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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-10-28 · Heft 44 (28.10.1892) · p. Seite 518

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 44 (28.10.1892)
Date
1892-10-28
Page
Seite 518 (sequence 2)
Language
German
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518! L Ich sah dich taumeln mit Götzendienern; j Meine Augen haben geweint um dich.! Ich sah dich treten ins Haus der Unzucht, Meine Seele war betrübt über dich.; Ich hörte dich spotten über die Deinen;! Mein Herz war empört über dich.! Und heute gehst du ins Hans des Abgotts.! Und heute erfüllst du mich mit Freude.! Denn gestern warst du einer der Unfern,! Mein Auge hat geweint um dich Ein Treuloser, ein Frevler im Hause Israel; Meine Seele war betrübt über dich. Du schämtest dich deines alten Geschlechts; Mein Herz war empört über dich:! Und heute bist du mir ein Fremdling geworden, i Und heute erfüllst du mich mit Freude. j I Meine Augen haben geweint um dich:! Meine Seele war betrübt um dich;! Mein Herz war empört über dich;! Und heute erfüllst du mich mit Freude! j 9 Wohin es fuhrt. Von Tr. M. Merkin. 'Als Anfangs Mai dieses Jahres der russische Reichsanzeiger die bald darauf bom Ministerralh genehmigten und allerhöchst bestätigten Vorschläge des Ministers des Innern veröffentlichte, betreffend das Mas; des „Zuvorkommens" von Seilen der russischen Regierung gegenüber den „rein menschenfreundlichen" Bestrebungen des Baron Hirsch — da stellten die antisemitischen Blätter, mit der „NowojeWremja" an der Spitze, die famose Berechnung auf, daß, wenn im Durchschnitt jährlich auch nur 50 bis 60,000 Juden aus Rußland auswandern sollen, was nach ihrer Meinung der Jahreszunahme der jüdischen Bevölkerung im Reiche ungefähr gleichkäme und diese somit stationär verbliebe, der Prozentsatz derselben nach flinsundzwanzig Jahren von 3:i/4 auf 2'/■.•, nach einem halben Jahrhundert auf weniger als zwei und nach zweihundert Jahren auf nicht ganz ein Prozent der allgemeinen Bevölkerungszahl herabsinken würde. „Alsdann" — so schloß die „Rov. Wr." ihre wohlwollenden Betrachtungen — „wenn wir auf je hundert Bewohner christlicher Bekenntnisse nur einen! semitischen Juden haben werden, wird sich die Frage von der ihnen! zu gewährenden, immerhin beschränkten Gleichberechtigung ganz von! selbst lösen." j Der Scharfblick der Petersburger Generaloffiziösen dringt, wie j man sieht, ungescheut in die fernste Zukunft vor und bestimmt mit prophetischer Zuversicht, daß, wie und warum an der Grenzmark des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts dies geschehen und jenes unterbleiben werde. Außer Acht wird dabei nur eine unbedeutende Kleinigkeit gelassen, nämlich der Eü fluß der geistig sittlichen Faktoren auf den Gang der Entwickelung, dessen Wirkungen nicht wohl nach; arithmetischen Proportionen zu bemessen sind, noch auch willkürlich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgeschoben werden können. Bei der reißenden Schnelligkeit, mit welcher in unserer Zeitepoche die Wechsel und die Umwälzungen ans dem sozialpolitischen Gebiete sowohl, wie in der Sphäre des Geisteslebens sich zu vollziehen pflegen, ist ein Jahrhundert schon ein ganz gewaltiger Zeitraum, der nicht mit der gemeinen Elle von Natioualdünkel und Rassenhaß gemessen sein will. Die heute noch vielfach herrschenden Verkehrtheiten dürften schon viel früher als ein überwundener Standpunkt gelten und in die Rnmpelkamnier der Geschichte geworfen werden. Das Gelungenste in dc obigen Berechnung ist aber, daß die jährliche Durchschnittsgröße d Emigration von sechzigtausend als ein ganzes Jahrhundert ununtcr brochen und ungeschwächt fortdauernd angenommen wird. Man solll! doch wahrlich glauben, daß in Sachen der Massenauswanderung uni der Neuansiedlung in überseeischen Ländern, die von so vielen, meiit unbekannten Bedingungen und mannigfachen Umständen abhüngen, aut ein Vierteljahrhundert eine bereits gar zu weit ausgedehnte Zeitperirt darstellt, die keine genau erwogene Veranschlagung znlüßt, oder dü nur mit der größten Einschränkung gestattet. Und nun gar ein voll Jahrhundert mit der unendlichen Fülle von überraschenden Neuerungkü welche es nur zu gewiß unseren Nachkommen vorbereitet! Es ist somit zum Mindesten völlig unfruchtbar, im Voraus d „Segen" für die späten und spärlichen Enkel der Juden inRußlan ermessen zu wollen, welchen der einmal in Fluß gebrachte Strom dt Massenauswanderung nach hundert Jahren etwa mit sich bring, werde. Wenden wir uns daher an die unmittelbare Gegenwar Die Frage, welche uns hierbei ganz besonders interessiren muß, lautet Ist die Riesenemigration der Juden immer und unter allen Umständc! nur von Nutzen für die große Mehrzahl der christlichen Bevölkerte des Reiches? Eine lehrreiche Antwort darauf finden wir in de,! Eirknlar des Gouverneurs von Bolhynien, welches erst kürzlich ii den volhhnischen „Wjedomosti" zum Abdruck gelangt war. Noch i Mai vorigen Jahres wies der Gouverneur die Jsprawuiki (Landrätt an, energische Maßnahmen behufs Einstellung des „Unfugs" tun zunehmen, daß die Jtidcn fortfahren, „gesetzwidrig" Grundstücke tu andere unbewegliche Güter auf dem flachen Lande in ihrem Besitze y behalten. Bis zum 12. April dieses Jahres werden nun in oben genannten Provinz sage 4719 solcher Prozesse bei den Gerichtet anhängig gemacht werden, tvobei 771 jüdische Familien gutwillig iln> ländlichen Besitzungen attfgegeben haben und in die benachbarte! Städte und umliegenden Ortschaften und Dörfer gezogen sind, tvährctii andere 226 auf Grund des BelagerungszttstandeS polizeilich von Ha und Hof vertrieben wurden. Die Gerichte scheinen demnach » der Verhandlung der von den Landrüthen veranlaßten Massenprozcü keine besondere Eile zu haben; vielleicht, daß die Richter über fragliche „Gesetzwidrigkeit" anders denken als der Statthalter Zaren, vielleicht auch, daß die Rechtsprechung in der Provinz n heute eine so mustergiltige wie zur Zeit der polnischen Adelsherrschü vaselbst, endlich mögen beide Ursachen zusammenwirken.Jtc» der Gouverneur läßt das im Laufe eines Jahres mit so gro(i> Mühe Erreichte in einem neuen Eirkular Revue passiren und t findet zu seinem großeir Leidwesen, daß nur in zwei Landbezirken sc frühere Zustand sich „günstig" geändert habe, wärettd derselbe in alki übrigen nach wie vor „unerträglich" sei. Den ihm untergebenen Beamtet ivirft er Nachlässigkeit und Pflichtvergessenheit vor und droht denselki mit der Entlassung aus dem Dienst! — Doch diese schönen Ding nur nebenbei, das Schönste kommt noch. „Zugleich wird mir von vertrauenswerther Seite mitgetheilt so heißt es weiter in dem merkwürdigen Regierungsdokument daß in einigen Landgemeinden und Dörfern, aus welchen alle Juda vertrieben wurden, angeblich (sie) jedweder Handel mit den für bäuerliche Wirthschaft unentbehrlichen Waaren aufgehört habe, daß nunmehr die Bauern sich vielfach gezwungen sehen, behufs Bn sorgung mit den allernothwendigsten Vorräthen zeitraubende un kostspielige Reisen unternehmen zit müssen. Um diesen Uebelstand j beseitigen und der Entwickelutig des Handels in den besagten Gemein den einen neuen Impuls zu verleihen, ersuche ich ergebenst die Herr« Friedensrichter und die Bezirksvorsteher, allen Eifer anwenden i> wollen, um in den Dörfern öffentliche Verkaufsstellen zu errichten Den b uta» si leliebic i ciie G!>chördl über d I' initirte t »ewe Dürft ltebsam > kanr ne obe Mterlic G Der roiit I- :!■ D'ch zu (nt der der Kn!M,ß sil i ort dt cht tu iielbe ctten S nnschei i frech l nd be m Ci i c jetzt orten rormur ganisi o iher i Ni ' olche t .Mb Hs fehl >: I svlä bald tshän n o sein Ei, Fol öffe ' o Zu b'ße! 1 rfassu Mc > cher l chen ir wo! o der c Grit |Vib, bi ::’b mii ‘Muer i bei* int berfon, ludern

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