Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1892)
- Date
- 1892-11-04
- Page
- Seite 534 (sequence 6)
- Language
- German
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534 Wanderung nach Palästina, der aus Aegypten an die Vorsteher Saragossa's gerichtet wurde, mit der Bitte, diese zu verhindern. Da kein Datum erwähnt wird, fällt es recht schwer aus, dem Inhalt Anhaltspunkte für ein solches, das von großer Wichtigkeit wäre, zu finden. Versuchen wir es, eine Vermuthung aufzuflellen. Den Terminus ad quem bildet natürlich das Jahr 1492, nach welchem von einem weitreichenden Einflüsse der kastilischen Gemeinde Glicht mehr die Rede sein kann. Ilm die Zeit zu ermitteln, wann vorher ein so starker Zug nach dein h. Lande, wie ihn unsere Epistel schildert, stattgefunden, ziehen wir Folgendes in Erwägung. Nachdem ums Jahr 1211 jene 300 Rabbiner aus Frankreich mit Jonathan Cohen aus Lunel und Simson aus Sens au der Spitze ihre Pilgerfahrt angetreten, sind ihnen wohl nicht viele aus dein Volke gefolgt, zumal das Land durch den Einfall der Mongolen bis um's Jahr 1207, da Nachmaur einwanderte, furchtbar zu leiden hatte und in eine Wüstenei fast verwandelt wurde (Grütz, Geschichte VII, 139). Erst Letzterer, der gegen Maimuni es sogar als religiöse Pflicht bezeichnete in Judäa zu wohnen (ib. 1381), erweckte durch seine Sendschreiben/ die nach Kastilien gelangten, wieder in fronnnen Gemüthern die Sehnsucht, „den Staub des Bodens, auf dem die Propheten gewandelt, zu küssen und seine Steine zu Herzen" (rb. 143). Es kam hinzu, daß der Ruhm des im Perserreiche (um 1285) zu so hohen Ehren gelangten jüdischer: Arztes Saad Addaula aus den entfermesten Ländern zahlreiche Stammesgeuossen anlockte (ib. 189 und 200) und sie bewog, übers Meer zu gehen" (ib. 188), wie es bekanntlich auch R. Meir aus Rothenburg (1280) zu thun beabsichtigte. Daß sich schon um diese Zeit eine starke Propaganda für die Auswanderung geltend gemacht haben muß, kann man wohl auch aus den Response:: R. Meir's (eck. Bloch p. 5 Nr. 14 und 15) schließen, in denen er der Palüstirrasrage gegenüber sich recht kühl und ablehnend verhalt, indem er den Ursprung eines Gebotes, nach Palästina zu gehen, nicht kennen will, einem leichter: Lebenswandel ans dem heiligen Boden keineswegs eo ipso Absolution verspricht und auch von einer Befreiung von Grabesleiden 0“Gpn EOn) in heiliger Erde nichts wissen will (d. Tossafot Ketubot 110 b. s. v. 81N1, welche die mit der Reise verburrdene Gefahr betont). Nach dem Fall Akko's (1291), als durch die Duldsamkeit der mohammedanischen Herren des Landes, besonders des Sultans Nassir Moharned (bis 1341), dieses seinen Söhnen wieder zugänglich gemacht, ja ihr Zuzug begünstigt wrrrde, rnögen Auswanderungen, meistens aus dem äußersten Westen, wohl sehr stark zugenommen haben. (Grütz ib. 3001). In diese Zeit dürfte die Abfassung unseres Briefes fallen. Der Eirrfluß urrd das Ansehen, welche die kastilischen Juden noch in der erster: Hälfte des 14. Jahrhunderts gerwssen (ib. 310, 385), wandelte sich dararrf in ein solches Elerrd (ib. 407), daß sich viele aus den: Volke veranlaßt gesehen haben möge::, den Wanderstab zr: ergreifen. Die Anspielung, die die Briefschreiber auf eine Vertreiburrg der Juden durch einen König machen, wird sich auf die That Philipps des Schönen von Frankreich (1306) beziehen. „Die Aktion eines Städtebundes", vor: der, wenn wir die Stelle richtig verstehen, die Rede ist, weist wohl auf die christliche Invasion zur Zeit der Kreuzzüge, die eber: mit dem 13. Jahrhundert ihren Abschluß fanden, hin; von einer besonderer: „Erlaubnis (privilegio) für die Juden, übers Meer auszuwarrdern, von Seiten der Herrscher" (specialis liceutia et consensus, se ultra niareiransferre) spricht eine deutsche Urkunde ums Jahr 1286 (Graetz ib. 458). Da nun unser Brief endlich eine gewisse Würde und nicht unbedeutende Machtstellung der Saragossaner Gemeindevorsteher noch vorausgesetzt, wären wir geneigt, ohne es mit Bestimmtheit behaupten zu wollen, in Anbetracht der genannten Argumente, die Entstehung , des Sendschreibens um die Mitte des 14. Jahrhunderts anzusetzen. Indem wir es in getreuer Uebertragung folgen lassen, glauben wir zur Beleuchtung seines Inhalts sachlich nicht nöthig zu haben, Mehreres hinzuzufügen. — In Bezug auf die verleumderischen Angriffe von Seiten der mohammedanischen Bevölkerung denkt man unwillkürlich: tont t'omme diez nous! — „Häupter des heiligen Volkes, Führer der Schaaren Israels, es bewahre Euch, der ewig Treue bewahrt, Amen! Ein Wunder ist es, das der Herr wieder auf Erden geschaffen, denn Männer, gering an Werth und bedeutend an Zahl, mit ihren ganzen Familien, Frauen und Kindern, sind ausgezogen mit der ausgesprochenen Absicht, das Land kreuz und quer zu durchwandern, bis sie an den heiligen Berg, an die dem Gotte Jakobs geweihte Stätte gelangten, so wie einstens Israels Söhne heraufwallten, um vor dem Angesichte des Herrn zu erscheinen in den Zeiten, da noch das Heiligthum bestand. — Wir wissen nicht, in wessen Kopf dieser thvrichte Plan gereist ist Wenn es auch unter unseren Stammesgenossen wohl als anerkannt gilt, daß alle danach streben sollen, in das heilige Land zu ziehen, so haben doch unsere alten Weisen es nicht so gemeint, daß man dadurch sich selbst in die höchste Gefahr bringe, um wieviel weniger noch dazu jene Glaubensbrüder, die unter den Völkern leben und daheim das Gottesgesetz pflegen, soweit es in ihrer Macht steht. Wir sehen nämlich, daß aus den Absichten und Bestrebungen dieses zusammengelaufenen Bolkes (r)O2OXN) ein doppeltes Uebel, Gott behüte, sich ergeben kann: I. Wenn sie übers Meer ziehen (s. o.), viele-Juden auf ein oder zwei Schiffen, was zu Wasser und zu Lande leicht und rasch bekannt wird, müßte ein Wunder geschehen, wenn sie nicht in Gefangenschaft geriethen (st- DVHft z. l. nmti) und als Sklaven verkauft würden, denn seit Jahren ist es leider so, daß, wenn ein Jude hierzulande sich zu Schiff begiebt, die meisten Mitreisenden nicht wissen dürfen, daß er Jude sei. Wenn nun Jene, was der Himmel verhüten :nöge, als Sklaven verkauft werden, dann sind ihre Nachkommen für Geschlechter von unserem Glauben losgelöst. Wie kann aber ein Gebot, die Pilgerfahrt ins heilige Land (s. o.), die ganze Religion aufwiegen? II. Sie erwecken hierzulande überall, wo sie durchziehen, große Gehässigkeit unter der Menge, die da spricht: Was beginnt denn dies ohnmächtige Judenvolk (nach Neh. 3, 34)? Gedenkt es etwa, sich gegen uns aufzulehnen? — Die Beffergesinnten meinen: Sicherlich ist das der Beginn einer Aktion, die ausgeht von einem Bunde, der oben (im Norden) gelegenen Städte D'O'-DH mSHöS “pSOTE SPIB f6nnn)> von den: sich die Kunde seit einiger Zeit in allen Landen verbreitet hat (s. o.). — Ein Theil der Böswilligen sagt: Man hat sie aus ihrer Heimath vertrieben, wie es jener König gethan (s o.); ein Anderer: Sie mögen durch ruchlose Thaten, wie n:an sie gar nicht niederschreiben kann, gegen die Landesgesetze sich vergangen haben, darum fliehen sie. — Wir können schließlich kann: die Größe der Gefahr, in die wir um ihretwillen gerathen sind, bezeichnen; der Herr in seiner Barmherzigkeit schütze uns und sein ganzes Volk Israel vor jeder Roth und Drangsal, Amen! Sollte inan uns jedoch entgegenhalten, daß es von jeher offenkundig und bekannt sei, daß Söhne unseres Stammes ständig von allen Richtungen nach dem heiligen Lande wallfahrteten, so ist dies wohl richtig; doch waren es stets nur Wenige zu gleicher Zeit und diese auch mit der entsprechenden Bewilligung (T"JP^TH5D) von Seiten der Landesfürsten versehen (s. o.). Aber von einer so großen Menge ist, soweit zu uns Kunde gedrungen, noch nie etwas gesehen und gehört worden, zumal, wie es scheint, dies ein Volk ist, ohne Einsicht und Gefühl für das, was ihnen auf dem Fuße folgt. Daher, Freunde und Gönner, wollen wir E::ch inständig bitten, daß Ihr mit den Euch zu Gebote stehenden Machtmitteln bemüht seid. Alle, die diesen Weg einschlagen, zurückzuhalten, daß sie friedlich zu ihren Zelten heimkehren und nicht das Ende <des Exils) zu beschleunigen versuchen mögen, wie leider einst die Söhne Ephraims (nach Spnhedr. 92I>). — Bei Euch ist Rath und That, ihr könnt in alle Gemeinden Kastiliens, von denen ihr wisset oder erfahret, daß in denselben sich Männer finden, die sich mit dergleichen Plänen herumtragen, schicken, auf daß man sie von ihrem Vorhaben abbringe, denn, obgleich ihr Wille gut ist, so ist es doch ihr Thun aus den erwähnten Gründen nicht (nach Al-Chazari, I. 1.). — Dazu kommt noch, daß sie gar nicht mehr hier durchziehen können, weil die Aegppter sie nicht in ihren Häusern wohnen lassen wollen und sie steinigen möchten «st. 3l. und auch wir können ihnen kein gastlich Dach bieten, aus einem zweifachen Wohn in soll T Schad« Augen daß bl all ein (Jes. < um vi an feil Spreck meindi That Gemei Zeit Embd Besitz veröffl Buche durch interej Blattt d meine 2er r illlZIM fünf Henri huglic und Haml $ rieben Neffe, nachd, Ohei, Nichte Lomi eine 5 mies Natt» % Heine Henri \U'ti'of Seltne ucht oortc« desha feine,