Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1892)
- Date
- 1892-11-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ntenschan Verlage. -- Meisterstelio :es ernanm er Bankicr m Monaten ves Kreifec» ionalitäteu n Ende geben Kaiser oshaza [oii; eingereiäu llntisemiten schütternden Wickrath agbaha di? it derselben m Brüh ne' aus Witten chutz nahni. >r des sann;er jüdischer m gerühmn tb „unpar Zeit wied-r chen Blatter, m Nuuun r Manier der leinderat he ieber einen oon dies> r urden. der med. ium ordern v. Go in Ulsmitglie-e ^5inner in urgo znnn hebräischer Jisrael »ristenthlnnr l Paris iü n Prozessor ht demüth n n), dem, wie eegen fein v ’juttg wieder rrreichs Ivit jüdische Genes Gottee miete" ano t ansässig rechtigkeiten l Charakter zur Unter ^eröffentli^l len Staaten i Grausam Vater der ndtung der Mohammed aben. Seil ächerlichsten der Sultnn rlin. 56. Jahrgang. Ar. 47. Allgemeine Berlin. 18. November 1892. eilung öes Audenthums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Breis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expeditionen Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Nedactenr: Gustav Karpeles. Begründet von Nablrrner Hl*- Ludwig PhNipp son - Bonn. Verlags-Crpedition: Lerlin, Lernfalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Nndolf Mosse, Berlin. Leitartikelr Dü Prüfung. — Dr. Jacob Egers- Von Bernhard Traubenberg. — Ein pädagogischer Versuch. Von Leopold Kaß. — Ter iidiscke Borsängerdienst. Bon Dr. A. Ackermann. — Mvriß Rappaport. V. llon Karl Emil Franzos. — Feuilleton: Das Purimlied. Bon D. Mendl. Schluß). — Litterarische Mittheiluugcn. — Ein neues Buch und eine neue Reihode für den jüdischen Religionsunterricht. Bon Dr. Eäfar Selig mann. — Bei der Redaktion eingegangene Bücher. Der Gemeindcbote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin. Preslan, Fursteii Walde a. d. Spree. Bickow i. P.. Briefen i. Westpr.. Hildesbeim. llZeimar. Heilbrenn, Frankfurt a. M., Stuttgart. Kremsier. Pet rsbnrg. — Bon Rah und Fern. — Sprechsaal. — Miseellen. — Geschäftliche Notizen. Nie Prüfung. Berlin, 16. November. Also die jüdische Religion soll geprüft werden! „Du hast's rrcicht, Octavio!" konn man heute den Männern zurnfe», die vor vcnigen Wochen gefrogt haben: „Was lehrt der jüdische Katechismus?" tfun sollen sie die Antwort hören. Aus allen Theilen Preußens geht uns übereinstimmend die Aachricht zu, das; die Regierungsbehörden die schleunige Einsendung oer beim jüdischen Religionsunterricht geltenden Bücher gefordert >aben. Das kann doch nur den Zweck haben, dieselben zu prüfen, üenn um eine einheitliche Regelung oder gar lim die pädagogischen Nittel des jüdischen Religionsunterrichts hat man sich bisher so gut Ne gar nicht gekümmert. Aber wie dem auch sei, wir können dieser Prüfung mit großer Gemüthsruhe, ja sogar mit sittlicher Befriedigung entgegensehen. Wen» wir uns auch gestehen müssen, daß gerade auf Beranaffung von gegnerischer Seite ein solcher Schritt unternommen wurde, haben wir doch die bestimmte Empfindung, daß diese Regierungsnaßreget nur zum Schutz unserer angegriffenen Religion und -ittenlehre, keineswegs zu andern Zwecken unternommen wurde. Das Kultusministerium ist hierbei sichtlich von denselben Erwägungen msgegangen, die das Jnstizministerium zu der Führung des Buschhoff-Prozesses geführt haben. Galt es dort, die Unschuld eines Einzelnen zu erweisen, so steht hier ein ungleich höheres Ziel in Aussicht: die Rechtfertigung einer Religion, die vom Staate anerkannt und die jetzt tagtäglich von böswilligen Gegnern in der unrhörtesten Weise angegriffen und verdächtigt wird. Was wird nun das Resultat dieser Prüfung feind Wir können mit der größten Sicherheit Voraussagen, da wir in der seltenen Lage sind, alle jüdischen Religionslehrbücher, die gegenwärtig iin Gebrauch sind, zu kennen. Als der „Deutsch-israelitische Gemeindebund" vor einigen Jahren eine Lehrer-Konferenz behufs Aufstellung eines Normallehrplnns für den Religionsunterricht nach Berlin berief, hatte er die glückliche Idee, in Verbindung mit dieser Konferenz auch eine Ausstellung der Lehrmittel und Lehrbücher zu veranstalten. Mehr als hundert solcher Lehrbücher haben wir damals durchgesehen. Sie stiinmen alle in den Sittenlehren überein, die sie gerade so entschieden betonen und genau so überzeugend lehren, wie die Religionsbücher aller anderen Konfessionen; auch in der Loyalität und Treue gegen König und Vaterland stehen sie nicht um Haaresbreite hinter jenen zurück; sie unterscheiden sich von einander nur in dem Ausmaß dessen, was in der jüdischen Religionsschule vom Ceremoiiialgesctz gelehrt werden soll. Aber auck> in den Lehrbüchern, wo das Eeremouialgesctz den breitesten Raum eimümmt, steht die Sittenlehre keineswegs zurück. Und diese Sittenlehre ist dieselbe, wie sie in der Bibel gelehrt, dieselbe, wie sie im Talmud bekräftigt, dieselbe, wie sie die Rabbinen des Mittelalters ihren frommen Zuhörern eingeschärft haben. Wir können also dem Resultat dieser Prüfling, wie gesagt, mit Ruhe entgegensehen. Etlvas Anderes ist es freilich um die Frage: Was wird der Erfolg dieser Prüfung sein? Wird man endlich, wenn von maßgebender Seite festgestellt sein wird, der jüdische Religionsunterricht lehre die reinste Sittlichkeit, innige Menschenliebe, Treue gegen König und Vaterland und alle anderen meuschticheil Tugeilden, wird mau dann endlich aufhören, die jüdische Religion zu verdächtigen und zu verleumden, wird man dann endlich aufhören, von einer jüdischen Geheimlehre, von Fremdenhaß und gar von Christenblut zu faseln? Der Erfolg des Buschhoffprozeffes giebt uns auf diese Frage eine wenig tröstliche Antlvort. Es ist ja ohne jeden Zweifel die löbliche Absicht der höchsten Justizbehörden gewesen, durch den Austrag des Prozesses die albernen Märchen »nd nichtswürdigcil Verleumdungen verstummen zu machen. Aber. dieser Erfolg ist leider nicht eingetreten. Obwohl das Gericht Buschhoff freigesprochen, haben die Gegner in der Presse und in den Versammlungen bis auf diesen Tag nicht aufgehört, ihn zu beschuldigen und — zu verurtheilen. Wir geben uns also »ach dieser Richtung hin nicht den geringsten Illusionen hin. Ein so vielgeprüfter Stamm wie der jüdische scheut vor keiner neuen Prüfung zurück. Aber er hat große Erfahrungen im Laufe der Jahrtausende gemacht und er wird sich, wie sanguinisch er auch sonst sein mag, vor allen Illusionen und Traumen hüten müssen. Freilich eine Hoffnung wird er nie anfgeben dürfen, ohne sich selbst aufzugeben, die Hoffnung auf den Hüter Israels, der nicht schlaft lind nicht schtlinnnert, der einst vor Jahrtausenden, als noch Finsterniß und Geistesnacht die Erde bedeckte, Israel ein Sittengesetz gab, das es durch eine Welt von Feinden und Vorurtheilen getragen hat, aus dem die beiden großen Weltreligionen hervorgegangen sind, welchen heute die Knlturmenschhcit angehört, und das es muthig weitertragen wird bis an das „Ende der Tage".