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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-10-21 · Heft 43 (21.10.1892) · p. Seite 510

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 43 (21.10.1892)
Date
1892-10-21
Page
Seite 510 (sequence 6)
Language
German
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510 ihm eine andere Richtung an. Hier finden wir ein Haustöchterchen, welches mit hochrothen Wangen am Kochherde steht und sich von der Köchin unterweisen läßt, wie dieses oder jenes Gericht bereitet wird, das beglückt ist, wenn die unumschränkte Herrscherin der Küche ihm gestattet, ein wenig mit Hand anzulegen, und dem das Herz vor stolzer Freude schwillt, wenn die Gewaltige sich zu einem Lobe herbeiläßt. Aber mit einem Schlage verfinstert sich das jugendliche Antlitz, denn plötzlich erschallt eine Stimme: „Die Klavierlchrerin ist da/' Ach die Acrmste! Sie weiß vorher, nun gicbt es nur Tadel und Schelte, denn es will ihr durchaus nicht gelingen, die Geheimnisse jener kleinen schwarzköpfigen Kobolde, genannt Noten, zu durchdringen. Aber auch ihre Zeit wird kommen, das ist ihr Trost. Sie ist fest entschlossen, dereinst, wenn sie sich verheirathet — beim sie, das geborene Hausmütterchen, zweifelt nicht, daß ihr das Glück der Ehe beschieden sein werde — keine Taste mehr zu berühren. Wie verkehrt es ist, junge Mädchen mit allen möglichen Lehrgegenständen zu quäle», denen sie abgeneigt sind, das lehrt uns die Erfahrung an jungen Frauen. Es giebt deren nicht wenige, welche nach zehnjährigem Unterricht in der Musik, nach ebenso langem Studium aller möglichen Vokabeln und Grammatiken, weder das Instrument öffnen, noch ein Buch in einer fremden Zunge lesen; und gerechter Weise darf man ihnen nicht einmal einen Vorwurf daraus machen, denn das geistige Gebiet ist nicht das ihrige. Ihr Innerstes ist erfüllt von den Pflichten der Gattin und Mutter, sie verkörpern alle Tugenden einer echten Hausfrau und bleiben bis in ihr spätestes Alter die Grundpfeiler jenes schönen jüdischen Familienlebens, welches seit Jahrtausenden ein charakteristischer Zug unserer Religion ist. Nur wenigen Eltern wird es leicht, ihren Lieblingen den Lebensweg zu ebnen. Die heutige Zeit richtet das ernste Mahnwort an uns: „Hilf dir selbst!" Es ist dies ein schönes Wort, in einer gereisten Periode entstanden. Das Weib ist nicht mehr gezwungen, in Unthätigkeit zu verharren und dem Manne die Sorge für den Broderwerb zu überlasten; es darf seine eigene Kraft erproben in dem Kampf um's Dasein; sein Reich umschließen nicht mehr die vier Wände des Hauses, es darf die Früchte seines Fleißes ernten in gemeinnütziger Thätigkeit, es darf die volle Befriedigung empfinden, welche nutzbringende, lohnende Arbeit auf dem Felde des Gemeinwohls in sich birgt. Es ist bekannt, daß in solch gemeinnütziger Thätigkeit gerade die jüdischen Frauen in früherer Zeit, namentlich in kleinen Städten, einen wichtigen Theil ihrer ehelichen Pflichten erkannten und pflegten. Die Tochter unbemittelter Eltern soll, ebenso wie der Sohn, einen Beruf erwählen, womöglich einen Beruf, dem sie von ganzer Seele zugethan, mit ihrem eigensten Wesen sich hingiebt. Der Nächstliegende Beruf ist der einer Lehrerin. Meist wird der kleinen Tochter des Hauses schon frühzeitig gesagt: „Du sollst Tein Examen machen, dann kannst Du dereinst auf eignen Füßen stehen", und die Kleine gewöhnt sich an diesen Gedanken; sie macht sich um so leichter mit ihm vertraut, als viele ihrer Mitschülerinnen gleichfalls das Lehrerin- Examen bestehen werden, und sie fragt weder sich noch Andere: „Werde ich auch zur Lehrerin taugen?" Sie wird für diese Lebensstellung erzogen und damit gut. Wird ihr das Lernen schwer, so muß sie eben ausdauernder arbeiten, denn sie muß eine bestimmte Menge positiver Kenntnisse in ihr.m Kopfe bergen, ehe sie überhaupt daran denken kann, daß aus dem Lernen ein Lehren wird. Und wie verschieden ist das Lerne» vom Lehren! Viele, die spielend lernen, die mit dem vollen Entzücken der Jugend ihren Wissensdurst zu befriedigen streben, sind dennoch völlig ungeeignet, ein Kind zu unterrichten. Ihr Geist strebt ins Weite; sie sind unfähig, den eng begrenzten Horizont des Kindes zu verstehen, es mangelt ihrem lebhaften Sinn die unerschöpfliche Geduld, die ruhige Gleichmäßigkeit des Wesens, ohne welche eine Lehrerin nie Erfolg haben wird. Und selbst wenn sich alle Eigenschaften vereinen, deren eine Führerin und Erzieherin der Jugend bedarf, auch dann ist diese Berufswahl nicht immer die rechte. Auf keinem Gebiet macht sich eine solche Ueberfüllung geltend, und was unter diesen Verhältnisten der israelitischen Lehrerin bevorsteht, haben wir in dem, dieses Thema behandelnden Artikel in Nr. 40 dieses Blattes gesehen. Mehr noch als im privaten Leben muß bei der Berufswahl die Neigung des jungen Mädchens entscheiden. Es ist nicht nothwendig, daß sie durchaus auf ihre geistigen Fähigkeiten gestützt, sich ihr Brod erwerbe; auch dann nicht, wenn sie ein wirklich gebildetes Mädchen, zugleich die Tochter gebildeter Eltern ist. Die Kleine, welche schon in zarter Kindheit, anstatt mit ihren Puppen zu spielen, nur Neigung zeigt, für dieselben zu nähen, sie mit Hilfe von allerlei Flickchen und Läppchen stets neu einzukleiden bemüht ist und dabei Geschick und Geschmack entfaltet, sie ist eine geborene Schneiderin. Nur eine solche muß sie später werden, wenn sie sich selbst ihr Brod verdienen soll; kein verkehrtes Schamgefühl soll aus ihr eine Lehrerin, Buchhalterin oder Kassirerin machen. Ein Mädchen, welches eine gute Schulbildung genossen hat, kann getrost dasjenige zu seinem Lebensberuf erwählen, zu dem seine Neigung es leitet. Schon manche Modistin hat sich maßgebende Bedeutung errungen auf dem Gebiet der Mode; Fortuna hat reiche Schätze ihr in den Schooß geworfen, und kein denkender Mensch wird eine gebildete Schneiderin, welche sich in ihrem Fache hervorthut, für etwas Geringeres halten, als eine Dame, welche Kinder unterrichtet oder eine Vertrauensstellung in einem Geschäft bekleidet. Wie viele weibliche Wesen fühlen den Drang, sich ihren leidenden Mitschwestern zu widmen. Aber die Eltern schrecken zurück: „Nur kein Leben im Krankenzimmer, das ist das Traurigste, was es giebt." Aber muß es denn immer das Bild des Elends, des Todes sein, welches sich vor den Augen der Pflegerinnen entrollt! Ist es nicht auch eine Freude, ein junges, knospendes Menschenleben zu hegen und zu pflegen, die junge Mutter zu hüten, Zeugin ihres hohen Glückes zu sein? Welches Behagen zugleich für die Wöchnerin, eine verständnißvolle Gefährtin, eine gebildete Pflegerin an ihrer Seite zu haben. Wird eine solche Dame nicht geehrt und gesucht sein in ihrem hohen Beruf? Viele, unendlich viele Berufszweige giebt es, welche sich dem weiblichen Kämpfer ums tägliche Brod darbieten; man soll sie kühn ins Auge fassen, aber nicht in falscher Empfindelei bei Seite schieben. Nur wer einem innern Drange bei der so wichtigen Berufswahl folgt, wird, von echter Schaffensfreudigkeit erfüllt, Tüchtige? leisten können. Die tüchtige Frau wird nicht nur im Stande sein, etwaig« Hindernisse zu überwinden, sie wird auch ihre Kraft an ihnen stählen, und nie, auch unter den widrigsten Verhältnissen nicht, wanken in ber Treue zu dem Glauben ihrer Väter. P Moritz Nappaport. Von Karl Emil Franzos. II. Nicht durch die Initiative der Regierung, schloß ich meinen ersten Aufsatz, aus ihrer eigenen Kraft, ihrer eigenen Mitte sollten den Juden Galiziens die Befreier vom schlimmsten Druck erstehen. Freilich nur eben vom allerschlimmsten; ganz sind sie ja auch heute nicht befreit. Dieses äußere «tehuiil üncht Weg .in ei> 3 ibgesc liegin nie v wissen ehe». 9 wurde 3 mmei litten achte, Zefrie >nd fortsc;ebrai lnter ier E romn in. 3 band; ier 9« 'lndei ■'•3 kr i angs Nitgl ähler inbed licht lagen äakol bei, >crfol iefer vt'irib llbne siahrl eh ab estelt si'Iäu1 chicht choft! wrekt >ahm lrzt i taliei (aroi \afot r : s3et\ei leider ud) h Useils

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