die Ethik des Judenthums - begeistern und zu erwärmen. 2. Als Leitfaden für diesen Unterrichts- .genstand werden die „Grundsätze der jüdischen Sittenlehre" wie sie vom msschuß des D. I. G.-B. veröffentlicht worden sind, sowie die dazu beicgebenen Belegstellen aus Bibel und Talmud anfs Wärmste empfohlen, ie Lehrprobe: „Aus der Geschichte des Passahfestes", die von Meyer- Kitow gehalten wurde, leitete die weitere Tagesordnung ein. Nach . ner eingehenden Diskussion über die Lehrprobe erhielt Herr Kameraseelgard als Referent der Kommission das Wort zu dem Minimallehr- . ^an. Eine Einigung über die Anforderungen und Ziele eines Minimal-; hrplans war auch diesmal nicht zu erzielen. Schließlich wurde ein, von ' crru Dr. Goldschmidt gestellter Antrag, eine Kommission zu erwählen, e einen, für unseren Reg.-Bez. maßgebenden Lehrplan entwerfen soll, i m der Versammlung angenommen. Der Antrag auf Statutenver- . iderung, betreffend: 1. Die Auftlahme nicht nur der Rabbiner, Lehrer k., ' mdern der jüdischen Kultusbeamten überhaupt. 2. Die Zulassung, bezw. nfnahme der dem Reg.-Bez. benachbarten jüdischen Beamten und Geeinden, wurde von der Versammlung genehmigt. Bei der darauf stattlidenden Vorstandswahl wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt,;! in gemeinsames Mahl, durch ernste und heitere Reden reich gewürzt, j ' hloß den arbeitsreichen Tag. — In der zweiten Sitzung am 24. Oktober! hielt Herr Kahn-Rügenwalde das Wort zu seinem Vortrage: „lieber! c soziale Stellung der jüdischen Lehrer". Die an das Thema sich ani : fließenden Thesen führten zu einer lebhaften, interessanten Debatte und i dem endgiltigen Beschlüsse: „Es soll eine Kolmnission eingesetzt werden, olche für die nächste Konferenz Vorschläge vorzubereiten hat, in welcher! 3eise das Verhältniß zwischen Gemeinde und Beamten, namentlich bei j nstellung der Letzteren, zu verbessern sei." In diese Kommission wurden Gemeindevorsteher und 3 Beamte gewählt. Als Ort der nächsten Ver- ' mnnlung wurde Stolp bestimmt. S. Briefen, Westpr., 13. November. Mit Bezug auf die in letzter innmer bei der Korrespondenz unter Liegnitz angeregte Frage, ob an andeu Orten auch derartige Regierungsanfragen wegen des jüdischen Re- : : gionsunterrichtes ergangen sind, und welches das Motiv zu den- '4den sein mag, diene zurMachricht, daß überall im preußischen Staat Kreisschulinspektoren deswegen sich mit den betreffenden Lehrern in erbindung gesetzt haben. Zufällig konnte ich in Erfahrung bringen, '.st die Regierung nur eine einheitliche Regelung des Reli- -onsunterrichts anstrebt, speziell ein allgemein giltiges - chrbuch ein führen möchte. (Vergleiche unfern dieswöchentlichen; itartikel.) - Herrn Dr. Guttmann, zu Theil geworden. Nach beendeter Einführung erklang nochmals ein vom Synagogen-Ehor angestimmter herrlicher Gesang, worauf die Vertreter der Behörden das Gotteshaus verließen. Die am folgenden Sabbath gehaltene Antrittsrede, in der Herr Dr. Lewinsky gewissermaßen ein Programm seiner Amtsthätigkeit in vollendeter sprachlicher und gedankenreicher Form niederlegte, machte ersichtlich auf die vollzählig erschienenen Gemeindemitglieder einen tiefen Eindruck. Möge es dem neuen Landrabbiner beschieden sein, in unserer Mitte segensreich zu wirken! * Weimar, 10. November. An die israelitischen Kultusgemeinden von Sachsen-Weimar-Eisenach hat der Großherzog folgendes Dankschreiben gerichtet: „Mit aufrichtiger Freude habe ich mit der Grostherzogin. Meiner Gemahlin, die Adresse entgegengenouunen, welche von den Vorständen der israelitischen Kultusgemeinden Namens der letzteren zur Feier Unseres goldenen Ehejubiläums an Uns gerichtet worden ist. Diese Urkunde birgt in ebenso kostbarem wie kunstvollem Gewände den warmen Ausdruck treuer Anhänglichkeit und Unterthanenliebe. Und wie Wir alle Bewohner Unserer Lande ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses mit gleicher Liebe umfassen, so erfüllt Uns jede Aeußerung der Treue aus den .Kreisen Unseres Volkes mit gleicher Freude. Gern geben Wir diese Freude den israelitischen Kultusgemeinden kund, indem Wir zugleich Unseren herzlichen Dank aussprechen und auch die israelitischen .Kultusgemeinden wie deren Vorstände Unserer landesfürstlichen Huld und Gnade versichern." U. Heilbronn, 4. November. Letzte Woche starb in dem benachbarten Sontheim im 91. Lebensjahre Lehrer Jakob Stern. Derselbe war den 10. Februar 1303 tu Laudenbach geboren und war ein Schüler des um das vaterländische Schulwesen hochverdienten Seminarcektors Prälaten von Dengel und Eßlingen. Vom Jahre 1826 -1881 bekleidete er die israelitische Schulstelle daselbst. Aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums wurde er von Sr. Majestät dem König Karl, durch die silberne Verdienstmedaille ausgezeichnet: die politische Gemeinde verlieh ihm das Ehrenbürgerrecht. Erst im 73. Lebensjahre zog er sich in den wohlverdienten Ruhestand zurück, verschönt durch die Verehrung und Hochachtung der Gemeinde und einer großen Anzahl dankbarer Schüler. Er durfte sich bis zu seinem Ende seltener Rüstigkeit erfreuen. Er wurde unter zahlreicher Betheiligung zur Erde bestattet. Vor den: Hause und am Grabe trug der Gesangverein passende Gesänge vor. Lehrer Eichberg von Sontheim, sein Nachfolger im Amte, hielt die Leichenrede, während Lehrer Dreifuß von hier namens des israelitischen Lehrervereins und und Bankier Stern von hier namens der Schüler des Verstorbenen demselben warme Nachrufe widmeten. Das hiesige israelitische Kirchenvorsteheramt war durch eine Abordnung bei der Beerdigung vertreten. — Der Antisemitenapostel Dr. Böckel beglückt nun auch Württemberg mit seinen Agitationen. Derselbe sprach letzten Sonntag vor einer zahlreichen Versammlung der württ. Antisemiten im Kngelschen Saal in Eßlingen. Die Statuten des neuen antisemitischen Vereins wurden berathen, und Herr Welker irr Ulm, der vor .Kurzem auch in Biberach einen dreistündigen Vortrag hielt, zum Vorstand gewählt. Bis jetzt bestehen in Württemberg 50 antisemitische Ortsgruppen. GD Hildesheim, 6. November. Freitag Nachmittag am 4. d. ' ud in der auf das Prachtvollste geschmückten Synagoge die feierliche; niführung des Herrn Dr. Lewinsky als Land- und Ortsrabbiner! v hiesigen Gemeinde statt. Herr Dr. Lewinsky, welcher an demselben! age den vorgeschriebenen Amtseid abgelegt hatte, wurde vom Herrn j derbürgermeister Strucknrann, in Vertretung des Herrn Regierungs-; - äsidenten, und vom Herrn Senator Jost als Vertreter der städtischen; Hörde unter Orgclklang und mit dem Gesänge des Chors „Die Himmel i innen die Ehre Gottes" in die Synagoge geleitet. Herr Oberbürger-! ister Struckmann richtete darauf herzliche Worte an Herrn Dr. Leusky und installirte ihn kraft der ihm gewordenen Vollmacht im > amen der königlichen Regierung in sein Amt als den berufenen Verj oter der jüdischen Gemeinde und des Landrabbinats Hildesheim. Herr! r. Lewinsky, ersichtlich tief bewegt, sprach seinen Dank für das Wohl- > ollen der Behörde aus und gelobte, eingedenk des geleisteten Eides, j os entgegengebrachte Vertrauen verdienen zu wollen. Zu der Gemeinde! 'wendet, bat er um Vertrauen gegen Vertrauen. Es beseele ihn der > lnige Wunsch, daß es ihm vergönnt sein möge, Liebe und Achtung zu j -ringen, wie sie in reichem Maße seinen: Vorgänger, dem hochgeehrten > Frankfurt a. M, 13. November. Am 10. d. Monats starb dahier Herr Israel M. Japhet, Lehrer an der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschast, im Alter von 74 Jahren. Seit seinem siebzehnten Lebensjahre den Lehrerbernf ausübend, blieb er demselben bis zu seinem Tode treu. Zuerst wirkte er als Lehrer in Wolfhagen, sodann in Gudensberg in Kurhessen und endlich seit fast 40 Jahren, April 1853, in hiesiger Stadt. Bei Begründung der Schule an dieselbe berufen, widmete er derselben seine Kraft, bis ein Schlaganfall, dem er nach acht Tagen erlegen, il)it seiner Thätigkeit entriß. Sehr bekannt wurde Japhet als pädagogischer Schriftsteller und als Komponist hebräischer Melodien. Seine hebräische Lebrfiebel Pi Olelim vor nahezu fünfzig Jahren zum ersten Mal aufgelegt, ist noch heut eine der besten und erlebte zahlreiche Auflagen. Eine vielleicht noch größere Verbreitung hat sein Lehrbuch der hebräischen Grammatik, „Mesek Sfosajim", gefunden. Seine hebräischen Gesänge, unter dem Namen Schire Jeschurun, erschienen, wurden s. Z. von Spohr u. A. empfohlen. Außer diesen seinen bekanntesten Werken übersetzte Japhet noch den Siddur, das tägliche Gebetbuch, ins Deutsche und edirte eine Ausgabe der Peßach-Haggadah mit guter llebersetzung und Erläuterung. Noch kurz vor seinen: Tode voll-