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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-10-14 · Heft 42 (14.10.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 42 (14.10.1892)
Date
1892-10-14
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 kehren können, und sie zur Arbeit an halte. In einem jüdischen Blatte I las ich eine abfällig gehaltene Kritik über die Administration der Ko-! Lomen sowie eine Mittheilung voll hier, „daß 600 Familien nach Europa! zurückgekehrt seren, das religiöse Leben ließe viel zu wünschen übrig, es j seren keine Schächter in derr Kolonien und die Kolonisten wären darüber sehr ungehalten." Diese Mittheilungen aber beruhen zum Therl auf! Uebertreibungen und zürn Theil auf Lug und Trug. Wahr ist nur, daß > 120 Familien nach Europa zurückgekehrt sind, und zwar nur solche, die > m Argentinien zu verbleiben keine Lust hatten oder nicht arbeiten wollten,! oder solche, welche ihren rebellischen Einfluß auf die Soliden und Arbeitj samen auszuüben bestrebt waren. Schächter sind hier eine Menge vor- , Händen: manche von ihnen sind hochanständige Leute, viele aber machen ' aus ihrem Amt ein schmutziges G werbe und verursachen durch ihr unreligiöses Treiben ein „Chillul haschem*. — Der Barr von Gottesj Häusern und Schulen wird recht bald in Angriff genommen werden.; Ich hielt es für meine Pflicht, zuvörderst für dre Fertrgstellurrg von | Häusern für die Frauen und Kinder der Kolonisten, die sich früher in Zelten und Hütten aufhielten, Sorge zu tragcn. Leider sind hrer Leute, , die selbst dre spätesten rabbrnischen Gesetze mit peinlichster j S orgfalt ausüben, dre göttlichen Gesetze der zehn Gebote « aber geradezu mit Füßen treten. Was die mich betreffenden Anschwärzungen und Verleumdungen anbelangt, so wundere ich mich gar! nicht darüber: Jeder Aufseher, den ich, gewrß, wett er es verdient, , seines Amtes entsetze, und jeder Kolonist, den ich wegen seiner Faulheit und wegen lüderlichen Lebenswandels arrs den Kolonien verweise, sind - selbstverständlich nachher meine Feirrde."! Äulyariru 3E ^ofta, 29. Septbr. Wir Juden haben alle Ursache, mit unserm , Fürsten und mit dessen Regierung zufrieden zu sein, erhält doch die dul-! garische Judenhert bei jeder Gelegenheit untrügliche Beweise seines fürstlichen Wohlwollens und Geneigtheit. So werden bei jeder offiziellen Festlichkeit die Häupter der Gemeinde zuL Theilnahme eingeladen. Jüngst wurde der Stellvertreter des Oberrabbiners zur Eröffnungsfeierlichkeit t nach Philippopel mit noch anderen Gemeindemitgliedern eingeladen,! welche auch der Eröffnung beiwohnten. Empfindlich für die Juden in! Bulgarlen ist der Mangel an jüdischen Intelligenzen, welche bei passen- , den Gelegenheiten deren Loyalität in geziemender Weise Ausdruck verl Leihen könnten. Hier kann nur ein moderner Rabbiner diesem Bedürfnisse Abhilfe schaffen. Leider ist bei den gegenwärtigen Gemeindeverhältnissen ' nicht abzusehen, wann die Neuwahl vor sich gehen wird — Herr Boris j Goldstein, welcher vor Jahresfrist zum Hofgraveur ernannt wurde, j erhielt vor wenigen Tagen den St. Alexanderorden für die! herrliche Graveurarbeit, welche er die Ehre gehabt, dem Fürsten zu , überreichen. Es ist dieses das Monogrannn des Fürsten von Bulgarien m Silber, welches die Initiative der ersten bulgarischen Ausstellung in i hübscher Verschlingung darstellt. Das Diplom, in welches wir Einsicht nahmen, hebt das besondere Wohlgefallen des Fürsten hervor und daß! das Geleistete des hohen Empfängers würdig ist. > Afrika. © Marokko, im September. Der Tod des Mulai Sed Hadjr i Salaam, Groß-Scheriff von Wazzan, hat den Sultan von Marokko ' von einem einst mächtigen Nebenbuhler seiner Autorität in. zenem nicht leicht zu regierenden Lande befreit. Obgleich des Groß-Scheriffs Amt! mehr geistlichen als weltlichen Charakters ist, war sein Einfluß über bie; Mauren zu emer Zeit größer als derjenige des wirklichen Herrschers, * weil Mulm direkter Nachkomme des Begründers des muhamedanischen | Glaubens war. Diese Thatsache hatte Seine Hoheit indeß nicht abge- | halten, eine christliche Dame, Tochter des verstorbenen Mr. Keene, Gouverneurs von Horsemonger Lane Gaol zu heirathen, ein Umstand, der mehr als einmal zu Gunsten der Anglo-Jewifh-Affociation ins Gewicht fiel. Ein Memorandum, rvellches im Jahre 1875 dem Groß- Scheriff durch seinen Schwiegervater von der Anglo-Jewish-Affociation überreicht wurde, hatte den Erfolg, daß die Juden von der Bastonadenstrafe befreit wurden und nicht durch die Straßen gewisser Städte barfüßig zu gehen brauchten. Im Sommer 1878 besuchte der Scheriff > London, wo er eine Deputation des Rathes empfing, an deren Spitze der Präsident Baron Henry von WormS stand, auf den er durch feine | aufgeklärten Anfichten Eindruck machte und dem er noch ferner Verbesserungen in der Lage der maurischen Glaubensgenossen versprach. Leider wurde durch Mulai's Naturalisation als französischer Unterttjan dessen Einfluß bedeutend geschwächt. Amerika. New-Uort, 26. September. Die neuen jüdischen Zeitungen schießen jetzt in Amerika wie die Pilze aus der Erde. Tie ftingne litterarische Erscheinung auf diesem Gebiete ist das m deutscher Sprache erscheinende Familienblatt „Echo des Judenthums", dessen erste Nummer zum Rosch-haschana-Feste ausgegeben ist. Das Blatt, dessen Titelkopf mit den Bildern der Philanthropen Montenore und Baron Hirsch geschmückt ist, nennt sich zugleich „offizielles Organ sämmtlichei. jüdischer Orden". Wir entnehmen dem „Ordenskalender dieses Blattes das Vorhandensein folgender jüdischer Orden: Unabhängiger Orden oer Söhne Benjamins, Unabh. Orden B'rith Abraham, Anciem Ordert ns American Star, American Star Orden, I. O. B. B., U. O. der Freren Söhne Israels, Orden B'rtth Abraham, U. O. Ahawas Israel, U. C der Freien Söhne Judahs und Keshar Shel Barsel. Von Nah und Fern. Dem Sanitätsrath Herrn Dr. Neumann rir der Rothe Adler- Orderr vierter Klaffe verliehen worden. — Aufsehen in der musikalischen Welt erregt die erst acht j ä hr i ge Klaviervrrtuosin Frida S im o n s o n, welche in jüngster Woche ein Konzert in der Singakademie gegeberr hat. — Die von Herrn Professor Dr. Strack angekündrgte Widerlegung der Artikelreihe des „üsservatore Cattoluo , welche beweisen sollte, daß die jüdischen Blutmorde Ritualmorde seren, wird Anfang Oktober unter dem Titel „Der Blutaberglaube in der Menschheit, Blutmorde und Blutritus" (München, C. ' Beck) erschernen. Dem Kaufmann Herrn Alexander Lippmann zu Labischin ist der Charakter als Kommiffionsrath verliehen worden. — ^*n Wahlkreise Friedeberg- Arnswalde stellen die Antisemiten allen Ernstes als Reichstagskandidaten den Rektor a. X. Ahlwardt auf. Offenbar glauben seine Parteigenossen, ihm nur aus diese Art vor den preußischen Strafgerichten Immunität verschaffen zu können. - In einer Versammlung der Eentrumspartei zu Frankfurt a. Alain erklärte der Schriftsteller Herr Wasserburg aus Mainz den Antisemitismus für nicht vereinbar mit den Prinzipien seiner Partei. — In Gl atz hielt an den hohen Festtagen der aus dieser Gemeinde gebürtige Rabbinatskandrdat Dr. Glaser, errr Zögling der Berlirrer Hochschule, wirkungsvolle Kanzelvorträge. — Bei der Ueberrei chung einer Glückwunschadresse der Israeliten durch den Landesrabbiner Dr. Salzer betonte der Großherzog von Weimar, daß alle Landeskinder ihm gleich nahe ständen. — Während des Festgottesdienstes in der Synagoge zn Oswlecim hat ^bie Partei der Chassidnn gegen die Mitglieder der Gemeinde große ^Ausschreitungen begangen Die Gendarmerie schritt ein und verhaftete mehrere angesehene Kaufleute. Eine nette Partei, diese Chassidim! — In Wien fand, wie alljährlich während der hohen Festtage „Rosch-Haschana und Jomkipur", für die Garnison jüdischer Konfession ein Gottesdienst statt, an dem ungefähr 140 Mann aller Waffengattungen, sowie Militärbeamte theilnahmen. — Aus Paris wird der Selbstmord des dramatischen Autors Hektor Crömieux gemeldet, der sich auf dem Gebiete des Lustspiels und der Operette großer Beliebtheit erfreute. — Der Londoner. Baron Alfred Rothschild wird bei der Internationalen Münzkonferenz als Delegirter von Großbritannien erscheinen. Noch ein zweiter Jude, Herr Luzzatti, der gewesene Munster Italiens, wird als Vertreter dieses Staates bei der Konfereriz gegenwärtig sein. — Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß der Geburtstag des Sultans in der Synagoge der Sephardim zu Galata durch einen solennen Gottesdienst gefeiert worden ist. Nach Beendigung desselben wurde der Oberrabbiner der Türkei, Moses Levi-Effendi, vom Sultan in Audienz empfangen. — Die von Baron Hirsch im Staate New-Jersey gegründete jüdische Kolonie steht in Gefahr, ein Raub der Flammen m werden. Die Wälder ringsherum sind in Brand gerathen. Druck und Verlag von Rudolf Motte m Berlin Verantwortlich für die Redaktion Mar Bauchwitz in Berlin.

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