Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1892)
- Date
- 1892-10-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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hü. Lichrgang. Ur. 41. nt ihn mit et worden, lhändigung > Deutschlgt haben. Oktober Bloch in nng gegen Rohlings öloch weist Der Vorcsöhnungss eintreten Deutsch- Ppung der errung der dauernden n Bundesl anderen! Reichs- Warum Deutschen Sommer- Juden — it, welches 88 Unterc Bundesschild in tdeckungs- >r einigen in einem tu Tours versicherte, >t worden, „ Tempsu , daß die nt Kindes .theilt. — erthvolles bliothek College" in Lonjüdischen Zufluchtsie fanden, im wurde lielen. — in Prag, r Blätter, o madjte, Dententi )terstatter Chikane Namen ird nicht tgoge, in ienjahrshervor- Äedrange sein. — Sprache 38 Stu- Allgemeine Kerlm» 7. Oktober 1892. eitung öes Audmchums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. liefe Leitung erscheint wöchentlich. Zdvnnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Rcdacteur: Gustav Karpeles. Begründet von Nablrrner Dr Ludwig PHUtppson-Gonn. Verlags-Expedition: Gerlin, Ierufalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse.- Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Moffe, Berlin. Jtthftlt. Leitartikel: Zum Lanbhüttenseste. — Ernst Renall. Von G. K. Die Verbesserung der jüdischen Armenpflege in Elsaß-Lothringen. Von Dr. M. I«' - ns bürg er. — Moriz Rappavort. Voll Karl Emil Franzos. — Die isheit des Rabbi. Von Dr. Max Grünfeld. — Feuilleton: Das Goldstück : Mutter. Von Julius Rodenderg. — Die große Sukkah. Von Eduard I'Hi iinz. — Dvorkowicz. Von Pfarrer a. D. Wilhelm Presset. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin. P stau, Nalibor, Leipzig. Bielefeld. Slrasiburg. Budapest. London, Petersburg, i an. — Bcn Nah nnd Fern. — Sprechsaal. — Miseellen. Zum Fanbhüttenfrste. Berlin, 4. Oktober. Die heilige» Tage sind vorüber; cs beginnen die heiteren Feste,!!cr welchen das Snkkot-Fest einen hervorragenden Rang eniiiimmt. O Gegner des Judenthums als Religion haben es wohl versucht, gerade . iem Feste einen besondern nationalen Charakter zuzusprechen; ' in die feststehende Thatsache, daß selbst die weitgehendste Reform aials auch nur entfernt an die Idee einer Abschaffung deffelbcn s, acht hat, spricht deutlich genug für die Wichtigkeit und Bedeutung d - Festes, dessen Feier uns vielmehr gerade in diesen Tagen so recht : Herzen liegen sollte. Unter den Borwürfen, die man jetzt und seit jeher den Juden «acht hat, steht ja wohl der in erster Reihe, daß sie den Handel t orzngen. Wie oft auch dieser Vorwurf aus geschichtlichen und ü ionalökonomischen Gründen widerlegt wurde, er kehrt doch immer! 'der und findet auch immer wieder gläubige Hörer. Nun denn, i >cr Sukkotfest ist die glänzendste Widerlegung dieses Vorwurfs; es ein Fest, welches dem Ackerbau, der Getreideernte und der . c i»lese geweiht war — und indem wird es heute noch feiern, oeisen wir dadurch, daß die Erinnerung an die ursprüngliche Be- ' i.tuufl dieses Festes in unseren Herzen keineswegs erloschen ist und r, wir, wenn unsere Gegner uns nur gewähren lassen wostten, sicher ch ans diesem Gebiete zu gedeihlichem Wirken gelangen würden. Und noch einen andern Borwurf, der allerdings nicht so wichtig; der erste, der aber darum nicht minder häufig gegen uns erhoben rd, widerlegt das Sukkotfest. Die Entwickelung des Naturgefühls sich bei den Völkern im Alterthum und Mittelalter nur sehr llffam vostzogen. Griechen und Römer haben dasselbe wenig oder ' r nicht gekannt. Israel kannte und pflegte dieses Gefühl, nnd es langte trotzdem nicht zu einer einseitigen Naturanbetung. Selbst den traurigen Tagen des Mittelalters, wo man es von der Gottes-;uu: abschloß und in finstere Gassen sperrte, hat cs sein wahrhaft lisches Empfinden für die Größe und Schönheit der Natur nicht in,; verloren. Der Feststra»ß des Laubhüttenfestes ist ein chreiides Zeugniß für Israels Naturgefühl zu allen Zeiten und auf diesen Tag! Gegenüber solchen Zeugnissen und solchen Festen kann uns die Frage, die neuerdings von gegnerischer Seile in den Kampf der Parteien geworfen wurde: „Was lehrt der jüdische Katechismus?" nur ei» mitleidiges lächeln abgewinnen. Klänge es nicht paradox, würden wir einfach sagen: „Wollt ihr wissen, was der jüdische Katechismus lehrt, so studirt den christlichen Katechismus!" Denn die wichtigen Grundlehren jeder Religion sind ja dieselben, nnd hier wie dort stammen sie ans gleicher Quelle. Aber wir gehen nicht so weit; wir sagen nur dieses: Was der jüdische Katechismus lehrt, das könnt ihr in Hunderten von deutsch geschriebenen Büchern getreu verzeichnet finden; was die talmudische nnd rabbinische Ethik des Judenthums zu jeder Zeit verkündet, das haben hervorragende Gelehrte in zahlreichen deutschen Schriften aller Welt mitgetheilt — gehet hin und leset sie! Leset sie aber nicht durch die Brille des Vorurtheils, sondern mit Liebe und Eifer! Dann werdet ihr allerdings finden, daß das talmudische Judenihum die lautersten Gesetze der Ethik lehrt, daß es in Bezug ans die Liebe des Menschen zum Nebenmenschen, die Ehe. den Eid, den Staat Borschriften gegeben, die den ethischen Ideen der neuern Zeit nicht nur nicht nachstehen, sondern dieselben in wesentlichen Dingen überragen. Wir fürchten solche Prüfung nicht, so sie nur vornrtheilslos unternommen wird — im Gegentheil, wir können sie nur wünschen, weil wir fest überzeugt sind, daß sie zur Ehre des angefeindeten, talmudische» Judenthums ausfällen muß. lind warum sollte in unseren Tagen, die schon so viel Ungewöhnliches gesehen, die Welt nicht auch einmal das Schauspiel erleben, daß der Schüler den Lehrer prüft? Nun denn, der Lehrer wird die Prüfung wahrhaftig bestehen! „Denn zum Lehrer der Völker habe ich dich ersehen," spricht der Prophet in der heiligen Schrift, die ja, Gott sei Dank, auch heute noch allen Kulturvölkern heilig ist. Und diesem Lehrberuf muß Israel immerdar treu bleiben, wie heftig es auch von seinen Gegnern gerade dieserhalb angefeindet werden mag. Auch das Sntkotfest ist ein Zeugniß für die universalistische Weltauffassnng des Judcnthnnis. Unter all' den sinnigen Deutungen, die unsere Alten dem Gedenken der Sukkah gewidmet, ragt unstreitig dieser durch ideale Höhe empor, daß die Laubhütte ein Symbol der allgemeinen Völkerverbrüderung sei, ein Vorbild der großen Menschheitszukunft, die einst alle Erdgeborenen in einem Hanse — besukkat or sdiei livjatha» — vereinigen wird. Und am Sukkotfeste brachte ja auch der Hohepriester im Tempel zu Jerusalem die Opfer für alle siebzig Völker der bewohnten Erde dar. Das sind die Lehren des Laubhüttenfestes; mögen sie überall geprüft, gelehrt und vor Allem auch beherzigt werden! d